Henning Lindhoff

Der ehemalige Sozialarbeiter, Jahrgang 1982, ist stellvertretender ef-Chefredakteur.

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HCO12: Der dritte Tag

von Henning Lindhoff

Gewohnte Probleme liberalen Marketings

15. September 2012

Das Hayek Colloquium 2012 wurde heute vormittag mit zwei kurzen Referaten der Herren Vanberg und Weede und anschließenden Gesprächen im internen Kreis der Hayek-Gesellschaft weitergeführt, bevor man sich zu einer gemeinsamen Wanderung zum Hayek-Gedenkstein in den Zirbenwald Obergurgls aufmachte. Bei dieser Gelegenheit boten sich nochmals zahlreiche Gelegenheiten für einen informellen, informativen Austausch.

Rückblickend auf den gestrigen Veranstaltungstag und die Referate der Herren Molterer und Cernko waren von vielen Teilnehmern und Gästen Ironie und Kritik zu vernehmen. Die Ideen und Konzepte beider Referenten trafen verständlicherweise auf sehr wenig Gegenliebe.

Es stellt sich an diesem Punkt die Frage, warum Wilhelm Molterer und Willibald Cernko als klar positionierte Vertreter des „europanaivistischen“ (Václav Klaus) Mainstreams die Gelegenheit bekamen, ihre Statements gerade bei einer hayekianischen Veranstaltung abzugeben. Warum kollektivistische und zentralistische Theorien bei einer Veranstaltung, die dem Namen nach ein Fest der Freiheit und des Friedens werden sollte? Es war der Preis dafür, dass liberale Positionen wieder auf einer größeren medialen Bühne und in einem würdigen Rahmen gehört werden konnten. Molterer und Cernko waren der Preis für Klaus und Bolz.

Das Hayek Colloquium hat den Anspruch, alljährlich hochkarätige Redner zu engagieren, von der Presse gehört zu werden und dementsprechend die Öffentlichkeit zumindest für ein paar kurze Tage an die liberale Ideenwelt heranzuführen. Es gibt viele Veranstaltungen bundesweit, auf denen liberale Redner auftreten. Diese Veranstaltungen sind lokal organisiert und ausgerichtet, meist nur einer kleiner Schar Eingeweihter bekannt. Sie werden nicht journalistisch aufbereitet und haben aufgrund ihrer Dimensionen auch nur eine geringe Chance dazu. Die öffentliche Meinung nimmt von ihnen also keine Kenntnis. Die Hayek-Gesellschaft jedoch möchte ganz bewusst aus dem Schatten der Sozialdemokratie heraustreten. Dafür benötigt sie finanzielle Mittel, die sie aus dem Eigenkapital nicht aufbringen kann. Also sucht sie potente Geldgeber. In diesem Jahr fand sie die Bank Austria als Sponsor, die natürlich eine eigene Show aufziehen wollte – Molterer und Cernko. Die Finanzwelt mag den Namen Hayeks. Er verleiht ihr wieder etwas Glanz und vor allem den Heiligenschein, Hüter freier Märkte und seriöser Geldpolitik zu sein.

Die Hayek-Gesellschaft hat beste Absichten. Aber sie muss in Zukunft wachsam sein. Allzu schnell könnte es passieren, dass ihr das Hayek Colloquium aus den Händen gleitet, sie in Obergurgl nur noch als Fremdkörper betrachtet wird. Das Hayek Colloquium auf die Art und Weise durchzuführen, wie es 2011 und 2012 unternommen wurde – 2011 musste Edmund Stoiber als Redner akzeptiert werden –, ist ein Drahtseilakt. Dies ist der Hayek-Gesellschaft durchaus bekannt. Deshalb muss die Veranstaltung in Obergurgl ihre Wirkung in Zukunft vervielfachen. Sie muss es ab 2013 schaffen, größere Spuren in den Medien zu hinterlassen. Es wird mittelfristig nicht ausreichen, dass nur lokale Blätter und die Publikationen der liberalen Szene ein paar Zeilen bringen. Sollte dieses Ziel verfehlt werden, steigt die Gefahr enorm, dass Friedrich August von Hayek in seinem Urlaubsort von der Finanzwelt und dem sozialistischen Mainstream missbraucht wird. Dann könnte man es sogar nachvollziehen, dass Christian Felber (Attac Österrreich) Hayek als Marionette der Hochfinanz darstellt. Wo sollte der Interessierte denn das richtige Gegenteil lernen, wenn nicht alljährlich in Obergurgl?

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