Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Sozialistische Medien: Die Roten und ihr Sinn für Humor

von Andreas Tögel

„AK FÜR SIE“ – ein Satiremagazin?

12. September 2012

Dass Linke oft über eine ganze Menge Humor und Witz verfügen, ist schwer zu bestreiten. Kaum ein Kabarettist oder Theaterkomödiant, dessen Herz nicht für den Sozialismus schlägt. Kaum einer der amerikanischen Filmkomiker war oder ist im Lager der Republikaner zu finden (von Bob Hope einmal abgesehen). Während die faden Rechten mit der Schaffung materieller Werte ihre Zeit verplempern und produktiv arbeiten, sorgen die witzigen Linken für Kurzweil und treiben allerlei Schabernack. Das war und ist so und wird sich so bald wohl auch nicht ändern.

Doch nicht nur professionelle Unterhaltungskünstler haben Sinn fürs Komische. Ausgesprochen drollig zeigt sich etwa auch die jüngste Ausgabe der im Monatsrhythmus erscheinenden, von der Wiener Arbeiterkammer (dabei handelt es sich um die lokale Zwangsvertretung der unter dem kapitalistischen Joch fronenden proletarischen Massen) herausgegebenen Kampfschrift „AK FÜR SIE“.

„Müssen alles wir ausputzen?“ lautet die von viel Sinn für Ironie zeugende Schlagzeile, die auf der Titelseite des dürren Heftchens prangt. Damit gemeint ist das zwar unzweifelhaft von linken Gesellschaftsklempnern verschuldete, allerdings trickreich entmenschten „Neoliberalen“ angelastete Staatsschuldendebakel. Der Untertitel fordert: „Auch Millionäre sollen zahlen“. Das ist nur recht und – na ja, billig wird es vermutlich eher nicht werden, denn wo gehobelt wird, da fallen halt Späne. Als Millionär, das lernt jeder aufrechte Streiter für die „soziale Gerechtigkeit“ schon im ersten Klassenkampfworkshop bei den Roten Falken, kommt man bekanntlich zur Welt oder man wird es einfach, ohne auch nur das Geringste dazu getan zu haben. Dass eiskalte Plutokraten beim ruchlosen Erwerb ihres Reichtums nie auch nur einen einzigen Euro an Steuern abgeführt haben, versteht sich von selbst.

Mit dem „wir“ im Aufmacher sind vermutlich die ewig unterdrückten, ausgebeuteten Lohnsklaven gemeint, die nach Lesart von Berufsrevolutionären den Löwenanteil der Steuerlast zu schultern haben. Besonders in den Redaktionsstuben linker Monatsschriften wimmelt es von Scharen dieser bemitleidenswerten Kreaturen. Dass Traum und Wirklichkeit indes selten etwas gemein haben, wird an der dreisten Unwahrheit, die auf Seite zwei vom Chefredakteur persönlich in aller Deutlichkeit expliziert wird, klar. Übrigens, dass es in einer realsozialistischen Organisation so etwas wie einen „Chef“ gibt, ist auch recht spaßig, denn im Gegensatz dazu kennt der etwa im Kibbuz idealtypisch verwirklichte Sozialismus überhaupt keine Hierarchie. Falls es dort die Funktion eines „Chefs“ dennoch gibt, dann unterliegt die dem Rotationsprinzip.

In aller Harmlosigkeit wird in der Kolumne des Chefredakteurs die – von seinen Genossen aufgenommene – schwindelerregende Staatsschuld den von privaten Sparern erarbeiteten Vermögen gegenübergestellt. Dem folgt die – aus dem Blickwinkel eines Sozialisten – offenbar logische Forderung nach einem fiskalischen Raubzug gegen dieses private Eigentum. Für professionelle Witzbolde wie ihn sind absolut spaßfreie Fragen, wie etwa nach Rechtsstaatlichkeit und Rechtmäßigkeit fiskalischer Maßnahmen, naturgemäß ebenso unbedeutend wie der Respekt vor dem Fundament jeder zivilisierten Gesellschaft – einem felsenfest garantierten Privateigentum nämlich. „Her mit der Marie!“ (Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, ÖVP) – mit diesem Begehren wissen sich die Sozialisten in allen Parteien eines Sinnes.

Dass rund zwei Millionen Arbeitnehmer im Lande (der Großteil davon mutmaßlich Stammwähler der SPÖ), keinen einzigen Cent an direkten Steuern zahlen, ist in diesem Zusammenhang ein ebenfalls lustiges Detail.

Der im kommenden Jahr scheidende, gleichermaßen für beeindruckendes Charisma, sprühenden Geist und geschliffene Rhetorik bekannte Vorsitzende der AK, Herbert Tumpel, legt auf Seite vier, unter der heiteren Überschrift „Millionäre zur Kassa!“ noch ein Schäuferl nach: „Dass große Vermögen mehr besteuert werden, ist nur gerecht. Nur so können die Krisenkosten fair verteilt werden.“ Diese Behauptung scheint ihm derart evident zu sein, dass er auf jede Begründung dafür verzichtet. Das ist auch besser so, denn sonst könnte am Ende noch herauskommen, dass es ja der Klassenfeind war und ist, der – etwa als Halter von (griechischen) Staatsanleihen oder Aktionär krisenbedingt gebeutelter Unternehmen, zuletzt kräftig Haare lassen musste (und als Unternehmer, Immobilienbesitzer oder Erbe unter Garantie noch lassen wird!), während der durchschnittliche Proletarier gewöhnlich ja nicht allzu viel besitzt, was er verlieren könnte – außer seinem infantilen Glauben an die Segnungen des Sozialismus.

Der gelernte Koch Rudolf Kaske wird voraussichtlich zum neuen AK-Boss gekürt werden. Dieser streitbare Mann hat einst durch einen als veritable Bürgerkriegsdrohung zu verstehenden Spruch („…dann brennt die Republik!“) aufhorchen lassen. Ob damit zu rechnen ist, dass während seiner Amtszeit neue Gipfel in Sachen roten Humors erklommen werden, ist gegenwärtig noch nicht abzusehen…

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