Henning Lindhoff

Der ehemalige Sozialarbeiter, Jahrgang 1982, ist stellvertretender ef-Chefredakteur.

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EZB: Schizoide Sparsamkeit

von Henning Lindhoff

Schleusen auf! Hurra!

Der Begriff „schizoid“ bezeichnet einen Menschen, in dessen Persönlichkeit Neigungen zu einem gespaltenen Zustand bestehen. Diese Neigungen können sich z.B. durch eine Spaltung von Fühlen und Denken bemerkbar machen. Was der Betroffene denkt, scheint dann kaum einen Zusammenhang damit zu haben, wie er sich verhält.

 Auf diese Definition sei aufmerksam gemacht, bevor wir uns im Folgenden einer bedenkenswerten Rede der Kanzlerin des republikanischen Bundes deutscher Länder widmen. Wie Frau Merkel in dieser Rede am gestrigen 16. August 2012 im kanadischen Ottawa verlautbarte, fühle sie, „dass der Weg Kanadas - große Haushaltsdisziplin, mit sehr großer Konzentration auf Wachstum und Überwindung der Krise, und nicht auf Pump zu leben, ein Beispiel dafür sein kann, wie die Probleme angegangen werden sollten.“ Die Schließung der Bank of Canada ergibt sich zwar nicht aus den politischen Meldungen der letzten Tage. Aber wir unterstellen Frau Merkel zwecks Vereinfachung der Angelegenheit, sie habe recht und die kanadische Exekutive vergnüge sich nun nicht mehr auf Pump.

Thorsten Polleit, Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH, machte abseits der Hauptstrommedien darauf aufmerksam, Frau Merkel habe in Ottawa auch „dem Plan des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) zugestimmt, dass die EZB unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen und dafür neues Geld in Umlauf bringen soll, wenn das nötig ist, um den Euro zu erhalten.“ Damit gebe „die deutsche Kanzlerin de facto einer Euro-Inflationierungspolitik ihren Segen.“ 

Diese Inflationierungspolitik der EZB läuft darauf hinaus, Anleihen angeschlagener Staaten zu kaufen, deren Zinsen von regulären Abnehmern als zu hoch bemessen werden. In solchen Fällen wird die Zentralbank als Käufer einspringen und die Schrottpapiere monetisieren. Auf diesem Wege werden es die Pleitestaaten leichter denn je haben, notwendige Reformen zu umgehen und die ungehemmte Schuldenmacherei weiterhin zu betreiben. Die noch ausstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den ESM wäre bei Umsetzung dieses Plans mehr oder weniger belanglos. Noch wehrt sich die Bundesbank gegen die Vorschläge des Mutterraumschiffs in Brüssel, doch die Kanzlerin hat ihren Segen erteilt. Der finale Crash wird weiter hinausgezögert. Zusammenhänge zwischen Denken, Verhalten und politischen Entscheidungen sind für Merkel und Genossen spätestens seit gestern von geringstem Interesse.

17. August 2012

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