25. Juli 2012

Zwangsanleihen 2 The Dark Shite Rises

Und wird es nicht billig, so brauch‘ ich Staatsgewalt. Vorschläge aus dem Sommerloch

Es gibt in jeder Gesellschaft Dumme. Lässt sich nunmal nicht ändern. Überall dort, wo große Menschenmassen Gesellschaften und Staaten bilden, kann es banalerweise nicht ausbleiben, dass ein bestimmter – hoffentlich nur sehr kleiner – Prozentsatz aus geistig eher schwach aufgestellten Individuen das durchschnittliche Intelligenz- und Bildungsniveau ein klein wenig drückt. Für solche Fälle werden dann Unterhaltungsformate wie zum Beispiel das „Dschungelcamp“, „Big Brother“, „Die Super-Nanny“ (nein, kein Dokumentarfilm über Ursula von der Leyen) oder Schwatzrunden im Fernsehen organisiert, in denen man Schauspielern, Lebenskünstlern, Schlagersängern, Experten jedweder fachlichen Provenienz oder gewählten Volksvorbetern beim Ausdifferenzieren, Rätselraten, Zeigefingerheben, Beineübereinanderschlagen, Händefalten, Freundlichindiekameralächeln und Zanken über allerlei aktuelle Problematiken zuschauen darf.

Das Zuhören spielt dabei eher selten eine Rolle – der Abschreckungs- und Entgeisterungseffekt der Sendungen von Plasbeckner bis Maischwillner und Lanzgottzo lässt sich mit ganz einfachen Mitteln minimieren und zugleich der Unterhaltungswert maximieren, indem man den Ton herunterpegelt und das Schauspiel Erinnerungen an gute, alte Stummfilmklassiker von Buster Keaton oder Harold Lloyd wecken lässt. Probieren Sie es ruhig einmal aus. Sie werden nicht enttäuscht sein.

Richtig bedenklich oder gar bedrohlich wird es erst dann, wenn die Doofen so zahlreich geworden sind, so beharrlich in und durch die Institutionen einer Gesellschaft an íhre Spitze gesickert sind – der sogenannte negativintellektuelle Kapillareffekt, auch Negativ-Auslese oder Stupididäts-Osmose genannt, es gibt viele Begriffe dafür, dein Durst entscheidet – , dass das natürliche Gleichgewicht zwischen Geist und Beklopptheit, zwischen Elite und Bodensatz in einer Kultur umkippt und der fortschreitende Vergiftungseffekt, sofern ihm nicht rechtzeitig entgegengewirkt wird, das schöne Biotop in eine Kloake zu verwandeln droht.

DGB-Chef Michael Sommer: „Zwangsanleihen bei Reichen, die verzinst zurückgezahlt werden, sind als Lastenausgleich eine vernünftige Maßnahme.“ So quakt es wieder einmal demagogisch und auf dem wirtschaftlichen Sachverstandsniveau von Kaulquappen aus dem Cheftümpel einer großen  gesellschaftlichen Institution. Mit Hilfe solcher euphemistisch „Beteiligungen“ oder „Beiträge“ genannten staatlichen Repressionsmethoden könne, so tönt es aus dem Sommerloch, ein „Wiederaufbauprogramm für Europa finanziert werden“.

Ich überlasse es den Lesern, sich mit Hilfe öffentlich zugänglicher Statistiken selbst auszurechnen, ob Zwangsanleihen, also staatsmächtig durchgesetzte Enteignungen der momentan in Deutschland lebenden Reichen und Vermögenden ausreichen werden, die – offiziell – dreistelligen Milliarden-, inoffiziell aber etwas höheren Billionenbeträge im Euro-Schuldenraum auszugleichen und für heftiges Konjunkturgekurbel zu sorgen. Und dann zu entscheiden, wie sie die Äußerungen des Chefs des Deutschen Gewerkschaftsbundes bewerten möchten. Zur Wahl stehen: Erstens verwirrt, zweitens bescheuert, drittens größenwahnsinnig.

Die dümmsten Kälber an der Spitze, ja da hilft auch keine Spritze.

Link:

DGB-Chef Sommer fordert Zwangsanleihe für Reiche


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