22. Juni 2012

Tagungsbericht Die Mark Banco Anlegertagung in Hamburg

„Austrians“ an der Alster

Am 1. und 2. Juni veranstalteten das Institut für Austrian Asset Management und dessen Leiter Steffen Krug die dritte Mark Banco Anlegertagung in Hamburg. Unter dem Motto „Euro-Misere ohne Ende – Analysen-Prognosen-Strategien“ präsentierten unabhängige Kapitalmarktexperten und Kenner der Österreichischen Schule der Ökonomie ihre Sichtweisen über den weiteren Verlauf der Eurokrise und zogen daraus Schlussfolgerungen für private und institutionelle Anleger.

Gutes Marktgeld statt schlechtem Staatsgeld

Die Mark Banco war eine 100 Prozent silbergedeckte Währung, welche die Hamburger Bank von 1619 bis 1875 emittierte. Mit dieser über lange Zeit stabilsten Währung Europas überstand die Hansestadt wirtschaftliche Krisen stets besser als andere Regionen. Seit vielen Jahrzehnten mahnen die Anhänger der Österreichischen Schule, unser mittlerweile komplett ungedecktes Geldsystem und die daraus resultierende willkürliche Geldmengensteuerung der Notenbanken seien die Hauptursache für die wirtschaftlichen Turbulenzen der Welt. Es ist bezeichnend, dass es die heutzutage weithin ignorierten „Austrians“ waren, welche die derzeitige Finanzkrise akkurat prognostizierten, während alle anderen im Dunkeln tappten. Ludwig von Mises, der wohl bedeutendste Vertreter dieser Denkrichtung, sah nicht nur die Große Depression 1929 voraus, er schrieb einst verbittert: „Ich wollte Reformer werden, doch ich bin nur der Geschichtsschreiber des Niedergangs geworden.“

Weil sich am Verbreitungsgrad der Misesschen Ideen bis heute nicht viel geändert hat, die derzeitigen Krisenursachen im Grunde die gleichen wie vor 80 Jahren geblieben sind und von der herrschenden politischen und intellektuellen Klasse nicht erkannt werden oder nicht erkannt werden wollen, stellt sich für den Anleger von heute natürlich die Frage, wie sich das Vermögensboot möglichst schadenfrei durch den Sturm manövrieren lässt.

Aber die Mark Banco Anlegertagung war mehr als nur eine Hilfestellung zur Krisenbewältigung, sie war Zeugnis einer wachsenden Bewegung von Vertretern der Österreichischen Schule, die sich des „Werts der besseren Ideen“ (Mises) bewusst sind und wissen, dass es vor den meist tragischen politischen Verwerfungen einer Krisensituation nur einen Schutz gibt: sie zu verhindern.

Mises schrieb: „Alles, was heute im sozialen und wirtschaftlichen Leben geschieht, das Gute und das Schlechte, ist das Ergebnis von Ideen. Was not tut, ist der Kampf gegen schlechte Ideen. Wir müssen die falschen Ideen durch bessere Ideen ersetzen. Ideen, und nur Ideen, können Licht in die Dunkelheit bringen. Diese Ideen müssen der Öffentlichkeit so vorgestellt werden, dass die Menschen sie verstehen und überzeugt werden. Wir müssen ihnen klarmachen, dass diese Ideen richtig sind.“

Ganz in diesem Sinne stand der erste Vortrag von Rahim Taghizadegan aus Wien, der dort das Institut für Wertewirtschaft leitet und einige sehr empfehlenswerte Bücher über Wirtschaft geschrieben hat. Er erweckte den Geist der wirtschaftswissenschaftlichen Größen Carl Menger, Eugen von Böhm-Bawerk, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek mit einer Einführung in die Gedankenwelt der Österreichischen Schule zu neuem Leben.

Im folgenden stellte Michael von Prollius, Mitautor des Buches „Geldreform – vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld“ die Verbindung zur aktuellen Eurokrise her, die vor allem durch das staatliche Geldmonopol und die Fehlannahme verursacht wurde, man könne das Geldsystem erfolgreich planwirtschaftlich steuern. Hayek sprach von einer „Anmaßung von Wissen“ und davon, dass die die Notenbanken nicht wissen könnten, wie denn die Geldmenge und der Zinssatz gesteuert werden müssten. Nur der Markt als „Entdeckungsverfahren“ könne diese Faktoren angemessen herausbilden.

Am Nachmittag folgten weitere Vorträge, bei denen es um konkrete Anlagetipps zum Beispiel in Gold, Silber und andere Sachwerte ging. Dabei wurde deutlich, dass sich die Referenten zumindest teilweise an der Aussage von Sokrates „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ orientieren – ganz wie es sich für einen „Austrian“ gehört. Die Geschichte, lehrte schon Mises – dazu zählen auch Finanzmarktentwicklungen – ist das Ergebnis menschlichen Handelns und kann nicht präzise vorhergesagt werden. Nur durch die Kenntnis über ökonomische Gesetze und die Ideen der Menschen kann eine grobe Richtung vorausgeahnt werden.

In memoriam Roland Baader

Anschließend folgte die erstmalige Verleihung des  Roland-Baader-Preises, der für Studenten und Unternehmer gedacht ist, die dazu beitragen, die Ideen der Österreichischen Schule zu verbreiten. Der vor kurzem verstorbene Roland Baader war im deutschsprachigen Raum der wohl größte Popularisierer der Misesschen Ideen. Auch er war überzeugt, dass die Ideen der Österreichischen Schule die „einzige Hoffnung“ für die Welt seien, wie es der Ökonomieprofessor Edgar Salin formulierte. Für deren Verbreitung sah er das Internet als große Chance. „Wenn sich die Wahrheit unsubventioniert verbreiten kann, schlägt sie die subventionierte Lüge“, lautet ein „Freiheitsfunke“ Roland Baaders. Deshalb ging der Preis an drei freiheitlich gesinnte Blogs und eine Studentenorganisation: Freitum.de, Misesinfo.org, Mises-Media.de und die European Students for Liberty.

Der „deutsche Ron Paul“

Nach Vorträgen von Claus Vogt und Daniel Haase, die die Teilnehmer mit Informationen aus der Finanzwelt versorgten, wurde es am Nachmittag des zweiten Tages wieder politischer.

Norbert Tofall, wissenschaftlicher Mitarbeiter des FDP-„Euro-Rebellen“ Frank Schäffler, stellte seinen Ausweg aus dem drohenden Kollaps des Finanzsystems vor. Er zeigte, dass sich dieses häufig angedrohte Szenario durch ein geordnetes Insolvenzverfahren für marode Banken vermeiden ließe und unser staatlich dirigiertes Geldsystem Schritt für Schritt in eine marktwirtschaftliche Geldordnung überführt werden könnte, um dadurch weitere Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Im Anschluss erschien Frank Schäffler persönlich. Der „deutsche Ron Paul“ und Widersacher gegen die fatale Euro-Politik der Regierung, wurde mit großem Beifall begrüßt. Zusammen mit Ralf Flierl, Chefredakteur des Magazins „Smart Investor“, diskutierte er die Fragen der Tagungsteilnehmer. Er begründete seine klassisch liberale Haltung und erklärte, warum er trotz des wohl kaum noch als liberal zu bezeichnenden Kurses der FDP Parteimitglied ist und bleiben wird. Mit seiner humorvollen Art erntete Schäffler viel Zuspruch. Der Grund, warum so viele Abgeordnete für Ermächtigungsgesetze wie den ESM stimmen, sei schlicht und einfach: Anders macht man in der Politik keine Karriere.

Zum Abschluss eines gelungenen Tagungswochenendes sprach der bekannte Historiker Arnulf Baring über Deutschlands Rolle in Europa. Wenn Baring auch kein Anhänger der Österreichischen Schule ist, sorgte er dennoch durch seine natürliche, humorvolle Art für viel Gelächter und Applaus. Besonders empörte er sich über einen Artikel von Joschka Fischer, laut dem die Deutschen weiterhin für die Schuld an den Weltkriegen büßen und deshalb für die Schulden der anderen europäischen Länder aufkommen müssen. Viel absurder geht’s wohl auch nicht.

Damit endete ein gelungenes Wochenende, das zum einen deutlich werden ließ, wie düster es um die nicht allzu ferne Zukunft Europas steht – aber auch Hoffnung darauf machte, dass die Ideen der Österreichischen Schule eines Tages doch noch als Sieger gegen die herrschenden Irrlehren vom Platz gehen werden.

Links

Institut für Austrian Asset Management

Rahim Taghizadegan, „Wirtschaft wirklich verstehen“ (amazon.de)

Thorsten Polleit, Michael von Prollius, „Geldreform“ (amazon.de)


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