25. Mai 2012

ef 123 Editorial

Krass ins Bewusstsein

Dies ist das letzte Heft vor der Fußball-Europameisterschaft. Ein wenig Lektüre noch, dann geht es los. Knapp einen Monat lang werden wir wieder vom runden Leder in Beschlag genommen. Im politischen Vorspiel zum großen Spektakel haben sich die Brüsseler Machteliten mal wieder selbst übertroffen. Kommissionspräsident Barroso machte den Anstoß und alle Kommissare folgten ihm beim quietschfidelen „Boykott der Politiker“. Ob die Fußballer ohne die Kommissare aber genauso gut spielen können?

Sie werden es versuchen müssen. Und warum? Weil eine Politgangsterin und Meisterdiebin in Osteuropa dort landete, wo sie und ihresgleichen eigentlich alle hingehören. Oder in den unnachahmlich bösen Worten des ef-Glossisten Athanasios: „Am entschiedensten aber sind die Kommissare der Europäischen Union. Sie nutzen ihre große Beliebtheit unter den Völkern Europas, um durch Fernbleiben auf die unangemessene Behandlung von Julija Tymoschenko aufmerksam zu machen. Demokratische Kommissare reisen nicht in diktatorisch regierte Staaten, höchstens um die Demokratie zu bringen. Wie ein guter Bäcker kauft ein guter Kommissär seine Brötchen nicht bei der Konkurrenz.“

Themenwechsel: Zumeist wird er fernab der medialen Scheinwerfer geführt, in aller Stille mit den Paragraphenschwertern und Lanzen der verdeckten Ermittlung. Mitte Mai aber kehrte der weltweite Krieg gegen die Drogen kurz und krass in unser betäubtes Bewusstsein zurück: In Mexiko wurden 49 enthauptete und grausam verstümmelte Leichen gefunden. Ein Massaker der Drogenmafia als Nebenprodukt der weltweiten Verbotspolitik? Es wäre nicht das erste Mal. Die Erfolgsgeschichte von Al Capone und seinen düsteren Kollegen ist eng verknüpft mit der Zeit der Alkoholprohibition in den USA. Auch damals stieg die Mordrate der Mafia im Kampf um den besonders lukrativen Schwarzmarkt ebenso stark an wie die Zahl der Vergiftungsopfer aufgrund stümperhafter Panschereien. Hat also die Piratenpartei ausgerechnet mit ihrer „verrücktesten Forderung“ doch recht, wenn sie nach Legalisierung von Drogen ruft? Oder ist dies nur ein weiteres Indiz für den strammen Linkskurs der neuen Partei? Warum aber sind all die anderen Linken dann dagegen? Und weshalb ist es plötzlich die bürgerliche Presse, die nicht mehr uneingeschränkt hinter der Verbotspolitik steht? Fragen, die uns genauer hinschauen ließen. Die überraschenden Ergebnisse finden Sie im Themenschwerpunkt dieses Heftes.

Ich wünsche Ihnen damit viel Lesegenuss und Erkenntnisgewinn! Und uns allen eine spannende und diesmal ganz besonders schöne Fußball-EM. Denn Falco, übrigens auch so eine Drogengeschichte, hat für dreieinhalb Wochen in Polen und der Ukraine doch unrecht: „Drah’ di ruhig um, schau, schau, der Kommissar geht net um.“ Für alle anderen Zeiten und Orte aber gilt leider weiterhin: Wachsam bleiben! Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aus Brüssel und Berlin! Mehr netto!

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 1. Juni erscheinenden Juni-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 123


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