26. April 2012

ef 122 Editorial

Die Gefahr marschiert unter dem Sternenbanner auf

Zunächst ein Nachtrag zum letzten Heft mit dem Schwerpunkt „Demokratie“. Von unserem Redaktionsbeirat Erich Weede stammt die Erkenntnis, dass Demokratien bei der Ausbeutung und Unterdrückung des Volkes weniger gut und weniger böse sind als autoritäre Regime. Die Unterschiede zwischen den Demokratien, sagen wir in Frankreich und den USA, sind einfach weniger groß als zwischen Autokratien in, sagen wir, Kuba und Singapur. Autoritäre Regime können zurückhaltender, ja liberaler sein. Aber sie können nach aller Erfahrung auch zugreifender und totalitärer sein als Demokratien. Weede ist Rationalist und Empirist. Er bewertet Staatsformen nach messbaren Kriterien. Weshalb er nicht nach der selbstgegebenen Legitimation unterschiedlicher Autokratien unterscheidet. Täte er dies, würde womöglich offenbar, dass gerade die totalitären und furchtbarsten Autokratien sich wie Nordkorea im Normalfall nur als bessere Demokratien, ja als „Volksdemokratien“ begreifen und geistesgeschichtlich in der Trias Demokratismus-Nationalismus-Sozialismus und der Tradition der Französischen Revolution fest verankert sind. Dagegen sind es jene gegenüber Demokratien zuweilen „besseren Autokratien“, die sich häufig ganz anders – nämlich traditional und religiös – legitimieren, etwa das Fürstentum Liechtenstein oder das Emirat Dubai als Erbmonarchien. Dass diese im Zweifel freiheitlicher verfassten Länder auch oft Zwergstaaten sind, ist ein weiterer Aspekt, der uns zum Scherpunktthema Europa in diesem Heft führt.

Erneut ist es nämlich der Vordenker Erich Weede, der mit vielen empirischen Belegen darauf hinweist, dass Europas Wohlstand ganz wesentlich auf seine politische Zerstückelung zurückzuführen ist. Der Wettbewerb zwischen den vielen europäischen Staaten war das Erfolgsrezept des alten Kontinents. China als zentralistisch verwaltetes Riesenreich der Mitte fiel jahrhundertelang dagegen in einen tiefen Schlaf. Die Ausschaltung des Wettbewerbs durch die Europäische Union mit ihrer Steuerharmonisierung, Einheitswährung und Gesetzesangleichung ist deshalb ein Anschlag auf die Grundlagen unseres Wohlstands. Die größte Bedrohung für unsere persönlichen Freiheiten kommt heute aus Brüssel. Und sie trägt, welche Schande, mal wieder das Gesicht des „hässlichen Deutschen“. Wir sollten Elmar Brok (CDU) und Martin Schulz (SPD) weit mehr auf die Finger schauen als deren Provinzverwaltern Angela Merkel und Sigmar Gabriel. Die Gefahr marschiert unter dem Sternenbanner auf – und es ist höchste Zeit, ihr Einhalt zu gebieten.

Ich wünsche Ihnen viel Lesegenuss und Erkenntnisgewinn auch mit diesem Heft. Am Ende gilt mehr denn je: Kein Fußbreit den wildgewordenen neosozialistischen Ausbeutern aus den Bürokratiebunkern der EU! Mehr netto!

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Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 30. April erscheinenden Mai-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 122


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