Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Veranstaltungsbericht: Gold und Liquiditätsmanagement

von Andreas Tögel

Vorträge von Ronald Stöferle und Steffen Krug

24. Februar 2012

Nikolaus Kimla, erfolgreicher IT-Unternehmer und engagierter Förderer der Ideen der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre, lud im Rahmen einer „Go-Ahead“-Veranstaltung am 23. 2. 2012 zu zwei hochinteressanten Vorträgen, die sich mit der aktuellen Verschuldungs-, Währungs- und Wirtschaftskrise befassten.

Der erste Referent, Ronald Stöferle, seines Zeichens auf den Goldmarkt spezialisierter Analyst der Erstebank, stellte seinen Vortrag unter den Titel „Wieso Gold eine der wenigen richtigen Antworten in Zeiten chronischer Unsicherheit darstellt.“ Er eröffnete mit der nachdenklichen Bemerkung, dass er sich – als für eine Bank tätiger Goldspezialist – vorkomme „…wie ein Vegetarier in der Wurstfabrik“. In der Tat stehen Goldanlangen nicht gerade im Zentrum des Interesses von Banken (eher trifft wohl das Gegenteil zu), was dieses Eingangsstatement verständlich macht.

Gold werde – anders als andere Rohstoffe, wie etwa Öl – stets sehr emotional diskutiert. Nach wie vor sei bei vielen Akteuren aus Politik und Finanzindustrie so etwas wie eine „Aurophobie“ zu diagnostizieren. Zwei statistische Daten dienten der Erhellung des Umfeldes dieses einzigartigen Elements: Im Durchschnitt der Förderstellen müsse gegenwärtig eine Tonne Material bewegt werden, um gerade einmal 0,8 Gramm des gelben Metalls zu gewinnen. Die „Stock to Flow Ratio“ belege die hohe Stabilität des Goldwerts. Lediglich 1,5 Prozent der weltweit bereits verfügbaren Goldmenge könne – unter stetig steigendem Aufwand – jährlich zusätzlich gefördert werden. Das bedeute, daß selbst im unwahrscheinlichen Fall des Fundes neuer ergiebiger Lagerstätten eine „Gold-Inflationierung“ nicht zu befürchten sei.

Wenn man seinem Kind eine Schatulle übergebe mit der Auflage, diese erst in 50 Jahren zu öffnen, was würde man wohl hineinpacken? 100.000 Euro, 100.000 US-Dollar oder den aktuellen Gegenwert in Gold? Die Frage scheine im Lichte der weltweit betriebenen, exzessiven Geldmengenausweitung eindeutig zu beantworten zu sein. Während Gold seine Kaufkraft über Jahrhunderte behalten habe und eine rund 100 Jahre zurückreichende Analyse zeige, dass das Preisverhältnis von Erdöl zu Gold sich in dieser Zeit faktisch nicht verändert habe, hätte der US-Dollar allein seit 1971, dem endgültigen Ende seiner Goldbindung, 98 Prozent seiner Kaufkraft – gemessen am Öl – verloren.

Wäre die US-Volkswirtschaft ein Familienhaushalt, würden dessen jährlichen Einnahmen von 58.000 US-Dollar Ausgaben von 75.000 US-Dollar gegenüberstehen. Seine Verschuldung läge bei 327.000 US-Dollar. „Wer würde einer solchen Familie noch Kredit gewähren?“ Die Projektion der US-Staatsschulden für die nächsten zehn Jahre lasse ebenfalls nichts Gutes erwarten. Die aktuell betriebene Geldpolitik beschwöre die Gefahr einer Hyperinflation herauf.

Phasen hoher Realzinsen, wie sie etwa in den 80er- und 90er-Jahren herrschten, seien ungünstig für Goldanleger. Die derzeit – und voraussichtlich auch für die kommenden Jahre – bestehende Phase deutlich negativer Zinsen dagegen sei für die Entwicklung des Goldpreises besonders günstig. Die strukturelle Überschuldung der Staaten spreche ebenfalls für eine weitere Aufwertung des Goldes.

Die Gefahr einer „Blasenbildung“ sei derzeit nicht erkennbar. Eine diese ankündigende „parabolische Entwicklung des Goldpreises“ gebe es nicht. Vielmehr sprächen die Ausweitung der Geldmengen, damit verbundene Vertrauensverluste in die Papierwährungen und verringerte Goldverkäufe durch die Notenbanken weiterhin für positive Stimmung auf dem Goldmarkt. Das nächste Kursziel, das im Juni 2012 erreicht werden sollte, liege bei 2.000 US-Dollar pro Feinunze. Langfristig sei ein Überschreiten des inflationsbereinigten Allzeithochs von 2.300 US-Dollar (anno 1980) realistisch.

Der zweite Vortrag wurde vom Hamburger Vermögensberater und Finanzmakler Steffen Krug zum Thema „Liquiditätsmanagement im Angesicht der Eurokrise“ gehalten. Der Referent zitierte Ludwig von Mises´ 1912 erschienenes Buch „Die Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“ und wies auf den zwischen den beiden Begriffen bestehenden Unterschied hin. Geld sei in Mises´ Analyse etwas anderes als aus dem Nichts geschöpfte „Umlaufsmittel“ – sei eben nicht beliebig vermehrbar. Seit Gründung der Fed (im Jahre 1913) gebe es allerdings nur noch Umlaufsmittel. Für aus dem Nichts Geschöpftes könnten sogar noch Zinsen genommen werden – ein geradezu geniales Geschäftsmodell der Banken. Die Existenz einer Zentralbank als „Lender of last resort“ bedeute schließlich noch das Ende von Bankenpleiten – zumindest so lange es sich um „systemrelevante“ Institute handelt.

Allein im 20. Jahrhundert hätten deutsche Anleger dreimal ihre Geldvermögen verloren: Am Vorabend des Ersten Weltkriegs, in der Hyperinflation 1923 und bei der Währungsreform 1948. Ohne die Aufhebung der Verzerrungen der Kapitalstruktur durch die Zentralbanken, die den sich auf dem Markt einstellenden Zins künstlich nach unten drückten und damit Fehlinvestitionen initiierten, würde das fatale „Geld-weg“-Phänomen immer wieder auftreten. Durch die Manipulation des Zinses könnten lediglich kurzfristig (scheinbar) positive Wirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung ausgeübt werden. Langfristig wäre um einen strukturellen, jedenfalls schmerzhaften Gesundungsprozess allerdings nicht herumzukommen.

Dass es unter den herrschenden monetären Bedingungen zu einem Crash kommen müsse, sei klar. Das Problem der „Austrians“ bestehe lediglich darin, keine exakten Prognosen hinsichtlich des Zeitpunkts abgeben zu können, zu dem dieser eintreten werde. Schließlich habe man es mit Menschen zu tun, die ihre Präferenzen – und damit ihre wirtschaftlichen Entscheidungen – laufend änderten, was zuverlässige quantitative Voraussagen unmöglich mache.

Es wäre nötig, das Wesen von Politikern und Bankern als systemische Falschspieler aufzudecken. Diese würden selbst wissen, dass es – im Falle eines von ihnen zu verantwortenden Totalabsturzes der Wirtschaft – um ihr Leben ginge. Deshalb zögen sie weiterhin alle Register, um das betrügerische Spiel so lange wie möglich weiterführen zu können.

Als Strategie für den Vermögensschutz nannte Krug „Diversifizierung“ – und zwar sowohl hinsichtlich der zu bevorzugenden Anlageklassen (Grundstoffe, Gold, Nahrungsmittel, Immobilien) als auch geographisch (das heißt, wesentliche Teile außerhalb des Euroraums anzulegen – zum Beispiel in der Schweiz, in Hong Kong oder Singapur).

Link:

 Goldreport

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