24. Januar 2012

Amtliche Ladenöffnungserlaubniszeiten Also ich finde, Herr Müller muss sein Geschäft schließen!

Wer hat an der Uhr gedreht?

Politiker lieben die Gängelung. Je absurder, desto besser. Die Hände klebrig noch vom Dosenzwangspfand und unter dem kalten Licht der volksverbindlichen Energiesparfunzel denkt die rot-grüne Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen nun laut darüber nach, die Ladenöffnungszeiten an Werktagen wieder ordentlich zu reglementieren. Zukünftig müssten dann die Geschäfte um 22 Uhr (so wollen es die Grünen) oder gar bereits um 20 Uhr (das fordert die Linke, die der Regierung zur Macht verhalf) schließen. Wer später offenhält wird zum illegalen Dealer. Verfolgungs- und höchst bestrafungswürdig aber auch!

Der landeseigene Propagandasender WDR diskutierte in den vergangenen Tagen auf allen seinen Kanälen die „umstrittene Thematik“ – zeitgemäß, mit reger Zuschauerbeteiligung. Passant A meint: „Also ich gehe ohnehin abends nicht einkaufen, von mir aus sollen die Läden ruhig wieder früh schließen.“ Dagegen Passant B: „Ich suche gerne noch die Geschäfte auf, wenn ich nach der Abendschule etwas zu essen benötige.“ Passant C: „Man muss doch auch an die Verkäuferinnen denken!“ Und Passant D: „Manche kommen aber erst spät nachhause und für die sind längere Öffnungszeiten doch praktisch.“ Dann Passant E: „Wir müssen wieder lernen, zu haushalten. Ich kann auch vorher planen, was ich abends noch essen will, dazu brauche ich nur einen Kühlschrank, kein Geschäft.“ Schließlich Passant F: „Wer unbedingt abends einkaufen gehen will, kann das doch auch bis 20 Uhr tun!“ Am Ende der Moderator: „Ob die Läden durch die längeren Öffnungszeiten mehr Umsatz machen ist höchst umstritten. Der Einzelhandelsverband spricht von x Prozent zusätzlichen Einnahmen. Die Gewerkschaft dagegen sagt, dass der Kuchen nur anders verteilt werde.“

Vom selbstverständlichen Recht und der Freiheit des Geschäftseigentümers, seinen Laden zu öffnen, wann es ihm beliebt, sprach in vielen Stunden intensiver Diskussion niemand. Vermutlich denkt auch keiner daran. Schule und Medien haben ganze Arbeit geleistet. Und so wurden Freiheiten und Rechte zu Geschmacksfragen und Launen. Eigentum? Nur, wenn die gesamtwirtschaftliche Statistik stimmt.

Morgen schon verbietet die Regierung dann das Tragen blauer Hosen. Und der WDR sendet: „Also ich zieh mir sowieso nur schwarze Hosen an.“ – „Manchmal finde ich blaue Hosen aber dennoch schön.“ – „Wir müssen doch auch mal an die Näherinnen denken.“ – „Manchen stehen die grünen Hosen nicht so gut, das muss man verstehen.“ – „Wer will, kann doch im stillen Kämmerlein seine blauen Hosen tragen. Öffentlich muss das doch nicht sein!“ – „Warum soll es auch unbedingt blau sein, weiße Hosen sind doch auch sehr schön.“ – „Es ist höchst umstritten, ob durch die Produktion blauer Hosen insgesamt ein höherer Hosenumsatz erzielt wird.“

Und übermorgen wird autofahrenden Rechtshändern von Gesetzeswegen die linke Hand abgehackt. „Die brauchen sie ja dann nicht mehr. Man könnte ja schließlich auch mal mit links lenken. Und muss es immer das Auto sein? Fahrradfahren ist ohnehin viel umweltschonender. Überhaupt: Sind zwei Hände pro Person nicht gesamtgesellschaftlich ineffizient und sozial wenig gerecht?“


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