22. Dezember 2011

Klimafrontbericht Profiteure der Hysterie

Vom Wandel und dem getrübten Denken

Es gibt eine merkwürdige Lust an unheilvollen Klimaprognosen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts sind mehr und mehr Menschen der Ansicht, das Wetter werde schlechter. Früher habe es meistens „weiße Weihnachten“ gegeben, während das heute nur noch selten der Fall sei. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit für Weihnachtsschnee zu keiner Zeit hoch gewesen, aber gegenwärtig scheint es diesen Schnee sogar etwas öfter als früher zu geben. Doch zu diesem harmlosen Irrtum hat sich längst die mitnichten ungefährliche Pseudoreligion der Klimakatastrophe gesellt. Sogar Josef Joffe, der Herausgeber der „Zeit“, sprach 2007 von einem „neuen Glauben“, der „die Herzen und Hirne der westlichen Welt zu ergreifen beginnt.“ Im Mittelpunkt steht dabei das Dogma von der Schädlichkeit des „Klimakillers Nummer eins“ Kohlendioxid (CO2), das scheinbar fast nur die Industrie des Westens ausstößt.

Unzureichende Faktenkenntnisse

Diejenigen, die der „Klimahysterie“ – wie der Titel eines 2011 erschienenen Buchs des Münchner Naturwissenschaftlers Josef H. Reichholf lautet – verfallen sind, wissen schon allein über elementare Fakten oft nicht Bescheid: In der Atmosphäre befinden sich derzeit 0,038 Prozent CO2; davon produziert die Natur gut 96 Prozent, die restlichen vier Prozent gehen auf das Konto des Menschen. Der Anteil Deutschlands am globalen CO2-Ausstoß liegt bei 3,1 Prozent. Somit stammen 0,00004712 Prozent des menschenverursachten Luft-CO2 aus Deutschland. Dieser Wert legt nahe, dass der Anspruch deutscher Politiker, Vorreiter bei der CO2-Einschränkung zu sein, ziemlich anmaßend ist. Diese Führungsrolle kostet aber die Deutschen an Steuern und sonstigen Belastungen jährlich mehr als 50 Milliarden Euro.

Im Mittelpunkt der das Feld beherrschenden Klimamodelle steht das CO2. Der stark schwankende Wasserdampfgehalt der Luft wird dagegen nicht oder nur unzureichend berücksichtigt. Dabei wirkt sich gerade der Wasserdampf als dominierendes Treibhausgas ungemein stark auf den Treibhauseffekt aus: Mit rund 66 Prozent macht er mehr als das Vierfache der Wirkung des CO2 aus, die bei 15 Prozent liegt. Ozon (O3) liegt bei zehn Prozent, Methan und Stickstoffoxide bei je drei Prozent. Der undifferenziert in Verruf gebrachte Treibhauseffekt der Atmosphäre bewirkt, dass es auf der Oberfläche unserer Erde nicht so kalt, aber auch nicht so heiß ist, wie es ohne ihn wäre. Und es ist vornehmlich der den Treibhauseffekt stark beeinflussende Wasserdampf, der in aller Regel ein für Mensch, Tier und Pflanze gedeihliches, ausgeglichenes Klima bewirkt.

Das Wetter wird vom Wasserdampf ungleich stärker bestimmt als von der Temperatur, die angeblich direkt mit dem CO2-Gehalt verknüpft ist. Für diese Verknüpfung gibt es, wie Reichholf darlegt, keine Belege. Das für das Pflanzenwachstum, also die Photosynthese, unabdingbar notwendige CO2 wird von vielen allein schon deshalb verteufelt, weil es in den angeblich vom Konsumkult beherrschten westlichen Staaten vergleichsweise stark freigesetzt wird. Vieles spricht aber dafür, dass die CO2-Zunahme tatsächlich eine Folge des Temperaturanstiegs ist. Steigt zum Beispiel die Temperatur der Meere, gast CO2 aus. Abgesehen davon haben die Treibhausgase, und damit auch das CO2, möglicherweise gar keinen besonderen Einfluss auf den Wandel des Klimas. Der namhafte Klimaexperte Mojib Latif, der an einem der Leibniz-Institute in Kiel forscht, schließt nicht aus, dass Warm- und Kaltphasen auch mit dem Rhythmus der Sonnenfleckenaktivität etwas zu tun haben. Weil sich diese Aktivität gegenwärtig abschwächt, sei ein Ende oder eine deutliche Verlangsamung des momentanen Temperaturanstiegs nicht auszuschließen. Käme es gar zu einer Klimaabkühlung, wäre das nicht erfreulich. In verschiedener Hinsicht waren nämlich in unseren Breiten Warmzeiten stets gute Zeiten, vor allem für die Landwirtschaft. Neben den Treibhausgasen und der Sonne gibt es übrigens noch viele weitere Faktoren, die das Klima beeinflussen.

Die Entwicklungsgeschichte des Menschen, des Lebens schlechthin, wurde wesentlich von den Schwankungen des Klimas bestimmt. Auch mit den heutigen klimatischen Veränderungen werden die Menschen zurechtkommen – zumal sie gegenwärtig nicht größer sind als früher und wir uns gegen Wetterkatastrophen viel besser wappnen können als unsere Vorfahren. Den materiell gut versorgten Bürger scheint das aber nicht zu beruhigen. Eine im Juni 2011 in den EU-Ländern durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass 20 Prozent der Befragten den Klimawandel als das derzeit größte Problem betrachten. Das Thema steht dabei in den reichen EU-Staaten weit oder ganz oben auf der Liste der Probleme, während es etwa in Portugal auf dem letzten Platz rangiert. Dort treibt vor allem die Wirtschaftsmisere die Menschen um.

Wem nützt die Hysterie?

Die Klimahysterie hat also vor allem den Wohlstandsbürger erfasst. Von ihr sind sogar viele Verkünder des christlichen Glaubens ergriffen, denen es zeitgeistgemäß mehr um Umwelt und Diesseits als um Schöpfung und Jenseits geht. Die Angst vor dem Klimawandel hat wenig mit einer Erfahrung aus erster Hand zu tun. Sie wird – medial vermittelt – mächtig geschürt von Gruppen, die im Gegenzug von dieser Angst oft sehr direkt profitieren. Nutzen aus der Hysterie ziehen nämlich zum einen die verschiedenen Medien, denen die Verbreitung schlechter und vor allem schlechtester Nachrichten höhere Einschalt- und Leserquoten beschert. Zum anderen fließen den unzähligen staatlichen und privaten Gruppierungen, die sich mit dem Klima, der Umwelt und der Dritten Welt befassen, reichlich Gelder zu, weil sie scheinbar ganz uneigennützig den Kampf gegen das angeblich vor der Tür stehende Klimadesaster aufgenommen haben. Aber es ist Heuchelei, wenn man dem heimischen Publikum Energie- und das heißt CO2-Einsparung predigt, aber auf weiten Flugreisen zu aufwendigen Mammutkonferenzen zur CO2-Anreicherung der Luft beiträgt. Auch einschlägige Versicherungen ziehen aus der Furcht der Versicherten vor Klimaschäden über höhere Prämien finanziellen Nutzen. Eine nicht selten unrühmliche Rolle spielt die Legion der Klimaforscher. Nicht immer geht es ihnen um wissenschaftliche Erkenntnis. Oft dominiert das Vergnügen, im Scheinwerferlicht der Medien zu stehen. Und dass Medienprominenz dazu beiträgt, Forschungsgelder beträchtlichen Umfangs zu erhalten und damit auch viele Arbeitsplätze einzurichten, ist kein Geheimnis. Mit medialer Hilfe wird obendrein der kleinen Schar der sogenannten Klimaskeptiker oft wirkungsvoll das Wort abgeschnitten. Die Zweifler sind, wie das ehemals bei dem für sicher gehaltenen Waldsterben auch zu beobachten war, in die „Schweigespirale“ (Elisabeth Noelle-Neumann) geraten.

Von der Furcht vor der Klimakatastrophe profitieren aber auch und vor allem Politiker grüner, linker und sogar konservativer Parteien. Mit dem Versprechen, Unheil zu wehren, können etwa der Handel mit CO2-Emissionszertifikaten und die teilweise bereits eingeführten Klima- beziehungsweise Energiesteuern leichter durchgesetzt werden, können Wähler gewonnen und Verbraucher selbstredend nur „zu ihrem Besten“ reglementiert werden. Aber auch der stark vom Öko-Gedanken getragenen Industrie ist der Klimawandel kein Dorn im Auge. Ohne ihn würden die Windrad- und die Photovoltaikhersteller keinen Boom erleben. Selbst die verschiedentlich sogar mit Gewalt bekämpfte deutsche Kernkraftindustrie versuchte mit dem Argument, ihr Strom sei sozusagen CO2-frei, ihr Überleben zu sichern – wenngleich ohne Erfolg.

Viel zu oft wird das CO2-Thema mit der leider zu einem Schlagwort verkommenen nachhaltigen Ressourcennutzung in einen Topf geworfen. Ökonomisch ist es unzweifelhaft sinnvoll, mit Energie und Rohstoffen – völlig unabhängig von der Klimafrage – sparsam umzugehen. Dass sich dabei der CO2-Ausstoß verringert, mag die Klimahysteriker freuen.

Klimageld für die Armutsländer

Bei der Klimadebatte spielt die ökonomische Misere der Südländer eine besondere Rolle. Viele Dritte-Welt-Aktivisten behaupten, dass der Klimawandel weniger den westlichen Staaten als vielmehr den Entwicklungsländern großen Schaden zufüge. Hingewiesen wird dabei stets auf den Unterschied im Pro-Kopf-Ausstoß von CO2: Während dieser in den entwickelten Ländern bei rund zwölf Tonnen liegt, stoßen die Armutsstaaten lediglich etwa drei Tonnen pro Kopf aus. Im siebten Millenniumsziel „Ökologische Nachhaltigkeit“, das die UNO im Jahr 2000 aufgestellt hat, geht es denn auch um das CO2 und das heißt die Klimafrage: Im Sinne eines von den Industriestaaten verschuldeten Teufelskreises verschlimmere der Klimawandel das Armutsproblem, und die zunehmende Armut verschärfe ihrerseits das Klimadebakel. Die Menschen der Armutsländer könnten sich alternative, CO2-arme Energie nicht leisten; und die angeblich klimabedingten Missernten zeitigten vermehrt Hunger und Krankheiten.

Um der Misere ein Ende zu bereiten, müsse globale Klimagerechtigkeit hergestellt werden. Diese gäbe es dann, wenn der die Erwärmung verursachende Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen stark reduziert und zudem auf alle Menschen gleichmäßig aufgeteilt wäre. Ein Budget von 2,7 Tonnen CO2 pro Jahr sei momentan jedem Erdenbürger zuzugestehen. Aber allein der Umstand, dass zum Beispiel ein Finne viel mehr Heizenergie benötigt und damit mehr CO2 freisetzt als ein Ägypter, zeigt, wie abstrus der Vorschlag ist. Maßstab des Handelns soll die vom sogenannten Weltklimarat, dem IPCC, unterschwellig propagierte Devise werden: „Die Reichen müssen ärmer werden, damit die Armen reicher werden!“

Weil „carbon justice“ auf absehbare Zeit nicht verwirklichbar ist, fordern die Vertreter der Armutsländer Ausgleichszahlungen für die Klimaschäden, die ihnen durch das scheinbar bedenkenlos CO2 freisetzende Wirtschaften des Westens angeblich zugefügt werden. Greenpeace schätzte 2009 den zu leistenden Geldbetrag auf jährlich 140 Milliarden US-Dollar. Die G77, eine Vereinigung der Entwicklungsländer, fordern gar 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Dabei sollen „innovative Finanzierungsinstrumente“ eingesetzt werden wie etwa Abgaben auf Flugtickets. Die Zahlungen seien, so Chinas Klimadelegierter Yu Qingtai, keinesfalls ein „karitatives Werk“ der reichen Nationen, sondern deren „gesetzliche Pflicht“.

Die Gelder, die bereits fließen, wenngleich noch nicht im geforderten Umfang, sollen nach den Vorstellungen von EU-Vertretern vornehmlich für Projekte der CO2-Reduktion und zu einem geringeren Teil für Maßnahmen der Verhinderung von Klimaschäden eingesetzt werden. Die Repräsentanten der Mittelempfänger lehnen diese Aufteilung jedoch ab, denn sie würde ihre ja mit CO2-Ausstoß verbundene wirtschaftliche Entwicklung behindern.

Diese Ablehnung ist verständlich. Müsste sich nämlich die Wirtschaft der Dritten Welt an die CO2-Limits der EU halten, verlöre sie Wettbewerbsvorteile. Wenn indessen die Nehmerländer auf völlig freie Verfügung der zufließenden Mittel drängen, ist besondere Vorsicht geboten. Ähnlich wie in der Entwicklungshilfe würde es nämlich bei unkontrolliertem Geldeinsatz zu massiver Korruption und Mittelverschwendung kommen. Derartige Bedenken werden aber weder von den Geldgebern – auch nicht diplomatisch verpackt – und schon gar nicht von den Mittelempfängern zur Sprache gebracht.

Die vielen gut finanzierten klimapolitischen Aktionen sind vom Aufruf „Rettet unsere Welt!“ getragen. Doch die Welt ist ein ungemein komplexes, nur zum Teil erfassbares Gebilde, das sich nicht mit allerlei Projekten zielgerecht steuern lässt, ohne dass es dabei zu Ressourcenverschwendung, Wohlstandsvernichtung und vor allem Freiheitsunterdrückung kommt. Die Klimaforscher wissen viel weniger, als sie zu wissen glauben. Um eine „Anmaßung von Wissen“ (Friedrich A. von Hayek) handelt es sich, wenn Forscher Klimaprognosen für einen Zeithorizont erstellen, der sich bis zur nächsten Jahrhundertwende erstreckt. Und um eine Anmaßung dreht es sich gleichfalls, wenn behauptet wird, man könne – um einer Forderung des Kyoto-Protokolls nachzukommen – mit entsprechenden Maßnahmen das globale Klima stabilisieren. Angela Merkel, die Physikerin und Bundeskanzlerin, zollt mit ihrer mantrahaft vorgetragenen Forderung, das „Zwei-Grad-und-nicht-mehr-Ziel“ müsse erreicht werden, der anmaßenden Vernunft Tribut. So scheinen die klimapolitischen Vorhaben gegenwärtig viel eher die Freiheit zu gefährden als dem Klima zu nützen, wie Václav Klaus, der liberale tschechische Politiker, in seinem Buch „Blauer Planet in grünen Fesseln“ (2007) feststellt.

Wahrscheinlich ist der Klimawandel, wie Reichholf annimmt, nur „ein Phantom, dessen wirkliche Substanz niemand ausreichend kennt.“ Wem aber der Schutz vor den Unbilden des Wetters und möglicher klimatischer Gefahr ein besonderes Anliegen ist, der sollte vornehmlich auf lokale Initiativen setzen und knappe Mittel dort einsetzen, wo sie den Menschen den größten Nutzen versprechen.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 28. Dezember erscheinenden Januar-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 119


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Franz Kromka

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