25. November 2011

ef 118 Editorial

Politiker kommen und gehen. Wahrheiten aber gelten ewig.

Der griechische Staat will im Jahr 2012 erstmals seit Jahrzehnten weniger ausgeben als er einnimmt. Heißa! Wenn, und das ist der verschämte Zusatz, man einmal die Lappalie des Schuldendienstes ausklammert. Der Umkehrschluss: Auch 2011, also im Jahr der permanenten „Rettung“, hat Griechenland nicht nur keinen einzigen Euro getilgt, sondern auch jeden Cent der erdrückenden Zinslast über neue Schulden finanziert und darüber hinaus noch weitere Ausgaben aus dem Nichts – beziehungsweise vom deutschen Steuerzahler großzügig gedeckt – mit neuen Schulden getätigt, zum Beispiel für milliardenschwere Panzerkäufe im Sommer.

Griechenland erbeutete von seinen Bürgern 2010 Steuereinnahmen in Höhe von rund 90 Milliarden Euro. Die Schuldenlast betrug etwa 300 Milliarden Euro. Und täglich wurden es mehr. Stellen wir uns einen griechischen Familienvater vor, der 27.000 Euro im Jahr verdient, aber knapp 900.000 Euro Schulden angehäuft hat. Hätte man ihm über Jahre noch immer neue Schulden obenauf machen lassen dürfen? Hätte er damit verantwortlich gegenüber seiner Familie gehandelt?

Auch die Bundesregierung hat keinen Mut umzukehren. 30 Milliarden Euro neue Schulden sind für 2012 geplant. Alleine im Bundeshaushalt. Statt endlich mit den Einnahmen auszukommen wird weiter auf Pump politisiert, als wenn nichts gewesen wäre. Die Rechnung dafür wird uns ein paar Tage nach Griechenland präsentiert werden. Die grausamen Jahre liegen vor uns. Angela Merkel könnte als Altkanzlerin eher nicht mehr das Glück der Schmidts, Kohls und Schröders zuteil werden, in Talkshows und auf Empfängen für ihre vermeintliche Weisheit gehuldigt zu werden. Giorgos Papandreou kann ihr bereits erzählen, wie es ist, wenn man in der eigenen Hauptstadt als Aussätziger gilt und sich nur noch unter stärksten Sicherheitsvorkehrungen unter das Volk wagen kann. Und das, wie angedeutet, ohne dass Papandreou mit dem Schuldenabbau überhaupt angefangen hätte.

Wir nähern uns Weihnachten. Sprechen wir lieber von angenehmeren Dingen. Zum Beispiel freue ich mich sehr, dass es unserem Autor Oliver Uschmann gelungen ist, einen der besonders öffentlichkeitsscheuen Querköpfe des Landes für unsere neue Serie „Familienunternehmer in Deutschland“ zu besuchen. Der Manufactum-Gründer Thomas Hoof gilt manchen als „Reaktionär“. Tatsächlich ist er auch mit seinen neuen Geschäftsideen lediglich seiner Zeit voraus.

Und dann gönnen wir uns in dieser vorweihnachtlichen Ausgabe noch etwas Besonderes: Mit einigem Stolz veröffentlichen wir exklusiv eine hintergründige Kurzgeschichte aus der Feder des Schriftstellers Michael Klonovsky, der in diesen Tagen mit seinem Buch „Der Held“ für einiges Aufsehen sorgt (siehe Rezension in ef 117). Auch Klonovsky wird zuweilen als „Reaktionär“ bezeichnet. Und gab darauf im Zusammenhang mit dem historischen Deutschlandbesuch von Bene-dikt XVI. gleich selbst die passende Antwort: „Der Papst, schallt es, ist ein Reaktionär. Aber das ist doch wunderbar! Das ist mindestens originell! Wie viele Reaktionäre kennt der Durchschnittsdeutsche denn so? Davon ausgehend, dass Alice Schwarzer, Iris Berben, Wolfgang Thierse und Johannes B. Kerner keine sind, könnte ein Reaktionär eine interessante Person sein.“

Ich freue mich auch für die Zukunft auf viele weitere interessante Personen in eigentümlich frei. Und mit ihnen auf spannende Geschichten. Recherchen, Interviews, Druck, Vertrieb – das alles kostet Geld. Und vieles, wem sage ich es, wird teurer. Nach drei Jahren Preisstabilität (bei Heftpreis und Inlandsabo) müssen wir ab Januar unsere Preise an veränderte Kostenstrukturen anpassen. Die Auslandsbezieher bleiben davon unberührt, da hier im letzten Jahr bereits die Anpassung vorgenommen wurde. Das Einzelheft kostet zukünftig 8,50 Euro. Der Inlands-Abopreis erhöht sich entsprechend ebenfalls um drei Prozent auf 81 Euro.

Bleibt mir, Ihnen, verehrte Leser, besinnliche und gesegnete, ja gerne auch reaktionäre Weihnachten zu wünschen! Lassen Sie sich von unseren Politikern nicht das Fest verderben! Die kommen und gehen. Wahrheiten aber gelten ewig. Deshalb, zum Fest der Liebe und mit der rheinischen Gelassenheit des „Man muss auch jönne könne“: Zwei Fuß breit den neosozialistischen Ausbeutern, die es in diesen Tagen auch nicht mehr so einfach haben. Und für danach: mehr netto!

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 30. November erscheinenden Dezember-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 118


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