27. Oktober 2011

ef 117 Editorial

Die politischen Bedrohungen für das Herrschaftskartell steigen

Familien sind die Grundlage der Zivilisation. Wie andere Sockel unserer Gesellschaft wurden sie in den vergangenen Jahrzehnten der Verantwortungslosigkeit geschleift – mit verheerenden Auswirkungen. Nun steigt mit der Krise die Wertschätzung des Soliden wieder. Die Familie kehrt in ihrer ureigenen Funktion des natürlichen Solidarverbandes in dem Moment zurück, in dem der kreditaufgeblasene Ersatzvater Staat an seine Grenze stößt. Für unser Schwerpunktthema konnten wir zwei Interviewpartner gewinnen, die persönlich vom Thema bewegt sind und nun entsprechend auf Umkehr drängen – Seiten 26 und 30.

Die Politik ist noch nicht so weit. Ihr unerschütterliches Motto lautet: „Weiter so. Was scheren uns die Schulden von gestern, wenn wir sie mit neuen Schulden begleichen können? Und wenn die Fieberthermometer Alarm schlagen, dann verbieten wir sie wie die Länderbewertungen der Ratingagenturen.“ Der Wahnsinn scheint keine Grenze mehr zu kennen, aus Millionen wurden Milliarden und nun Billionen. Die gigantischen Sozial- und Umverteilungssysteme Europas sind wie die weltweiten Militärbasen Amerikas auf nichts als heiße Luft gegründet. Sie sind mit Geld finanziert, das nie existierte, auf Schulden gebaut, die niemand je wird zurückzahlen können. Jetzt naht der Tag der Abrechnung. Die Nervosität steigt und mit ihr die Frequenz der Krisentreffen. Nun besucht Herr Sarkozy spontan sonntags schonmal Frau Merkel in Berlin, zuweilen auch gerade dann, wenn seine Frau gerade ein Kind gebiert. Ihre Gesichter sprechen Bände.

40 Jahre lang schwoll die Kreditblase mit immer neuen Ausgabenorgien an, die mit nichts gegenfinanziert waren als windigen Politikerversprechen. Noch einmal wurden vor drei Jahren abergigantische Summen ins System geblasen und noch einmal die Messlatte für die notwendige Bereinigung um ein Vielfaches höhergelegt, nur um einen vielleicht letzten kleinen künstlichen Aufschwung einzufahren.

Jahrzehntelang hat man uns glauben machen wollen, ein immer größer werdendes Schuldenproblem mit immer noch höheren Schulden lösen zu können. Hätte man vor 30 oder 20 Jahren eine wirkliche Rezession zugelassen, ohne sie mit ungedeckten Konjunkturprogrammen abzufedern, wäre die notwendige wirtschaftliche Bereinigung heftig, aber noch erträglich gewesen. Doch mit den Dimensionssprüngen in den Billionenbereich stieg auch der Preis ins Unermessliche. Die schmerzhaften ersten Reformen etwa in Portugal lassen ein wenig von dem erahnen, was auch auf uns zukommt. Sie reichen lange noch nicht aus. Obwohl bereits Hunderttausende Arbeitsplätze verloren gingen und Löhne wie Renten mehrfach gekürzt wurden, war das nur ein erster Anfang Lissabons, immer noch hängt das Land mit beiden Armen an der Kreditspritze. Und das gilt eben nicht nur für die Portugiesen, die sind nur die ersten beim Beginn des Entzugs. Am Ende wird nichts mehr so sein wie heute. Der europäische Wohlfahrtsstaat bricht mangels Deckung genauso zusammen wie die amerikanische Weltpolizei. Warum diese das Feld nicht kampflos räumen wird, erklärt Bruno Bandulet – Seite 46.

Mit der Krise wachsen die politischen Bedrohungen für das Herrschaftskartell zu beiden Seiten des Atlantiks. Dort die Tea Party und hier eurokritische Protestparteien sind zu einer ernsten Herausforderung bis tief in die eigenen Reihen geworden. Die Tea Party hat sich fest in einer der großen US-Parteien eingenistet. Und nirgends ist der Widerstand gegen die EUdSSR so stark wie ausgerechnet im Europäischen Parlament, wo Nigel Farage (UKIP) und seine Freunde die totalitären Charaktere Martin Schulz (SPD) und Elmar Brok (CDU) ein ums andere Mal um Fassung ringen lassen. Die politische Klasse versucht, den anschwellenden Bürgerprotest durch U-Boote unter falscher Flagge abzulenken. Man schickt „Occupy Wall Street“ oder die Piratenpartei auf große Fahrt. Ob diese Manöver noch glücken können, analysieren wir ausführlich – Seiten 6, 12, 18 und 20.

Noch eine gute Nachricht: Der Schriftsteller Günther Hotter alias Frieda Norka (siehe ef 116) wurde freigesprochen.

In der Zeitenwende steigt die Gefahr. Bleiben Sie also bitte hellwach: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern unter allen Flaggen! Mehr netto!

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 31. Oktober erscheinenden November-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 117


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