Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Wien: Business Summit 2011

von Andreas Tögel

Die Kernschmelze des Finanzsystems

Am vergangenen Freitag und Samstag ging die von Nikolaus Kimla, dem Gründer der Wirtschaftsplattform „Go Ahead“ organisierte, im Zeichen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie stehende Konferenz zum nunmehr dritten Mal über die Bühne. Wie in den beiden Jahren zuvor wurde eine Reihe hochkarätiger Referenten – allesamt Experten aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen – aufgeboten. Wer den Analysen und Plänen der keynesianischen Hauptstromökonomie angesichts deren völligen Versagens bei der Überwindung der herrschenden Krise nichts abgewinnen kann, wurde im Rahmen dieses Symposions auch heuer wieder mit erhellenden Alternativen konfrontiert. Die nicht enden wollende Schuldenkrise in Europa und in Übersee bildete in diesem Jahr den inhaltlichen Schwerpunkt der im Palais Niederösterreich in Wien stattfindenden Veranstaltung.

Die Vorträge und Podiumsdiskussionen des ersten Tages waren der Darstellung des Ist-Zustandes der Staatsfinanzen und des Weges dorthin gewidmet. Die Teilnehmer konnten im Rahmen parallel laufender Foren zwischen mehreren Angeboten wählen. So wurde etwa die Frage der Konsequenzen eines Staatsbankrotts aus der Sicht von Banken, Politik und Gesellschaft behandelt. Zum Phänomen des Konjunkturzyklus wurden vier parallele Referate und Podiumsdiskussionen angeboten, die sich mit „Österreichischer“ Geldtheorie, dem „Crack-up-boom“, Konzepten der „Austrians“ zum Krisenmanagement und der grundlegenden Kritik an der herrschenden Wirtschafts- und Sozialpolitik beschäftigten.

Der zweite Tag der Konferenz stand im Zeichen einer Darstellung möglicher Alternativen zur Fortsetzung der Schuldenpolitik und der Sicherung privaten Vermögens.

Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach & von Storch stellte seinen Beitrag unter den Titel „Jede Krise kann auch als Chance verstanden werden“ und konstatierte eine Renaissance der Sachwerte. Das von Jean-Claude Juncker stammende Zitat „Wenn´s hart kommt, musst Du lügen“ werfe ein bezeichnendes Licht auf die Qualität der politischen Repräsentanz in unserer bewegten Zeit. Die repräsentative Demokratie befände sich in einer schweren Krise. Mehr noch, sie habe, wie das Beispiel der in der Vorwoche im deutschen Bundestag erfolgten Abstimmung zur „Eurorettung“ zeigt, als 85 Prozent der Parlamentarier das exakte Gegenteil dessen beschlossen hätten, was 85 Prozent der Stimmbürger fordern, bereits zu existieren aufgehört. Ungefähr so müssten sich die Bürger anno 1933 gefühlt haben, als sie sich – völlig perspektivlos – auf den Weg in den totalitären Staat machten.

Der Euro bilde keine die Völker Europas einigende Klammer, sondern wirke als Spaltpilz. Ein Griechenland-Bankrott sei, wie die entsprechende finanztechnische Kennzahl, (de „Primärsaldo“, belegte, unausweichlich. Die Ertragskraft der griechischen Volkswirtschaft würde einen mindestens 75-prozentigen Schuldenschnitt erfordern – für höhere Kredite könne das Land den Zinsendienst nicht tragen.

Tendenziell stelle sich die Lage in anderen Euro-Staaten nicht grundsätzlich anders dar als in Griechenland. Portugal habe, anders als Hellas, keine Probleme mit Korruption, Steuerhinterziehung und kollektivem Müßiggang. Dennoch sei die Lage seiner Staatsfinanzen kaum weniger dramatisch. Das eigentliche Problem bestünde auch dort ebenfalls in der Gemeinschaftswährung. Ein Vergleich der Stückkostenentwicklungen mehrerer Länder der Eurozone veranschaulichte das Problem. Da dieser für weniger produktive Volkswirtschaften Europas negativen Entwicklung auf nationaler Ebene nicht (mehr) begegnet werden könne, wäre die Transferunion beschlossene Sache.

Bei einschlägigen Analysen werde häufig nur der Anteil des Staates an den aushaftenden Schulden betrachtet – ein schwerer Fehler! Auch Schulden von Unternehmen und Privathaushalten hätten entscheidende Bedeutung. Frankreich schneide bei einer kumulativen Betrachtung der drei Teilbereiche schlecht ab und wäre langfristig selbst ein Sanierungskandidat. Der wilde Aktionismus des französischen Staatspräsidenten sei exakt dadurch zu erklären, denn im Falle eines Scheiterns der Währungsunion wäre Frankreich der Hauptverlierer. Dennoch wären es gerade die politischen Eliten Deutschlands, die den Euro „bis zur letzten Patrone“ verteidigen würden.

Eine Grundvoraussetzung für die Beilegung der Krise sei die Ausschaltung des derzeit prämierten „Moral hazard“. Asymmetrische Risiken müssten konsequent beseitigt werden. Das Investmentbanking müsse unbedingt wieder von den Aktivitäten der Geschäftsbanken getrennt werden. Eine strikte Austeritätspolitik allein führte uns direkt zurück in die 30-er Jahre und sei daher nicht empfehlenswert. Er, Vorndran, sehe ein Szenario kommen, in welchem die Staaten sich, auf Kosten der Privaten, „durchmogeln“ würden – mittels hoher Steuern und hoher Inflation. Der Staat verfüge darüber hinaus über ein beachtliches Instrumentarium an geldpolitischen Folterwerkzeugen – von rigorosen Anlagevorschriften über Zwangsanleihen und Zwangshypotheken bis zur Unterbindung von Kapitaltransfers ins Ausland. Man müsse sich daher von der Vorstellung befreien, es gäbe so etwas wie „sichere Anlageklassen“: „Es gibt keine final sichere Anlage“. Größtmögliche Sicherheit biete daher ein kluger Anlagemix. Der könnte etwa so aussehen: 50 Prozent Aktien (vorzugsweise Grundstoffe, keine Finanzwerte!), 25 Prozent Immobilien und 25 Prozent Gold (physisch und außerhalb der Eurozone gelagert). Folgende Länder böten derzeit ein relativ stabiles und sicheres Investment-Grade-Umfeld für Staatsanleihen: Chile, Australien, Neuseeland, die Schweiz, Finnland, Hong Kong und Singapur.

James Turk, Gründer der Edelmetall-Handelsplattform Gold-Money referierte zum Thema „Golds Price will Rise Because Gold is Money.“ Die Welt habe sich vor 40 Jahren (dem Ende der Bindung des Dollars an das Gold) für ein System des reinen „Fiat-Money“ entschieden. Seither habe die Geldinflation kontinuierlich zugenommen. Eine Graphik verdeutlichte die Geldmengenentwicklung, die bis zur Gründung des FED-Systems im Jahr 1913 keine wesentliche Zunahme zeigte. Erst danach – während und nach dem Ersten Weltkrieg – sei es weltweit zu einer dramatischen Ausweitung der Geldmenge gekommen.

Ein Kaufkraftvergleich zuwischen britischem Pfund, US-Dollar und Euro (davor DM) und Gold gegen Rohöl bildete die herausragende Stellung des Edelmetalls ab. Anders als bei den Papierwährungen ist für Gold seit 100 Jahren faktisch keine Veränderung der Kaufkraft zu verzeichnen.

Gold sei kein Investment! Gold sei nichts als – wertstabiles – Geld! Es bilde den „Cash-Part“ des jeweiligen Anlageportfolios. Ein Zehnjahresvergleich verschiedener Währungen gegen Gold zeigt in jedem Fall dieselbe Tendenz: Papiergeld verliere jährlich mit zweistelligen Prozentwerten an Kaufkraft. International nicht unbedingt kongruente Konjunkturzyklen würden daran nichts ändern.

Die Geldpolitik der FED erinnere derzeit stark an jene der Deutschen Reichsbank zu Beginn der 1920er-Jahre. „Quantitative Easing“ wäre eine euphemistische Umschreibung für das hemmungslose Hochfahren der Gelddruckmaschinen. Eine hyperinflationäre Entwicklung könne unter diesen Umständen nicht ausgeschlossen werden. Das mache Gold so interessant. Dessen (Geld-)Preis sei unerheblich – lediglich seine Kaufkraft zähle. Das gegenwärtig herrschende Papiergeldsystem stehe unter dem Motto „Inflate or die“. Ohne laufend höher aufzutürmende Schuldenberge (d. h. mehr Geld) hätte es keinen Bestand.

Turk stellte dann noch sein „Digtal-Gold-Projekt“ vor, durch dessen Nutzung weltweite Zahlungen in physischem Gold erfolgen könnten (als dessen Lagerort die britischen Kanalinseln gewählt wurden). In der anschließenden Debatte wies ein Kritiker auf die Gefahr eines staatlichen Zugriffs auf zentrale Golddepots hin. Solche Depots stellten eine Einladung an den stets klammen Fiskus dar, sich kurzerhand privaten Eigentums zu bemächtigen.

Ralf Flier, Gründer und Betreiber des Magazins „Smart Investor“ sprach zum Thema „Gutes Geld“ und begann seine Ausführungen mit der Feststellung: „Wenn´s mit dem Geld nicht stimmt, dann stimmt auch alles andere nicht.“ Kardinalfehler der herrschenden Geldordnung sei, dass Geld heute aus dem Nichts – in Form von Krediten (d. s. Schulden) – in die Welt komme. Die Geldmenge wachse um ein Vielfaches schneller als die Wirtschaftsleistung, was zu einer ständig höheren Gesamtverschuldung führe. In der Zeit von 1650 bis 1910 habe relativ große Geldwertstabilität geherrscht. Massive inflationäre Schübe seien erst danach aufgetreten. In Europa habe man es heute weniger mit einer Krise des Euro, sondern vielmehr mit einer Krise des Fiat-Money-Systems zu tun. Auch der als stabil gepriesene Schweizer Franken habe in der Zeit von 1945 bis heute rund 90 Prozent seiner Kaufkraft verloren. Die „Marktfunktion“ des Geldes werde seit rund 100 Jahren planmäßig verletzt. Nicht zentrale Planungsbehörden, sondern der Markt habe die Aufgabe, die „optimale Geldmenge“ herauszufinden. Daher sei jedes zentral gesteuerte, staatliche oder suprastaatliche Geldsystem grundsätzlich abzulehnen.

Selbstverständlich wäre es jedes Bürgers gutes Recht, jene Währung zu wählen, in welcher er seine Geschäfte abzuwickeln gedenkt. Stünde es ihm frei zu entscheiden, so würde er sich mit 99,9-prozentiger Wahrscheinlichkeit für ein werthaltiges Warengeld entscheiden, nicht für ein Schwundgeld, wie es Silvio Gesell erdacht und FED, BOE und EZB verwirklicht haben.

Thorsten Polleit, Chefanalyst bei der deutschen Barclays Capital referierte über „Die Kraft der Guten Ideen“. Er bezog sich auf die Geschichte der Österreichischen Schule der Nationalökonomie und deren Protagonisten. Nur wenige Köpfe entwickelten gänzlich neue, eigene Ideen. Die meisten Intellektuellen dagegen wären „Gebrauchtwarenhändler von Ideen“, wie sie F. A. Hayek – keineswegs abschätzig – nannte. Ihnen käme die Aufgabe der Vermittlung dieser Ideen an die breite Öffentlichkeit zu, wodurch sie erhebliche Bedeutung erhielten.

Die erwiesene Untauglichkeit der überkommenen neoklassischen Konzepte wird die bereits jetzt deutlich zunehmende Nachfrage nach der alternativen Theorie der „Austrians“ weiter beflügeln. Der nunmehr dritte Business-Summit lieferte jedenfalls ein starkes Lebenszeichen der im ganz und gar keynesianisch durchseuchten Kakanien kaum öffentlich wahrgenommen Lehren dieser Schule. Nikolaus Kimla kann nicht genug dafür gedankt werden, Wien bereits zum dritten Mal zum Schauplatz dieser im deutschsprachigen Raum herausragenden Konferenz gemacht zu haben. Man darf sich bereits jetzt auf den Business Summit 2012 freuen.

04. Oktober 2011

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