13. September 2011

Günther Jauch Ein Start, der Lust auf mehr macht

Nächste Woche zur Berlin-Wahl – hält er auch dann durch?

Die „Frankfurter Rundschau“ fasst heute die Pressebilanz zu Günther Jauchs erster ARD-Talkshow am Sonntag Abend so zusammen: „Die Sendung hat die hohen Erwartungen nach Ansicht der meisten Kritiker nicht erfüllt.“ Bullshit!

Es war keine TV-Sternstunde, aber alleine diese erste Sendung – Günther Jauch war zu Beginn etwas nervös – war besser als alles, was uns von und mit Anne Will vier Jahre lang allwöchentlich zugemutet wurde. Jauchs Konzept: Weniger ist mehr.

Weniger Hahnen- und Hennenkämpfe durch penetrante Parteipolitiker, weniger dümmliches Moderatorengrinsen an den stets falschen Stellen, weniger Chaos und Konzeptionslosigkeit, weniger Verweis auf „wir haben ja gerade im Tatort gesehen, dass…“, weniger aufgeblasene Belanglosigkeit und weniger Generve durch die immer gleichen Talk-Show-Zombies.

Statt dessen sahen wir bei Jauch eine ausgewogene Teilnehmerliste, die kompetent zum Thema sprach: Matthias Döpfner und Peter Struck als Verteidiger des Afghanistan-Krieges, Elke Heidenreich und Jürgen Todenhöfer als Kritiker der Kampfeinsätze. Dazu zwei stark betroffene Frauen und Jürgen Klinsmann fürs Herz. Und mitten drin Günther Jauch, der mit klarem Ablaufplan durch die Sendung lenkte und nie die Übersicht verlor.

Zum Vergleich: In einer ebensolchen Sonntagabendsendung über Nine-Eleven am zehnten Jahrestag hätte bei Anne Will ungefähr das folgende Sextett auf der Couch gegackert: Heiner Geißler (CDU) oder Karl Lauterbach (SPD) für eine ausgewogene Sicht aus den Reihen der Volksparteien, Renate Künast (Grüne) oder Klaus Wowereit (SPD) als Stimmen der Hauptstadt, Hans-Ulrich Jörges („Stern“) oder Ines Pohl („taz“) als neutrale journalistische Beobachter, Gregor Gysi (Ost) oder Oskar Lafontaine (West) für Linksaußen, Richard David Precht (Theorie) oder Michel Friedman (Praxis) für das gewisse Etwas und Hans-Olaf Henkel (Ökonomie) oder Arnulf Baring (Geschichte) als an Jahren möglichst alt aussehende Quoten-Konservative (und wenn die gerade nicht greifbar sind, tut's auch ein exotisch klingender Schweizer Journalist). Nächsten Sonntag lautet das Thema wohl Berlin-Wahl. Da wären sie dann alle wieder dabei. Oder ihre Ersatzkandidaten. Oder Christian Lindner.

Bei Günther Jauch aber saß nicht ein einziger aktueller Parteipolitiker. Und kein einer unserer Talk-Show-Zombies. Das alles macht Lust auf mehr.

Zum Schluss ein neckisches Wettangebot an Miriam Meckel: Wetten, dass Anne Will nach weniger als zwölf Monaten vom vorangeschrittenen Mittwoch Abend mangels Zuschauer und jeden Talents abgesetzt wird? Spät. Aber leistungsgerecht.


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