05. September 2011

FDP nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern Abgesang die Zweite, Vorhang

Eine Splitterpartei verspricht Brot und Butter ohne Gewähr

Am Ende waren es 2,7 Prozent für die FDP in Mecklenburg-Vorpommern. Man rangiert knapp vor der Piraten- (1,9 Prozent) und der Familienpartei (1,6 Prozent). Die NPD spielt im Nordosten in einer anderen Liga. Die Braunen erzielten mit 6,0 Prozent mehr als doppelt so viele Stimmen wie die Gelben. In zwei Wochen in Berlin werden die „Liberalen“ dann aller Voraussicht nach von der NPD und den Piraten überholt. Macht Platz Sieben, falls nicht noch irgend eine Familien- oder in Berlin wohl eher Patchworkpartei vorbeizieht.

Christian Lindners immer wortgleiche Auftritte gestern Abend waren bezeichnend. Die bereits erwähnte Anbiederung beim Publikum – „Nun sitzen mit der NPD die Antidemokraten im Parlament“ – war noch unter einem zweiten Aspekt bemerkenswert. Offenbar verortet Lindner die umbenannte SED im „demokratischen Spektrum“. Schon deshalb, weil seine Aussage über Demokratiefeinde ansonsten nicht so wohlfeil dahergekommen wäre.

Bleibt sein zweiter Textbaustein von gestern Abend, ebenfalls serviert mit dem Augenaufschlag eines Gebrauchtwagenverkäufers: „Wir müssen die“ – jetzt Klimper – „Brot und Butterthemen ansprechen“. Was bei Lindner wie Aldi goes Manufactum rüberkommt, meint: „Wir stehen für einen harten Euro.“ Dass er selbst dabei nicht lachen muss, zeigt, dass am Ende sogar der Humor fehlt bei jenen „Liberalen“, die einstmals hoch auf gelben Wagen Heino Konkurrenz machten.

Eine allerletzte Chance hätten sie, wenn sie mit Mehrheit die noch zu beschließenden Euro-Rettungspakete ablehnen und eine Koalition im Herbst verlassen würden, die sie zu den vorgefundenen Bedingungen der Merkel-CDU niemals hätten eingehen dürfen. Doch wer traut soviel Aufrichtigkeit gegenüber den einstmals Millionen Wählern Christian Lindner, Philipp Rösler und dem ganzen Rest der Bande noch zu?

Eine Prognose sei an dieser Stelle gewagt: Ja, die FDP wird die Koalition am Ende verlassen. Unter irgendeinem billigen Vorwand kurz vor der Bundestagswahl, wenn sie dann immer noch bei knapp drei Prozent liegen und nach ihrem allerletzten Strohhalm greifen. Nur sie selbst werden glauben, dass ihnen ihre nie gehaltenen Brot- und Butterversprechen dann noch irgendwer abkauft. Es wird zu spät sein.


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