26. August 2011

ef 115 Editorial

Was den Massenmörder Anders Breivik wirklich bewegte

Kürzlich erst forderte – in eigentümlich frei Nr. 110 – der Schriftsteller und ef-Autor Oliver Uschmann: „Nehmt die Täter aus dem Licht!“ Uschmann meint: „Jede Aufmerksamkeit für die Täter ist ein Bühnenscheinwerfer, der ihr Leben im Rampenlicht ausleuchtet, während die Angehörigen der Opfer als sprach- und namenlose Masse im tiefen Schwarz des Zuschauerraumes verschwinden. Dabei wäre es richtig, den Blick auf ihr Leben und ihr Leiden zu lenken.“

Abgesehen davon, dass auch das Beleuchten der Opfer fragwürdig sein kann – man denke an die schamlosen Portraits der jungen norwegischen Toten ausgerechnet auf der Titelseite der „Bild“-Zeitung – wollen wir uns im vorliegenden Heft entgegen Uschmanns und auch eigener Bedenken doch schwerpunktmäßig mit dem Attentäter des 22. Juli 2011 beschäftigen.

Denn erstens sind solch hehre Ansprüche in der journalistischen Praxis kaum durchzuhalten: Wer Hitler und Stalin ignoriert, macht sie auch nicht ungeschehen, erklärt aber nichts. Wobei, und da hat Uschmann wieder recht: Unsterblich und die Kollegen Stalin und Co. zudem leichenblass vor Neid machen den einstigen deutschen Medien- und Volksführer heute erst der „Spiegel“ mit seinen jährlich drei Hitler-Titelpostern (Minimum) und die ZDF-Historiker-Parodie Guido Knopp mit seiner Erfindung des Hitlertainments und legendären Tonfilmstreifen über Hitlers Hunde, Hitlers Hautprobleme und Hitlers Kreditkarten.

Wir wollen uns im Fall Breivik dagegen mit dessen wirklichen Antrieben beschäftigen sowie mit den Fehlurteilen der Mittelstrommedien. Dass denen inzwischen kaum einer mehr ein Wort glaubt, ist womöglich Teil der Geschichte der Terroranschläge von Norwegen.

Auch die Krawalle in England oder die Proteste gegen den Papst in Spanien – um nur zwei beliebige und einmal nicht direkt wirtschaftspolitische Beispiele der jüngsten Zeit zu nennen – zeigen, dass die Verlautbarungen unseres Medienkartells ähnlich wie einst Radio Eriwan nur noch mit Humor zu ertragen und wie in der Spätphase der DDR „übersetzt zwischen den Zeilen“ zu dechiffrieren sind. „Jugendkrawalle“ meinen wie bereits in Frankreich aufkeimende Rassenunruhen, die es aber nicht geben darf. „Papst-“ und „Jugendtagskritiker“ sind tatsächlich militante Linksradikale, doch jeder weiß, die Gefahr kommt von rechts. Die schöne bunte Scheinwelt, geschaffen aus Kübeln von Scheingeld, sie bricht vor aller Augen zusammen, während deutsche Medien „den Aufschwung“ bejubeln. Und so wurden auch die schwarzen Täter von Tottenham in der hiesigen Presse seltsam farblos beschrieben, während der „Spiegel“ über Anders Behring Breivik titelte: „Blond, blauäugig, skrupellos – konservativ, christlich, nationalistisch“. Das konnte die „Bild“-Zeitung routiniert noch einen krassen Rassenzacken besser: „Smart, blond, Rassist – Massenmord im Nazi-Wahn?“ Der „Teufel“ kann nur ein „Nazi“ sein, dabei versteht sich Breivik gerade ausdrücklich als Europäer, Antinationalist und Nazi-Hasser. Eines seiner großen Vorbilder ist der Anführer des Norwegischen Widerstands gegen Hitler. Die Massenvertreibung deutscher Frauen und Kinder begrüßt er als „gerechte Strafe“. Und „Christ“? Die ARD-Tagesschau beschrieb Breivik gar als „fundamentalistischen Christen“. Auch hier ist das Gegenteil richtig. Für den Norweger ist nach eigenem Bekenntnis Religion nur eine „Krücke für schwache Menschen“. Der Massenmörder schreibt: „Ich und viele andere wie ich haben nicht notwendigerweise eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott. Wir glauben aber an das Christentum als kulturelle, soziale und moralische Plattform. Das macht uns zu Christen.“ Dazu bemerkt hellsichtig der atheistische Theologe Karl-Heinz Kubitza im Humanistischen Pressedienst: „Das klingt eher nach einer Verlautbarung der EKD als nach einer radikalen christlichen Splittergruppe.“ Breivik ist so wenig Nazi wie christlicher Fundamentalist. Einige weitere Richtigstellungen zum Thema finden Sie in diesem Heft. Wie immer wünsche ich Ihnen, verehrte Leser, viel Erkenntnisgewinn und Lesefreude! Vergessen Sie nicht: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien und ihrer Helferkaste in den Massenmedien! Mehr netto!

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 29. August erscheinenden September-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 115


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