Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Scheingeld: Die Stunde der Zentralisten

von Andreas Tögel

Auf zum letzten Gefecht!

Wie Frau Bug in ihrem am 17.08. auf ef-online erschienenen Beitrag berichtete, verlieh der französische Staatspräsident Sarkozy nach dem Treffen mit der deutschen Kanzlerin Merkel der Entschlossenheit der beiden führenden Wirtschaftsmächte der Eurozone Ausdruck, alles zu tun, um ein Scheitern des Elitenprojekts EU und den Untergang der Kunstwährung Euro zu verhindern. Der kleine Mann in den viel zu großen Schuhen möchte „Phänomene“ bekämpfen, die ihm ebenso rätselhaft wie bedrohlich erscheinen – nicht aber die Ursachen der über Europa lastenden Schuldenkrise: Symptombehandlung also. Wie sollten er und die Ex-FDJ-Aktivistin Merkel auch anders?

Planwirtschafter und wirtschaftsferne Bürokraten vom Scheitel bis zur Sohle und niemals den Fährnissen des Marktes ausgesetzt gewesen, sind sie überzeugt davon, dass jeder Cent, den sie dem Bürger via Steuern und Abgaben abpressen, beim Staat (oder dem Superstaat EU) am besten aufgehoben ist. Schließlich gilt es, die wild gewordenen Märkte zu „zähmen“. Resistent gegen die Lehren aus serienweise gescheiterten staatlichen Programmen zur „Wirtschaftsbelebung“, blind gegenüber allen Lektionen der Wirtschaftsgeschichte, meinen sie, mit den Mitteln der „Global- und Feinsteuerung“, d. h. durch konfiskatorische Besteuerung, totale hoheitliche Kontrolle der Betriebe und Wirtschaftsabläufe, sowie konsequente Inflationierung der Währung, alle jene Probleme in Griff bekommen zu können, die es ohne ihre Politik niemals gegeben haben würde. Wer´s denn glaubt…

Eine europäische „Wirtschaftsregierung“ soll es nun, unter anderem durch Verordnung einer sogenannten „Schuldenbremse“, richten. Welch überaus originelle Idee! In Anbetracht der völligen Unwirksamkeit der bisher geltenden „Stabilitätskriterien“ – man denke an den Vertrag von Maastricht, der vom ersten Tag an von den Politbüros als nicht mehr als Makulatur angesehen wurde – darf unterstellt werden, dass es auch mit der „Verschuldungsbremse“ nicht weit her sein würde. Außergewöhnliche Umstände erfordern schließlich außergewöhnliche Maßnahmen, nicht wahr? Damit würde der wirtschaftliche Ausnahmezustand vermutlich den Regelfall bilden.

Das Austrian Economics Center steht der Idee einer europäischen Wirtschaftsregierung sehr kritisch gegenüber. Dessen Direktorin, Barbara Kolm, meint: „Staatsverschuldung resultiert aus politischen Entscheidungen, die unter bestimmten Regeln getroffen werden. Dabei setzen die Regeln des politischen Wettbewerbs Anreize, defizitfinanzierte Privilegien zu vergeben.“ Eine zentrale Planungsbehörde würde diesen Mechanismus lediglich auf eine höhere Ebene heben – mit absehbar negativen Konsequenzen. Kolm weiter: „Nicht die Schaffung eines zusätzlichen Staatsapparates, wie eine EU Zentral- oder Wirtschaftsregierung, schafft Stabilität, vielmehr müssen Ausgabensenkungen und Reformen im Sozialversicherungssystem stattfinden sowie eine effektive, institutionelle Schuldenbeschränkung konstituiert werden.“

Noch leistet Angela Merkel, zumindest in Gegenwart von Kameras und Mikrophonen, hinhaltenden Widerstand gegen die Auflage von „Eurobonds“. Mit deren Einführung wäre ein weiterer, massiver Zentralisationsschub verbunden. Nationale Regierungen hätten in diesem Fall ihre Finanz- und Wirtschaftspolitik faktisch vollständig an die Brüsseler Eurokratie zu delegieren – andernfalls ihnen der Zugang zu den europäischen Geldern verwehrt bliebe.

Auch wenn die politische Führung und deren korrupten Beraterklüngel es anders darstellen: Die Schuldenkrise, die Europa nicht mehr loslässt, ist im Grunde ein rein monetäres Phänomen. Erst die Möglichkeit zur hemmungslosen Geldproduktion schafft die Voraussetzungen für eine exzessive und lange Zeit scheinbar sanktionslose Verschuldung der Staaten. Ohne künstlich niedrig gehaltene Zinsen wäre es niemals möglich gewesen, über viele Jahre eine Scheinprosperität aufrechtzuerhalten, der jede reale Basis fehlt. Griechenland bildet das Paradebeispiel für die Konsequenzen des andauernden Lebens auf Pump zu unnatürlich niedrigen Zinsen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass Teuerung nicht gleichbedeutend mit Inflation ist. Die nun langsam aber sicher Fahrt aufnehmende allgemeine Teuerung (die amtlich ausgewiesenen Werte liegen von der Wahrheit erheblich weiter entfernt als die “gefühlten“) ist eine Folge der staatlich verordneten Geldmengenausweitung. Die Schaffung von Abermilliarden an Liquidität und Kredit aus dem Nichts bleibt eben nicht ohne Folgen. Allgemeiner Preisauftrieb – man kann es nicht oft genug betonen – ist die Folge einer inflationistischen Geldpolitik. Wenn diverse, vorzugsweise linke, Narren nun Unternehmer als Preistreiber, Wucherer und Spekulanten denunzieren und für den allgemeinen Kaufkraftverlust verantwortlich machen, dann tun sie das wider besseres Wissen oder dokumentieren damit ihre völlige Ahnungslosigkeit.

Merke: In einer geldfreien Tauschwirtschaft gibt es keine Inflation. Hier kann es, in Abhängigkeit von den Präferenzen der Menschen, selbstverständlich jederzeit zu Verschiebungen der Tauschrelationen zwischen bestimmten Gütern und Dienstleistungen kommen, nicht aber zu einer generellen Teuerung. Auch in auf nicht willkürlich vermehrbaren Währungen basierenden Geldwirtschaften ist ein allgemeiner Preisauftrieb unmöglich. Eine Geldmengenausweitung ginge in diesem Fall mit einer Zunahme der real verfügbaren Werte, (z. B. von Biberfellen, Damenstrümpfen oder Goldnuggets) einher. Allgemeiner Kaufkraftverlust wird erst dann möglich, wenn in die Geldproduktion in Verfolgung politischer (das heißt in aller Regel betrügerischer) Absichten eingegriffen wird. Handelt es sich beim Geldproduzenten überdies um den Inhaber des Gewaltmonopols, ist die Konsequenz in hundert Prozent der Fälle die schleichende oder galoppierende Währungszerstörung.

Fazit: Wer die Ursachen die Krise wirksam bekämpfen will, muss mit einer Währungsreform beginnen und dem Staat das Privileg zur Geldproduktion entziehen. Dass allein am 18. August der Goldpreis um 50 Dollar zugelegt, auch in Euro ein „All-time-high“ erreicht hat und am Folgetag (bis 10:00 Uhr MEZ!) um weitere 30 Dollar gestiegen ist, mag als Menetekel verstanden werden.

Wenn schon niemand sonst – zumindest die „Goldbugs“ haben dieser Tage allen Grund zur Freude.

19. August 2011

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