Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Nachruf: Rainer Ernst Schütz

von Andreas Tögel

Über einen großen menschlichen Verlust

28. Juli 2011

Rainer Ernst Schütz, der Gründer und Chef des seit 1986 bestehenden Clubs Unabhängiger Liberaler, verstarb am 15. Juli 2011, im 67. Lebensjahr stehend, nach kurzem, schweren Leiden. Am 29. Juli wurde sein Leichnam in Bad Fischau bei Wien zur letzten Ruhe gebettet.

Rainer Ernst Schütz war seit seiner Jugend ein politisch interessierter Mensch. In der FPÖ unter Norbert Steger fand er – vorübergehend – eine parteipolitische Heimat. Im Jahr der Kür Jörg Haiders zu deren Bundesparteiobmann kehrte er den Freiheitlichen den Rücken. Einige Jahre später gehörte er zum Kreis der Gründer des Liberalen Forums, mit dessen gesellschaftspolitisch zunehmend prononciert linken Kurs er jedoch schon bald nichts mehr anzufangen wusste und sich daher von dieser Partei wieder zurückzog.

Die von ihm als Hausherrn des Clubs unabhängiger Liberaler ausgerichteten „politischen Salons“ stellten ein Kleinod im politisch-gesellschaftlichen Leben der Österreichischen Bundeshauptstadt dar. Seine konziliante und tolerante Art, politisch anders orientierten Zeitgenossen gegenüberzutreten, ermöglichten es ihm, obgleich an strikten Grundsätzen orientiert (er selbst sah sich als „Paläoliberalen“ oder „Old Whig“), ein im besten Sinne des Wortes „offenes Haus“ zu führen, in dem aus den unterschiedlichsten politischen Lagern und den verschiedensten Berufsgruppen stammende Menschen eine Stätte der Begegnung, zur Diskussion und zum Gedankenaustausch fanden. Zum Kreis der Mitglieder und regelmäßigen Besucher des Clubs zählten auch zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Medien und Wirtschaft. Rainer Ernst Schütz fühlte sich sowohl der angelsächsischen Tradition des Liberalismus, als auch den seit der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich weitgehend in Vergessenheit geratenen Ideen der „Österreichischen Schule der Nationalökonomie“ verpflichtet. Er trat – neben seinen publizistischen Aktivitäten als Gastkommentator in verschiedenen Printmedien des Landes – auch als Unterstützer des Hayek-Instituts und Förderer des Instituts für Wertwirtschaft in Erscheinung.

Rainer Ernst Schütz bleibt seinen Freunden und Bekannten als lebenslustiger „Genussmensch“ in Erinnerung, der Feste zu feiern und Humor zu schätzen wusste. Die einleitenden Worte, die er anlässlich der Feier zu seinem 60. Geburtstag fand, mögen seinen Sinn für Ironie illustrieren: „Wenn man die Sechzig erreicht, ist es heute Brauch, zu betonen, wie jung man sich noch fühlt, und wie vital und beweglich man noch ist. Ich kann nichts Derartiges berichten. Ich war schon in der Schule äußerst bewegungsfaul und habe mich mit zwanzig so verhalten, als wäre ich sechzig. Das hatte den unschätzbaren Vorteil, jetzt nicht umlernen zu müssen.“

Bei derselben Gelegenheit präsentierte er die folgenden vier goldenen Regeln seines Lebens: „Erstens: möglichst wenig arbeiten. Das erhält den Geist schön frei und unvernünftig. Zweitens: Und wenn schon arbeiten, dann nicht für Geld. Das schützt einen davor, aus bloßer Geldgier Regel eins zu brechen. Drittens: Alle Kraft seinen Leidenschaften zu schenken. Das macht auf eine viel angenehmere Art müde als Arbeit. Und Viertens: Alle sogenannten ernsten Dinge des Lebens lieber von Fachleuten erledigen lassen. Ich kann mich nämlich nicht dazu aufraffen, die sogenannten ernsten Dinge wichtig zu nehmen. Wichtig sind mir nur: die Leidenschaften.“

Rainer Ernst Schütz hatte das große Glück, in seiner Ehefrau Elisabeth eine Lebenspartnerin gefunden zu haben, die seine Freuden und Interessen – zum Beispiel das Feiern von Festen und ausgedehntes Reisen – teilte, und der er, auch nach vielen Jahren des Zusammenseins, mit für jedermann spürbarer Zuneigung – und heute bei leider nicht mehr allzu vielen langjährigen Ehepaaren zu beobachtendem Respekt – begegnete. Er blieb seinen Grundsätzen – nicht nur den politischen – bis ans Ende seines leider viel zu kurzen Lebens treu. Bereits von Krankheit gezeichnet, bekannte er sich zu seinem Prinzip, nicht alles, was medizinisch möglich ist, auch bis zur letzten Konsequenz an sich durchführen lassen zu wollen. Von Ärzten unter Kuratel gestellt zu werden, auf die Genüsse des Lebens verzichten zu müssen, und zum Lohn dafür freudlos 100 Jahre alt zu werden – das war nicht sein Ziel.

Kurz vor seinem schließlich doch völlig unerwarteten Tod, philosophierte er ganz unaufgeregt über die ihm von den Medizinern gestellten, wenig zuversichtlichen Prognosen. Sinngemäß lautete sein beeindruckend gefasster Kommentar: „Wenn´s noch zwei Jahre gut geht, freu´ ich mich darüber. Wenn nicht, habe ich immerhin gut gelebt.“ Dass er am Ende, die Aussichtslosigkeit des Kampfes der Ärzte um sein Leben erkennend, weitere lebenserhaltende Maßnahmen ablehnte, ist bezeichnend für den Charakter und die Konsequenz dieses Mannes.

Einen Freund auf seinem letzten Weg begleiten zu müssen, tut weh. Besonders, wenn es sich um einen so lebensfrohen, optimistischen und liebenswürdigen Menschen handelt, wie Rainer Ernst Schütz einer war. Mit ihm tritt ein Mensch ab, an dem ich – trotz intensiven Nachdenkens – keinen einzigen Makel finden konnte. Sein Tod bedeutet einen großen menschlichen Verlust und einen schwerer Schlag für die kleine liberale Gemeinde in Österreich.

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