12. Juli 2011

Kapitalismus Umverteilung von reich zu arm

Fünf-Minuten-Film stellt die Frage: Für wieviel Geld würden Sie auf das Internet verzichten?

Auf YouTube ist ein Video aufgetaucht, das in gerade mal fünf Minuten einen wesentlichen Vorteil einer freien Marktwirtschaft erklärt. Diese Geschichte ist so oder ähnlich schon oft erzählt worden. Angesichts des weit verbreiteten Unwissens über ihre Schlussfolgerung kann eine weitere Version nicht schaden. Besonders, wenn sie so attraktiv ist wie diese.

Der vom Fund for American Studies hergesetellte Film beginnt mit der überraschenden Frage: Für wieviel Geld würden Sie die Nutzung des Internet aufgeben? Die Antworten der durchweg jungen Menschen reichen von vielen Millionen Dollar bis „unbezahlbar“. Das sei die von seinen Studenten regelmäßig gegebene Antwort, bestätigt dann Wirtschaftsprofessor Michael Cox von der Southern Methodist University's Cox School of Business. Und das, obwohl der Zugang zum Internet inzwischen weit weniger als 1000 Dollar kostet. In den letzten zwei Jahren allein seien die Kosten der Internetnutzung um etwa 50 Prozent gefallen. Somit ist im Hinblick auf das weltweite Kommunikationsnetz ein riesiger Abstand zwischen Kosten und Wert entstanden.

Mitte der achtziger Jahre, wird im Kurzfilm weiter erläutert, kosteten die ersten kommerziellen Handys etwa 4000 Dollar. Trotz Inflation würden die meisten, unzähligen Handynutzer von heute nicht einmal ein Zehntel dieses Betrages für ein Mobiltelefon ausgeben. Schon gar nicht für eines, das weder Speicher noch Internetzugang hat und keine Musik spielen kann.

Dieses Wunder kommt folgendermaßen zustande: Reiche, statusbewusste Menschen sind die Erstkäufer eines neuen Produktes. Ihre Kritik und Verbesserungsvorschläge nutzen die Hersteller, um bessere Produkte zu bauen, und erweitern so den Kundenkreis. Wettbewerb – nicht nur existierende Konkurrenz, sondern schon die Möglichkeit der Entstehung von Konkurrenz – beschleunigt diesen Prozess. Wenn das Pionierprodukt die Statusbedürfnisse der Reichen befriedigt, sind die Entwicklungskosten der Grundinnovation bald abbezahlt und eine Verkaufsinfrastruktur aufgebaut. Die im Anschluss erzielten Produktverbesserungen kosten, relativ zum zusätzlichen Nutzen für den Konsumenten, immer weniger. Die jetzt einsetzende Massenproduktion senkt die durchschnittlichen Fixkosten pro Einheit, und die Verbesserungen orientieren sich zunehmend daran, was von immer mehr Kunden gewünscht wird – sogenannte „sunk costs“ werden in der künftigen Entwicklung des Produkts weitgehend vermieden.

Einen wesentlichen Punkt hebt Cox im Film hervor: Ohne die reichen Erstkäufer findet keine anschließende billige Massenproduktion statt. Die zwingende Schlussfolgerung ist: Ohne große Einkommensunterschiede keine Innovationen, kein technischer Fortschritt, keine friedliche Umverteilung. Umverteilung? Aber sicher. Die Reichen zahlen horrende Preise für eindrucksvollen „Schrott“. Die – zumindest von den Reichen – unbeabsichtigte Wirkung ist, dass sie für die Entwicklung von besseren Produkten zahlen, die sich die Mittelschicht und später sogar die Armen leisten können. Cox: „Der Kapitalismus hat sein eigenes, systemimmanentes Sozialsystem.“ Erzwungende Umverteilung, finanziert durch Steuern, Regulierung oder Inflation, nutzt hauptsächlich den Umverteilern und fördert nicht Innovation, sondern das Gegenteil: technische, designerische und seelische Stagnation oder gar Regression. Man denke nur an Kohlesubventionen, die Energiesparlampe und an Hartz 4 – oder auch an den Euro.

Der Film schließt mit der Feststellung, dass inzwischen alle Amerikaner aufgrund der segensreichen Wirkungen des Kapitalismus Millionäre und Millardäre sind – und zwar nicht inflationsbedingt „nominal“, sondern ganz real. Dies gilt selbstverständlich für die ganze „erste Welt“ und zunehmend auch für die sogenannten „Schwellenländer“. Und zwar aufgrund der Tatsache, dass wir privat für weniger als 1000 Dollar oder Euro über eine Technik verfügen, auf die wir nicht für Millionen, auch nicht für Milliarden verzichten wollen.

Zusätzliche Anmerkung: Die Tatsache, dass vor allem junge Menschen für kein Geld der Welt auf das Internet verzichten wollen, sei eine „schlechte Nachricht für alle Interventionisten und ihre Institutionen“, schreibt Bruce Koerber in einem Kurzkommentar zum Film auf dem Blog von mises.org. „Die Eigenschaft des Menschen als Suchender ist endlich entfesselt worden, und jetzt werden sämtliche unethischen und repressiven Pläne der Interventionisten unter die Lupe genommen und als ungerecht eingestuft.“

Internet:

Kurzfilm (5:10): Would You Give Up The Internet For 1 Million Dollars?

Blogeintrag dazu auf mises.org

30 Jahre Innovation in Bildern - Privatindustrie und Staat im Vergleich


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