Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Nachbetrachtung: Konferenz der PFS in Bodrum

von Andreas Tögel

Von Glückforschung bis Reziprozitäts-Ökonomie

18. Juni 2011

Zwei der bei der sechsten Konferenz von Hans-Hermann Hoppes „Property and Freedom Society“ gehaltenen Referate beschäftigten sich mit alternativen Betrachtungen zu Fragen der Ökonomie.

Thomas DiLorenzo

Thomas DiLorenzo, Professor für Ökonomie an der Loyola Universität in Baltimore, Maryland, wählte als Thema „The Fallacies of Happiness Research“. In jüngerer Zeit wurden vermehrt Arbeiten publiziert, die sich der Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Wohlstand und Glück widmen. Die meisten dieser Untersuchungen kommen zum Schluss, dass vermehrter materieller Wohlstand nicht mit verstärkt empfundenen Glücksgefühlen korreliert: Geld allein macht nicht glücklich! Keine bahnbrechende Erkenntnis, denn bereits vor Jahrzehnten stellte Danny Kaye, der sich indessen nicht als Sozialwissenschaftler hervorgetan hat, fest, dass zum Glück neben Geld natürlich auch „Aktien, Gold und Grundstücke“ gehören.

DiLorenzos Kritik an der „Glücksforschung“ richtet sich in erster Linie gegen die Methodik derselben. In den Wirtschaftswissenschaften ist es unbestritten, dass nicht behauptete Präferenzen, sondern tatsächlich erfolgte Handlungen zählen. Glücksforscher wie Bruno Frey von der Universität Zürich („Happiness and economics. How the economy and institutions affect well-being“) stützen sich jedoch allein auf das Instrument der Meinungsbefragung. Nicht objektiv messbare Daten (wie etwa persönliches Einkommen und Vermögen) werden untersucht und bewertet, sondern die Ergebnisse von Umfragen. Ein schlichtes „Quiz“ wird auf diese Weise zum Mittel der „wissenschaftlichen“ Datenerhebung. Die solcherart ermittelte „Glücksfunktion“ wird in der Folge zum Mandat für die Schaffung von sozialer Wohlfahrt durch die Politik. „Reiche erlegen Armen negative Kosten auf – aber nicht umgekehrt“ ist eines der bemerkenswerten Ergebnisse dieser Art von Forschung. Denn „materielle Ungleichheit erzeugt Neid – und damit das Gefühl von Unglück.“ Die daraus gezogene Folgerung liegt auf der Hand: Nur entschlossen und robust ins Werk gesetzte Umverteilung bringt kollektives Glück über die Menschheit.

Diese „Wissenschaft“ ignoriert nach Meinung des Referenten sämtliche in den letzten 50 Jahren gewonnenen Erkenntnisse. Ihr zur Folge müssten in der UdSSR die glücklichsten Menschen dieser Erde gelebt haben. Man wähnt sich geradezu in die Zeit von Kenneth Galbraiths phantasievoller Arbeit „The Affluent Society“, also ins Jahr 1958, zurückversetzt. DiLorenzo kommentiert die von den Glücksforschern“ servierten Tautologien von der Art „Glückliche Menschen lächeln häufiger“, aber auch die skurrile Zwanghaftigkeit, mit der Korrelationen (etwa zwischen Mülltrennung und Selbstmordrate, sic!) hergestellt werden, mit beißender Ironie. Schließlich kommt er zum Schluss: „Wenn man Daten lange genug foltert, gestehen sie schließlich auch.“

Sein Fazit: Die Sozialisten haben neuerdings ihre Strategie geändert. Sie behaupten nun nicht mehr länger, Wohlstand produzieren zu können. Stattdessen verlegen sie sich darauf, materiellen Wohlstand zur Quelle des Unglücks zu erklären. Und sie propagieren Eigentums- und Freiheitsbeschränkungen, sowie Wohlstandsreduktionen zu tauglichen Methoden zur Schaffung von Glück…

Nikolay Gertchev

Nikolay Gertchev, ein Ökonom der Europäischen Kommission, wählte das Thema „Psychology Ain´t Economics. New Fads in Economics”. Er begann seine Ausführungen mit der Feststellung, dass Untersuchungen menschlichen Handelns sich lediglich auf tatsächlich getroffene Entscheidungen beziehen können. Die nicht gewählten Alternativen dagegen bleiben dem Betrachter stets verborgen. Untersuchungen wirtschaftlicher Handlungen können sich daher nur auf positive empirische Daten stützen. Zwei neuartige Forschungszweige versuchen, dieser Einschränkung zu entgehen: „Neuroökonomie“ und „Reziprozitäts-Ökonomie“.

Erstere setzt es sich zum Ziel, durch Untersuchungen des menschlichen Gehirns (primär unter Einsatz radiologischer Methoden – etwa von PET-Scannern) dessen Reaktionen auf Reize aus der Umwelt zu messen und in der Folge die Möglichkeit zur Vorhersage von Handlungsmustern zu schaffen. Die Neuroökonomie versucht, „geheime“, nicht gewählte Handlungsalternativen in die Betrachtung zu wirtschaftlichen Handlungen führender Entscheidungsmuster einzubeziehen. Die Methode läuft im Wesentlichen auf den Versuch hinaus, Nutzen quantifizierbar und vergleichbar zu machen und, darauf aufbauend, Vorhersagen zu wirtschaftlichen Entwicklungen zu erstellen.

Die Reziprozitätsökonomie geht realistischerweise davon aus, dass menschliches Handeln nicht allein von selbstsüchtigen Motiven geleitet wird. Das neoklassische Bild des „Homo oeconomicus“ wird durch das Bild eines seine Handlungen unter Einbeziehung „sozialer Präferenzen“ treffenden Individuums ersetzt. Soziale Präferenzen werden durch reziproke Reaktionen auf diejenigen anderer Personen gebildet. Die zu deren Ermittlung gewählte Meßmethode ist experimenteller Natur, bzw. baut auf spieltheoretischen Modellen auf. Gerchevs Kritik richtet sich gegen die unrealistische Annahme, menschliches Handeln (das stets einer Fülle von Einflüssen und Handlungsalternativen unterliegt) könnte unter sterilen Laborbedingungen 1:1 simuliert werden. Denn Probanden im Labor tragen – anders als in der Wirklichkeit lebende Menschen – keinerlei Risiko. Sie verlassen den Ort des Geschehens im Falle fehlerhafter Entscheidungen keinesfalls „ärmer“ als sie ihn betreten haben. In der Realität läuft es anders – die gewählten Handlungen weichen von den unter Laborbedingungen gesetzten demzufolge stark ab. Kontrollierte Laborexperimente können daher keinen zuverlässigen Aufschluß über menschliches Handeln unter „natürlichen“ Bedingungen bieten. Sie sind somit nicht in der Lage, valide Prognosegrundlagen für wirtschaftliche Entwicklungen zu liefern.

Internet / Videos:

http://www.mises.se/2011/06/09/pfs-2011-thomas-dilorenzo-the-fallacies-of-happiness-research/ 

http://vimeo.com/24529268

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