Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Währungsunion: Coup d´Etat der politischen Eliten

von Andreas Tögel

„Friedensprojekt Euro“

06. Juni 2011

„Der Euro wird die erste schwere Wirtschaftskrise nicht überleben.“ Das sind nicht die Worte eines notorischen Fortschrittsfeindes oder eines verschrobenen Verschwörungstheoretikers. Vielmehr handelt es sich dabei um die nüchterne Prognose des im Jahr 2006 verstorbenen Wirtschaftsnobelpreisträgers Milton Friedman. Das Zitat datiert auf das Jahr 1999 – das Jahr vor Inkrafttreten des „Friedensprojekts“ (© Helmut Kohl) der europäischen Gemeinschaftswährung.

Der Weg zum gemeinsamen Geld der Eurozone, die wirtschaftlichen Konsequenzen und die vielleicht fatalen Folgen dieser Entscheidung der politischen Klasse Eurolands werden in einer jüngst erschienen Publikation aus der Feder von Philipp Bagus, Ökonom an der Universität Madrid, dargestellt. „The Tragedy of the Euro“ heißt das Elaborat, das demnächst auch in deutscher Sprache erscheinen wird.

Der junge Wissenschaftler erklärt darin die Bedeutung eines europaweit gültigen „Fiat-Money“ für ein zentral geplantes und gesteuertes – sozialistisches – Europa, das auf dem besten Wege ist, sich als Nachfolgerin der UdSSR zu etablieren. War es vor Einführung des Euro noch erforderlich, die Inflationsziele vieler nationaler Notenbanken zu koordinieren, wobei die zurückhaltende Geldpolitik der von der Politik unabhängigen Deutschen Bundesbank den an niedrigen Zinssätzen interessierten Regierungen innerhalb und außerhalb Deutschlands stets ein Dorn im Auge war, so gibt es nun kein Korrektiv mehr. Standen zu Beginn der Gemeinschaft (mit den Römischen Verträgen von 1957) liberale Ideen wie persönliche Freizügigkeit, Freihandel und Subsidiarität im Mittelpunkt, wird nunmehr der Weg zum zentral gelenkten Imperium beschritten. Der sozialistische Traum von der „Festung Europa“ – protektionistisch nach außen und interventionistisch nach innen – steht unmittelbar vor seiner Verwirklichung.

Damit es so weit kommen konnte, mussten zunächst alle Register gezogen werden. Die trickreichen Eurozentristen spannten dafür den Karren vor den Ochsen, indem sie die verordnete Gemeinschaftswährung als Vehikel für die dadurch unabdingbar notwendige politische Integration einsetzten. Viele Deutsche erinnerten sich noch allzu gut an die Hyperinflation anno 1923 und den Verlust ihrer Geldvermögen bei der Währungsreform von 1948. Sie wollten um keinen Preis von ihrer harten DM lassen und mussten mit List und Tücke dazu gebracht werden, auf sie zu verzichten.

Rückblickend betrachtet, schlug die große Stunde des Euro mit dem Fall der Berliner Mauer und den folgenden Bemühungen um die Deutsche Wiedervereinigung. Die britische und die französische Regierung standen den Vereinigungsbestrebungen mehr als skeptisch gegenüber. Die Vision einer deutschen Wirtschaftsmacht mit 80 Millionen Bürgern erschien sowohl Mrs. Thatcher als auch M. Mitterand erschreckend. Die eine dräuende Isolation Deutschlands fürchtende politische Klasse des Landes nutzte diese Skepsis, um den Mythos von der Aufgabe der Deutschmark als Preis für die Wiedervereinigung und den Frieden in Europa in die Welt zu setzen. Da allerdings die „großen Sieger“ des Weltkrieges, USA und UdSSR, keine Vorbehalte gegen die Wiedervereinigung hatten, hätten die „kleinen“, Frankreich und Großbritannien schwerlich über taugliche Mittel verfügt, diese zu hintertreiben.

Die 1992 im Vertrag von Maastricht niedergelegten „Konvergenzkriterien“ für die Währungsunion, dienten ausschließlich als Beruhigungspille für die um ihre Hartwährung besorgten Deutschen, ohne deren Teilname das Vorhaben undenkbar war. Der Euro sollte ihnen daher als ebenso solide wie die DM verkauft werden. Der damals amtierende deutsche Finanzminister Theo Waigel erlitt mit seinen Bemühungen, die Verletzung der das Defizit, die Maximalverschuldung und die Inflation begrenzenden Bedingungen mit automatisch in Kraft tretenden Sanktionen zu bewehren, Schiffbruch. Die „Südunion“ inklusive Frankreichs war eben nicht an Haushaltsdisziplin, sondern primär an der Ausschaltung der „Tyrannei“ der auf Währungsstabilität bedachten Deutschen Bundesbank interessiert.

Bagus beschreibt anschaulich die Dynamiken eines von jeder Warendeckung befreiten Fiat Moneys, warum gerade stark inflationierende Regierungen so dringend die Währungsunion anstrebten und auf welche Weise diese Union die Bürger solide gebarender Staaten schädigt. Der Geburtsfehler des Projekts, die niemals seriös geprüften und sanktionierten Konvergenzkriterien als unabdingbare Voraussetzung für die Gemeinschaftswährung, könnten sich nun nicht nur als fatal für das angestrebte Projekt eines europäischen Zentralstaates und damit – welche Ironie! – als Fiasko für die Eurozentristen erweisen, sondern – und darin liegt Grund zur Besorgnis – als veritable Gefahr für Frieden und Stabilität in Europa. Der Euro bildet nicht mehr länger die gewünschte „Klammer“, sondern wird zum Spaltpilz der Union. Zunehmend frustrierte und sich ausgebeutet fühlende Nordeuropäer und gegen die Schwerkraft rebellierende Bürger des „Club Med“ sind nicht unbedingt Symptome einer gedeihlichen Entwicklung des europäischen Friedenprojekts.

Dass die Union betreffende Verträge das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben stehen, zeigen die Ereignisse rund um die „Rettung“ Griechenlands. Die „politisch unabhängige“ Europäische Zentralbank wird mittlerweile ungeniert von der französischen Regierung am Gängelband geführt und die „Non-Bailout-Klausel“, die eine Übernahme von Schulden und Haftungen für in Schwierigkeiten geratene Mitglieder der EU durch andere Gemeinschaftsmitglieder verbietet, wurde von der politischen Klasse – gegen den Willen einer großen Mehrheit der zahlenden Bürger – in einer Nacht-und–Nebel-Aktion am 7. 5. 2010 weggeputscht.

„Le Figaro“ kommentierte 1992: „Maastricht ist der Vertrag von Versailles ohne Krieg“. Es steht zu hoffen, dass diese Einschätzung nicht zutrifft. Die Folgen dieses „Vertrages“ hätten bekanntlich schlimmer nicht sein können.

Hinweis:

Link zum zitierten Buch

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