Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Bericht: Im Zeichen der Krise

von Andreas Tögel

6. Konferenz der “Property and Freedom Society”

Am 26. Mai startete im westtürkischen Bodrum die sechste Konferenz der von Hans-Hermann Hoppe gegründeten „Gesellschaft für Eigentum und Freiheit“. Wie in den vergangenen Jahren wurden wieder zahlreiche Wissenschaftler und Autoren aus der libertären Gemeinde aufgeboten, deren am ersten Tag der Veranstaltung gehaltenen Vorträge den aktuellen Problemen des Weltwirtschafts- und Finanzsystems gewidmet waren.

Gastgeber Hoppe stellte sein Eröffnungsreferat unter den Titel „Politik, Geld und Bankwesen – alles was Sie wissen müssen in 30 Minuten“. Er begann mit der Definition des Staates, der sich einerseits als „monopolistischer Rechtssetzer innerhalb eines gegebenen Territoriums mit dem Privileg, Steuern zu erheben“ darstellt und andererseits als „Letztentscheider in Streitfällen – auch in solchen, in die er selbst verwickelt ist.“ Diese einzigartige Stellung des Staates im Verhältnis zum Bürger führt notwendigerweise auch zu Konsequenzen für das Geld- und Bankenwesen. Die Möglichkeit des Staates, seine Kompetenzen durch Zugriff auf das Eigentum der Bürger nahezu unbegrenzt zu erweitern [erkennbar u. a. an einer permanent wachsenden Steuer- und Staatsquote, Anm.] haben im Lauf der Zeit durch eine Reihe geldpolitisch folgenschwerer Maßnahmen deutlich zugenommen.

Die Maximierung der Staatseinnahmen durch direkte Steuern findet seine Grenzen in mit steigenden Tarifen zunehmenden Steuerwiderständen [wie die Laffer-Kurve anschaulich darstellt, Anm.]. Ab Überschreitung einer bestimmten Höhe der Abgabenlast erodieren die Staatseinnahmen – als Folge von Steuerflucht und Steuerhinterziehung oder bedingt durch eine Produktionseinschränkung seitens der Steuerpflichtigen. Der Staat greift daher zunächst zum Mittel der Verschuldung und bedient sich hierfür der Geschäftsbanken. Dies führt naturgemäß zu seiner Abhängigkeit von diesen Geldgebern und limitiert weiterhin seinen finanziellen Spielraum. Dieser wird in einem nächsten Schritt durch das den Geschäftsbanken gewährte Privileg zur Teilreservehaltung ausgeweitet [die vorhandene Geldmenge kann dadurch, bedingt durch die damit verbundene Möglichkeit zur massiv erweiterten Kreditvergabe - abhängig von der vorgeschriebenen Mindestreserve, willkürlich ausgeweitet werden, Anm.]. Schließlich entledigt sich der Staat seiner Abhängigkeit von den Geschäftsbanken durch die Schaffung einer staatlich beherrschten, mit dem Privileg zur (Papier-)Geldproduktion ausgestatteten Notenbank als „ultimativer Kreditgeber“. Den vorerst letzten Akt bildet die Lösung des (Papier-)Geldes von jeglicher Warenbasis („Deckung“), sowie die Einführung von Zahlkraftgesetzen, die inhärent wertloses Papier zum alleinig zulässigen Zahlungsmittel erklären.

Diese letzte Maßnahme wäre in einem System konkurrierender Währungsanbieter völlig undenkbar, da jedermann werthaltiges Geld dem wertlosen vorzöge und die Annahme des letzteren verweigerte. Das Währungsmonopol des Staates – verbunden mit der weidlich genutzten Möglichkeit, die Geldmenge hemmungslos zu erhöhen – führt zur sukzessiven Enteignung der Bürger durch den Staat.

Grund dafür ist der Cantillon-Effekt (benannt nach dem Ökonomen Richard Cantillon), der die Geldschöpfung zum Umverteilungsvehikel macht. Die staatlich gesteuerte Inflationierung der Währung hat den Effekt einer unsichtbaren Steuer.

Nutznießer sind der Staat, dessen Büttel und das Bankensystem; Geschädigte alle übrigen – insbesondere die Bezieher fester Einkommen, die mit der sinkenden Kaufkraft ihrer Barschaft konfrontiert sind. Die beiden (gleichermaßen kriminellen) staatlich initiierten Methoden, nämlich Geld zu drucken und auszugeben sowie Geld zu drucken und zu verleihen, haben unterschiedliche Konsequenzen. Letztere sind die langfristig gefährlicheren, da sie maßgeblich für die Ausbildung von Konjunkturzyklen verantwortlich sind. Durch die Schaffung der Illusion von real vorhandenen Mitteln (Ersparnissen) wird eine künstliche Konjunktur erzeugt, die nach Offenbarwerden der mangelnden Finanzierungsbasis in Form einer Rezession korrigiert wird.

Hoppe benutzt ein Robinson-und-Freitag-Gleichnis zur anschaulichen Illustration des Geschehens: Freitag erhält von Robinson ein Darlehen in Form von Fischen, die er selbst nicht konsumiert. Dieses versetzt den Debitor in die Lage, einige Tage nicht der Nahrungsbeschaffung widmen zu müssen, sondern für die Produktion eines Netzes einzusetzen. Danach ist er mit dessen Hilfe imstande, sowohl das Darlehen nebst Zinsen an Robinson zurückzuzahlen, als auch seine eigene Produktion zu erhöhen. Der für beide Seiten entstandene Nutzen ist offensichtlich. Erhält Freitag – mangels ersparter Fische – anstelle derselben lediglich einen Zettel mit der Aufschrift „Fische“, wird der Unsinn dieser Aktion augenblicklich klar. Freitag kann sein „Projekt Netzbau“ unter diesen Umständen nicht umsetzen, da Robinson in Wahrheit über keine Ersparnisse an Fischen verfügt.

In großen, komplexen Ökonomien unterscheiden sich die Zusammenhänge zwar keineswegs grundsätzlich von den oben beschriebenen, die in einer einfachen Tauschwirtschaft herrschen, sie sind aber keineswegs so offensichtlich und daher für die breite Masse nicht zu durchschauen. Ein System, das die Schaffung von Kredit aus „dünner Luft“ zulässt, kann daher recht lange Zeit am Leben erhalten werden. Indessen führt kein Weg an der fundamentalen Einsicht vorbei, dass die Produktion von Papiergeld bei unverändert bleibendem Kapitalstock unter keinen Umständen zu einer Erhöhung des Wohlstands, sondern lediglich zu einer Preisinflation und zu einer von der Produktion losgelösten Umverteilung von unten nach oben führt.

Das folgende, vom in Breslau Volkswirtschaft lehrenden Mateusz Machaj gehaltene Referat trug den Titel „Wie man die Zentralbank kritisiert“ und widmete sich den Ansatzpunkten zur Kritik an der Funktion von Zentralbanken. Demnach lassen sich zwei Ansätze unterscheiden: Einmal einen grundsätzlichen: Zentralbanken sind ihrem Wesen nach gefährliche Machtinstrumente. Und zum anderen einen funktionalen: Die Politik der Zentralbank war oder ist aus bestimmten Gründen schädlich.

Der erste Ansatz ist jener der Austrian Economy. Ein Zentralbanksystem entspricht einer zentral geplanten, sozialistischen Wirtschaftsordnung. Machaj spricht in diesem Zusammenhang von einer „Schumpeterisierung der Kapitalmärkte“. Auf diesen kommt es zu einer Verdrängung privater Geldhalter durch staatliche Geldproduzenten. Stark verkürzt zusammengefasst: Die Probleme des Sozialismus folgten aus der verstaatlichten Kontrolle der Produktionsmittel. Die Probleme unserer Tage folgen aus der verstaatlichten Produktion und Kontrolle des Geldes.

Der zweite Ansatz der Kritik fokussiert auf die Zinspolitik der Zentralbank. Wurde die „Taylor-Rule“ korrekt angewendet (zum Beispiel die Zinsen entsprechend den politischen Zielvorgaben gesetzt) oder nicht? Das Problem besteht hierbei in konkurrierenden Zielvorgaben (Preisstabilität vs. Vollbeschäftigung) einerseits und in der Treffsicherheit der ergriffenen geldpolitischen Entscheidungen andererseits. Wie die aktuelle Krise zeigt, liegen die Probleme häufig zu tief, als dass sie durch monetäre Maßnahmen behoben werden könnten.

Das von Philipp Bagus, Ökonom an der Universität Madrid, gehaltene Referat trug den Titel „Die FED und die EZB: Banksterism im Vergleich“.

Ihre Organisation und das den beiden Zentralbanken zur Verfügung stehende Instrumentarium unterscheiden sich nur unwesentlich voneinander. Auf beiden Seiten des Atlantiks erfolgt die Geldschöpfung in einem Zusammenspiel von Staat, Noten- und Geschäftsbanken. Die Geschäftsbanken kaufen vom Staat begebene Anleihen an und deponieren diese gegen zu verzinsendes Bargeld bei der Zentralbank. Die Zentralbank führt die entstehenden Überschüsse an den Staat ab.

Das Maß für den Vergleich des inflationistischen Treibens der Zentralbanken bildet die Geldmengenentwicklung. Dabei schneidet die FED schlechter ab als die EZB. Die Ausweitung des Defizits in den USA verlief seit Ausbruch der Finanzkrise deutlich dramatischer als in der Eurozone. Während sich die Staatsschuld in den USA nahezu vervierfachte (auf 2,7 bn. USD), stieg diese im Euroraum „nur“ von 1,3 auf 1,9 bn. Die von der EZB vorgenommene, direkte Monetisierung belief sich auf ein Zehntel des Wertes der FED. Die inhärent stärker inflationistische Politik der FED (die zwei als gleichwertig definierten Zielen, nämlich der Preisstabilität und der Konjunkturpflege dient) ist an den Zinssätzen abzulesen: Die EZB (die ausschließlich dem Erhalt der Preisstabilität verpflichtet ist) hält bei derzeit 1,25 Prozent, während die FED faktisch bei Null liegt. Das darf insofern nicht verwundern, als der Chef des FED-Systems, Bernanke, absolut davon überzeugt ist, dass die „Große Depression“ im Gefolge des 1929er-Börsenkrachs durch eine falsche – aus seiner Sicht nämlich zu wenig inflationistische – Geldpolitik ausgelöst wurde.

Die Unterschiede zwischen EZB und FED sind gradueller, nicht aber grundsätzlicher Natur. Die gegenwärtige Eurokrise ist das Ergebnis eines zwischen den unter das Joch einer gemeinsamen Währung gespannten, nationalen Regierungen ausgebrochenen Streits um die „Verteilung der Beute“.

Fazit: Ben Bernanke gewinnt das Rennen um den Titel des schlimmsten Banksters klar vor Jean-Claude Trichet.

02. Juni 2011

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