16. Mai 2011

ÖsterreichOffener Brief an Gewerkschaftsvize Sabine Oberhauser

Rote Klassenkämpferin vs. Industriellenchef

Veit Sorger, streitbarer Chef der Österreichischen Industriellenvereinigung, verlieh in der Fernsehpressestunde des Staatsfunks ORF vom 15. Mai dem angesichts der hohen Abgabenlast unter den Leistungsträgern im Lande herrschenden Unmut Ausdruck. Gemeint hatte er Industrielle, Unternehmer und leitende Angestellte in der Privatwirtschaft. Außerdem verteidigte er (die Sozialisten denken ernsthaft an die Einführung gesetzlicher Bezugsobergrenzen für in privater Hand befindliche Unternehmen!) hohe Managerbezüge gegen von der Neidgenossenschaft zuletzt wiederholt vorgetragene Angriffe.

Die Reaktion der Vertretung der werktätigen Massen ließ nicht lange auf sich warten. Die Vizepräsidentin des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Dr.in (sic!) Sabine Oberhauser, rote Multifunktionärin und u. a. Vorsitzende der sozialistischen Ärzte, fühlte sich umgehend bemüßigt, die Aussagen Sorgers zurechtzurücken.

Per APA-Aussendung gab die wackere Frau folgendes zu wissen kund: "Dass die Leistungsträger frustriert sind, wie Industriellenpräsident Veit Sorger in der heutigen ORF-Pressestunde berichtet, kann ich bestätigen. Wir meinen allerdings andere, wenn wir von Leistungsträgern sprechen: Wir reden von Krankenschwestern, IndustriearbeiterInnen, Angestellten im Handel, Lehrerinnen – von den ArbeitnehmerInnen im Land, die den Großteil der Steuerlast tragen.“

Dass wirtschaftlicher Sachverstand in Kreisen hauptamtlicher ArbeitnehmervertreterInnen ein in höchstem Maße rares Gut ist, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Ich habe mir daher erlaubt, folgendes, hoffentlich dem Erkenntnisgewinn der Genossin dienendes Schreiben zukommen lassen:

„Sehr geehrte Frau Dr.(in) Oberhauser!

Eine kleine Korrektur zu Ihrer Liste angeblicher Leistungsträger und Steuerzahler: Krankenschwestern und Lehrer / innen zahlen natürlich keine Steuern, sondern sie leben von Steuern. Ein nicht ganz unwesentlicher Unterschied, meinen Sie nicht auch?

Steuern zahlen die in der Privatwirtschaft tätigen, die das geringe Vergnügen haben, ungefragt in öffentlichen Diensten stehende „Werktätige“ – übrigens auch Oberärztinnen – alimentieren zu dürfen. Und die in der Privatwirtschaft tätigen Unselbständigen zahlen deshalb Steuern und leben nicht von der Stütze, weil es Narren wie meine Wenigkeit gibt, die Unternehmen gründen und Arbeitsplätze schaffen. Dafür dürfen sie sich dann auch noch von Kreaturen, die nie in ihrem Leben auch nur eine Minute lang produktiv gearbeitet haben, aus dem Kreis der Leistungsträger hinausreklamieren lassen.

Ich kann Ihnen und Ihren GenossInnen nur dringend empfehlen, es mit dem Klassenkampf nicht zu weit zu treiben. Andernfalls könnte tatsächlich passieren, was Peter Sloterdijk einmal als „Revolution der gebenden Hand“ bezeichnet hat. Wäre interessant zu beobachten, wovon Sie und Ihresgleichen dann zu leben gedenken…“


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