Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

ef investigativ

Haben Sie Informationen oder Dokumente für uns? Hier können Sie unserem Investigativ-Team eine Nachricht schreiben.

investigativ@ef-magazin.de

ef-Einkaufspartner

Wenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button:

ef auf Facebook

Besuchen Sie uns auch auf Facebook:
facebook.com/efmagazin

ef Television

Veranstaltungsbericht: Verantwortliches Unternehmertum

von Andreas Tögel

Ein zunehmend rares Phänomen?

Die große Zeit der charismatischen Unternehmerpersönlichkeiten ist vorbei. Nicht mehr Eigentümer-Unternehmer stehen heute mehrheitlich an der Spitze großer Unternehmen und Konzerne, sondern angestellte Manager. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die herrschende Unternehmenskultur, da Ziele und Methoden eines dynastisch denkenden Prinzipals sich erheblich von denen eines lediglich für eine begrenzte Zeit an der Spitze eines Betriebes stehenden Angestellten unterscheiden.

Die Analogie zur politischen Führung durch einen auf Lebenszeit regierenden Monarchen im Vergleich zu einem auf Zeit gewählten Parteipolitiker ist offensichtlich. Sind erstere am langfristigen Bestand ihrer Unternehmen beziehungsweise Reiche interessiert, die sie tendenziell vorsichtig führen, um sie stetig zu entwickeln und erfolgreich an ihre Nachkommen weitergeben zu können, suchen letztere eher den schnellen, kurzfristigen (Betriebs-)Erfolg, der sich in entsprechend hohen Bezügen und Prestige niederschlägt. Das „rechte Maß“ (Leopold Kohr) für die Betriebs- und Staatsgröße, wie auch für die Art der Führung von Betrieben und Staaten, gerät in unseren Zeiten, da der Gigantismus dominiert, mehr und mehr aus dem Blick. Kohrs Credo „Small is beautiful“ wurde vom Dogma des unbegrenzten Wachstums der Unternehmen wie der politischen Einheiten abgelöst.

Dass eine ständig abnehmende Zahl von persönlich entscheidenden und verantwortlichen Unternehmern gesellschaftspolitische Konsequenzen hat, liegt auf der Hand. F. A. Hayek hat schon vor Jahrzehnten auf die fortschreitende Proletarisierung der Gesellschaften hingewiesen, deren politische Führungen sich heutzutage faktisch ausschließlich aus unselbständig Beschäftigten rekrutieren.

„Wer in Österreich etwas studiert hat, der will Beamter werden“ – so der freiheitliche Historiker Lothar Höbelt anlässlich einer Podiumsdiskussion im Vorjahr. Absolut Korrekt! Angesichts der hierzulande herrschenden Anreizstruktur fühlen sich nur noch tollkühne Draufgänger, erklärte Masochisten und Personen, die aus der Not eine Tugend machen, zum Unternehmerdasein hingezogen.

Nikolaus Kimla, der sich der „Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre“ verbunden fühlende Chef der „GO-AHEAD – Wirtschaftsplattform für Führungskräfte“, lud am 31. März zu einer der verantwortlichen Führung von Unternehmen gewidmeten Veranstaltung. Im Mittelpunkt standen dabei die Führung, Entwicklung und erfolgreiche Strategien für Familienbetriebe, zu denen Bernhard Brennikmeijer, Präsident der Niederländischen Handelskammer für Österreich und selbständiger Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt Familienunternehmen, ein Referat mit dem Titel „Familienunternehmen als tragende Säulen von Wirtschaft und Gesellschaft“ hielt.

Brennikmeijer begann seine Ausführungen mit dem Zitat einer uralten Weisheit im Hinblick auf über Generationen hinweg laufende Entwicklung von Unternehmen: „Der erste erstellt´s, der zweite erhält´s, der dritte zerschellt´s“. Daran sei viel Wahres, da nur ganze 4 Prozent aller Unternehmen die Übergabe an eine vierte Generation erlebten. Die von linken Gleichmachern so gerne verbreiteten Meldungen über die angeblich gewaltigen Vorteile von aus Unternehmerfamilien stammenden Sprösslingen gegenüber Arbeiterkindern entpuppen sich somit als Märchen. Der überwiegende Teil der Unternehmer kommt eben nicht als solcher zur Welt, sondern ist selbst Gründer, der seine Karriere als Unselbständiger begonnen hat.

Die besondere Problematik sieht der Referent in einer vernünftigen Balance der drei überlappenden Bereiche Familie, Betrieb und Vermögen. Stünden in der ersten Generation noch der alles beherrschende Gründungsgedanke und der Aufbau im Mittelpunkt, begännen mit der Übergabe an die zweite Generation häufig die Probleme, die meist nicht mit dem Unternehmen selbst, sondern mit Spannungen und Unverträglichkeiten in der Familie zu tun hätten. Für die gedeihliche Unternehmensentwicklung sei es deshalb von größter Bedeutung, dadurch entstehende Probleme rasch und für alle Familienmitglieder verträglich zu lösen.

Während technische und betriebswirtschaftliche Fragen durch Einsatz von Geld relativ leicht bewältigt werden könnten („Know How kann man kaufen“) verhalte es sich mit dem „Know Why“ grundlegend anders. Die im Betrieb tätigen Familienmitglieder müssten sich auf eine gemeinsame Philosophie und langfristige Unternehmensstrategie verständigen. Die drei Fragen „woher? – wohin? und wie?“ dürften niemals aus dem Bewusstsein der am Betrieb Beteiligten verloren werden. Die Verzahnung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft habe für in Familienhand befindliche Betriebe größte Bedeutung für eine nachhaltig positive Entwicklung.

Ein zweites Referat, gehalten von Wolfgang G. Sonnenburg, Autor der Buches „Millionaire Spirit“ widmete sich dem Thema „Die KNACK-Punkte nachhaltigen Geschäftserfolges im 21. Jahrhundert.“ Als „Knack-Punkte“ sieht der Referent:

Kommunikation
Naviagtion
Akquise
Chancenverwertung und
Kompetenz

Der höchste und absolut unersetzliche Wert sei die zur Verfügung stehende Zeit. Sie allein sei, wäre sie erst einmal verloren, unersetzlich –- anders als Verluste von Geld oder Gesundheit, die in vielen Fällen wettgemacht oder ausgeglichen werden könnten. Materie sei zwar wichtig, könne aber nie den Sinn und Inhalt des Handelns bilden. Die Festlegung von Zielen („What´s the purpose?“) sei daher die erste zu beantwortende Frage beim Unternehmensbeginn.

Häufig beschworene „Best-practice“-Strategien seien zwar für einen in der Wachstumsphase befindlichen Betrieb zweckmäßig, würden sich bei Stagnation oder Abschwung aber als kontraproduktiv erweisen. In diesem Falle müsse nach einem geeigneten Strategiewechsel, eine „Next practice“ gefunden werden.

Internetverweise:

www.go-ahead.at

www.rco-partners.com

www.win-win.ag

02. April 2011

Unterstützen Sie ef-online

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien.
Klicken Sie hier für Informationen zur Fördermitgliedschaft.

Testen Sie eigentümlich frei

Prominente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht.

Diesen Artikel teilen

Anzeigen