30. März 2011

FDP-Nachtrag Personalvorschlag für einen erfolgversprechenden Neuanfang

Brüderle statt Westerwelle, Lindner statt Lindner und dazu ganz viel Aufbruch

Wie fern von den einstigen Wählern muss man sein, um als FDP-Führung nun die Grünen auf deren Anti-AKW-Schleimspur noch links überholen zu wollen? FDP-Chef Guido Westerwelle und sein General Christian Lindner, zwei Berufspolitiker, die seit ihrer Kindheit ernsthaft nichts anderes gemacht haben als Kungeln in der Partei, sind im Raumschiff Berlin jetzt offenbar völlig abgehoben. Sie haben nicht im Ansatz verstanden, warum ihre ehemaligen Wähler sich in Scharen und mit Grausen abwenden.

Heute zum Beispiel bestimmt wieder einmal die sexistische Idee der Frauenquote die Schlagzeilen. Anstatt nun den ebenfalls angegrünten und rotgetünchten CDU-Damen Schröder und von der Leyen ob solch markt- und menschenfeindlichen Irrsinns multimedial den ganz großen liberalen Stinkefinger zu zeigen, schweigen Guido und Chris im Berliner Wäldchen, schließlich sind sie dort ja gestern bereits dem Zeitgeist nachgelaufen. Man muss sich diese Ganzkörper-Opportunisten anschauen: Selbst Guido W. hat im Zweifel mehr Ecken und Kanten (oder wenigstens Pickel) als sein aalglatter Möchtegernnachfolger. Und die zur FDP-Machtclique gehörigen Weibchen Cornelia Pieper, Silvana Koch-Mehrin oder Birgit Homburger haben nur noch weniger Profil. Not trifft hier auf Elend. Weshalb dem Guido dort auch niemand gesagt hat, dass Außenministerspielen zwei Nummern zu groß für ihn ist. Die Strafe des Wählers ist wie von der „Welt“ bezeugt schlicht leistungsgerecht.

Dabei böten sich jetzt noch einmal alle Chancen für die gebeutelte Partei, wenn sie nur die richtigen Lehren aus der gelbroten Karte des Wählers ziehen würde: Aus- und Abgabensenkung durch schrittweise Beschneidung der Staatsaufgaben. Würde die FDP zum Beispiel die im Internetzeitalter flüssiger als flüssigen, milliardengepäppelten Staatsfunker von ARD und ZDF stillschalten, statt es sich in deren Aufsichtsräten gut gehen zu lassen, so würde alleine eine solche liberale Medienpolitik fünf Prozent zusätzlich bringen. Es gäbe dutzende Bereiche, aus denen sich die Politik sofort zurückziehen könnte. Dutzende Chancen zugleich, dann die Steuern und Abgaben zu senken – und dem Wähler doch noch das zu geben, was er von der FDP erwartet hat.

Der richtige Vorsitzende für eine solche Kehrtwende der Partei hin zu ihren programmatischen Ursprüngen im klassischen Liberalismus wäre Frank Schäffler, der Euro-Rebell alleine gegen die Brüsseler Mafia, der „Dr. No“ des Bundestages, der Gründer des Liberalen Aufbruchs. Daneben scheidet das nun beginnende Hauen und Stechen immer deutlicher die einen von den anderen.

Denn zwei Lager konkurrieren offenbar mit den Windbeuteln der jetzigen Führung. Jorge Chatzimarkakis, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Altrecke Gerhard Baum wollen eine noch weitergehende Öffnung nach links. Dagegen stehen neben Frank Schäffler und seiner Gruppe der Berliner Martin Lindner, der Sachse Holger Zastrow sowie, ja, ebenfalls ein Oldie: Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Der hat nicht nur als einziger FDP-Minister in den letzten 18 Monaten eine recht ordentliche Leistung geboten, er hat auch im Streit um das Atom-Moratorium als einziger schlicht die Wahrheit gesagt, dass nämlich CDU und FDP vor der Wahl (und nur deshalb) wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen die Vernunft abgelegt hatten. Dass die Oberhennen Westerwelle und Lindner nach der Wahl im Hühnerstall auch noch das Motorrad anschmeißen würden, konnte der gestandene Mann nicht ahnen.

Die FDP hat nur eine Chance, wenn sie das Steuer herumreißt und ihre ohne jeden Kompass herumeiernde Führung abschaltet. Wem ein Parteichef Frank Schäffler dabei als zu früh oder zu riskant vorkommt, dem böte sich eine Alternative: Ein präsidial agierender Übergangsvorsitzender Rainer Brüderle im Tandem mit dem neuen Generalsekretär Frank Schäffler. Dazu die stellvertretenden Parteivorsitzenden Martin Lindner, Holger Zastrow und der dritte Mann. Er könnte Philipp Rösler oder Daniel Bahr heißen, sofern einer von beiden nun langsam aus dem Dunkeln kommt und ebenfalls bürgerlich-erzliberale Flagge zeigt.

Die Alternativen Weiter so und Öffnung nach Links mögen diskutiert werden. Erfolgversprechend sind sie sicher nicht.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von André F. Lichtschlag

Über André F. Lichtschlag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige