23. Februar 2011

ef 110 Editorial

Aktuelle Kamera schon für die Kleinsten

Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe läuft die bereits vor einigen Tagen gestartete neue Pressekampagne gegen den Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg richtig heiß. Die arabische Revolution findet in den Nachrichten nur noch am Rande statt, wichtiger sind Tagesschau, „Spiegel“ und Co. tagein, tagaus einige fehlende Gänsefüßchen in einer fünf Jahre alten Doktorarbeit.

Nachdem ein vorausgehender Beschuss in Sachen Gorch Fock den Minister nicht versenken konnte, waren akribische Suchmannschaften unter dem Deck der sozialdemokratischen Mittelstrommedien in der Doktorarbeit des ungewöhnlich beliebten Politikers fündig geworden. Schließlich ist der finanziell völlig unabhängige, klassisch gebildete Gentleman aus Bayern für die Armada der linken Gleichmacher schon qua elegantem Auftritt und makelloser Erscheinung schlicht eine personifizierte Provokation. Und so zetert jetzt der ganz große Matrosenchor der selbstbescheinigt Heiligen.

Recht intelligent verhält sich dabei die Führung der SPD, die lediglich ihre zweite und dritte Mannschaft in die Schlacht gegen den Minister schickt. Vorsicht ist die Mutter des sozialdemokratischen Parteibuchs. Guttenbergs immer noch übergroße Sympathiewerte sind den Genossen nicht geheuer.

Weniger schlau die Grünen und Linken: Gregor Gysi und Jürgen Trittin kläffen laut und beißen böse nach dem Freiherrn. Doch steht nicht der eine in Verdacht, zu Studienzeiten für die Stasi gearbeitet zu haben? Und sollen nicht die Freunde des anderen einst Geld für Waffen in El Salvador gesammelt haben? Oder gilt beides gar für beide?

Gregor Gysi hat 1976 an der Humboldt-Universität mit einer Arbeit über den „sozialistischen Rechtsverwirklichungsprozess“ promoviert, Trittin hat es sogar zum Diplom-Sozialwirt gebracht. Wir können sicher sein, dass ihre Abschlussarbeiten ohne Fehl und Tadel sind. Beide suchten sie honorig den Stein der Weisen und erfanden das Rad, wenn nicht gar das Fahrrad neu. Nebenbei engagierte sich der fleißige Student Trittin für das Gemeinwohl im „Kommunistischen Bund“ und Genosse Gysi für den Aufbau des Sozialismus im Arbeiter- und Bauernstaat. Und Gysi und Trittin stehen keineswegs alleine da. Während der grüne Ex-Außenminister Fischer sein Studium abbrach, Taxi fuhr und womöglich am Boden liegende Polizisten halbtot trat, während dessen Freund Daniel Cohn-Bendit von erotischen Abenteuern mit kleinen Kindern prahlte und noch stolz darauf war, jahrelang persönlich Sozialhilfe abkassiert zu haben, fertigte Karl-Theodor zu Guttenberg „über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit in mühevollster Kleinarbeit“ seine Doktorandenschrift an und zog nebenbei zwei Kinder groß.

Mehr noch als die Tagesschau verriet wieder einmal unsere Aktuelle Kamera für die Kleinsten: Die öffentlich-rechtliche Kindernachrichtensendung Logo teilte ihren jungen Zuschauern in der Sendung vom 18. Februar vielsagend mit: „Herr zu Guttenberg hat sich heute erstmal verteidigt. Der Wirbel um ihn wird weitergehen. Logo hält euch in der Sache weiter auf dem Laufenden.“ Mit anderen Worten: Die Kampagne ist nicht beendet.

Doch die täglichen Sondersendungen über eine alte Doktorarbeit, die draußen recht eigentlich niemanden interessiert, könnte wieder einmal das Gegenteil des Beabsichtigten bewirken. Thilo Sarrazin kann darüber einiges berichten. Spätestens nach der Medienkampagne gegen ihn wissen allzu viele in Deutschland, was sie von ihren Medien zu halten haben. Meine Prognose: Guttenberg wird durch den dummdreisten Dauerbeschuss nur noch beliebter und steht als nächster Kanzler bereit.

Währenddessen finden in der arabischen Welt atemberaubende Veränderungen statt. Wer steckt dahinter? Und was bedeutet das für uns in Deutschland? Wir wollen in dieser Ausgabe schwerpunktmäßig Personen und Zusammenhänge beleuchten, wie sie woanders kaum oder nicht beachtet werden. Bei der Lektüre dieses Schwerpunktes wie auch mit dem gesamten Heft wünsche ich wie immer viel Lesefreude und Erkenntnisgewinn.

Wir sehen uns wieder nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Vergessen Sie dort wie andernorts nicht: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien! Mehr netto!

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Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 110


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