21. Januar 2011

Grüne Abgeordnete Krieg ist gut

Weil er den Pöbel diszipliniert

Dank Hitler ging während des Zweiten Weltkrieges die Kindersterblichkeit deutlich zurück. In England jedenfalls. Das sagte heute die seit der Unterhauswahl im Mai 2010 erste und einzige britische Abgeordnete der Grünen, Caroline Lucas – nicht wortwörtlich natürlich, denn der Gefreite aus Braunau ist ja Autobahn, und sowas wollen die Umweltschützer ja nicht. Heute schrieb Lucas im „Guardian“, dass sie darüber erstaunt war, „wieviel Positives und teilweise Inspirierendes“ wir doch von der Kriegsgeneration lernen können. „Die Leute tolerierten so viel Zerrüttung und Entbehrung, weil sie wussten, dass es keine Alternative gab, und weil sie glaubten, dass die Gesellschaft am Ende des Krieges eine stärkere sein würde.“

Zum Beispiel, so die Abgeordnete für den Wahlkreis Brighton Pavilion, habe die weitaus größte Mehrheit der Haushalte Rationierungen unterstützt, „weil das gerechter war als die Alternative, den Lebensmittelkonsum über den Preis einzuschränken.“ Zwar musste man auf so manches Vergnügen verzichten, meinte die aus dem soliden Mittelstand stammende Umweltschützerin, „wie zum Beispiel Fahrten aufs Land“, dafür aber stiegen die Besucherzahlen in den Theatern an. Aufgrund der Rationierung „verbesserte sich die Ernährungsweise und die Kindersterblichkeit sank deutlich“. So schließt sich die oben angedeutete logische Verkettung. Mit anderen Worten: Der Krieg war nicht nur gut, weil der Gegner ein ganz Böser war, sondern auch, weil er den Pöbel zu Hause disziplinierte.

Nach dem Zugeständnis, dass es „falsch“ wäre, den Zweiten Weltkrieg „zu verherrlichen“, setzte Lucas mit herzerfrischender Offenheit und plumper Naivität die Präsentation ihrer Vision von der grünfaschistischen Rettung der Welt fort: Plakatpropagandasprüche aus dem Krieg wie „Ist deine Reise wirklich nötig?“ seien auch heute relevant, „wenn so viele Dienstreisen durch Videokonferenzen ersetzt werden könnten.“ Denn: „Der Klimawandel ist eine der größten Bedrohungen für unser Land seit dem letzten Krieg.“ Da ist sich Lucas ganz sicher, denn sie steht mit ihrer Meinung nicht allein da: Neben Umweltschützern hätten auch „Unternehmensführer, Premierminister, große Stiftungen und Generäle alle das Risikopotential erkannt.“ Auffallend, dass in ihrer Auflistung angeblicher Autoritäten die sonst so gern gebrachten Klimawissenschaftler fehlen. Wie auch immer: Alle diese klugen und selbstverständlich unparteiischen Leute sagen, der Klimawandel ist gefährlich und böse. Also muss das wohl auch stimmen. Aus diesem Grund müsse die Nation auf eine seit 1945 nicht mehr gesehene Weise „mobilisiert“ werden.

Leider habe aber die Regierung Angst vor der eigenen Bevölkerung. Da die promovierte Literaturwissenschaftlerin nicht Thomas Jefferson heißt, der einen solchen Zustand, wie schon zu seinen Lebzeiten, freudestrahlend als „Freiheit“ bezeichnet hätte, findet sie das ganz empörend. Deshalb habe sie sich bereiterklärt, heute – an keinem geringern Ort als dem Londoner Imperial War Museum – einen Bericht des „Tyndall Centre for Climate Research“ zu präsentieren. Es sei ihre Hoffnung, Politiker davon zu überzeugen, dass die Bevölkerung „mit der selben Kreativität und Hingabe wie in den düsteren Tagen des Krieges reagieren wird, wenn sie einmal verstanden hat, was getan werden muss und überzeugt ist, dass jeder gerecht behandelt wird.“

Dem in Sachen Klimawandel ultraskeptischen Blogger James Delingpole zufolge ist in dem genannten Bericht der „Hardcore-Umweltschutz-Denkfabrik“, der den Titel "Die neue Heimatfront" trägt, auch folgende umständliche Aussage zu finden: „Die effektivsten politischen Maßnahmen und Ansätze sollten für die heutige Zeit reinterpretiert werden und mit ermächtigenden Regularien, Zielen, Zeitplänen und angemessenen Ressourcen in unsere Programme eingebaut werden.“

Kürzlich wurde bekannt, dass einige verdeckt operierende Polizeibeamte, die in England Umweltgruppen infiltriert hatten, mit mehreren Aktivistinnen eine sexuelle Beziehung eingingen. Brendan O’Neill, Delingpoles Kollege beim „Daily Telegraph“, kommentierte das heute mit den Worten: „Die Polizei und die Grünen haben einander verdient: Beide sind wichtigtuerische Kontrollfreaks, die an die Macht des Staates glauben“. Die Grünen seien weniger radikale Agitatoren als eher „der schmuddelige Flügel des autoritären Staates. Kein Wunder, dass die Polizei mit ihnen ins Bett ging.“ 

Um es mit Bertolt Brecht zu sagen: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.

Internet:

 Caroline Lucas: Mobilising the ‘home front’ to fight climate change

James Delingpole: What Green MP Caroline Lucas should know about Liberal Fascism

Brendan O’Neill: The police and the greens deserve each other: they’re both nosey control freaks who believe in state power


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