23. November 2010

Aktuelle Meldung – Umverteilung 18,6 Prozent der Ausländer beziehen Hartz IV

Ungenauigkeiten in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit

(ef-DS) Laut einer der „Bildzeitung“ vorliegenden Statistik der Bundesagentur für Arbeit beziehen insgesamt 18,6 Prozent der in Deutschland lebenden Ausländer, die eine Arbeitsgenehmigung haben, Hartz IV. Bei Bürgern mit deutschem Pass sind es mehr als halb so wenige, nämlich 7,5 Prozent.

Die „Bild“ titelt heute entsprechend „Die bittere Wahrheit über Ausländer und Hartz IV“ und hebt besonders den mit 90 Prozent extrem hohen Anteil der Sozialhilfeempfänger unter den hier lebenden Libanesen hervor. „Bild“ lässt auch den Soziologen Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen zu Wort kommen, der erklärt, dass die Libanesen mehrheitlich als Asylbewerber nach Deutschland gekommen seien und sich daher an die Alimentierung gewöhnt hätten. Es wird nicht erwähnt, dass mit „Libanesen“ hauptsächlich Kurden (Mhallamies) und Palästinenser gemeint sind, die bereits im Libanon lediglich eine Art Flüchtlingsstatus genossen hatten. Der Anfangsstatus als Asylbewerber könnte indes auch beim hohen Anteil der Iraker (65 Prozent) und Afghanen (53 Prozent) eine Rolle spielen.

Bei den zahlenmäßig großen Ausländergruppen fällt der hohe Anteil der Hartz-IV-Bezieher unter den Türken (26 Prozent von 1,6 Millionen) und Russen (31 Prozent von 190.000) auf. Hier scheidet Asyl als Ursache nahezu aus, während vielmehr eine gezielte Zuwanderung in die Sozialsysteme als einer der Hauptgründe plausibel erscheint. Laut Bundesagenturexpertin Anja Huth liegt ein wichtiger Grund darin, dass überdurchschnittlich viele Ausländer im Niedriglohnsektor arbeiten und entsprechend anfälliger gegenüber Arbeitslosigkeit seien. Herbert Brückner vom „Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ macht gegenüber „Bild“ Diskriminierung als Grund geltend: Ausländer würden gar nicht erst eingestellt und dann zuerst wieder entlassen. Brückner erklärt allerdings nicht, warum Deutsche zum Beispiel Pakistaner (48 Prozent Hartz-IV-Empfänger) mehr als dreimal so häufig diskriminieren sollten wie Inder (13 Prozent).

Die von der „Bild“ veröffentliche Statistik-Tabelle der Zahlen der Bundesagentur für Arbeit enthält allerdings auch einige Lücken und Ungereimtheiten: So werden die zahlenmäßig relativ großen Ausländergruppen der Italiener, Griechen, Spanier oder Portugiesen nicht aufgeführt. Hier dürfte der Anteil ähnlich niedrig sein wie bei den aufgeführten und als gut integriert geltenden Kroaten (8 Prozent Hartz-IV) und Thailänderinnen (11 Prozent). Und Serbien ist gleich doppelt vertreten, einmal als „Serbien“ allein (16 Prozent Hartz-IV von 165.000) und dann noch mal als „Serbien und Montenegro“ (nur 8 Prozent von 122.000), was allein von den Zahlen her überhaupt nicht zusammenpasst.

Quelle:

„Bild“, 23.11.2010: „Die Bittere Wahrheit über Ausländer und Hartz IV“


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