Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Bittere Pille: Wahlverlierer in Österreich

von Andreas Tögel

Der (linke) Meinungsjournalismus

04. November 2010

Nach dem Debakel, das die US-Demokraten bei den Kongresswahlen soeben erlitten haben, herrschen in den Reihen der hauptamtlichen Meinungsmacher im Lande Ratlosigkeit und Entsetzen. Kaum ein Kommentator, der dem Erfolg der wahlweise mit den Prädikaten „erkzkonservativ“, „reaktionär“, „schrill“, „hinterwäldlerisch“ oder „rassistisch“ versehenen Republikaner nicht mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Arroganz gegenübersteht. Insbesondere die Protagonisten der „Tea-Party“ – allen voran Sarah Palin – sind das bevorzugte Ziel der Möchtegern-Weltverbesserer in den Redaktionsstuben der steuersubventionierten oder zwangsbeitragsfinanzierten Medien. Frauen, die sich in die Niederungen der Politik begeben, haben – so ein in der Alpenrepublik ungeschriebenes Gesetz – politisch links zu stehen, nicht besser auszusehen als Cruella Devil und keinesfalls mehr Kinder geboren zu haben als Königin Soraya! Eine attraktive Person und mehrfache Mutter wie Palin, zieht demnach folgerichtig blanken Hass auf sich. Wahlweise „durchgeknallt“, „irre“ oder „völlig daneben“ wären – nach der im vorliegenden Fall unmaßgeblichen Meinung der Mainstreampublizisten – die entschiedenen Gegner des von den Wählern nun so unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholten, verhinderten Messias im Weißen Haus.

Allerdings behaupten mit einem Mal viele der nach wie vor unkritischen Obama-Fans in den Reihen der schreibenden Zunft, dass sie angeblich schon anlässlich seiner triumphalen Kür geahnt hätten, dass er, der von so großen Erwartungen ins Amt getragen wurde, rasch entzaubert werden und an den Mühen der Ebene scheitern könnte. Vor Tische las man´s anders! Wäre es an der Presse und dem tiefroten Staatsfunk gelegen, hätte Obama das Weiße Haus wohl mit einer 95-Prozent-Mehrheit erobert. Kritische Worte über den smarten Dampfplauderer wurden damals von den Damen und Herren RedakteurInnen nämlich nicht gefunden. Ihre Begeisterung für die absehbare Niederlage der Bush-Fraktion war derart übermächtig, dass ihnen jedes Gefühl für das rechte Maß abhanden kam und ausschließlich Wünsche zu Vätern ihrer Gedanken werden ließ. Obama wurde als das gepriesen, was man in Österreich einen „Wunderwuzzi“ nennt – der er zu keiner Zeit je war…

Die Einseitigkeit der einschlägigen Berichterstattung wird besonders deutlich, wenn man sich am „Tag danach“ das einzige (nach seinem Selbstverständnis) als „bürgerlich“ zu bezeichnende, landesweit erscheinende Blatt, die Wiener „Presse“, zu Gemüte führt. Unter der Schlagzeile auf Seite drei „Im Bierlokal mit den Konservativen: ‚Sarah Palin for President!’“ wird da ein wahres Feuerwerk an Geringschätzung und Verachtung für den „typischen Republikaner“ abgebrannt. Selbstverständlich ist der stockbesoffen, „starrt“ auf einen Fernsehschirm, seinen Stimme ist – wie könnte es anders sein – „laut und aggressiv“ und natürlich „hasst“ er Barack Obama. Dass es durchaus ernstzunehmende Argumente gibt, die gegen den Sozialisten an der US-Staatsspitze sprechen, der eben – Hand in Hand mit FED-Kapo Ben Bernanke – im Begriff ist, einen veritablen Währungskrieg vom Zaun zu brechen, kommt dem Korrespondenten erst gar nicht in den Sinn. Wie wohltuend hebt sich nach dessen Wahrnehmung dafür der einzige – versehentlich – im Lokal anwesende Demokrat von den dumpfen, rüpelhaften Republikanern ab: Der macht sich, enttäuscht über die Niederlage, „nachdenklich“ auf den Heimweg. Schön, dass es auch nach dem 2.11.2010 noch denkende Amerikaner gibt – ist es nicht?

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