Andreas Tögel

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Business Summit 2010 in Wien: Erster Tag

von Andreas Tögel

Der Weg in die Krise und aus der Krise

04. Oktober 2010

Am zurückliegenden Freitag und Samstag fand in Wien ein von Nikolaus Kimla, dem Chef der Go Ahead!–Plattform, organisierte Konferenz zu Lage und Ausblick der Weltwirtschaft statt. Wie im Vorjahr wurde auch diesmal eine Reihe prominenter Fachleute aufgeboten, die sich in ihren Aufrührungen der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und deren voraussichtlichen Folgen aus Sicht der Österreichischen Schule näherten. Es ist als ermutigendes Signal zu werten, dass gerade im Musterland des Interventionismus, ausgerechnet in jener Stadt, in der F. A. Hayek zwar begraben liegt, dessen Ideen hier aber nie hoch im Kurs standen, eine solche Veranstaltung mit einem hochkarätig besetzten Podium – und mit soviel Publikumserfolg – über die Bühne gehen konnte.

Die große Zahl der Redner und die Länge der Vorträge erfordern es, den folgenden Bericht schlagwortartig auf die wesentlichsten Inhalte der Vorträge zu verkürzen.

Nikolaus Kimla eröffnet mit dem Verlesen einer Grußadresse von Roland Baader. Darin betont der Autor den Umstand, dass noch in den 80er und 90er Jahren Protagonisten und Thesen der Österreichischen Schule im deutschsprachigen Raum unterhalb der Wahrnehmungsschwelle blieben. Heute dagegen sei das – im Zeichen der Krise – anders geworden. „Es geht aufwärts!“

Kimla: Nur die „Austrians“ haben die Krise kommen sehen. Essenz der Politik ist die Macht. Die Essenz der Österreichschen Schule steht dieser diametral entgegen. Macht wird im politischen System mit dem Geld fremder Leute gekauft. Eine „Priesterklasse williger Intellektueller“ dient dabei als Helfer. Es gilt, den „Krieg der Ideen“ zu führen und wieder den Einzelnen – statt des Kollektivs – ins Zentrum der Betrachtung zu stellen. Eine Erneuerung kann – auf Grund deren Entscheidungs- und Handlungskompetenz – nur aus der Unternehmerschicht kommen. Die Österreichische Schule liefert die Basis kaufmännischen Denkens. Vorrangiges Ziel ist zunächst eine Senkung der Staatsquote. Um dieses Ziel zu erreichen, ist breite Akzeptanz erforderlich. Wir stehen dabei am Anfang eines langen Weges.

Gerd Habermann (Wirtschaftsphilosoph und Hochschullehrer, Autor des Buches „Der Wohlfahrtsstaat“): „Die Essenz der Österreichischen Schule – warum die ‚Österreicher“ den Crash voraussagten.“

Habermann hat sich als „Anti-68er“ schon immer über den mangelnden Widerstand der Intellektuellen gegen kollektivistische Ideen gewundert. Auch heute dominiert das Streben nach egalitärem Kollektivismus deren Denken. „Gender Mainstreaming“ ist ein besonders deutliches Beispiel dafür. Ausdrücke wie „Die Gesellschaft will…“ – als ob diese eine eigene Persönlichkeit mit eigenen Ideen sei – sind Ausdruck einer „spiritistischen Denkweise“. Der Hang zum Denken in Aggregaten ist offensichtlich. Die Meldung vom „…Statistiker, der in durchschnittlich 10 cm tiefem Wasser ertrunken ist“, ist dafür typisch.

Die Übertragung von im Familienkreis üblichen Regeln auf die Gesellschaft kann ebenso wenig funktionieren wie die Einführung von Regeln der Marktwirtschaft im Familienkreis. Der „Zauber der Sozialen Gerechtigkeit“ ist ungebrochen. Jede Kritik daran wird als „soziale Kälte“ gebrandmarkt. Der laufende Kampf gegen die „relative Armut“ garantiert deren Protagonisten ewige Betätigungsmöglichkeiten. Die Illusion, die Wirtschaft planen zu können führt direkt in den Sozialismus. Der aber bedeutet nichts als geplantes Chaos. Da eine tiefgreifende Diskussion über die Ursachen des Zusammenbruchs der sozialistischen Staaten nie geführt wurde, finden deren fehlerhafte Grundannahmen heute ihre Fortsetzung im Wohlfahrtsstaat.

„Chancengleichheit“ ist eine Illusion, deren Durchsetzung einen totalitären Staat voraussetzt. Die Einführung der Sozialversicherung als Familienersatz – und die damit verbundenen hohen Kosten – führen im Alter zu einer totalen Abhängigkeit des Einzelnen vom Staat. Der seit vielen Jahren anhaltende Rückgang von Bevölkerungszahl und Lebensstandard sind Symptome einer kollektiven Orientierung an falschen Idealen. Wie das Bildungsmonopol des Staates den Etatismus verewigt, so sorgt das Zentralbankmonopol zur Geldschöpfung für eine Neigung der Wirtschaft zur Entwicklung zyklischer Krisen. Spätestens 1971, dem endgültigen Ende der Bindung des Geldes an das Gold, wurde weltweit der Weg zur Knechtschaft beschritten: Hat der Dollar seit Gründung des FED 97 Prozent seines Wertes verloren, so waren das bei der DM bis zur Einführung des Euro immerhin 95 Prozent.

Alle Welt beschäftigt sich zwar mit den Erfordernissen des Datenschutzes, ist aber gegen den totalen Einblick des Staates in den individuellen Vermögensstand völlig unkritisch. Beim Geld der Bürger endet der Datenschutz.

Ausblick: „…kurzfristig pessimistisch, mittel- und langfristig aber optimistisch.“

In der im Anschluss an den Vortrag geführten, von Barbara Kolm vom Wiener Hayek Institut moderierten Diskussion mit dem Bankkaufmann Schallehn und dem Finanzbeamten Brandner wird Kritik an der Theorie der Austrians geäußert. Diese sei zu sehr dem „Denken der 30er-Jahre verhaftet“, halte am Konzept des Geldes als Ware – anstatt eines Rechts – fest und weigere sich hartnäckig, die durch die moderne Technik der Datenverarbeitung eröffneten Möglichkeiten einzusetzen. Abseits von Modellen seien wirtschaftliche Zusammenhänge aber nicht befriedigend zu erklären. In seiner Replik weist Habermann darauf hin, dass die Österreichische Schule weit über den engen Rahmen der Ökonomie hinausgreift und ein umfassendes ethisches Konzept bietet, das den Rahmen jeden Modells sprengt. Über die Frage, ob es sich beim Phänomen Geld nun um ein Gut oder ein Recht handle, herrscht auch im Publikum keine einhellige Meinung vor (allerdings votiert eine Mehrheit für dessen Warencharakter).

Brandner stellt fest, dass die Situation sich seit den 30er-Jahren [der Zeit der „großen Depression“, Anm.] geändert hat und wir es heute mit einem völlig anderen Szenario zu tun haben. Das Problem bestünde gegenwärtig im „zuviel Sparen“ [Heiterkeit im Saale, Anm.]. Schlusswort Habermann: Durch den bevorstehenden Systemkollaps bekommt die Freiheit wieder eine Chance. Es geht allerdings um viel – um nicht weniger, als um das Weiterbestehen unserer westlichen Zivilisation.

Frank Schäffler (FDP-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Finanzausschusses): „Das Elend der Geldproduktion – Europa in der Schuldenfalle“

Die immer öfter gestellte Frage, wann es denn nun zu einer Währungsreform komme, ist unangebracht. Die Währungsreform fand bereit statt. Und zwar am 8. und 9. Mai 2010 - in dem Moment, als der folgenschwere Beschluss zum Bailout Griechenlands fiel [Schäffler war der einzige Abgeordnete, der zuvor im Deutschen Bundestag dagegen stimmte, Anm.] und damit ein klarer Bruch europäischen Rechts gesetzt wurde. Der „Euro-Stabilitätsfonds“ bildet nun die Grundlage für eine – vertragswidrige – Umverteilungsmaschinerie und ist ein Symptom für die Entscheidung gegen die Wertstabilität des Geldes.

Allerdings war es schon zuvor so, dass die Konvergenzkriterien zur Limitierung der Staatsverschuldung niemals durchgesetzt wurden. Verstöße dagegen blieben stets ungeahndet. Die nun im Zusammenhang mit der Situation Griechenlands eingemahnte Solidarität ist keine Einbahnstraße. Grob unsolidarisches Verhalten eines Mitglieds der Gemeinschaft darf nicht auch noch belohnt werden. Der Bailout Griechenlands ist eine Einladung an andere Staaten der Gemeinschaft, diesem Beispiel zu folgen. Der Grundsatz, wonach jener, der Risiken eingeht, dafür auch einzustehen hat, ist über Bord gegangen. Da zukünftig immer wieder „die Welt untergehen“ wird, wenn ja wenn die Gemeinschaft nicht entschlossen eingreift, ist mit einer Interventionsspirale zu rechnen. Dabei ist die „Griechenhilfe“ in Wahrheit gar keine, wie auch der IWF kritisch anmerkt. Griechenland wird – angesichts der nun ergriffenen Maßnahmen, die u. a. einen drastischen Rückgang an Steuereinnahmen zur Folge haben, in zwei Jahren finanziell nicht besser dastehen als heute. Kommt dann die nächste Geldforderung? Wird auch dann die Welt wieder untergehen, wenn nicht erneut „geholfen“ wird?

Was passiert mit dem Euro? Eine Verschärfung – und konsequente Durchsetzung – der Stabilitätskriterien ist unwahrscheinlich. Der angekündigte, verbesserte Zugriff von Eurostat auf die Länderstatistiken ist – angesichts der kreativen Buchführung vieler Länder – ein zahnloser Tiger. Bleibt ein verstärkter Einstieg in die „Transferunion“ als „Lösung“ übrig. Im Klartext: Deutschland wird noch mehr zahlen!

Der „Olivengürtel“ der EU hat durch die Einführung des Euro ein Wettbewerbsfähigkeitsproblem bekommen, dem er nicht entrinnen kann. Kommt es also zu einem Ausstieg eines oder mehrerer dieser Länder? In diesem Falle würde ein „Hair Cut“ unausweichlich werden. Wenn das aber nicht erfolgt, könnten einige „Stabilitätsländer“ wie die Niederlande, Luxemburg, Österreich Finnland und Deutschland diesen Weg [Austritt aus der Währungsunion, Anm.] gehen.

Derzeit ist eine Geldmengenexplosion zu verzeichnen – sowohl in den USA als auch in der EU. Die Geldmengen wachsen erheblich rascher als die Binnenwirtschaftsleistungen. Die Politik drängt die Sparer dazu, ihr Geld zu konsumieren und belohnen die Schuldenmacherei [durch künstlich niedrig gehaltene Zinsen, Anm.]. Indem der Staat heute zum Konsum zwingt, schafft er verstärkte Abhängigkeiten der Bürger von Transferleistungen im Alter – verschiebt also ein akutes Problem in die Zukunft.

Eine einst von Ludwig Mises und gegenwärtig von Huerta De Soto vorgeschlagene Golddeckung der Geldmenge M1 zur Verhinderung einer inflationistischen Geldpolitik würde zu einer Verachtfachung des Goldpreises führen und erhebliche Verwerfungen mit sich bringen – ist politisch also unmöglich. Eine „optionale Golddeckung“ – ein schrittweise erfolgender Übergang zu einem durch Waren gedeckten Geld – bei freier Wahlmöglichkeit für den Bürger – ist eine Alternative.

Problem der gemeinsamen Währung ist, dass sie nicht, wie behauptet, zu einem Zusammenwachsen der Staaten führt, sondern – im Gegenteil – zu deren Spaltung. Griechische Rentner, die unter den nun auf Druck der EU stattfindenden Reformen leiden, werden für die „Schuldigen“ im Ausland ebenso wenig Sympathien entwickeln, wie der erneut zur Kasse gebetene Deutsche Michel für die „Trickser“. Die Eurozone kann so keinen Bestand haben. Die aktuellen Entwicklungen lassen die Sorge vor einer Entwicklung in Richtung einer totalitären Epoche wachsen.

Es folgte das Angebot von vier parallel laufenden Paneels zu folgenden Themen:

„Schattenwirtschaft – am Staat vorbei“
„Green Tech – was kosten Green Jobs wirklich?“
„Gold Goldinvestment zwischen Crack up boom und Währungsreform“
„Microfinance – Investieren und Gutes tun als Weg aus der Armut“

Eine deutliche Mehrheit der Teilnehmer entschied sich für „Gold“…

Martin Siegel (Analyst und Gründer der Goldhandelsfirma Westgold) zum Thema Gold: Nur ein sehr geringer Teil des Weltvermögens, nämlich unter 1 Prozent, ist derzeit in Gold veranlagt. Es gibt viel daher Spielraum nach oben. Gegenwärtig ist ein mittelfristiges Kurziel von 1.600,- $ pro Feinunze realistisch. Der Umstand, dass beim heutigen Kurs zusätzliche Produzenten – insbesondere in Westafrika – auf den Plan treten, weil auch höhere Abbaukosten rentieren und daher das Angebot erhöht wird, lässt darüber hinausgehende Annahmen spekulativ erscheinen. Die Bedeutung des Goldes als „sicherer Hafen“ wird weiter zunehmen. Die Kursentwicklung in den zurückliegenden Monaten spiegelt diesen Trend wider. Das zu erwartende Platzen von Blasen auf den Anleihemärkten macht eine anschließende Flucht in Sachwerte wahrscheinlich. Erste Vorboten einer Renaissance des Warengeldes sind etwa in Malaysia zu beobachten, wo ein Teilstaat eben eine Gold- und Silberwährung einführt. Der Markt für Goldinvestments in Deutschland beläuft sich gegenwärtig auf rund 2 Mrd. Euro jährlich, der von Silber auf etwa 400 Mio. Euro. Gold ist ein „Basisinvestment“, Silber dagegen eine spekulative Beimischung. Weil es sich bei Gold um ein „hochemotionales“ Investment handelt, ist auch die Gefahr der Ausbildung einer Hausse gegeben. Die sei derzeit allerdings nicht zu beobachten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Peter Kotauczek (Vorstandsvorsitzender der BEKO Holding AG) und Kristof Berking (Jurist, Volkswirt und Filmemacher) meint Andreas Böger (Portfolio Manager eines Goldfonds), dass er Gold als „Kassenmittel“ betrachtet und / oder bei niedrigem Zinsniveau als Alternative zu kurz- bis mittelfristigen Staatsanleihen. Reserven in Gold zu halten, hat nicht nur für den privaten Anleger Sinn, sondern auch für Unternehmen.

Man darf nicht übersehen, dass die Betriebe heute überwiegend von Angestellten, und nicht – wie früher - von Unternehmern geführt werden. Das hat Konsequenzen für die Unternehmenskultur. Dass es zu einer „Remonetisierung“ des Goldes kommen wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Im Grunde hat Gold niemals aufgehört, Geld zu sein. Wachsendes Vorsichtsdenken führt zum Risikohedging – wofür Gold sich hervorragend eignet. Gold ist ein Seismograph der Gesundheit eines Wirtschaftssystems. Ob dessen Kurs „manipulierbar“ ist? Das kommt darauf an, was man unter „Manipulation versteht. Natürlich haben Interessen Einfluss auf den Goldkurs. Mit entsprechenden Kontrakten oder Verkäufen kann dieser beeinflusst werden. Goldexperte Bandulet verneint [auf Grund der weltweit so großen verfügbaren Mengen, Anm.] die Möglichkeit zur „Goldpreismanipulation“.

Die „Goldene Regel“ lautet: „Who ever has the gold makes the rules.“

Green Tech: in Österreich existieren gegenwärtig rund 185.000 Arbeitsplätze in diesem Segment (zum Vergleich: in der Automobilindustrie sind es 180.000). Es scheint, als ob hier gegenwärtig mit großen staatlichen Subventionen eine Blase kreiert werde. Ob tatsächlich von der Entwicklung „nachhaltiger Technologien“ gesprochen werden kann, ist fraglich. Es wird daher dazu geraten, entsprechende Papiere in längstens zwei bis drei Jahren abzustoßen.

Microfinance: Wie Hayek schon gesagt hat, kann eine Zivilgesellschaft nur von unten nach oben entstehen. Diesem Ziel dient das Konzept von Microfinance, weil es den Einzelnen Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Manfred Kastner (Vorstandsvorsitzender der C.A.T. Oil AG): Armut ist mit Profit zu bekämpfen! In China und Indien ist das bereits begriffen worden. Der Markt ist, wie sich zeigt, ein „ethisches Prinzip“. Der Kapitalismus löst die Fesseln der Freiheit. Hunderte Millionen Menschen wurden in den zurückliegenden Jahren durch den Markt aus der Armut geführt. Microfinance liefert ein Werkzeug dafür.

Schattenwirtschaft: Österreich ist auf dem Index of Economic Freedom auf den traurigen 22. Platz zurückgefallen. Überregulierung, Bürokratie und exzessive Steuerlasten sind dafür hauptverantwortlich. Ebenso wie für die wachsende Schattenwirtschaft. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Regulierungsdichte und Steuerlast auf der einen und Schwarzarbeit auf der anderen Seite. Die erforderlichen Konsequenzen liegen auf der Hand.

Thomas Druyen (Vorstand des Instituts für vergleichende Vermögenskultur an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien): „Die Zukunft des Vermögens – über die Verantwortung der Vermögenden.“

Bis vor kurzem fand eine systematische Erforschung großer Vermögen und der dahinterstehenden Persönlichkeiten nicht statt. Angesichts der Tatsache, dass sich etwa die Hälfte des Weltvermögens in der Hand einer relativ kleinen Zahl von vermögenden Personen befindet, ist das ein Fehler. Eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung, was unter „Reichtum“ und „Vermögen“ zu verstehen ist, wovon jedermann sich seine eigene Vorstellung macht, ist – im Hinblick auf die ungeheure Bedeutung großer Vermögen für die Gesellschaft – dringend notwendig.

Vermögen, ein Begriff, der sich nicht nur auf den Besitz materieller Güter beschränken lässt, bedingt Verantwortung. Gegenwärtig haben rund 4 Milliarden Menschen keine Sorgen, was die Veranlagung ihrer materiellen Vermögen angeht, sondern stehen vielmehr im täglichen Überlebenskampf. Wie deren Los verbessert werden kann, bzw. inwieweit vermögende Menschen dazu beitragen können – das ist das Ziel dieser Forschungsarbeit.

Dass die Vermögenden – trotz deren unübersehbaren Bedeutung im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung in einer demokratischen Gesellschaft – auf Grund ihrer kleinen Zahl – faktisch keine politische Bedeutung zukommt, ist eine Paradoxie.

Die fortschreitende Alterung unserer Gesellschaft führt zum wachsenden Problem der Abhängigkeit der Menschen von staatlichen Transferzahlungen im Lebensalter von 60 – 90 Jahren. Den Lebensunterhalt für diese lange Zeitspanne können die wenigsten aus eigenem Vermögen bestreiten. Für die wenigen, die das doch können, hat das Konsequenzen im Denken, die sogar Einfluss auf die Hirnbiologie ausüben – ein zu erforschender Aspekt.

Auf Grund der stark zunehmenden Lebenserwartung - ein heute geborenes Mädchen kann mit einer Lebenszeit von 100 Jahren rechnen - ist die Phase des Alters zur längsten in unserem Leben geworden. Daß der wachsenden Alterung, die seit 40 Jahren offenkundig ist, von der Politik nicht Rechnung getragen wird, indem man etwa das System der Altersversorgung entsprechend adaptiert, ist unbegreiflich.

In den USA und in Europa gibt es erhebliche Unterschiede in Sachen Philanthropie. In den USA besteht nach wie vor Sinn für Familienverantwortung, der in Europa durch die allgemeine Sozialversicherung ersetzt wurde. Das Verschenken von Geld, wie das einige Superreiche in den USA derzeit tun oder zumindest medienwirksam ankündigen, ist keine Lösung für das Problem der Armut. Ebenso wenig ein progressives Steuersystem. Proportionale Steuerlasten sind am gerechtesten.

Ron Paul

Als letztes Referat des Tages stand jenes von Ron Paul, Arzt, Kandidat für die US-Präsidentschaft im Jahr 2008 und Abgeordneter des Repräsentantenhauses, auf der Agenda. Terminprobleme machten kurzfristig seine persönliche Anwesenheit unmöglich. Stattdessen wurde unter erheblichem Aufwand eine Live-Satellitenverbindung nach Washington organisiert. Das Publikum konnte seine Ausführungen auf zwei großen Leinwänden verfolgen.

Ron Paul ist an der Lehre der Austrians seit vielen Jahren interessiert. Hayeks „Weg zur Knechtschaft“ war sein Einstieg dazu. Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme bestehen in einer weltweit erfolgenden Blasenbildung. Grund dafür sei die exzessive Geldmengenausweitung – besonders durch das FED-System, gegen das er seit Jahren leidenschaftlich kämpft. Wir haben zu viel inflationiert, zuviel ausgegeben und uns zu hoch verschuldet. Nun, nach Ausbruch der Krise, wird das Geld wieder in die Hände derjenigen gelegt, die für die Krise verantwortlich waren. Die Hauptlast für diese Politik tragen die Armen, die ihr Heim verlieren. Unbegreiflicherweise existiere immer noch Vertrauen in den Anleihenmarkt. Nach wie vor dominieren keynesianische Irrtümer die Wirtschaftspolitik.

Die „Österreicher“ liefern dagegen die zur Bewältigung der Krise nötigen Antworten, etwa: Stopp der Geldverschwendung und das Zurückstutzen des Wohlfahrtsstaates. In den USA beginnen immer mehr Menschen, die Politik der Regierung und des FED kritisch zu betrachten. Das FED-System ist ersatzlos abzuschaffen – bis 1913 ist es schließlich auch ohne gegangen. Legal Tender – Laws sind ebenfalls abzuschaffen, konkurrierende Währungen sind zuzulassen. Das Vorhandensein der Goldreserven in Fort Knox muss überprüft werden. Die Regierung lügt so viel – warum also nicht auch in diesem Punkt?

Die folgenden Fragen werden von Christian Ortner gestellt: Wie sieht er die Lage in Europa? Über die Besonderheiten der EZB-Politik ist Ron Paul im Detail nicht informiert, glaubt aber, dass in Europa keine grundsätzlich anderen Fehler gemacht werden als in den USA: zuviel Keynesianismus! Jeder Papierwährung ist zu misstrauen! Ebenso den staatlichen Inflationsstatistiken, die unrealistisch niedrige Werte ausweisen. Die Verbraucherpreise sind mit Sicherheit stärker gestiegen als offiziell gemeldet. Die Preissteigerung bei Lebensmitteln liegt in den USA derzeit bei mehr als 5 Prozent im Jahr.

Was sind die Ziele der Tea Party? Die Tea-Party-Bewegung ist Ausdruck des verlorenen Vertrauens in die Regierung. Dass eine Mehrheit von 51 Prozent einer Minderheit von 49 Prozent ihre Willen aufzwingen kann, ist eine von ihr kritisierte Gefahr. Sie fordert die konstitutionell geforderte Rule of Law anstatt einer Rule of the majority. Die Verfassung wird zunehmend ignoriert. Der – daran unschuldige Kapitalismus -- wird für die Fehler der Politik verantwortlich gemacht. Der Staat hat in kürzester Zeit eben kein Geld mehr, wenn er sich unentwegt um alle Probleme jedes einzelnen kümmert. Der demokratische Prozess versagt, weil er sich nicht mehr an der Verfassung orientiert. Dieser Status Quo wird von der Tea Party bekämpft.

Ideen sind wichtig. Was ist die bedeutendste davon? Individuelle Freiheit und freie Märkte! Rechte kommen nicht von der Regierung – sie dürfen niemals von der Regierung abhängen. Vertrauen kann nur zurückgewonnen werden, wenn man zu den Idealen der Verfassung zurückkehrt – zu einer Respektierung der Rechte des Einzelnen.

Quellen:

Gerd Habermann: Der Wohlfahrtsstaat – die Geschichte eines Irrwegs

www.westgold.de

Institut für vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie

Videos mit Ron Paul

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