27. September 2010

Aktuelle Nachricht – Fischereirechte Island im Streit mit EU um Makrelen

Drastische einseitige Erhöhung der Fangquote

(ef-RG) Im Nordatlantik droht ein neuerlicher Fischereikrieg. Diesmal geht es nicht, wie in den 1950er und 70er Jahren, um Kabeljau, sondern um Makrelen.

Mit der Begründung, dass das sich erwärmende Klima die Makrelen weiter nach Norden treibe als sonst üblich, haben Island und die Färöer-Inseln ihre Fangquoten für diesen Schwarmfisch drastisch erhöht, und zwar von rund 2.000 auf 130.000 Tonnen beziehungsweise von unter 30.000 auf 85.000 Tonnen. Fischereikommissarin Maria Damanaki sei „zu Reaktionen bereit“, wenn Island und die Färöer-Inseln bei diesen hohen Fangquoten bleiben. Der WWF meint, die Quoten liegen „um rund ein Drittel über wissenschaftlichen Empfehlungen für nachhaltige Fischerei“, meldet „Der Standard“ unter Berufung auf die österreichische Nachrichtenagentur APA. Damit seien „früher oder später“ die Bestände bedroht, fürchtet die Umweltschutzorganisation.

„Bisher stimmten die EU und die anderen Anrainer ihre Fangquoten vorher ab“, heißt es bei „Der Standard“. Hjörtur Gudmundsson berichtet jedoch im „Brussels Journal“, dass Island und die Färör-Inseln bisher von diesen Verhandlungen ausgeschlossen waren und die EU im Norden üblicherweise nur mit Norwegen verhandelt hat. Der isländische Historiker und Journalist schreibt außerdem, die Makrele in isländischen Gewässern sei so zahlreich geworden, dass man gar nicht vermeiden könne, sie zu fischen, selbst wenn man andere Seetiere zu fangen beabsichtigt. Außerdem hätte die „überwältigende Zahl von Makrelen drastische negative Effekte auf das marinebiologische System“ rund um die Insel am Polarkreis, mit dem Ergebnis, dass „andere für die isländische Wirtschaft unerlässliche Arten, wie auch verschiedene Seevögel wie Papageientaucher ernsthaften Nahrungsmangel erleiden.“ Die isländische Regierung habe die Fischereiquoten erhöht, weil die Zunahme der Makrelenzahl viele weitere biologische Effekte nach sich ziehen werde, die erst in den kommenden Monaten und Jahren sichtbar werden.

Damanaki meint, das jetzige unilaterale Vorgehen Islands und der Färöer sei „inakzeptabel“. „Die Kommissarin wollte den Streit aber nicht in einen Zusammenhang mit den Verhandlungen um einen EU-Beitritt Islands stellen“, heißt es abschließend bei „Der Standard“.  

Quellen:

Der Standard: EU droht Island und Färörn mit Vergeltung

Brussels Journal: The Mackerel Dispute As A Measurement For Sovereignty


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