21. September 2010

Aktuelle Nachricht – HRE Bank im täglichen Umbruch

„Die HRE ist als Zombie-Bank ein Faß ohne Boden.“ (Frank Schäffler)

(ef-LFP) Treffender hätte der Titel der 15. Handelsblatt-Jahrestagung kaum gewählt werden können, die vom 08. bis 09. September 2010  in der Finanzmetropole Frankfurt am Main abgehalten wurde. „Banken im Umbruch“ lautete das Motto, dem insbesondere die Vorstandsvorsitzende der Hypo Real Estate (HRE), Manuela Better, umgehend Taten folgen ließ. Das Handelsblatt selbst vermeldete noch am 09. September 2010, dass das verstaatlichte Finanzinstitut nach Eigenauskunft „früher als bisher geplant aus der Verlustzone kommen“ dürfte. „Die Gewinnschwelle solle bereits 2011 erreicht werden“ wird Better zitiert, „wir sind guten Mutes, dass wir das schaffen werden“. Für den Abschluss der bereits seit zwei Jahren laufenden Umstrukturierung und Sanierung würde das Institut nur noch 2,2 Milliarden Euro Eigenkapital benötigen, 7,8 Milliarden Euro seinen bisher schon geflossen.

Nur 24 Stunden später, am 10. September 2010, vermeldet die bisher durch öffentlich-rechtliche Hilfen in Höhe von über 100 Milliarden Euro gestützte HRE einen weiteren Bedarf an Staatsgarantien von bis zu 40 Milliarden Euro. Wie der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) noch am selben Tag mitteilte sind die Garantien in Form von Bürgschaften zum guten Teil deshalb erforderlich, um toxische Wertpapiere im Volumen von 200 Milliarden Euro auf eine Abwicklungsgesellschaft respektive „Bad Bank“ übertragen zu können. Angeblich wird, so der Lenkungsausschuss des SoFFin,  die eine Hälfte der Garantien dazu benötigt, „um vor und bei der geplanten Transaktion jegliche Liquiditätsengpässe auszuschließen“. So wird befürchtet, dass es bei der Bilanzbereinigung zu technischen Pannen kommen könnte, die dazu führen, dass für wenige Tage „ein Milliardenloch in der Bilanz klafft“. Die andere Hälfte dient als konkreter Risikopuffer für die im Portfolio gehaltenen Risikopositionen, vor allem irische und griechische Anleihen, deren Kurse zuletzt ebenso zu Problemen geführt haben wie die aus Sicht der HRE ungünstige Entwicklung von US-Dollar und Zinsen. Angesichts einer derartig ominösen Außendarstellung zeigt sich selbst so ein Politprofi wie Leo Dautzenberg, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU, verwundert: „Ich frage mich, warum solche Nacht-und-Nebel-Aktionen immer wieder notwendig sind.“

Dabei hatten Manuela Better beziehungsweise ihre PR-Berater bereits vorher einen gewissen Sinn für Humor im Umgang mit der inhaltlichen Ausgestaltung althergebrachter Begrifflichkeiten bewiesen. Die Abwicklungsgesellschaft für die von Wertesklerose gezeichneten Papiere wurde im Juli dieses Jahres immerhin auf den hoffnungsvollen Namen „FMS Wertmanagement“ getauft. Der verbleibende Rest des ehemaligen Dax-Konzerns soll danach als PBB Deutsche Pfandbriefbank über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügen, welches mittelfristig reprivatisiert werden soll, so Better. Genau auf dieses verbleibende Kerngeschäft wollte die Vorstandschefin ihre dann doch nicht mehr so wagemutige Gewinnprognose auf der Handelsblatt-Tagung auch nur bezogen wissen.

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