17. August 2010

Aktuelle Nachricht – Staatsdiener Aktuelle Spitzengehälter

Westdeutscher Rundfunk Top, Bundeskanzlerin Flop

(ef-LFP) Wenn es um die monetäre Transparenz des Steuerzahlers und Abgabenpflichtigen geht, ist öffentlich-rechtlichen Institutionen kaum eine Maßnahme gläsern genug. Umgekehrt sieht das ganze erfahrungsgemäß anders aus. Denn als kategorischen Imperativ scheint jedenfalls ein Großteil der alimentierten Transfereinkommensbezieher jene Transparenzforderungen nicht verstehen zu wollen und das, obwohl sie dem demokratischen Selbstverständnis nach allein dem Souverän – den Steuerzahlern und Abgabenpflichtigen – dienstpflichtig sind. Dennoch gelang es zuletzt, das eine oder andere geheimniskrämerische Vergütungsmodell im Dunstkreis staatsnaher Bastionen zu knacken. Interessant sind dabei freilich die Verdienste der Führungsspitze, orientieren sich die eher langweiligen Löhne und Gehälter der Basis an den ohnehin regelmäßig veröffentlichten Besoldungstabellen und Tarifverträgen.

Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherungen beispielsweise nimmt Norbert Klusen, Vostandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK) mit einem Bruttojahreseinkommen von 271.000 Euro den Spitzenplatz ein. Ihm folgen Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) mit 235.000 sowie Birgit Fischer, Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK mit 203.000 Euro. In einer ähnlichen Liga spielen ihre Pendants von der Kassenärztlichen Vereinigung. So verdienen Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, 260.000, Axel Munte, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, 244.000 und Ulrich Thamer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, 237.000 Euro brutto im Jahr. Die Höhe der Bezüge könnte natürlich mit der Last der Verantwortung und Bürde des Amtes begründet werden, wenn nicht sowohl die Bundeskanzlerin mit 190.000 Euro als auch der Bundespräsident mit 199.000 Euro Bruttojahreseinkommen niedrigere Gehälter beziehen würden. Hier scheint also das Teil wohl schwerer zu wiegen als das Ganze. Ganz nah dran an Kanzler und Präsident sind die damit anscheinend ebenfalls schwer staatstragenden Vorstände der Deutschen Klassenlotterie, Hans-Georg Wieck und Hansjörg Höltkemeier, mit Jahresbruttogehältern von 188.000 respektive 184.000 Euro. Die Westdeutsche Lotterie und die Lotterie Treuhandgesellschaft Hessen verweigern hingegen jegliche Information hierzu ebenso übrigens wie die Industrie- und Handelskammern, die aber umgekehrt von ihren Zwangsmitgliedern umfassende Angaben zu deren wirtschaftlicher Leistungskraft abfordern, auf deren Basis dann der Mitgliedsbeitrag berechnet wird. Dagegen sind die Spitzenvertreter der deutschen Gewerkschaften schon fast durchschaubar wie Plexiglas und sogar weitgehend bescheiden: 260.000, 176.000 und 151.000 Euro Vergütung erhalten Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall, Frank Bsirske, Vorsitzender von Verdi und Michael Sommer, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), pro Jahr – aus freiwillig erbrachten Mitgliedsbeiträgen.

Den Vogel schießen indes die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ab. Monika Piel, seit 2007 Intendantin des regionalen Nischensenders Westdeutscher Rundfunk (WDR), erhält eine jährliche Vergütung von 308.000 Euro. Zudem liefen in ihrer bisher recht überschaubaren Amtszeit zum Jahresende 2009 insgesamt beachtliche 2,14 Millionen Euro an Pensionsansprüchen auf. Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) dagegen verweigerte entsprechende Auskünfte, nicht jedoch ohne eine prophylaktische Beruhigungspille nachzuschieben: „Die Gehälter der ZDF-Geschäftsleitung liegen nicht über dem Niveau der jetzt veröffentlichten Einkommen der WDR-Spitze.“

Quelle:

Wirtschaftswoche Nr. 33 vom 16.08.2010, S. 6f: „Seitenblick – TopverDiener“


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