| ||||||||
![]() Jahrgang 1962, ist ein deutscher Philosoph, Soziologe und Autor populärwissenschaftlicher Bücher. ef-Sucheef-EinkaufspartnerWenn Sie ef-online unterstützen möchten, starten Sie bitte Ihre Amazon-Einkäufe mit Klick auf diesen Button: |
Benachteiligungen: Kollektiv oder Individuum?von Alexander Ulfig Überlegungen zum Begriff der Gerechtigkeit Kollektivistische Auffassungen, denen zufolge die Gruppenzugehörigkeit für die Beurteilung eines Menschen entscheidend ist, stehen individualistischen Auffassungen gegenüber, für die die Einzigartigkeit des Menschen den höchsten Wert darstellt. Die ersteren gehen davon aus, dass Menschen qua Gruppenzugehörigkeit benachteiligt, andere Menschen ebenfalls qua Gruppenzugehörigkeit bevorteilt werden. Daraus entsteht bei den Kollektivisten die Forderung, dass Angehörige der benachteiligten oder angeblich benachteiligten Gruppen mittels staatlicher Maßnahmen besonders behandelt, gefördert oder gar bevorzugt werden sollen. Beispielsweise sollen sie vor Gericht mildernde Umstände erhalten oder bei der Vergabe von Arbeitsstellen bevorzugt eingestellt werden. Diese Auffassung widerspricht dem individualistischen Verständnis von Gerechtigkeit, wonach es auf den Einzelfall ankommen sollte, denn es gibt Menschen aus der bevorzugten oder angeblich bevorzugten Gruppen, die mehr benachteiligt sind als Menschen aus der benachteiligten oder angeblich benachteiligten Gruppe. Hierfür einige Beispiele, die sich auf die Bundesrepublik beziehen: 1) Menschen aus der Unterschicht sind gegenüber Menschen aus der Mittel- und Oberschicht benachteiligt, behaupten die Sozialisten aller Schattierungen. Ihre Chancen im Berufsleben sind geringer als die Chancen von Menschen aus den bevorteilten Schichten. Also sollten sie bevorzugt behandelt werden. Denkt man nicht in Gruppenidentitäten, sondern betrachtet die Einzelfälle, so lassen sich genügend Menschen aus der Mittel- und Oberschicht finden, die besonders schlechte Entwicklungsmöglichkeiten hatten. Einige von ihnen wurden zum Beispiel in der Familie schlecht behandelt, was bei ihnen dauerhafte psychische Schäden hinterließ. Andere wurden beispielsweise in Internate gesteckt, in denen sie zu psychischen Krüppeln wurden, usw. Andererseits lassen sich Menschen aus der Unterschicht finden, die in sehr guten Verhältnissen groß geworden sind. Sie wuchsen in stabilen Familien auf, die ihnen positive Werte und Selbstvertrauen vermittelt haben. Sie sind besser für Leben und Beruf gewappnet als viele Angehörige der Mittel- oder Oberschicht. Daher ist die Auffassung, dass Menschen aus der Unterschicht qua Zugehörigkeit zu dieser Schicht benachteiligt sind, falsch. Es lässt sich höchstens behaupten, dass Menschen aus der Mittel- oder Oberschicht in der Regel oder in einer bestimmten Hinsicht (zum Beispiel bezüglich der materiellen Verhältnisse) bessere Voraussetzungen haben als Menschen aus der Unterschicht. 2) Die Feministinnen behauptet, dass Frauen qua Zugehörigkeit zu ihrem Geschlecht benachteiligt sind. Deshalb sollten sie besonders gefördert und bevorzugt behandelt werden. Auch hier kann leicht nachgewiesen werden, dass eine große Anzahl von Frauen viel bessere Entwicklungsmöglichkeiten, sei es familiärer, schulischer oder beruflicher Art, hatte als die meisten Männer. Bezieht man die Auffassung von der schichtenspezifischen Benachteiligung auf Männer und Frauen, so kann behauptet werden, dass Männer aus der Unterschicht in der Regel mehr benachteiligt sind als Frauen aus der Mittel- und Oberschicht – ein Umstand, der von Feministinnen völlig übersehen wird. Doch oben wurde bereits festgestellt, dass die Auffassung von der schichtenspezifischen Benachteiligung durch Gegenbeispiele leicht widerlegt werden kann. 3) Eine weit verbreitete Meinung besagt, dass Migranten gegenüber den Einheimischen benachteiligt sind. Dies stimmt nur in einer Hinsicht: Migranten haben in der Regel schlechtere Deutschkenntnisse als Einheimische, was auch Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt mit sich ziehen kann. Doch dieses Defizit kann in relativ kurzer Zeit durch den Erwerb der deutschen Sprache ausgeglichen werden. Dass die meisten Migranten der Unterschicht angehören, macht sie nicht per se zu Benachteiligten, wie oben festgestllt wurde. Migranten können bessere individuelle Dispositionen haben als die Einheimischen. Die Beispiele zeigen, dass in der Bundesrepublik Menschen nicht qua Gruppenzugehörigkeit benachteiligt sind. Benachteiligungen können nur einzelne Menschen betreffen. Es kann höchstens gesagt werden, dass Angehörige einer Gruppe „in der Regel“ oder „in einer Hinsicht“ gegenüber Angehörigen anderer Gruppen benachteiligt sind. Doch dieses „in der Regel“ oder „in einer Hinsicht“ reicht nicht aus, um die bevorzugte Behandlung ganzer Gruppen zu rechtfertigen. Es wäre daher viel gerechter, nicht auf angebliche Benachteiligungen von Gruppen, sondern auf Benachteiligungen von Einzelpersonen zu achten. 29. Juli 2010 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann oder Michael Klonovsky schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Social BookmarksAnzeigenKommentareFraggel, am 29. Juli 2010 um 13:11 ( Link ) Wenn ich so einen Mist schön höre: Benachteiligung. Paoyue, am 29. Juli 2010 um 13:16 ( Link ) Aber wer soll der Berliner Treberhilfe denn den Maserati bezahlen, wenn es keine Benachteiligten mehr gäbe? Diesen ganzen selbsternannten Gutmenschen geht es doch zu allerletzt um wirklich Hilfebedürftige - man vergleiche nur die Sozialetats in Ländern und Kommunen mit dem Grad der Verrohung und Verrottung des öffentlichen Lebens. Hans Meier, am 29. Juli 2010 um 13:17 ( Link ) Schöner Beitrag, Herr Ulfig. Lese ich da zwischen den Zeilen vielleicht oder interpretiere ich, die persönliche Benachteiligung der "Gerechtigkeitsapostell und -Innen" mit Verstand, um Ursachen und Folgen zu unterscheiden? Tellerwaescher, am 29. Juli 2010 um 13:41 ( Link ) Wenn der Autor recht hätte, bräuchte es keine Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik geben. Solange es wahrscheinlicher ist, dass ein Akademikderkind eine Universität besucht als ein Kind aus der Unterschicht, ist es notwendig, die Benachteiligten zu fördern. Man findet immer positive und negative Einzelbeispiele, nur sagen die halt nichts über die Zusammenhänge aus. Oder ist es reiner Zufall, dass in den DAX-Vorständen kaum Frauen anzutreffen sind? leewe, am 29. Juli 2010 um 13:42 ( Link ) Die Einteilung von Menschen in Klassen und Schichten kenne ich noch aus der DDR. Fraggel, am 29. Juli 2010 um 13:49 ( Link ) Oder ist es reiner Zufall, dass in den DAX-Vorständen kaum Frauen anzutreffen sind? Ist es denn reiner Zufall dass in technischen und mathematischen Studiengängen kaum Frauen anzutreffen sind - obwohl sie überproportional dazu berechtigt wären? Und das alles völlig freiwillig? Könnte es vieleicht sein dass Männer und Frauen schlicht unterschiedlich sind? pdddafk, am 29. Juli 2010 um 13:51 ( Link ) Die Wahrheit wird, wie fast immer, irgendwo in der Mitte liegen. Oder wie erklären Sie sich, dass die Studenten sich wieder zunehmend aus der Ober- und Mittelschicht rekrutieren (natürlich mit Ausnahmen, die aber die Regel bestätigen), und dass 90% des Besitzes in Deutschland immer den gleichen 10% der Bevölkerung gehören, deren Kreis sich nachweislich kaum geändert hat? Wenn viele Einzelpersonen, auf deren Benachteiligung vornehmlich geachtet werden sollte, wie Sie völlig richtig schreiben, ähnliche Gruppenmerkmale aufweisen - wie soll das praktisch aussehen? Fördert man jeden einzeln, ergibt das in der Summe wieder eine Gruppenförderung. Oder sollte man die Gruppe fördern, aber im Einzelfall den- oder diejenige aussieben, der oder die die Förderung nicht verdient hat? leewe, am 29. Juli 2010 um 14:08 ( Link ) Ich habe neuerdings familiär bedingt etwas Einblick in die englische Gesellschaft - eine ausgemachte Klassengesellschaft. Lord_Sultan, am 29. Juli 2010 um 14:26 ( Link ) Wär es nicht am besten einfach niemanden zu fördern und den Dingen seinen lauf zu lassen. Natürlich per Gesetz niemanden zu fördern. Privat sei alles dem Einzelnen überlassen ob er nur Frauen oder kleinwüchsige, schwule Migrantentransvestiten aus der Unterschicht einstellt oder fördert. Hanserwin, am 29. Juli 2010 um 14:47 ( Link ) @ Fraggel Könnte es vieleicht sein dass Männer und Frauen schlicht unterschiedlich sind? In welcher Welt leben Sie denn? Es ist "offenkundig" dass männlich/weiblich kein Unterscheidungkriterium sein kann bzw. eigentlich gar nicht existiert. (So wie einiges anderes auch offenkundig ist das zu bezweifeln strafrechtliche Konsequenzen hätte.) Ich spende gern für Bedürftige die ich als solcher erachte. Nur lässt mir Vater Staat keine Chance dazu. Andererseits gibt er mein mir abgepresstes Geld für Bedürftige aus die er als solche erkennt. Robert K., am 29. Juli 2010 um 15:26 ( Link ) Die Beispiele zeigen, dass in der Bundesrepublik Menschen nicht qua Gruppenzugehörigkeit benachteiligt sind. Benachteiligungen können nur einzelne Menschen betreffen. Na, dann hätte sich die eifrei-These von der Benachteiligung "rechter" Meinungsmacher durch die "linken" Medien ja erledigt. Prima! Danke für den Artikel! Fraggel, am 29. Juli 2010 um 15:38 ( Link ) Na, dann hätte sich die eifrei-These von der Benachteiligung "rechter" Meinungsmacher durch die "linken" Medien ja erledigt. Die Klage bezieht sich ja nicht darauf dass rechte Meinungsmacher benachteiligt wären. Das ist dem libertären ziemlich Wurst. Und die Schlussvolgerung des Libertären ist eine völlig andere: Das wäre so als wenn Frauen sich entschließen würden selbst ein DAX Unternehmen aus dem Boden zu stampfen. Lustig, nicht? Robert K., am 29. Juli 2010 um 17:03 ( Link ) Die Klage bezieht sich ja nicht darauf dass rechte Meinungsmacher benachteiligt wären. Das ist dem libertären ziemlich Wurst. ..konsequent in Gruppenzugehörigkeit gedacht. Fraggel, am 29. Juli 2010 um 17:08 ( Link ) ..konsequent in Gruppenzugehörigkeit gedacht. Sollte mir grade ein Argument durch die Lappen gegangen sein? Jan-Matthis Weng, am 29. Juli 2010 um 18:07 ( Link ) Lord_Sultan schrieb am 29. Juli 2010 um 14:26 Wär es nicht am besten einfach niemanden zu fördern und den Dingen seinen lauf zu lassen. So isses! Nehmen wir die Hochschulen: Zerschlagen und privatisieren! Meinetwegen kostenfrei den Mitarbeitern übergeben. Dann wird man zwar Studiengebühren zahlen müssen, die wird man sich aber wiederholen im Job. Das nenn ich mal "sozial gerecht"! Ilja, am 31. Juli 2010 um 12:02 ( Link ) Solange es wahrscheinlicher ist, dass ein Akademikderkind eine Universität besucht als ein Kind aus der Unterschicht, ist es notwendig, die Benachteiligten zu fördern. Nein. In einer freien Gesellschaft ist zu erwarten, dass viele Kinder dem Vorbild ihrer Eltern folgen, und daher auch völlig natürlich dass unter den Studenten mehr Akademikerkinder sind. Da sind einmal die Gene - wer heute noch glaubt, dass die Eignung zu verschiedenen Berufen und Interessen an verschiedenen Berufen gar nichts mit Genen zu tun haben, ist entweder naiv oder politisch korrekt. Und da ist dann auch das Vorbild und die Erziehung. "Alle Menschen sind gleich" ist Ideologie. Diese Ideologie spielte ihre positive Rolle bei der Durchsetzung des Rechtsprinzips "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich", was, wenn man schon einen Staat hat, im Vergleich zu Kasten- oder Rassenstaaten das kleinere Übel ist. Und es ist durchaus eine sinnvolle ethische Regel, Fremden (in gewissen Grenzen) unvoreingenommen gegenüberzutreten. Das wars aber auch schon, was man positives dazu sagen kann. Wozu es gut sein sollte, Kinder davon abzubringen, dem Vorbild ihrer Eltern zu folgen, weiß ich nicht. Eine echte statistische Gleichwahrscheinlichkeit würde voraussetzen, dass Kinder das Vorbild ihrer Eltern (im Vergleich zu Fremden) völlig ignorieren. Und selbst das nur, wenn es keinerlei Auswirkungen der Gene gibt. Jan-Matthis Weng, am 02. August 2010 um 19:35 ( Link ) Das werd ich ihnen wohl klauen bzw. bei passender Gelegenheit künftig zitieren müssen. :) "Alle Menschen sind gleich" ist Ideologie. Diese Ideologie spielte ihre positive Rolle bei der Durchsetzung des Rechtsprinzips "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich", was, wenn man schon einen Staat hat, im Vergleich zu Kasten- oder Rassenstaaten das kleinere Übel ist. Jan-Matthis Weng, am 02. August 2010 um 19:37 ( Link ) -/+ ihnen/Ihnen Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
| ||||||
| Copyright © 2010 Lichtschlag Verlag KG | Design and Programming by greybyte, using Django and Performancing's Modernpaper template. | ||||||||
Rüdiger Märzen, am 29. Juli 2010 um 12:45 ( Link )
Super Artikel! NEIN dem Kollektivismus und der Gleichmacherei!