Ansgar Lange

Ansgar Lange, Jahrgang 1971, ist Politikwissenschaftler und Publizist.

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Wetten und Wettbewerb: Monopole machen satt und träge

von Ansgar Lange

Zwei Drittel der Deutschen sind für Aufhebung der restriktiven Glücksspielregelungen

Bringt der neue elektronische Brief der Post Bewegung in die Glücksspiellandschaft? Am Rhein sieht es nach einem Bericht der „Rhein-Zeitung“ derzeit so aus, zumindest werden die Rufe nach einer Liberalisierung des Glücksspielstaatsvertrages lauter. „Was in Rheinland-Pfalz seit Januar 2009 verboten ist, ist in Hessen wieder möglich: Lottospieler dürfen hier Tipps über das Internet abgeben. Der Fachbeirat Glücksspielsucht klagt zwar gegen das hessische Innenministerium, das die Genehmigung erteilt hat. Aber die Lottospieler können sich bereits registrieren lassen, um über den neuen elektronischen Brief der Post zu tippen“, berichtet das Blatt. Hans-Peter Schössler, Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz, sieht hierin allerdings noch nicht den großen Wurf. „Für ihn ist das Tippen über den E-Postbrief sowieso keine Alternative zum direkten Glücksspiel im Internet, wie es bis Ende 2008 möglich war“, so die Tageszeitung.

„Unsere wichtigste Forderung ist ganz klar die Wiederzulassung im Internet“, wird Schössler zitiert. Bis zum 31. Dezember 2011, wenn der derzeit geltende Glücksspielstaatsvertrag ausläuft, sei dies nicht möglich, „doch schon jetzt führt Lotto Gespräche mit Regierung und Fraktionen, um ab 2012 eine neue Regelung zu bewirken.“ Lotto Rheinland-Pfalz verzeichnet seit dem Internet- und Fernsehwerbeverbot nach dem Bericht Umsatzeinbrüche von rund zehn Prozent: „2009 hatten wir ein Umsatzminus von über 30 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr, in diesem Jahr erwarten wir ein Minus von 40 Millionen“, so Schössler gegenüber der „Rhein-Zeitung“. Das Ziel, die Online-Tipper in die rund 1200 Lotto-Annahmestellen im Land zu lotsen, sei verfehlt worden. Sie „spielen auf illegalen Plattformen im Netz. Anders als Lotto sind diese nicht staatlich kontrolliert – und zahlen ihre Steuern eher in Gibraltar als in Mainz.“

Auch in anderen Bundesländern regt sich Widerstand gegen den Glücksspielstaatsvertrag. Die Speerspitze der Status-quo-Gegner sitzt in Kiel: Schleswig-Holstein hat bereits Anfang Juni ein Modell vorgelegt, das der realitätsfernen und ökonomisch törichten Regelung, die vor allem die Soziallotterien benachteiligt, den Kampf ansagt. Der Marktanteil ausländischer und mithin unregulierter Anbieter beispielsweise nur bei Sportwetten liegt nach Expertenschätzungen bereits bei 94 Prozent – im Bereich des im Trend liegenden Online-Pokerspiels sogar bei 100 Prozent. Das staatliche Monopol existiert lediglich auf dem Papier, so die Ansicht der Regierungsfraktionen von CDU und FDP, die auf Mitstreiter aus den anderen Bundesländern hoffen und dabei auf die absehbare Entwicklung der Steuereinnahmen schielen:

Nach einer Goldmedia-Studie mit dem Titel „Glücksspielmarkt Schleswig-Holstein 2015“ kann Schleswig-Holstein nach einer Liberalisierung im Jahr 2015 rund 179 Millionen Euro an Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel- und Wettensektor generieren, nach geltendem Recht wird etwa die Hälfte erwartet. Auf Unverständnis stößt die restriktive deutsche Regelung auch im Ausland, wie Tennislegende Boris Becker unlängst bei einer Diskussionsrunde der beiden Kieler Regierungsfraktionen bestätigte. In seiner Wahlheimat England habe das Wetten gleichsam Lifestyle-Charakter. „Die Diskussionen in Deutschland kann niemand auf der Insel nachvollziehen“, so Becker, der zwischenzeitlich unter die professionellen Pokerspieler gegangen ist und für die aus der TV-Werbung bekannte kostenlose Online-Pokerschule der Rational Poker School Ltd. wirbt.

Der Gesetzesvorschlag aus Kiel trägt auch der veränderten europäischen Glücksspielslandschaft Rechnung. Als Vorbild gilt das sogenannte dänische Modell: Sportwetten, Poker und Casino-Spiele werden demnach liberalisiert, die restriktiven Werbe- und Vertriebsbeschränkungen werden aufgehoben. Der Gaming Law-Experte Dr. Wulf Hambach verweist auf eine TNS-Emnid-Umfrage, wonach fast zwei Drittel der Deutschen für die Aufhebung der restriktiven Glücksspielregelungen sind, um vor allem von den zusätzlichen Steuereinnahmen zu profitieren.

28. Juli 2010

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Kommentare

Crisis Maven, am 28. Juli 2010 um 14:30 ( Link )

Da haette ich einen Rat: wie beim Rundfunk-Staatsvertrag werden saemtliche Lotto-Ergebnisse nach sieben Tagen wieder geloescht. Was dort einhellig als ein Ausbund an Weisheit gefeiert wurde, kann hier so falsch nicht sein. Man koennte hilfsweise auch darueber nachdenken, uebers Internet nur "5 aus 49" zuzulassen, waehrend die jeweils sechste Zahl erst per Brief nachgetippt werden darf. Also, es gibt immer wieder gute Loesungen da, wo der Staat sich einmischt. Man sieht ja, dass in den staatenlosen Gesellschaften der Jaeger und Sammler vermutlich deshalb nix voranging, weil sie unkontrolliert ihrer Spielsucht erlagen.

Winfried Klemm, am 28. Juli 2010 um 19:42 ( Link )

Wieso aufheben? Gehen sie doch mal zu ihrer nächsten Bank, da können sie auch spielen.

MyChoice, am 28. Juli 2010 um 19:53 ( Link )

Ich weiß nicht recht...ob nun Norman Faber oder der Staat das Monopol hat oder die Bundesländer, die an der SKL beteiligt sind...
Niemand garantiert, dass bei auflösung Glücksspieltstaatsvertrages ein Wettbewerb entstehen wird...
Ich mag aber Glücksspiel eh nicht.

vonclausewitz, am 28. Juli 2010 um 20:50 ( Link )

Ich mag Lotterien, Wettbüros und Casinos. Diese Institutionen sorgen für eine stetige Umverteilung von Vermögen von Glücksrittern zu Personen, welche einen Erwartungswert berechnen können. Gegen eine freiwillige Dummensteuer ist nichts einzuwenden, jedes Hindernis für deren möglichst breite und fakultative Erhebung ist zu beseitigen.

Also bitte das Angebotsoligopol brechen und Werbung aus allen Rohren!

wrise09 wrise09, am 29. Juli 2010 um 11:07 ( Link )

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Individuum, am 29. Juli 2010 um 12:17 ( Link )

@Redaktion

Können Sie wrise09 mit seinen blöden Werbeblöcken abstellen?

illness, am 29. Juli 2010 um 12:49 ( Link )

Vielleicht liegt der Wechsel von Lotto zu Poker auch gar nicht an dem Monopol, sondern eher daran, dass Poker in erster Linie ein Spiel ist, bei dem der Spieler das Ergebnis selbst beeinflussen kann ?

Auch in Spielcasinos ist seit Jahren eine Verschiebung der Spieler von Roulette und Black Jack zu Poker zu beobachten. Die Casinos sehen das übrigens gar nicht gerne, da sie bei Pokertunieren den Bankvorteil nicht haben.

Daran würde auch Lotto über Internet nix ändern. Der Reiz beim Pokern ist ja gerade das Spiel gegen andere.

SystemSturz, am 29. Juli 2010 um 18:26 ( Link )

Ich bin auch kein Freund von Casinos (zumindest in dieser spelunkigen Form, wie sie an jeder Ecke mittlerweile entstehen). In meinen Augen gehören die Teile verboten. Wie vonclausewitz schon sagte, wird dort Geld einfach nur umverteilt von Arbeitern (bei uns sehe ich dort witzigerweise auch immer viele Selbständige) zu zwielichtigen Casinobetreibern.

"Spielen" begeistert unser Gehirn und ist damit potentiell suchtgefährdend - darunter haben im Zweifel auch die Familien der Kranken zu leiden und am Ende wir als Gesellschaft.

Es gibt nicht gegen den Skat/Doppelkopfabend zu sagen, bei dem mal 30Eu über den Tisch gehen, aber diese Abzockbuden sind mir zuwider.

Wir sind hier auf einem liberalen Forum, deshalb werden die meisten sagen: jeder soll sein Geld so verwenden, wie er möchte. Korrekt. Aber genau hier liegt der Fehler: "Spielen" ist eine Sucht, eine Krankheit - deshalb kann der Spieler nicht mehr entscheiden, für was er sein Geld ausgeben will - er muß es ausgeben (Zwang) für die Zockerei. In dieser Sekunde hört Freiheit auf, weil der Süchtige in der Konsequenz uns zur Last fallen wird. Deshalb: einfach diese sinnlosen Buden schließen!


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