21. Juli 2010

Aktuelle Nachricht – Wikileaks Opferhilfe durch Täterüberwachung

Julian Assange auf der diesjährigen TED-Konferenz

(ef-RG) Julian Assange, ein führender Mitarbeiter der Internet-Plattform Wikileaks war am vergangenen Dienstag Überraschungsgast auf der diesjährigen TED Konferenz in Oxford, England. TED steht für „Technology, Entertainment, Design“. Die Konferenz ist für eine exklusive Gruppe von etwa 1000 Fachleuten aus unterschiedlichsten Gebieten gedacht, die dort ihre Ideen austauschen.

Wikileaks widmet sich der Veröffentlichung geheimgehaltener Dokumente. Zuletzt war die Organisation in den Nachrichten, nachdem sie eine Videoaufzeichnung öffentlich zugänglich gemacht hatte, in der eine Gruppe von Passanten durch US-Militärhubschrauber in einem Vorort von Bagdad beschossen wurde, wobei ein Dutzend Zivilisten ums Leben kamen.

In dem Gespräch erklärte Assange, dass Wikileaks derzeit seine Infrastruktur ausbaut, weil es von der Anzahl an Hinweisen überwältigt wird. Die Plattform habe bisher „mehr vertrauliche Dokumente veröffentlicht als sämtliche anderen Medien der Welt zusammen“, behauptete Assange.

Der 39-jährige sagte, sein Vater habe ihm den Wert vermittelt, dass „fähige, großzügige Menschen keine Opfer erzeugen, sondern Opfer fördern.“ Er selbst sei eher ein kämpferischer Typ. Sein Weg, Opfern zu helfen, sei es, Täter zu überwachen.

Nicht jede Information sollte an die Öffentlichkeit, so Assange, zum Beispiel private Gesundheitsdaten, „aber die Tatsache, dass Regierungen Geld dafür ausgeben, Informationen geheim zu halten, ist ein guter Indikator dafür, dass die Veröffentlichung dieser Information eine Reform auslösen kann.“ In dem Gespräch in Oxford wurde auch deutlich, dass Wikileaks nicht nur Regierungsdokumente, sondern auch Informationen über Privatfirmen veröffentlicht, die sich nicht an Recht und Gesetz halten.

Bradley Manning, der Geheimdienstanalyst der US-Armee, der im Mai 2010 verhaften worden war, weil er angeblich die Quelle des Hubschrauber-Videos war, wird von Wikileaks anwaltlich unterstützt, obwohl die Plattform dementiert, den Namen des Zuträgers zu kennen. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärte Assange diesen scheinbaren Widerspruch: „Wir haben da keine andere Wahl, es würde sonst der Eindruck erweckt, dass es ein großes Risiko ist, mit uns zu arbeiten. Deswegen müssen wir jedem helfen, der wegen uns Anschuldigungen ausgesetzt ist.“

Quellen:

Gespräch von Chris Anderson, TED, mit Julian Assange („CNN“) 

Interview mit Julian Assange („Süddeutsche Zeitung“ vom 19.07.2010)


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