Ansgar Lange

Ansgar Lange, Jahrgang 1971, ist Politikwissenschaftler und Publizist.

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Absurder Vorschlag: Ethno-Polizisten in No-Go-Areas?

von Ansgar Lange

Die Kapitulation der Deutschen Polizeigewerkschaft

Dass Multikulti auch seine Schattenseiten hat, sollte sich mittlerweile bis in das behütetste bürgerliche Wohnviertel herumgesprochen haben. Das diesbezügliche Schweigekartell in den Medien, welches lange existierte, wird mittlerweile durch eine Publizistik jenseits der vorgegebenen herrschenden Lehre und das Internet aufgebrochen. Es ist also zunächst zu begrüßen, dass auch bei der Deutschen Polizeigewerkschaft angekommen ist, dass Migranten nicht immer nur friedlich und die Täter immer Deutsche sind. Vielleicht hat zu diesem Erkenntnisgewinn aber auch beigetragen, dass jüngst Polizisten zum Angriffsziel eines Mobs wurden, dem wohl keine Kulturbereicherung zugeschrieben werden kann.

Absurd ist jedoch der Vorschlag des Landesvorsitzenden der Gewerkschaft, Erich Rettinghaus, dass in Problemvierteln deutscher Großstädte künftig türkische Polizisten gemeinsam mit deutschen Beamten Streife gehen sollen. Es ist ja schön, dass Rettinghaus erkannt hat, dass es vor allem Probleme mit türkischstämmigen Personen gibt. Es kann und darf aber nicht sein, dass der deutsche Staat, nur weil bestimmte Migranten keinen Respekt vor deutschen Polizisten haben, ihre „eigenen“ Sicherheitsvertreter erhalten. Wo soll das enden? Bekanntlich ist das Verhältnis zwischen Arabern und Türken oft auch etwas angespannt. Vielleicht dürften es auch ein paar arabische Polizisten auf deutschen Straßen sein?

Wenn türkische Polizisten in der Uniform ihres Herkunftslandes gemeinsam mit deutschen Polizisten durch die Straße ziehen oder im Streifenwagen zur nächsten Pommesbude fahren, dann zeigt dies nur eins: Dieser Staat traut sich nicht mehr zu, sein Gewaltmonopol durchzusetzen. Bei der ganzen Diskussion darf auch nicht vergessen werden, dass schon seit längerem Anstrengungen unternommen werden, mehr Beamte mit „Migrationshintergrund“ für die Polizei zu gewinnen. Dass man hier nicht so recht erfolgreich war, liegt nicht an der bösen und restriktiven Mehrheitsgesellschaft, sondern schlicht daran, dass die Bewerber oft die Ausbildungsziele nicht erreichen konnten. Zudem ist fraglich, warum ein türkischstämmiger Jugendlicher, der Zeit seines Lebens in Deutschland lebt, vor einem Polizisten in türkischer Uniform mehr Respekt haben sollte.

Interessanter wäre die Idee, wenn man auch in Deutschland Polizei und Justiz härter zupacken ließe. Aber dies war bei dem Vorschlag der Deutschen Polizeigewerkschaft wohl nicht gemeint. Übrigens haben wir auch ein paar Afghanen in Deutschland. Jüngst hat ein afghanischstämmiger Jugendlicher ja einen deutschen Jugendlichen in Hamburg ohne Grund erstochen. Wäre dies nicht passiert, wenn afghanische Sicherheitskräfte am Jungfernstieg gewesen wären? Sicher, diese Frage ist zynisch. Sie zeigt aber auch, dass weite Teile unserer Gesellschaft immer noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt haben. Es muss endlich ein Konzept her, dass Zustände wie in Frankreich nicht auch in Deutschland zum Alltag werden. Hier ist zuallererst auch die Politik gefragt. Sie darf nicht nur ständig über die angeblichen Vorteile der Einwanderung sprechen, sondern sie muss deutlich benennen, wo die Probleme liegen. Dem steht bisher eine latente Inländerfeindlichkeit linksgestrickter Medien und Politiker entgegen.

21. Juli 2010

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