Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Österreich: Keine goldene Zukunft für Kinder

von Andreas Tögel

Von seltsamen Höchstrichtern und feigen Regierungen

Nun ist die Katze aus dem Sack. Wen bisher noch Zweifel plagten, ob er lieber in schweres Metall oder in leichtes Papier investieren solle, durfte kürzlich aus der Hand der offenbar auch in Fragen der Geldveranlagung kompetenten Experten des Obersten Gerichtshofs in Österreich (OGH) einen an Klarheit nicht zu überbietenden Fingerzeig entgegennehmen: Gold wäre dem Urteil der Höchstrichter zur Folge eine „spekulative Anlage“ und daher nicht „mündelsicher“. Das Vermögen unmündiger Kinder dürfe daher keinesfalls in Goldbarren oder -Münzen angelegt werden.

Die lustig gewandeten Herrschaften aus dem Höchstgericht müssen es ja wissen. Ihrer (bedauerlicherweise durchaus maßgeblichen) Meinung nach also irrte die Menschheit jahrtausendelang, als sie – und zwar zu allen Zeiten und in beinahe allen Kulturen – das gelbe Metall zum unumstrittenen, anerkannten Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel erkor. All diesen armen Narren fehlte bis heute jener Durchblick, über den rezente kakanische Richter von Amts wegen zu verfügen scheinen…

Was bedeuten schon Bewertungen durch Experten internationaler Rating-Agenturen, welche die Bonität eines Staats nach dem anderen – zu Recht und eher zu spät als zu früh – nach unten stufen, gegen den unermesslichen Ratschluss von ebenso unkündbaren, wie für ihre Veranlagungsanweisungen nicht haftbar zu machenden Beamten?

Dass Gold seinen Glanz zu keiner Zeit jemals verloren hat; dass der seit Jahren anhaltende Höhenflug des Goldpreises einen direkten Gradmesser für den von den Regierungen herbeigeführten Verfall der papierenen Fiat-Währungen (und damit aller auf Nominalwerte lautenden Investments, wie etwa dem im Land der Hämmer so überaus beliebten Sparbuch) darstellt und faktisch kein Investment existiert, das „mündelsicherer“ wäre als jenes in Gold – das alles ficht diese Herrschaften nicht an.

Fragt sich, warum?! Meinen die Richter wirklich und wahrhaftig, was sie da entschieden haben, dann sind schwerwiegende Zweifel an ihrer Urteilskraft angebracht. Denn was wäre wohl an alternativen Investments – etwa in auf hemmungslos inflationiertes Fiat-Money lautende Anleihen mehr oder weniger bankrotter Staaten – weniger „spekulativ“, als an einem in handfeste Goldbarren und -Münzen? Ist es denn etwa keine „Spekulation“, zu erwarten, Geld, das man leichtfertigerweise ausgerechnet dem jenseits jeder Vorstellungskraft verschuldeten Staat leiht, jemals wiederzusehen – und zwar zu jener Kaufkraft, die es hatte, als man es aus der Hand gab? Kaum! Jede Anlage, wie naturgemäß auch jede unternehmerische Handlung, ist dem Grunde nach und ausnahmslos „spekulativ“. Diese Erkenntnis, so könnte man meinen, sollte selbst bis zum OGH durchgedrungen sein.

Oder ist die seltsame Entscheidung der Höchstrichter am Ende so zu interpretieren, dass sie sich – wie auch ganz gemeine, normalsterbliche Untertanen – einfach selbst die nächsten sind – in der korrekten Erkenntnis nämlich, wonach ihre beachtlichen Bezüge letztlich davon abhängen, dass der Staat immer wieder aufs neue Gimpel findet, die ihm seine rapide auf Junk-Niveau abstürzenden Bonds abkaufen?

Wir werden es wohl nie erfahren. Traurig nur für vermögende Mündel, dass ihnen (beziehungsweise ihren Sachwaltern) eine so sichere Anlageklasse wie Gold nach diesem unglaublichen Urteil nun nicht mehr zur Verfügung steht.

Dass die volkswirtschaftliche Abteilung der „Erste Bank“ (eines der beiden größten Bankinstitute in Österreich) kürzlich ein wohlfundiertes Bulletin mit dem Titel „In Gold We Trust“ zum Thema Goldveranlagung herausgab, in dem die unübersehbaren Meriten derartiger Investments auf immerhin 71 Seiten dargestellt wurden, sollte zu denken geben – umso mehr, als darin nicht nur Ludwig Mises mit seiner „Geldtheorie“ aus 1912 zitiert wird, sondern auch rezente „Austrians“ wie Gregor Hochreiter.

Kürzlich hatte der Autor dieses Beitrags Gelegenheit, mit dem liberalen Ökonomen Guido Hülsmann von der Universität Angers in Frankreich über dessen Einschätzung der Wirtschaftslage zu sprechen. Auf die Frage, ob die Regierungen nun weiterhin auf Interventionismus setzen oder aber die Mechanismen des Markts wirken lassen sollten, meinte er, dass die Politik aus seiner Sicht vor der Wahl zwischen Pest und Cholera stünde. Entweder die Regierungen inflationierten weiterhin wie bisher – was durchaus noch ein paar Jahre lang funktionieren könnte, dann aber mit Hyperinflation oder deflationärem Crash und einer Währungsreform bei weitgehender Enteignung der Sparer enden müsste. Oder aber sie entschieden sich für einen beinharten Sanierungskurs, ließen also eine Korrektur – inklusive Firmen- und Bankenkonkursen – zu. Das würde eine jahrelange Rezession und große Härten für die Wohlfahrtsstaatsklienten bedeuten, am Ende aber eine völlige Genesung des Gesamtsystems bringen. Da letzteres für die Regierenden aber politisch nicht zu überleben wäre, da dies wohl nur um den Preis veritabler Wahlniederlagen geschehen könne, sei klar, dass sie sich für „Variante 1“ entscheiden würden.

Hülsmann weiter: Der dominierende Mainstream der Nationalökonomie betone viel zu sehr die Bedeutung von Erwartungen. Es werde so getan, als ob es allein auf eine günstige Beurteilung der Zukunftsperspektiven durch die Marktteilnehmer ankomme und auf nichts anderes. Das sei falsch. Ohne reale Werte als Basis des Handelns nützten auch die rosigsten Phantasien gar nichts. Mann könne eben dieselben Mittel nicht zur gleichen Zeit konsumieren und investieren. Ohne real gebildete Ersparnisse aber – also mit ausschließlich aus dem Nichts geschaffener Liquidität ohne jede Deckung – wäre eine nachhaltige Bewältigung der gegenwärtig bestehenden strukturellen Krise nicht möglich.


Quellen:

Bulletin der „Erste Bank“: In Gold We Trust (engl.)

24. Juni 2010

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