14. Juni 2010

Veranstaltungsbericht Bodrum 2010
Wie man sich unbemerkt auf Kosten anderer bereichert

Die Jahreskonferenz der Property and Freedom Society (PFS), Teil 4

Einen der Schwerpunkte auf Hans-Hermann Hoppes 5. Tagung der „Property and Freedom Society“ bildeten wieder Wirtschaftsthemen. Der französische Investmentbanker Olivier Richard widmete sich in seinem Vortrag dem nach dem irischen Banker Richard Cantillon benannten Umverteilungseffekt der Geldschöpfung.

Richard stellte sein amüsantes Referat unter den Titel „Die Kunst des Diebstahls“ und startete mit Karikaturen eines skrupellosen Kapitalisten als fröhlich in Menschenblut badenden Schweins und eines Investmentbankers als grell geschminkter und um Kundschaft buhlender Straßenhure.

Das dem Thema des Vortrags gewidmete einprägsame Eingangsstatement lautete: „Man sieht nicht viele in Maseratis herumfahrende Baumwollfarmer, aber man sieht eine Menge von 29-Jährigen in Maseratis auf der Wallstreet herumfahren. Das ist nicht die Weise, wie die Welt funktionieren sollte.“

Anhand von Diagrammen, welche die wirtschaftlichen Interaktionen von Marktteilnehmern darstellen, wurde verdeutlicht, dass – ausgehend von einem zwischen zwei Personen abgeschlossenen Geschäft – nach und nach ein großer Personenkreis berührt wird. Im gewählten Modell zieht das Ausgangsgeschäft sechs Folgeinteraktionen nach sich, an deren Ende schließlich alle Akteure einbezogen wurden.

Analog dazu verläuft der Effekt der Geldschöpfung, der von der Zentralbank initiiert wird. Richard stellt folglich auf einer Graphik, die sechs konzentrische Kreise zeigt, ein „B“ ins Zentrum – B wie Ben Bernanke. Dieser ist verantwortlich für die Produktion von Geld aus „dünner Luft“. Der „B“ umgebende erste Kreis umfasst die Ökonomen des FED-Systems, das US-Finanzministerium und die Wall Street. Im zweiten Kreis finden sich unter anderem die Gärtner der FED-Ökonomen, alle Beamten sowie die bereits genannten 29-jährigen Wallstreetbanker. Im dritten Kreis tummeln sich Maseratihändler und andere Lieferanten von Luxusgütern. Das von „B“ in die Welt gesetzte Geld setzt seinen Weg weiter fort, bis es die Peripherie erreicht, wo es – in Richards Präsentation im 6. Kreis – schließlich beim Baumwollfarmer ankommt.

Nimmt man nun an, „B“ würde seinen Geldausstoß verdoppeln, würden die Akteure im ersten Kreis augenblicklich über mehr Geld verfügen, ihre Ausgaben entsprechend steigern und damit das Preisniveau im zweiten Kreis erhöhen. Diese „Geldwelle“ setzt sich in der Folge bis in die Peripherie fort, wobei die jeweils weiter im Zentrum befindlichen Akteure relativ besser dran sind als die anderen, denen nun – bedingt durch den Preisauftrieb – weniger Mittel zum Kauf jener Güter zur Verfügung stehen, die in den näher beim Zentrum liegenden Kreisen angeboten werden. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass die am weitesten von Zentrum entfernten Personen (die im 6. „Kreis“) als einzige schlechter dran sind als zuvor, da das bei ihnen anlangende „Mehrgeld“ den Preisauftrieb in den Vorstufen nicht kompensiert – sie also weniger konsumieren können als vorher.

Die erhöhte Güternachfrage in den inneren Zirkeln und der damit verbundene Preisauftrieb ebenda verdrängt die Nachfrage von Akteuren an der Peripherie. Zusammengefasst: Geldproduktion aus dem Nichts bedeutet eine Umverteilung von Mitteln vom Rand ins Zentrum – „von der Hauptstraße zur Wallstreeet“.

Damit ist auch schon die Erklärung für das „Maserati-Phänomen“ gefunden: Der Wallstreetbanker ist Gewinner, der Baumwollfarmer Verlierer in diesem System (eine Tatsache, die Richard anhand mathematischer Ableitungen, denen mutmaßlich keiner der Anwesenden folgen kann, nachweist).

Als „Cheerleader“ dieser Art der Geldproduktion fungieren Regierungen, Makroökonomen, und Investmentbanken – die Akteure des „ersten Kreises“. Der durchschnittliche Wähler wird durch Vernebelungspolitik und die Präsentation von Sündenböcken (es sind die 29-jährigen Maseratifahrer!) ruhiggestellt.

Richard stellt die interessante Frage: „Sind Investmentbanker unmoralisch?“ Und er beantwortet sie so: „Wenn Sie das FED-System beenden wollen, das Teilreservesystem der Geschäftsbanken als betrügerisch brandmarken, gesetzliche Zahlungsmittel aufheben und Staat und Geldproduktion voneinander trennen wollen …dann haben Sie das moralische Recht, Investmentbanker zu kritisieren.“

Niemand sonst hat dieses Recht! Richard beendete seinen Vortrag mit einem Zitat des Autopioniers Henry Ford: „Es ist gut, dass die Leute unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn wenn es so wäre, glaube ich, würden wir vor morgen früh eine Revolution haben.“

 

Verweise:

siehe auch: Cantillon-Effekte, in: eigentümlich frei, 10. Januar 2009


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