Gérard Bökenkamp

Jahrgang 1980, Historiker.

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Katharsis statt Apokalypse: Staatsinsolvenz ist die beste Schuldenbremse

von Gérard Bökenkamp

Wer dem Staat leiht, leiht auf eigene Gefahr

Wer Anleihen kauft, spekuliert darauf, dass Staaten in Zukunft noch zahlungsfähig und zahlungswillig sein werden. Das gilt für alle Staatsanleihen. Wer zum Beispiel dem vom Bürgerkrieg erschütterten ausgedachten Staate Rurithanien Geld zu einem horrenden Zinssatz leiht und die Risikoprämie kassiert, darf sich eben auch nicht darüber beschweren, wenn die Zahlungen eingestellt werden und das investierte Kapital auf Nimmerwiedersehen in Rurithanien verschwindet. Gerade beim Kredit an Staaten ist das Risikobewusstsein weitgehend verloren gegangen, obwohl die gesamte Geschichte zeigt, dass gerade Staaten sehr riskante Schuldner sind. Staaten gehen tatsächlich selten im wahrsten Sinne des Wortes bankrott, aber ihre Gläubiger gehen durchaus bankrott. Es gilt: Wer dem Staat leiht, der leiht auf eigene Gefahr.

Die Regierungen erhalten heute Geld, weil das Staatsschiff als unsinkbar gilt. Objektiv ist der Staat aber ein extrem schlechter Schuldner, der in die Vergangenheit investiert statt in die Zukunft. Der Staat verwendet einen Großteil der Kreditaufnahme für die Finanzierung der Altzinsen, den Unterhalt der Sozialsysteme und die Subventionierung unprofitabler Industrien. Die Höhe der Staatsschulden in Europa und der Welt lassen nur einen Schluss zu: Ein Großteil dieser Schulden kann und wird niemals zurückgezahlt werden. Das kann man drehen und wenden wie man will. Viele Gläubiger werden sich daran gewöhnen müssen, dass ihre Ansprüche nur auf dem Papier existieren. Auf die eine oder andere Weise werden die Gläubiger erhebliche Abschreibungen vornehmen müssen.

Wenn vom „Staatsbankrott“ gesprochen und geschrieben wird, dann klingt das immer ein wenig wie „Apokalypse“ oder „Armageddon.“ Der Staatsbankrott wird als das große Schreckgespenst an die Wand gemalt, um damit solche Reaktionen wie den 750-Milliarden-Euro „Rettungsschirm“ rechtfertigen zu können. Eine Frage bleibt dabei jedoch unbeantwortet: Wer rettet die Retter? Die Staatsinsolvenz, also das Eingeständnis, dass der Staat nicht länger in der Lage ist, die Zinslast in vollem Umfang zu bedienen, ist gegenüber dem anderen Szenario, der Hyperinflation, die bessere Alternative.

Die Insolvenz allgemein und die Staatsinsolvenz insbesondere ist eine Form von „Katharsis“: Die systematischen Fehler der Kreditvergabe werden offengelegt, Gewinne werden abgeschrieben, Erwartungen zurückgeschraubt und leichtsinniges Risikodenken weicht betriebswirtschaftlicher Vorsicht. Die Party ist vorbei, und statt Sekt gibt es Selters und der Kater wird auskuriert. Eine Staatsinsolvenz, die zu einem Zahlungsmoratorium führt, hat den großen Vorteil, dass der Realismus in die staatliche Schuldenfinanzierung zurückkehren würde. Die Zinsen würden entsprechend steigen und die Kreditaufnahme würde für den Staat erheblich erschwert. Das erzwingt dann Sparmaßnahmen, die unter anderen Bedingungen überhaupt nicht durchsetzbar wären. Die Insolvenz eines Staates ist keine Katastrophe, sondern bedeutet die Rückkehr zu einer vernünftigen Risikowahrnehmung zwischen privaten Gläubigern und staatlichen Schuldnern.

Staatsschulden sind an sich fragwürdig, weil sie ein Vertragsabschluss auf Kosten Dritter sind. In der privaten Wirtschaft ist ein Kredit ein Vertrag zwischen zwei Parteien, der seine Gültigkeit durch einen gemeinsamen Abschluss erfährt. Dieser Vertrag betrifft den Gläubiger und den Schuldner. Wenn der Schuldner verstirbt, dann hat der Gläubiger Zugriff auf das hinterlassene Kapital. Die Kinder des Schuldners können das Erbe ausschlagen und müssen in diesem Fall für die Restschuld nicht aufkommen. Die Staatsschulden verpflichten hingegen auf Generationen hinaus die Bürger, mit Steuern und Abgaben für eine Schuldenlast aufzukommen, die aufzunehmen und zu übernehmen, sie selbst nie zugestimmt haben.

Das führt dazu, dass sich eine Generation ein angenehmes kreditfinanziertes Leben macht, mit hohen Sozial- und öffentlichen Dienstleistungen, Subventionen, Frühverrentung und der Vermeidung sozialer Konflikte, und die Gläubiger gut verzinste, (erst einmal) sichere Zinsleistungen erhalten auf Kosten von Generationen, die nicht gefragt worden sind. Man kann also gute Gründe dafür vorbringen, dass Staatsschulden illegitime Schulden sind und dass die dauerhafte Belastung von zukünftigen Generationen durch Zins und Zinsenszins in vollem Umfang schwer zu rechtfertigen ist. Am Ende wird es Kompromisse geben, und die Anleihebesitzer werden hinnehmen müssen, dass sie keinen so guten Schnitt machen, wie sie vielleicht angenommen haben.

Die Staatsinsolvenz ist so etwas wie der finale Kassensturz einer Gesellschaft: Der Nennwert der Papiere wird ihrem realen Wert angepasst, ob es sich nun um Banknoten, Anleihen oder andere verbriefte Ansprüche handelt. Eine Staatsinsolvenz kann dazu führen, dass ein Staat nicht mehr als kreditwürdig gilt. Das heißt der Staat kann sich über den Kapitalmarkt nicht mehr mit Kredit versorgen. Dieser Zustand kann, das zeigt die historische Erfahrung, mitunter über viele Jahrzehnte andauern. Dies wird oft als Horrorszenario an die Wand gemalt. In Wirklichkeit ist das die beste Schuldenbremse, die man sich vorstellen kann. Der Kapitalmarkt diszipliniert die Haushaltspolitik besser als jeder Verfassungszusatz. Der Staat kann dann wirklich nur das ausgeben, was er auch einnimmt. Das Wirtschaften auf Kosten kommender Generationen hat dann, wenigstens für eine Weile, ein Ende.

01. Juni 2010

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Kommentare

Olaf Janowski, am 01. Juni 2010 um 18:56 ( Link )

"Für den praktischen Erfolg der Rentenmark war, neben dem Anhalten der Banknotendruckerpresse, das Vertrauen des Volkes sowie ein anfänglich ausgeglichener Staatshaushalt maßgeblich."


Wikipedia zur Rentenmark 1923

... "Vertrauen des Volkes" ... "ausgeglichener Staatshaushalt" ...

Olaf Janowski, am 01. Juni 2010 um 20:46 ( Link )

Das eine schließt das andere nicht aus. Hyperinflation ist eine Form die Gläubiger zu enteignen. Auf die Hyperinflation folgt meist der default oder haircut von über 50%.

@foreign_correspondent:

Ich vermute mal, so "günstig" wie 1923 (6%) und 1948 (10%) kommen die Häuslebesitzer unter uns demnächst nicht davon (Zwangshypotheken).

Aus der Wikipedia über die Währungsreform West von 1948:

"Schuldverschreibungen, Hypotheken und sonstige Forderungen und Verbindlichkeiten wurden im Verhältnis 10:1 umgestellt. Die Prämienreserven der privaten Versicherungen und die Bausparguthaben der Bausparkassen wurden ebenfalls im Verhältnis 10:1 umgestellt, die laufenden Beiträge dagegen blieben im Verhältnis 1:1 bestehen. Verbindlichkeiten des Reichs und gleichgestellte Verbindlichkeiten wurden nicht umgestellt, erloschen jedoch noch nicht."

vonclausewitz, am 01. Juni 2010 um 21:17 ( Link )

Ich warte auf den Tag bis sich ein ambitionierter Wirtschaftsethiker mal ein paar Gedanken zu der generellen Vertretbarkeit einer Investition in die Staatsfinanzierung macht.

Wer einer Organisation finanziert, welche den Drogenanbau in Afghanistan begünstigt, zur bewaffneten Bandenbildung und räuberischer Erpressung/Nötigung neigt , dessen Ansprüche beruhen (zumindest teilweise) auf im Privatverkehr illegitimen Forderungen.

SHSH, am 01. Juni 2010 um 21:26 ( Link )

wenn der Staat pleite geht werden sich die Michels um neue Staatsanleihen geradezu reißen! Komplett entschuldeter Schuldner mit einem nach wie vor einzigartigen Diebstahlsmonopol. So schön "sicher", das mag der Michel.

Kurt_G Fördermitglied, am 01. Juni 2010 um 21:27 ( Link )

Wer eine Organisation finanziert, welche den Drogenanbau in Afghanistan begünstigt, zur bewaffneten Bandenbildung und räuberischer Erpressung/Nötigung neigt , dessen Ansprüche beruhen (zumindest teilweise) auf im Privatverkehr illegitimen Forderungen.

Art. 26 Abs. 1 GG

Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

umverteiler, am 01. Juni 2010 um 23:28 ( Link )

Warum erhalten souveräne Staaten noch Kredit, obwohl jeder Gläubiger davon ausgehen kann, dass die Schulden nie komplett getilgt werden können ?

Richtig, der Staats-Bürger ist Staats-Bürge, will heißen, letztlich haftet jeder Bürger mit seinem GESAMTEN privaten Vermögen für Zinsleistungen des Staates, hierzu gibt es das Gewaltmonopol des Staates über den Bürger.

Von Tilgung der Staatsschuld redet hier niemand mehr, denn Tilgungsleistungen werden auf Neukredite "hinübergerollt". Da hilft nur ganz bewußtes Weginflationieren der Staatsschulden, initiiert von der EZB, und am Ende sind alle froh über eine Währungsreform, wenn man nicht länger mit der Schubkarre voller wertloser Banknoten zum Bäcker muß.

hans, am 01. Juni 2010 um 23:59 ( Link )

Übersetzt heisst das:

das hamsterrad ist kaputt gegangen. (kreditunwürdig)
wir steigen aus. (staatsbankrott)
wir bauen ein neues, besseres, sichereres rad auf. (eu-staat?)

und steigen wieder ein. (kreditwürdig)

oder wie?

Kurt_G Fördermitglied, am 02. Juni 2010 um 0:14 ( Link )

Leute, wers noch nicht gesehen hat hier der ultimative Krimi zum Abend und Unlangweiler.

Maisberger gerade eben .. mit Olaf Henkel, Lisa Fizz, Baring, Paolo Pinkel und Blüm und mit wiede reiner schwachen Maischberger

Arnulf Baring wirft Norbert Blüm Dummheit vor und sagt ihm ins Gesicht er sei Unfähig und das schon immer gewesen und auch das, Blüm habe von Politik nie Ahnungzu gehabt zu haben er sei mit seiner Sozialpolitik der wahre Täter der Krise.

Paolo Pinkel alias Friedman fuchtelt und rhetoriert in einem Oberlehrerstil unmöglichen Stils, den ist man aber von ihm gewohnt, gegen Olaf Henkel - der wiederum ihm, dem Pinkel erklärt, vom Euro keine Ahnung zu haben und im gleichen Atemzug die DM zurückfordert. Argumentaiv hebelt er dabei den Friedman aus als der poltert "um gottes willen", das fehlte noch - "Deutschland sei doch Exportweltmeister" - indem er ihm ins Wort fällt und sagt, ja, aber hauptsächlich fände der Export in die Länder statt die keinen Euro haben. Immerhin habe die Hälfte der Euro Länder keinen Euro. Deswegen sei es sinnvoll die DM wieder einzuführen.

Lisa Fitz schießt den Vogel ab als sie Merkel - eine Puppe titelt die sich dem Bush - auf den Schoss gesetzt habe. Überhaupt so fährt sie fort, würde Merkel nur Politik befohlen aus Amerika machen und der verlängerte Arm der Amerikaner sein.

Und gräbt noch einen Besteller aus dem Nähkästchen über Fischer und Schröder der noch für Furore sorgen wird.

Darauf Gepolter von Paolo Pinkel und tobsuchtähnlicher Tumult von Baring der den Stil von Lisa Fizz unter aller Sau findet.

Darauf holt Lisa Fizz zum Rundumschlag aus und behauptet Köhler sei wegen anderer Dinge gegangen und nicht wegen des Afghanistans-Statement. Sie greift dabei tief in die dunkle Kiste und holt den Euro raus, die Subvetions Eu und erfährt gleichzeitig die Bestätigung von Olaf Henkel. Blüm vergeht sich im Wort und versieg sich mit Stottern und dementen Auffälligkeiten zu einem Monolog über einen neuen Euro der her muß und zu der Aussage der Lissabonvertrag sei ein Ding welches die Menschen in Eurpoa ablehnen. Dieser müsse neu - genaus so ein neuer ehrlicher Euro.

Hammermäßig ..

http://www.daserste.de/maischberger/sendung.asp?datum=01.06.2010&startseite=true

vonclausewitz, am 02. Juni 2010 um 0:18 ( Link )

Ob es dieser Artikel mitsamt den Kommentaren in die Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung schafft?

Ich habe mir erlaubt, den Gesellen dort den Link zu schicken.

vonclausewitz, am 02. Juni 2010 um 0:39 ( Link )

Noch was:

Der Titel "Exportweltmeister" ist eine zweifelhafte Ehre.

Er beschreibt eine Volkswirtschaft, welche den grössten Überschuss an Waren und Dienstleistungen gegen bunte Papierschnipsel und zwielichtige Forderungen ausführt. Die Indianer waren auch begnadete Exporteure.

EmilS, am 02. Juni 2010 um 0:48 ( Link )

"Private Gläubiger"? Als ob der Normal-Michel, der zu Zwangsbeiträgen verpflchtet - weil selbstverständlich zu blöde, selbst vorzusorgen - ansatzweise eine Wahl hätte, nicht daran zu glauben, daß ihm der "Staat" gar Rendite auszahlt, weil Staaten ja bekanntlch stets wohlstandsmehrend in Erscheinung treten, indem sie ihr "Staats"volk in ihrem Sinne bewirtschaften.

Nein, das trfft es nicht. Das gehirngewaschene Rentenfutter bürgt letztlich unfreiwillig mit seiner Arbeitsleistung für die "Staats"schulden, und dies in einem Ausmaß, das schon heute keinen Spielraum für individuelle Vorsorge ermöglicht. Als Nichtunterzeichner des sog. "Generationenvertrages" wird es zu Zwangsgläubigern, und zwar bis auf "das letzte Hemd", degradiert. Derart entmündigt, gedemütigt und der eigenen Früchte beraubt, verdichtet sich die Wahl zwangsläufig, und im Sinne unserer Bewirtschafter, alle vier Jahre auf das wohlbekannte "weiter so" und dem vermeintlichen Totalverlust.

Hier gibt es jedenfalls keine Wahlfreiheit, weil diese längst durch fiktive Gesetze, die tatsächlch niemals geschlossen, sondern bestenfalls "demokratisch legitimiert" wurden, abgeschafft wurde und somit auch keine Rede von risikofreudigen "Gläubigern" sein kann, die diesen Wahnsinn unterstützten. Nicht die freiwilligen Riester-Sparer, auch nicht die sehr bösen Spekulanten und niederträchtgen Rating-Agenturen stellen das Gros der Gläubiger "unserer" "Staats"wirtschaft. Die staatliche Miß- und Mangelwirtschaft wird am Ende und am wenigsten jene verschonen, die zu Zwangsgläubigern degradiert wurden. So kann die antikapitalistische Agitation - selbst nach der "Stunde Null" - einen Unterbau formieren - immer und immer wieder, solange man den "Staat" nicht als Bewirtschafter ansonsten produktiver, freiwillig geschlossener, Gesellschaften begreifen will.

Olaf Janowski, am 02. Juni 2010 um 3:48 ( Link )

Die Indianer waren auch begnadete Exporteure.

Die Glasperlen und anderer billiger Heindidelkram werden mittlerweile in China produziert, und Gold sowie Diamanten kann man nach wie vor nur aus Südafrika und dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika rausholen.

Olaf Janowski, am 02. Juni 2010 um 5:51 ( Link )

@ foreign_correspondent:

Die Elite weiss, dass sie mit ihrem intimen Privatleben keinerlei Vorbildfunktion mehr ausüben kann. Im Prinzip vergleichbar der spätrömischen Dekadenz der Oberschichten.

Ich habe ungelogen hohen Respekt vor streng gläubigen Christen, Juden und Moslems.

Kurt_G Fördermitglied, am 02. Juni 2010 um 9:11 ( Link )

Mich wundert, daß Friedman auch zu der Gruppe gehört, der Rest sind ja nur B- und C-Promies.

Ist Friedman schon so weit abgestiegen?

foreign_correspondent

da muß ich erstmal um ein sorry bitten weil der Artikel von gestern abend so saumäßig von mir geschrieben wurde. Überhastet und ohne Korrektur. Aber nach ner halben Flasche Wein, gab dazu einen Anlass, wird wohl niemand mehr ganze Sätze auf die Reihe bekommen und den Satzbau vernachlässigen. Ich denke aber jeder kann sich da durchwurschteln. Zumal die Mediathek einen Abspann bietet.

Mir fiel auf dass Blüm auffällig irritiert sprach wohl nicht mehr fähig ganze Sätze zu formulieren. Mir fiel die Direktheit der Lisa Fizz auf und auch olaf Henkel schien mir endlich mal das sagen zu dürfen was ihm auf den Nägeln brennt. Wenn nicht bei Maischberger wo denn dann? Dass Letztere mal wieder ständig ihren Gästen ins Wort fiel mag man mittleweile nicht mehr so ernst nehmen. Kennt man ja.

Aber Friedman, mein Gott, sorry, wer holt diesen Moralapostel und Bigotten Menschen immer wieder als Vorzeige-Journalist in die Medien. Paolos Stil ist so ziemlich der Erbärmlichste und Anmaßenste den man sich denken kann. Mein Gott ist der peinlich. Und - entgegen meiner Meinung er sei nicht dumm muß ich das für gestern abend zurücknehmen.

Doch Friedman, du bist dumm. Dumm im Sinne von Begriffsstutzig. Paolo: Du hast jedwedes Recht verspielt anderen Moral vorzuhalten: Lass Menschen zu Wort und Wahrheit sprechen und bau keine Mauer um die Wahrheit "Genosse Braungesicht". Das mag in Israel an der Tagesordnung sein für Deutschland hingegen wünsche ich mir Ehrlichkeit.

Baring fand ich bis auf einzelne Situationen ziemlich offen und auch Lisa Fizz.

Doch, Doch foreign_ Corres ... das war schon eine andere Talkrunde - anders als bei den Kauders und Merkels. Hatte was. Muß ja nicht immer Niveau haben Hauptsache das Thema wird offen und ehrlich behandelt.

vonclausewitz, am 02. Juni 2010 um 9:33 ( Link )

@ foreign_correspondent

"Exportweltmeister" durch vendor financing.

Danke, so ist es.

bernd_lessing, am 02. Juni 2010 um 13:59 ( Link )

@Gérard Bökenkamp:

Ich stimme Ihnen zu: Ein Staatsbankrott wäre wahrscheinlich wirklich die beste, die sauberste Lösung.

Wobei man sich - in Anlehnung an das Privatrecht - doch zumindest fragen muss, ob dabei die in staatlicher Hand befindlichen Assets an die Gläubiger übergehen sollen oder nicht. Formal möglicherweise korrekt, das bringt uns aber zur nächsten Frage:

Sind alle Gläubiger des Staates gleich? Sind die Banken, die Staaten durch eigene Giralgeldschöpfung Geld geliehen haben, in der gleichen Rolle wie "Lieschen Müller", die real erwirtschaftetes Geld in Staatsanleihen gesteckt hat?

Zieht man die Perversionen unseres heutigen Geldsystems mit in Betracht, ist m.e. die Frage nach der Sinnhaftigkeit oder gar Gerechtigkeit eines Staatsbankrotts plötzlich gar nicht mehr so einfach zu beantworten.

Staatlich Lernbehinderter, am 03. Juni 2010 um 23:01 ( Link )

Es wurde hier schon angedeutet: Wer Staaten finanziert, handelt abgrundtief unmoralisch. Wenn ein Staat bankrott geht, dann ist dies das Beste, was passieren kann: Den Bevormundern ist die ökonomische Basis für ihre Unrechtstaten genommen - und deren Finanziers haben es verdient, endlich leer auszugehen, zumal nachdem sie jahre- und jahrzentelang Spitzenzinserträge zu Lasten Dritter erbeutet haben.

SHSH, am 03. Juni 2010 um 23:18 ( Link )

überhaupt keine Basis wird genommen. Eine funkelnagelneue ersetzt die durchgerostete alte. Schuld am Rost waren natürlich die Reichen, die Unternehmer, die Egoisten, die Steuerbetrüger, die Schwarzarbeiter und die Spekulanten.

umverteiler, am 03. Juni 2010 um 23:20 ( Link )

@bernd_lessing

Sie machen sich doch keine Illusionen, dass es bei einem Staatsbankrott noch verwertbare Konkursmasse gibt ? Was soll denn an Konkursmasse an die Gläubiger "ausgekehrt" werden. Was soll liquidiert werden, doch maximal der Steuerzahler selbst ?

Wie sagte Herr Eichelburg so treffend, die angeblichen Vermögenswerte, die den Staatsschulden gegenüberstehen, findet man auf den Müllkippen von Berlin-Marzahn wieder. Die Kredite sind zum allergrößten Teil in den Konsum derer geflossen, die "Staatsbedienstete" im eigentlichen Sinne und übertragenen Sinne sind, die also vom sozialistischen Umverteilungsstaat am meisten profitieren und die die politischen Repräsentanten diese Staates damit "legitimieren".

Wieviel Prozent des jährlichen Bundeshaushalts fließen in "Investitionen", also in im Zweifelsfall verwertbares bzw. liquidierbares Vermögen des Staats ?

Der Sozialhaushalt - rein konsumptiv, der Verteidigungshausghalt - wer kauft gebrauchte Panzer und anderes Militärgerät ? Bildung und Forschung - überwiegend werden die Mittel in Personalkosten und "Lehr-Gebäude" gesteckt - die Gebäude sind in der Regel unverkäuflich. Verkehr - sind ausländische Gläubiger oder Lieschen Müller an Autobahnabschnitten oder der chronisch defizitären Deutschen Bahn interessiert ?

Wenn es hochkommt, sind vielleicht 2% der ausstehenden Staatsschulden im Pleitefall liquidierbares und am Markt veräußerbares Vermögen. Staatsgebiet ist ohnehin unveräußerbar, siehe Diskussion um die berühmten "griechischen Inseln". Außerdem gehört die berühmte einzelne Insel ja auch nicht dem Staat, sondern der Gemeinschaft der jeweiligen Grundbucheigentümer, es sei denn, man zwangsenteignet diese zu Gunsten des Staates, um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen.

Wenn man sich die jüngsten Staatsbankrotte ansieht, z.B. Argentinien, so haben die Gläubiger in der Regel Null Möglichkeiten, an liquidierbare Vermögensmasse zu kommen. In Argentinien selbst sind keine Titel zur Pfändung von Staatsvermögen gegen den Staat durchzusetzen, hier sagt die Rechtsprechung: Ausländer können kein Staatsvermögen pfänden lassen, dieselbe Rechtsprechung gilt für jedes souveräne Land, also auch für Deutschland im Falle des Staatsbankrotts. Deutsche Inländer werden gegen ein Butterbrot abgefunden bzw. zwangsenteignet, siehe Hypo Real Estate.

Ausländische Gläubiger können Titel zur Pfändung von deutschem Staatseigentum im Ausland erwirken, Beispiel: Griechenlands Zugriff auf die Kassen der Deutschen Bahn in Italien, nachdem ein italienisches Gericht die Eintreibung von Entschädigungszahlungen für den 2. WK gegen Deutschland gestattet hat.

Institutionelle Anleger wie Banken sind im "Pariser Club" organisiert und handeln immer bessere Entschädigungs- bzw. Umschuldungsquoten aus als der private Investor. D.h. unabhängig vom Status der Schuldverschreibung, ob erstrangig (senior) oder nachrangig (junior, subordinate), die Bank, die selbstgeschaffenes Giralgeld ausgeliehen hat, wird bei einem Staatsbankrott immer mit einer höheren Quote aus dem Rennen gehen als der unorganisierte (kleine) Privatinvestor, der real erwirtschaftetes, privat gespartes Geld im Feuer hat.

Lieschen Müller wird bei einer Staatspleite das Umschuldungsangebot und dessen Konditionen, also den Haircut, ohne Interventionsmöglichkeiten akzeptieren müssen, die Giralgeld-Schöpfer werden ja im Zweifel bekanntlich durch Billionen-schwere Bailout-Programme aus Steuerzahlermitteln "rausgehauen".

bernd_lessing, am 04. Juni 2010 um 10:33 ( Link )

@umverteiler:

"Sie machen sich doch keine Illusionen, dass es bei einem Staatsbankrott noch verwertbare Konkursmasse gibt?"

Klar gibt es die. Autobahnen, öffentliche Gebäude etc.

"Wie sagte Herr Eichelburg so treffend, die angeblichen Vermögenswerte, die den Staatsschulden gegenüberstehen, findet man auf den Müllkippen von Berlin-Marzahn wieder."

Keine Frage: Ein guter Teil des Geldes ist mit Sicherheit weg. Aber hier und da hat der Staat dann (versehentlich?) doch auch investiert.

"Verkehr - sind ausländische Gläubiger oder Lieschen Müller an Autobahnabschnitten oder der chronisch defizitären Deutschen Bahn interessiert?"

Besser als nix! All diese Assets ließen sich erfolgreich bewirtschaften, wenn der Staat erstmal seine Griffel wegnimmt. Für die Nutzer wird es wahrscheinlich erstmal unangenehm, weil sie plötzlich EXPLIZIT z.B. für die Straßennutzung zahlen müssen. Es bleibt zu hoffen, dass sich dann beim Steuerzahler die Erkenntnis durchsetzt, das er in der Vergangenheit dafür auch schon gezahlt hat und jetzt die Steuern sinken müssen.

"Wenn man sich die jüngsten Staatsbankrotte ansieht, z.B. Argentinien, so haben die Gläubiger in der Regel Null Möglichkeiten, an liquidierbare Vermögensmasse zu kommen."

Das ist aber eher ein rechtliches Problem, da sich der Staat bei seiner eigenen Insolvenz ÜBER das Recht stellt.

"Lieschen Müller wird bei einer Staatspleite das Umschuldungsangebot und dessen Konditionen, also den Haircut, ohne Interventionsmöglichkeiten akzeptieren müssen, die Giralgeld-Schöpfer werden ja im Zweifel bekanntlich durch Billionen-schwere Bailout-Programme aus Steuerzahlermitteln 'rausgehauen'."

Das sehe ich in der Praxis leider genauso. Lieschen Müller ist so oder so angesch*****: ob beim Staatsbankrott, bei einer Währungsreform oder bei einer (Hyper-)Inflation.


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