28. Mai 2010

ef 103 Editorial

Der Anfang vom Ende des Euro?

Der gerade vergangene Mai wird in die Geschichte eingehen als der Anfang vom Ende des Euro. Staatsstreichartig brachen die EU-Regierungen ihre eigenen Verträge. Nun bildet Deutschland mit Griechenland und den anderen klassischen Weichwährungsstaaten eine Schulden- und Subventionsgemeinschaft.

Unser Kolumnist Frank Schäffler stimmte als einziger FDP-Bundestagsabgeordneter gegen die beiden Milliarden-Bailouts für Griechenland und den Euro. Seine protokollierten Stellungnahmen könnten Fußnoten in den Geschichtsbüchern werden. FDP und CDU dürfte es dann ähnlich wie die Weimarer Parteien DVP, DDP oder Zentrum, die für das damalige Ermächtigungsgesetz stimmten, kaum mehr geben. Wer braucht eine liberale oder konservative Partei, die auch die letzten noch in Umrissen vorhandenen Prinzipien verraten und für ein paar Pöstchen und Dienstreisen verkauft hat?

Helmut Kohl könnte am Ende auf grausame Art recht behalten, hatte er doch den Euro als Schicksalsfrage von Krieg und Frieden gedeutet. „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“, wird auch Kohls Mädchen Merkel zitiert. Der Ökonom Burkhard Pahnke kommentierte das auf ef-online treffend so: „Gemeint ist: Wirtschaftlicher Unfug ist gut, wenn er der politischen Sache dient. Doch hier irrt die Kanzlerin. Geht es wirtschaftlich bergab, entstehen genau jene politischen Fliehkräfte, die sie um jeden Preis vermeiden will. Erinnert sei nur an das Auseinanderfallen der Sowjetunion. Für den Frieden in Europa bedarf es jedenfalls keines gemeinsamen Geldes. Nicht erst seit in Palermo und Helsinki mit derselben Währung bezahlt wird, tragen die Staaten Europas ihre Rivalitäten vorzugsweise auf Fußballplätzen oder Schlagerwettbewerben aus. Droht Unfrieden nicht vielmehr dann, wenn sich Nachbarn zu sehr auf die Pelle rücken?“

Und im Innern? Im „Spiegel“ erklärt Wolfgang Kaden: „Die Proteste in Griechenland lassen erahnen, was anderen Ländern noch bevorsteht. In Deutschland zeigte schon der Widerstand gegen die Hartz-IV-Gesetze, wie schwer Korrekturen bei staatlichen Leistungen durchzusetzen sind; Hartz IV sorgte für die Abwahl der rot-grünen Regierung und zum Aufstieg der Linken. Jahre harter Verteilungskämpfe stehen uns bevor, und womöglich eine schwere Belastung des demokratischen Systems.“ Spannende Zeiten – und Themen, denen wir einmal mehr in dieser Ausgabe schwerpunktmäßig nachgehen möchten.

Neues aus der Redaktion: Regelmäßigen Lesern ist vielleicht aufgefallen, dass seit einigen Monaten die Buch-Rezensionen zahlreicher und gepflegter erscheinen. Mein Dank dafür geht an Luis Pazos, der diese Aufgabe nebenbei mit Hingabe übernommen hat. Mit dem aktuellen Heft starten wir auch wieder eine regelmäßige Veranstaltungsvorschau, deren Zusammenstellung dankenswerterweise ab jetzt Robert Grözinger betreut. Die Kolumne „DeutschlandBrief“ pausiert in diesem Monat ausnahmsweise aufgrund dringender Verpflichtungen von Dr. Bruno Bandulet.

Auch der Vertrieb meldet Neuerungen. Bereits mit der letzten Ausgabe starteten wir den Einzelverkauf über Flughäfen und Bahnhöfe hinaus in vier ersten Grosso-Gebieten. Inzwischen sind fünf weitere hinzugekommen. eigentümlich frei ist nun also bei jedem Presse-Einzelhändler in folgenden Städten und Regionen erhältlich: München, Hamburg, Berlin (West), Kiel (Schleswig-Holstein-Nordost), Schleswig-Holstein-Nordwest (mit den Inseln Sylt etc.), Düsseldorf (mit Neuss und Umgebung), Nürnberg, Münster (und Münsterland) sowie Essen/Gelsenkirchen/Bottrop/Recklinghausen.

Überall dort liegt ef inzwischen in vielen Kiosken bereit oder kann von allen dortigen Verkaufsstellen auf Wunsch beim Grossisten kurzfristig geordert werden, um es auch zukünftig im Angebot zu führen. Letzteres erfolgt auf Käuferwunsch. Es würde uns deshalb sehr helfen, wenn gerade in der Startphase möglichst viele Leser diese zusätzliche Möglichkeit vor Ort nutzen würden: Jedes gerade jetzt nachgefragte und gekaufte (zusätzliche Werbe-) Exemplar hilft uns als kleinem unabhängigem Verlag, eigentümlich frei als frisch-freche Alternative zum Mainstream dauerhaft auch im Einzelverkauf zu verankern.

Wie immer wünsche ich Ihnen, liebe Leser, viel Lesefreude und Erkenntnisgewinn auch mit dieser Ausgabe. Und denken Sie immer daran: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien! Mehr netto!

Information

Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 103


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