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Bohrturmunfall im Golf von Mexiko: Warum sollten wir mit BP kein Mitleid haben?

von Llewellyn H. Rockwell Jr.

Die wahre Katastrophe ist ökonomisch, nicht ökologisch

06. Mai 2010

Vor 21 Jahren verlor die Exxon-Valdez durch ein Leck Öl, und löste damit eine Hysterie bei den Umweltschützern aus. Murray Newton Rothbard hat in seinem Artikel, „Warum sollten wir mit Exxon kein Mitleid haben?“, die Sache treffend auf den Punkt gebracht.

Nachdem die von BP gemietete Ölplattform letzte Woche explodierte, sind die Umweltschützer erneut durchgedreht, und nutzten die Gelegenheit, auf ein Privatunternehmen einzudreschen und über das in Not geratene „Ökosystem“ zu klagen, das es nach dem Exxon Debakel irgendwie geschafft hatte zu überleben und neu zu gedeihen.

Der Vergleich ist aufgrund der Schwere dieses Vorfalls kompliziert. Elf Menschen starben. BPs Aktienkurse wurden hart getroffen. Solange das Leck weiter besteht, verliert das Unternehmen 5.000 – 10.000 Barrel pro Tag.

BP wird für die Säuberungskosten verantwortlich sein, die das Limit der Regierung von 75 Mio. US-$ weit übersteigen. Der PR-Alptraum wird ein Jahrzehnt oder länger andauern. Am Ende könnten die Kosten 100 Milliarden US-$ erreichen, und vielleicht das Unternehmen und viele andere Firmen zugrunde richten.

Es sollte klar sein, dass BP bei weitem das am härtesten getroffene Opfer ist aber ich habe noch keinen Ausdruck des Bedauerns für das Unternehmen und seine Verluste vernommen. Tatsächlich sind die Worte des Abscheus für BP unglaublich. Der DailyKos bringt es so auf den Punkt: „BP Go f*** yourselves.“ Obamas Pressesprecher, Robert Gibbs, ließ verkünden, dass die Regierung den „Stiefel in BPs Nacken“ halten wird.  

Wie wäre es mit der Realität? Das Ereignis ist eine Tragödie für BP und die involvierten Subunternehmen. Es wird wahrscheinlich das Unternehmen zerstören; ein Unternehmen, das lange dabei geholfen hat, den Treibstoff bereitzustellen, der alles vom Auto bis hin zu unseren Industrien am Laufen hält und der die Basis des modernen Lebens ist. Die Idee BP zu hassen und zu denunzieren ist grotesk, es gibt jede Menge Gründe, für das Geschehene großes Bedauern zu äußern.

Es ist ja nicht so, dass BP durch auslaufendes Öl profitiert oder dass sich jemand über die Möglichkeit freut, das wertvolle Öl über den ganzen Ozean zu verteilen. BPs Vorstandsvorsitzender hat seit Jahren daran gearbeitet, gerade diese Art von Unfällen zu vermeiden, und zwar nicht, um mit Gesetzen konform zu gehen, sondern weil es sich um gute Geschäftspraxis handelt.

Im Gegensatz zu den Familien und anderen die trauern, könnten wir uns fragen, wer sich über die Katastrophe freut: Die Umweltschützer mit ihrer Angstmacherei und dem Hass auf modernes Leben und die Regierung, die jeden kapitalistischen Produzenten wie einen in Öl zu badenden und zu rupfenden Vogel behandelt. Die Umweltschützer freuen sich wahnsinnig, weil sie jetzt eine weitere Gelegenheit haben, um über die Zwangslange zu heulen und zu jammern, in der sich ihre geliebten Sümpfe und anderes vermeintlich empfindliches Land befinden. Der Verlust von Fischen ist bedauerlich, aber es ist ja nicht so, daß diese nicht zurückkommen. Nach der Exxon-Valdez Katastrophe waren die Fischbestände besser als jemals zuvor und das innerhalb eines Jahres.

Der entscheidende Vorteil der Umweltschützer ist jedoch ihr propagandistischer Sieg darüber, eine weitere Chance zu haben, gegen die bösen Ölproduzenten und Ölbohrungen im Ozean zu wettern. Ginge es nach ihnen, wären die Ölpreise weit höher, es würden keine weiteren Raffinerien gebaut und die Erschließung der Ozeane würde im Namen des „Schutzes“ von Sachen aufhören, egal wie sich das auf den Menschen auswirken würde.

Die wirtschaftliche Kernaussage bezogen auf derartige Fälle ist die Haftung. In einer Welt von Privateigentümern müsste man dafür haften, wenn man das Eigentum eines anderen verschmutzt hätte. Aber was ist mit einer Welt, in der dem Staat das meiste Land gehört und in der Ozeane als Gemeinschaftseigentum gelten? Es wird dann extrem schwierig, Beschädigungen zu bewerten.

Ein weiteres Problem stellen die gesetzlichen Haftungsbeschränkungen dar. Die Haftung für das Beschädigen von Personen oder Eigentum sollte 100 Prozent betragen. In einem solchen System würden die Unternehmensrichtlinien an das tatsächlich bestehende Risiko angepasst werden. Niedrigere Grenzen würden Unternehmen dazu hinreißen, sich weniger über die Beschädigungen anderer Gedanken zu machen als sie sollten, genauso wie ein Unternehmen mit Bailout-Garantie leichtsinniger ist, als im freien Markt.

Aber eine derartige Haftungsregel setzt Eigentum voraus, so dass die Eigentümer selbst in der Lage sind, in faire Verhandlungen zu treten und es eine sachliche Einschätzung des Schadens geben kann. Wenn die Ozeane der Allgemeinheit gehören und die Küsten der Regierung, ist eine sachliche Einschätzung nicht möglich.

„Jeder Amerikaner, der durch diese Ölpest betroffen ist, sollte folgendes wissen: Ihre Regierung wird so lange alles Notwendige unternehmen, bis diese Krise vorbei ist,“ sagt Obama. Sollen wir wirklich glauben, dass die Regierung besser mit diesem Unglück fertig wird als die private Industrie? Die Regierung mit ihrer Armee von Bürokraten ist nur eine Behinderung. Und mittlerweile ist die Obama-Administration ganz aus dem Häuschen darüber, ganz altmodisch das Thema wechseln zu können, damit wir nicht jeden Tag bemerken, dass deren ökonomischer Stimulus ein unglaublicher Flop war, mit höherer Arbeitslosigkeit heute als vor einem Jahr und einer noch immer vorhandenen Depression.

Nebenbei gesagt, wenn jede Naturkatastrophe durch die keynsianischen Medien begeistert aufgenommen wird, da sie mindestens den stimulierenden Effekt des Wiederaufbaus hat, warum wird nichts dergleichen über die Ölpest geschrieben? Zumindest in diesem Fall scheinen Verluste als Verluste angesehen zu werden.

Das Abstraktum, das „Ökosystem“ genannt wird – das jedoch niemals den Menschen oder seine Zivilisation einschließt – hat weit weniger für uns getan als die Ölindustrie. Deshalb sollten wir nicht vergessen, dass die größte Tragödie hier BP, seine Tochtergesellschaften und Subunternehmen und die privaten Unternehmen betrifft, deren Verluste niemand beabsichtigte. Wenn das Ergebnis ein Bohrverbot und weitere Regularien für private Unternehmen sind, werden die Menschen verlieren. Und das ist es, was zählt.

Information:

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 5. Mai 2010 auf der Webseite lewrockwell.com veröffentlicht. Übersetzung aus dem Englischen von Robert Grözinger. 

Internet:

Murray N. Rothbard: Why not feel sorry for Exxon?

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