Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Eigentum und Freiheit: Der Übel größtes ist die Schuld

von Andreas Tögel

Vom vergessenen wichtigsten Wert

Es ist erstaunlich, in wie kurzer Zeit es einer relativ kleinen Gruppe von linken Meinungsbildnern – durchwegs staatsverliebten Kollektivisten – gelingen konnte, eine Tugend zur Sünde umzuwerten und Verantwortungslosigkeit zur bevorzugten Handlungsmaxime zu verklären.

Die Rede ist vom Sparen einerseits und der heute zur Selbstverständlichkeit gewordenen Schuldenmacherei andererseits. Kaum zu fassen, dass in nur wenigen Jahrzehnten die entscheidende Bedeutung privaten Eigentums als Grundlage des allgemeinen Wohlstands unserer christlich-abendländischen Gesellschaften völlig vergessen werden konnte. Heute erscheint – orientiert man sich an von Politikern und den über die Deutungshoheit verfügenden Redakteuren der Massenmedien – vielmehr der Kredit als Mittel der Wahl, um jede Begehrlichkeit zu befriedigen und jedem Problem beizukommen.

Natürlich fehlt es nicht an auf den ersten Blick verlockend erscheinenden, theoretischen Begründungen für Finanzdefizite. Der bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts, schlechthin der Säulenheilige aller spendierfreudigen „Staatsis“, J. M. Keynes, hat in seinem Hauptwerk (The General Theory of Employment, Interest and Money, 1936) den Sparer als Unperson – ja geradezu als Volksschädling – denunziert und dagegen die Staatsschuld zum unverzichtbaren Mittel zwecks Erlangung andauernder Prosperität stilisiert. Seine zynische Parole „Auf lange Sicht sind wir alle tot!“ ist mittlerweile geradezu zum Leitspruch des kurzsichtigen, ausschließlich auf den nächsten Wahltag – und seine Wiederwahl – schielenden demokratischen Politikers avanciert.

Die postkeynesianische Schule des „Debitismus“ erklärt die Kreditschuld – oder besser: die daraus folgende Verpflichtung zum Zinsendienst und den damit verbundenen „Zwang zur Produktivität“ – gar für unerlässlich und zum eigentlichen Motor jeder Marktwirtschaft. Selbst der gelegentlich der „Österreichischen Schule“ zugerechnete, durchaus brillante Ökonom Joseph Schumpeter, dessen Arbeiten in jüngster Zeit eine gewisse Renaissance erleben (und bezeichnenderweise bevorzugt von Sozialisten geschätzt werden) – eine schillernde Persönlichkeit: Wissenschaftler, Lebemann, Kurzzeitfinanzminister und Pleitier – erklärte die Schaffung von Liquidität aus dem Nichts zwecks schuldenfinanzierten Wachstums von Wirtschaftsunternehmen zur vornehmsten Aufgabe der Geschäftsbanken. Dass gerade dieser Mann eine Privatbank – die Wiener „Biedermann-Bank“ – in die Insolvenz führte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Dass immer schnelllebigere Gesellschaften, deren Bürger immer höhere Zeitpräferenzraten entwickeln und nicht mehr warten, für kein materielles Ziel über längere Zeiträume sparen wollen, sondern selbst den Gebrauchtwagen, die Schlafzimmermöbel und den Urlaub in der Türkei mittels Kredit „finanzieren“, nur allzu gerne den Empfehlungen der Apologeten einer unbekümmerten Schuldenwirtschaft folgen, nimmt nicht Wunder. Doch sein Leben auf Pump zu gründen hat einen gewaltigen Haken: Schulden legen demjenigen, der sie eingeht, Fesseln an. Dem noch nicht zahlungsfähigen Staat nehmen sie etwa jeden finanziellen Gestaltungsspielraum. In Österreich ist es so weit gekommen, dass die jährliche Neuverschuldung unverzüglich in den Zinsendienst fließt. Loch auf, Loch zu – ein Pyramidenspiel.

Einen bereits bankrotten Staat indessen motiviert eine aus dem Ruder gelaufene Verschuldung zum Anschlag auf seine Gläubiger – sei es im Wege der direkten Enteignung durch konfiskatorische Steuern, Zwangshypotheken oder Währungsreformen oder mittels indirekter, also durch exzessive Geldschöpfung gleich Inflation.

Den Privaten wiederum zwingen Schulden in schwer einzuschätzende Abhängigkeiten, da die Zukunft bekanntlich stets ungewiss ist. Sie verurteilen ihn zur permanenten Rastlosigkeit und führen auch zu weiteren unerwünschten Nebenwirkungen. Oft reicht ein Einkommen pro Haushalt nicht mehr aus, um die Kreditraten zu bedienen, weshalb in vielen Fällen auf Nachwuchs verzichtet wird (den zu produzieren der zunehmend unter Druck geratende Mittelstand nunmehr dem Prekariat überlässt). Im Fall massiver privater Finanzverpflichtungen wird deutlich: Schulden bedeuten schlicht und ergreifend den Verlust der Freiheit.

Womit wir beim Thema sind: Nicht die Tatsache, keine Schulden zu haben, und auch nicht Arbeit, sondern alleine Eigentum macht frei. Gerd Habermann hat an dieser Stelle kürzlich die Vorzüge des persönlichen Eigentums in vortrefflicher Weise zusammengefasst. Habermanns Katalog macht deutlich: Im Mittelpunkt eines auf privatem Eigentum basierenden, liberalen Gesellschaftssystems steht nicht, wie von dessen Kritikern aus den Reihen unbelehrbarer Sozialromantiker und machtgeiler linker Ideologen behauptet wird, hohler Materialismus und kaltes Profitstreben, sondern die Einsicht in die Bedeutung dezentraler Strukturen (die nur und ausschließlich durch privates Eigentum möglich werden), um das höchste Gut des Bürgers – seine Freiheit – zu garantieren. Die Tendenz, privates Eigentum zurückzudrängen und zu relativieren, die sich zum Beispiel in der Einschränkung der freien Verfügung darüber (etwa im Wege der scheibchenweise Demontage der Privatrechtsautonomie) und in 60-prozentigen Steuerquoten für mittlere Einkommen ausdrückt, ist daher sehr verhängnisvoll. Auch von der segensreichen Wirkung des Staatsinterventionismus grundsätzlich überzeugte, totalitären Staatsmodellen aber dennoch ablehnend gegenüberstehende Pragmatiker könnten eines Tages – dann nämlich, wenn es bereits zu spät ist – erkennen, dass es den so verzweifelt gesuchten „Dritten Weg“ eben doch nicht gibt.

Internet

Gerd Habermann: „Der Wohlfahrtsstaat. Die Geschichte eines Irrwegs“ 

Gerd Habermann: Gelobt sei das Privateigentum

30. Januar 2010

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Kommentare

LePenseur, am 30. Januar 2010 um 19:17 ( Link )

Hervorragend!

Rüdiger Märzen, am 30. Januar 2010 um 21:24 ( Link )

Zum Thema Auto auf Punp will ich nur sagen, ein Pkw ist häufig eine Notwendigkeit um geregelter Arbeit nachzugehen und nicht unbedingt ein Symbol der Dekadenz.

Rüdiger Märzen, am 30. Januar 2010 um 21:24 ( Link )

Zum Thema Auto auf Punp will ich nur sagen, ein Pkw ist häufig eine Notwendigkeit um geregelter Arbeit nachzugehen und nicht unbedingt ein Symbol der Dekadenz.

dickbrettbohrer, am 31. Januar 2010 um 5:51 ( Link )

Mit derselben Logik kann man behaupten, Kinderkrippen sind Voraussetzung und Notwendigkeit für die Gesellschaft, damit die Mütter arbeiten können und die Familien nicht verhungern.
Zuerst schafft das System durch politische Eingriffe aller Art, von denen die unmoralisch hohe Besteuerung nur eine ist, unerträgliche Bedingungen. Die daraufhin notwendig werdenden Notmaßnahmen erscheinen anfangs grotesk, werden aber mit der Zeit gewohnheitsmäßig akzeptiert und erscheinen schließlich als Notwendigkeiten, die für die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Lebens gar als einzig notwendige Voraussetzung betrachtet werden.

Was das Auto und den Arbeitsplatz betrifft, haben wir wieder einmal ein schönes Beispiel für den gedanklichen Kurzschluß, den Erik von Kühnelt-Leddihn in seinen lesenswerten Schriften nicht müde wird zu verspotten. Man muß die Kausalkette schon gründlicher betrachten, um zu erkennen, wo die eigentlichen Ursachen liegen. Die Vernichtung der ortsnahen Kleinunternehmen und die Konzentration von Arbeitsplätzen auf wenige große, ortsferne Anbieter und ist kein Naturereignis, sondern Ergebnis des "segensreichen" politischen Wirkens. Die Notwendigkeit, ein Auto zu besitzen, ist deshalb die Folge politischer Gängelung.

dickbrettbohrer, am 31. Januar 2010 um 8:44 ( Link )

Andreas Tögel ist zu danken, daß er wieder einmal klarsichtig und mit unverhüllter Diktion die Wurzeln des Übels offenlegt. Eine kleine, aber folgenreiche Ergänzung sei hiermit gewagt:
Herr Tögel schreibt sehr richtig: „Schulden legen demjenigen, der sie eingeht, Fesseln an.“ Das ist die eine Seite. Es gibt eine zweite.
Das weitverbreitete Puppenstubendenken verführt zu gutmütigen Fehlschlüssen. Im juristischen Dschungel kenne ich mich nicht so gut aus, doch liege ich gewiß nicht daneben, wenn ich behaupte, daß zum Begriff des Schuldners unauflösbar jener des Gläubigers gehört. Kreditnehmer und Kreditgeber bilden Parteien, die aus freien Stücken einen Vertrag schließen. Der eine leiht sich Geldmittel auf Zeit, der andere überläßt dem anderen einen Teil seines (ersparten) Eigentums. Der Kreditgeber geht dieses Wagnis nur dann ein, wenn die Reputation des Anwärters gut ist und eine Rückzahlung des geliehenen Betrages zu erwarten ist. Das Ausfallrisiko wird durch die Vereinbarung von Zinszahlungen abgedeckt.
Was aber ist das Wesen des modernen Schuldenmachens? Wer ist denn jeweils Kreditgeber? Und welcher Art sind die Geschäfte, die da betrieben werden? Sind die Kredite, die sie ausgegeben werden, echtes Geld? Oder haben wir es eher mit Zirkulationskrediten (Mises) zu tun, der Ausgabe von nicht durch Geld gedeckten Noten? Ist das Kreditgeschäft nicht ein Scheingeschäft mit Hilfe von Fiat Money?

Kreditnehmer erhalten gewisse Geldbeträge durch staatlich eingesetzte Agenten, die diese Geldmittel aus einem kollektiv finanzierten Fonds schöpfen. Sie verleihen somit nicht Erspartes, sie verleihen kein persönliches Eigentum, sie tragen deshalb auch kein Risiko, denn was man nicht besitzt, kann man auch nicht verlieren. Die moderne Variante des Kreditgeschäfts ist dank Verwirrung der Begriffe kein Kreditgeschäft, sondern verdeckter Betrug, weil zumindest der echte Kreditgeber in Haftung genommen wird, ohne sich dessen auch nur im geringsten bewußt zu sein. Sowohl das private wie auch das staatliche Schuldenmachen kann mit dem ursprünglichen Begriffsapparat nicht hinreichend erklärt werden. Die Mißverständnisse sind programmiert, die Funktion der Warnlampen durch semantische Kurzschlüsse ausgehebelt. Wir werden buchstäblich hinters Licht geführt.

Doch nun komme ich auf den Kern meiner Gedanken: Schulden legen nicht nur demjenigen, der sie eingeht, Fesseln an, sondern auch jenem brav arbeitenden und sparenden Bürger, der hinterrücks zum Gläubiger ernannt wurde. Dieser Ehre ist er sich nicht bewußt. Wäre es so, er würde sich gegen diese zweifelhafte Auszeichnung wehren! Das Kreditgeschäft ist – unter verfälschtem und beschönigendem Begriffsapparat – ein gut organisiertes, staatlich gefördertes Enteignungsunternehmen, dessen Hauptopfer der tugendhaft arbeitende und sparende Bürger ist. Seine Lebenszeit ist es, die durch die erzwungene Haftung mit seinem Eigentum für alle „Kredite“ in Anspruch genommen wird. Sein Wohlstand ist es, der damit vernichtet wird. Für den Zwangsgläubiger ist diese Erfahrung schmerzhaft. Ich behaupte, dessen Unglück ist ungleich größer als das des in die Schuldenfalle geratenen Kreditnehmers. Sich daraus zu befreien gelingt dem pfiffigen, gewissensfern agierenden Zeitgenossen leichter denn je. Immer wieder schafft es diese Spezies, sich Wohltaten auf Kosten Dritter zu verschaffen.
Und die Agenten der Kreditmaschine verdienen glänzend daran.

CrisisMaven, am 31. Januar 2010 um 11:45 ( Link )

Zu Ihren Saetzen und Kausalitaeten "heute zur Selbstverständlichkeit gewordenen Schuldenmacherei" ... "Schulden bedeuten schlicht und ergreifend den Verlust der Freiheit." ... "Tendenz, privates Eigentum zurückzudrängen und zu relativieren, zum Beispiel [durch] Einschränkung der freien Verfügung darüber": mir scheint hier ein weiterer (falls ich's nicht ueberlesen habe) Mechanismus am Werke zu sein. Wer bei aller Anstrengung, Eigentum zu schaffen und zu mehren, NICHT in Abhaengigkeiten zu geraten und auch andere "nach Ihrer Facon leben" zu lassen, den Verdacht nicht loswird, hinter der naechsten Ecke koennte z.B. die totale Goldkonfiskation wie unter Roosevelt, Zwangsrequirierungen (man muss nicht nur an Notstandsgesetze denken, die neue Behinderten-Baurichtlinie der EU wirkt genauso), ein erneuter, wie immer "wohlbegruendeter" Solidaritaetszuschlag, eine "kalte" (fuerwahr) Steuerprogression seine Kalklulationen voellig zunichte machen und ihn per Enteignung unter'm Strich wieder dort anlangen lassen, wo er begonnen hatte, fuer den ist es nur logisch, STATTDESSEN ausgerechnet den Konsum per Kredit zu finanzieren, denn dann hat er wenigstens "gelebt"; schafft er erst Eigentum, das danach konfisziert wird, muss er mit ansehen, wie andere davon leben. Mir scheint, dass ein solches System gerade den, der mit Nachdenken oder zumindest geschulter Intuition an die Sache herangeht, korrumpieren muss. Hinzu kommt dann aber als makrooekonomischer "Nebeneffekt", den die "mikrooekonomischen" Verhaltensweisen ungewollt mitproduzieren, dass per Inflation ausgerechnet die Inflationsvorsorge Grundeigentum berauschende "Wert-" Steigerungen erlebt, und dann auch noch zur Finanzierung dieses "Traums" mit NULL Eigenkapital verfuehrt. Das ist fuer Menschen, die keine Studien a la "Geld und Kredit betrieben haben, kaum zu durchschauen. So werden in den USA nach den urspr. "Subprime"-Hypotheken aus 2007 ff. ab 2010 auch Hypotheken, die mit "A" bewertet waren, vermutlich reihenweise notleidend, die mit variablem Zins und meist extra niedriger Anfangsbelastung ausgereicht waren. Deren Kaeufer waren oft Leute, denen wirklich an Schaffung von Eigentum gelegen war, die aber reihenweise geglaubt haben, bei 20% "Wert"-Steigerung im Jahr bei Einsetzen der Zinserhoehung schon halb "entschuldet" zu sein. Diese Tranche hat mittlerweile aber schon krisenbedingt Einkommenskuerzungen hinnehmen muessen – gerechnet hatten sie aber stillschweigend damit, bis zur Zinserhoehung befoerdert zu werden und die Differenz aus der Einkommensteigerung zahlen zu koennen. Auch hier aber hat fast ausschliesslich die Inflation die Wahrnehmung verzerrt. Hinzu kommt gerade in den USA, dass man sich auch mit privatem Hausbesitz besser steht, verschuldet zu sein, da sich Belastungen steuermindernd auswirken. Auch dieses Steuermoratorium wieder dem letztlich Keynesianischen Gedanken geschuldet, Prosperitaet liesse sich im Vorgriff durch Schulden schaffen. Ein Teufelskreis.

ErgrauendeHausfrau, am 01. Februar 2010 um 0:08 ( Link )

Schulden legen nicht nur demjenigen, der sie eingeht, Fesseln an, sondern auch jenem brav arbeitenden und sparenden Bürger, der hinterrücks zum Gläubiger ernannt wurde.

Das Schlimme ist ja gerade, daß man sagen muß, wie man's macht macht man's verkehrt.

Spare ich auf mein Häuschen, wird es durch die Inflation wahrscheinlich genauso teuer, als würde ich eine Finanzierung abschließen. Der Vorteil der Verschuldung liegt hier jedoch darin, daß ich in den "eigenen" vier Wänden wenigstens schonmal wohnen kann. Und sollte ich es wirklich schaffen, das Haus abzuzahlen, spare ich mir wenigstens die Miete.

Wenn man jedoch den staatlichen Zugriff auf das Eigentum während der letzten 100 Jahre betrachtet, so kann man ebenfalls sicher sein, daß egal was man tut, dieser parasitäre Apparat am Ende immer der Sieger sein wird. Lediglich diejenigen, die zuerst an diesen Schneeballsystemen (neues Papiergeld, Rente) teilgenommen haben, haben davon profitiert, also z. B. diejenigen, die Adenauer für die Einführung des Schneeballsystems umlagefinanzierte Rente gewählt haben.

Wir Mittvierziger, auf jeden Fall diejenigen die wissen, auf welchem unhaltbaren Gerüst dies alles aufgebaut worden ist, haben doch im Moment überhaupt keine Möglichkeit (außer den Goldkauf), für unsere Rentenzukunft vorzusorgen! Es wird definitiv nicht genug Einzahler geben, um nur annähernd den Lebensstandard eines heutigen Durchschnittsrentners zu erhalten, und andererseits werden die Erträge in Versicherungen oder anderen Sparplänen immer weniger und sogar noch weginflationiert.

Wer also in Zukunft nicht absolut verelenden will, muß sich heute wirklich entscheiden, wie es für ihn weitergehen soll. Aufgrund der Anonymität scheinen mir EM immer noch die beste Form.

Was ebenso schnellstens passieren sollte, ist der Zusammenbruch des Systems, denn je älter wir werden, desto schwieriger wird es sein, für sich selbst vorzusorgen, wobei dies wiederum nur Sinn machen wird, wenn man sein Eigentum möglichst anonym hält, solange kein ehrliches Geldsystem vorhanden ist. Oder man spielt diesmal das Spiel in vollen Zügen mit, da man ja am Anfang des Schneeballsystems stehen wird.

dickbrettbohrer, am 01. Februar 2010 um 6:16 ( Link )

Liebe ergrauende Hausfrau,
ebendiese Vergeblichkeit ist es, die mir persönlich manche Tage (nicht alle, denn ich bin vom Grunde meiner Seele ein heiterer Mensch!) verdüstert. Ich bin etliches älter als Sie es sind, und ich habe zu spät – viel zu spät! – gemerkt, worauf ich mich einließ, als ich Lebenszeit und -kraft hingab für die vermeintliche Absicherung meines Daseins. Jetzt schuften, später genießen ... welch ein Programm, welch eine Chance für unsere Kleptokraten! Dieses Programm ist den unzähligen Arbeitssklaven eingebrannt, sie schaffen und schaffen.

Neuer Lebensmut flackert auf, wenn man das Leben selbst zum Objekt seiner Betrachtungen macht, wie Viktor E. Frankl es tat, als er ins Konzentrationslager gebracht wurde. Er zerbrach nicht, sondern überlebte. Indem er beobachtete, wie das System sich selbst erneuerte, wie Menschen in Bedrängnis reagieren, was hinter allem steckt, schuf er sich eine Aufgabe, die sinnstiftend war – wenn man dies in diesem Zusammenhang so sagen darf. Der nächste Schritt ist, die eigene Rolle möglichst souverän zu spielen. Das ist schon eine Herausforderung, die sich lohnt anzunehmen. Nicht sich in Empörung oder Selbstmitleid wälzen, sondern Würde bewahren. Das ist, was wir auch in den kommenden Jahren üben können.
Es gibt keine Letztsicherheit - selbst die vernünftigen Wege, die man selbstverständlich dank vieler nützlicher Informationen und verstandesmäßiger Einsicht wählt, könnten zufällig ins Verderben führen.
Wie gesagt, ich versuche, noch einen Zipfel Leben zu erhaschen und zu tun, was Freude macht. Alles andere liegt in Gottes Hand – das werden einige Religionshasser auf eifrei nicht so gern hören, weil sie die Religion völlig mißverstehen. Sie schlagen sich gerade gegenseitig auf einem anderen Strang die unreligiösen Köpfe ein, was zu beobachten äußerst aufschlußreich ist.

bernd_lessing, am 01. Februar 2010 um 13:10 ( Link )

Brillant jedenfalls ist die Symbiose, die sich für die Profiteure dieses Systems ergibt: Da sind zum einen die Großbanken, die selbst Geld schöpfen können (gebremst nur durch minimale Mindestreserve-Anforderungen der Zentralbanken) und für NICHTS Zinsen bekommen. Zum anderen sind es die Staaten, die die einzigen sind, die sich praktisch grenzenlos verschulden können. Jeder andere verliert in diesem System - auch derjenige, der Geld auf herkömmliche Weise verdient und spart.

Brillant ist dieses Konstrukt vor allem deswegen, weil nur wenige die unheilige Allianz zwischen den (vermeintlichen) Vertretern von Kapitalismus und freien Märkten (den Großbanken) und den Staaten durchschauen. Linke Ideologen dreschen fleißig auf die Banken ein, "oberflächliche Liberale" auf den Staat - die jeweils andere Seite wird dabei fanatisch verteidigt. Derweil führen Banken und Regierungen - gerade in USA - lustige Scheingefechte, die der Ablenkung der Öffentlichkeit und bestenfalls der Verschiebung der Macht in diesem Geldkartell dienen.

Wenn's nicht so traurig wäre, könnte man's lustig finden ...

ErgrauendeHausfrau, am 01. Februar 2010 um 14:28 ( Link )

nahum

Ich kenne zwar das Buch Mose nicht, aber dafür die 10 Gebote. Mit Hilfe unseres Staatswesens werden einige von denen schon lange nicht mehr für voll genommen, angefangen beim Gebot: Du sollst nicht stehlen. Unsere lieben Umverteiler berufen sich ja sogar auf die Nächstenliebe, geht es ihnen jedoch nur um den eigenen A....!

Im Grunde muß man "der Gesellschaft" wenn sie demnächst alles verliert und in einem bitteren Prozeß die Schulden der letzten Jahrzehnte zurückzahlen muß gar kein Mitleid entgegen bringen, handelt es sich doch schlicht um ein Pack von Dieben.

Es ist doch zum Haareraufen, welche Ansprüche heute wie selbstverständlich eingefordert werden, für die die Allgemeinheit, und insbesondere die starken Schultern (kotz - ich kann es nicht mehr hören) gerade stehen sollen!

ErgrauendeHausfrau, am 01. Februar 2010 um 16:29 ( Link )

Der große Fehler war eindeutig, die Banken zu verstaatlichen. Genau damit ist die Haftung auf die Bürger übergegangen. Vorbild für diesen Schwachsinn war die amerikanische Verstaatlichung von AIG, Fannie und Freddy. Grundlage die Pleite von Lehman Brothers.

Man hätte die isländischen Banken einfach pleite gehen lassen sollen, dann hätten zum größten Teil die Verursacher gehaftet. Durch staatliches Eingreifen hätte man dann vielleicht noch die Vermögen der Sparer retten können.

Ich bin gespannt, wie es dort weiter geht. Und ob/wie Goldman World Government und diese kriminelle UNO an diesem kleinen Land ein Exempel statuieren wird (Schurkenstaat).

Na ja, auf jeden Fall bleibt es spannend. ;-)

hoeppe, am 03. Februar 2010 um 14:26 ( Link )

@ErgrauendeHausfrau

Ohne Freunde ist das Dasein im Kietzblog so richtig unbeschwert.

Man hätte die isländischen Banken einfach pleite gehen lassen sollen, dann hätten zum größten Teil die Verursacher gehaftet.

Hier sind Sie noch nicht ganz auf Kurs. Verursacherhaftung ist an dieser Stelle total lächerlich und war vorgestern, dieser Zug ist längst abgefahren. Geht z.B. die DB Pleite, so sind sämtliche Kunden auch pleite. Guthaben lösen sich in Luft auf und Außenstände werden mit allen Mitteln eingetrieben. Dabei wird der Häuslebauer und mittelständische Unternehmer garantiert Zielführen zur Brust genommen.

Der große Fehler war eindeutig, die Banken zu verstaatlichen. Genau damit ist die Haftung auf die Bürger übergegangen.

Der Übergang der Haftung auf den Bürger ist doch eigentlich eine liberale Fundamentalforderung…?

Hier tritt nur leider das altbekannte Problem zu Tage. Die Haftung soll sich natürlich ausschließlich im idealisiert hermetisch abgeriegelten Privatkosmos des befreiten Individuums abspielen. Berührungspunkte zum Nachbarkosmos werden dabei auf strengster Freiwilligkeit gegründet und mittels Papierverträgen bombenfest zusammengekleistert.

Und der Schöpfer, wenn er dann an den Schanktisch, als Schauplatz unseres allumfassenden Gelages tritt und die Rechnung serviert, soll sich dann erkundigen ob man zusammen oder getrennt zu zahlen gedenkt. Wie naiv muss man eigentlich sein…?

hoeppe, am 03. Februar 2010 um 14:37 ( Link )

Im Buch Mose ist geschrieben, dass alle Schulden jeweils nach 7 Jahren vergeben werden sollen. Dafür sind die heutigen Menschen aber viel zu selbstsüchtig und egoistisch, die „Demokratie“ soll es verhindern.

Nicht auszuschließen, dass sich hinter diesen sogenannten Erlassjahren auch gewisse Erfahrungswerte unserer Vorfahren verbargen. Das sich z.B. die Götter nicht mittel Bilanzierungs- und Monetärhokuspokus in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung längerfristig über den Tisch ziehen lassen.

Schulden bedeuten schlicht und ergreifend den Verlust der Freiheit.


Die Schuld, in Form der Urschuld, haftet in dem Moment an mir, in dem ich das erste und letzte Mal in meinem Leben, so zumindest im Normalfall, eine Muschi um den Hals habe, also zum Zeitpunkt meiner Geburt.

Diese Urschuld hat bei uns ökonomiebegabten eine Laufzeit von ungefähr 70 Jahren. Buschmännern und Negern bevorzugen IQ-bedingt natürlich entsprechend kürzere Laufzeiten.

Diese Urschuld schlägt buchhalterisch z.Z. mit so ca. einer halben Mio. Euro auf der Passivseite der Start-Lebensbilanz zu buche. Auf der Aktivseite steht meine zukünftige Schaffenskraft, deren Entwicklung allerdings weit über ein Jahrzehnt erst mal ausschließlich Kosten verursacht. Mangels Know How in der Doppelten Buchführung und unzureichenden Vorstellungen für den Schuldbegriff an sich, steigt der wilde Buschmann an dieser Stelle bereits aus und lebt in der Tradition seiner Vorväter einfach in den Tag hinein.

Dagegen zielt unser Streben, im Banne der von Schumpeter dargelegten rationalen Rechenhaftigkeit, darauf ab, nach Ende der Laufzeit, diese Bilanz unterm Strich mit einer schwarzen Zahl zu beschließen. Warum weiß ich nicht genau. Vermutlich damit es unseren Kindern mal besser geht? Oder weil es sich dann vielleicht leichter sterben lässt?

die Einsicht in die Bedeutung dezentraler Strukturen

dezentrale Strukturen sind total ineffizient

hoeppe, am 03. Februar 2010 um 18:06 ( Link )

@nahum

jede Gesellschaft der Geschichte ist früher oder später an den Zinseszins-/ und Schuldproblematik kollabiert. Bei der sog. „westlichen Welt“ wird dies nicht anders sein.

Bei der ganzen Schuldenproblematik bin ich, wie eigentlich bei allem was ich anfasse, hilflos im biblisch metaphysischen Urschleim gelandet.

In diesem Fall ist es mir so ergangen, weil ich es nicht unhinterfragt akzeptieren kann, dass unsere Wirtschaftstheoretiker den Menschen zum Tag X, schuldenfrei und in voller Schaffenskraft mit einer Erstausstattung in die Welt setzen, um ihn am Tag X+1 auf den Markt zu schicken, auf dem er dann seine überschüssigen Jamswurzel gegen ein Schwein vom Nachbarn tauscht. Alles weitere ergibt sich dann von alleine. Im Prinzip ist das alles auch total logisch und plausibel, man sollte nur nicht zu lange darüber nachdenken.

dezentrale Strukturen sind total ineffizient

Einer meiner ortsüblichen Provokationen. Darauf reagiert aber berechtigterweise schon keine Sau mehr, weil mal dann vielleicht auf so was könnten könnten:

… führt diese so verstandene wirtschaftliche "Rationalität" zwangsläufig zum Ende des Lebens, zur Barbarei.

hoeppe, am 03. Februar 2010 um 18:08 ( Link )

ähh... "auf so was kommen könnte..."

Golden Colt, am 04. Februar 2010 um 21:37 ( Link )

Vielen Dank für diesen Artikel Herr Tögel!

hoeppe, am 05. Februar 2010 um 9:50 ( Link )

@nahum

Ich bin in Sachen Evolution kein Fachmann und das Ganze ist mir letztendlich auch im Bezug auf mein Dasein viel zu technnokratisch.

Evolution hat doch in erster Linie was mit Anpassung an äußere Bedingungen zu tun und weniger mit Effizienz oder Wachstum als quantitativer oder qualitativer Fortschritt gedacht. So hat sich beim Pantoffeltierchen - Einzeller des Jahres 2007 - in den vergangenen paar hundert Millionen Jahren scheinbar bemerkenswert wenig getan.

Der Menschen will sich auf Teufel komm raus zwangs Evolutionieren. Da Mutter Natur bezüglich optimierender Eingriffe in unser Genmaterial in den vergangenen 100.000 Jahren offensichtlich etwas säumig geworden ist, müssen wir mit der ganzen Palette unserer Geisteskraft selber Hand an legen und ohne unterlass den evolutionären Fortschritt hoch und runter Buchstabieren – von Anarchie bis Zionismus.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die 10 effektiven Getreidesysteme in evolutionäre Sackgassen geraten und eliminiert werden, steigt exponentiell.

Diese Strategie scheint für einen angeblichen homo sapiens doch extrem dumm zu sein.

Ob diese Pfuscherei was mit Evolution zu tun hat wage ich zu bezweifeln und wen interessiert schon eine evolutionäre Sackgasse in der fernen Zukunft? Zumal das kurzlebige Individuum in den letzten 200 Jahren alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um sich vom Schicksal des Menschengeschlechtes frei zu machen um alles eigenverantwortlich im privaten zu regeln.

Robert Lackner, am 16. April 2010 um 9:33 ( Link )

Die Griechische Krankheit

Ein Schelm der dabei (nur) an Griechenland denkt.

Auch wenn scheinintelligente Finanzjongleure mit treuherziger Selbstlosigkeit ihre Selbstheilungsszenarien anbieten - und auch wenn weltweit Wirtschaftsprofessoren um die Wette tüfteln, wie sich das alles ausrechnen soll:
Eine kurze Erinnerung an die Zeiten, wo die Grundrechnungsarten am Stundenplan standen, könnte genügen um die Zeitgeistformel „Lebe heute, arbeite morgen“ zu entlarven:
Wenn jemand 10 Jahre so etwa 10 Prozent über seine Verhältnisse gelebt hat, dann muss er die nächsten 10 Jahre in der Regel an die 30 Prozent bescheidener sein Dasein fristen.
Außer er erbt, gewinnt im Lotto oder stiehlt.

Ein Plädoyer für das richtige Maß.
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