Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Eigentum und Freiheit: Der Übel größtes ist die Schuld

von Andreas Tögel

Vom vergessenen wichtigsten Wert

Es ist erstaunlich, in wie kurzer Zeit es einer relativ kleinen Gruppe von linken Meinungsbildnern – durchwegs staatsverliebten Kollektivisten – gelingen konnte, eine Tugend zur Sünde umzuwerten und Verantwortungslosigkeit zur bevorzugten Handlungsmaxime zu verklären.

Die Rede ist vom Sparen einerseits und der heute zur Selbstverständlichkeit gewordenen Schuldenmacherei andererseits. Kaum zu fassen, dass in nur wenigen Jahrzehnten die entscheidende Bedeutung privaten Eigentums als Grundlage des allgemeinen Wohlstands unserer christlich-abendländischen Gesellschaften völlig vergessen werden konnte. Heute erscheint – orientiert man sich an von Politikern und den über die Deutungshoheit verfügenden Redakteuren der Massenmedien – vielmehr der Kredit als Mittel der Wahl, um jede Begehrlichkeit zu befriedigen und jedem Problem beizukommen.

Natürlich fehlt es nicht an auf den ersten Blick verlockend erscheinenden, theoretischen Begründungen für Finanzdefizite. Der bedeutendste Ökonom des 20. Jahrhunderts, schlechthin der Säulenheilige aller spendierfreudigen „Staatsis“, J. M. Keynes, hat in seinem Hauptwerk (The General Theory of Employment, Interest and Money, 1936) den Sparer als Unperson – ja geradezu als Volksschädling – denunziert und dagegen die Staatsschuld zum unverzichtbaren Mittel zwecks Erlangung andauernder Prosperität stilisiert. Seine zynische Parole „Auf lange Sicht sind wir alle tot!“ ist mittlerweile geradezu zum Leitspruch des kurzsichtigen, ausschließlich auf den nächsten Wahltag – und seine Wiederwahl – schielenden demokratischen Politikers avanciert.

Die postkeynesianische Schule des „Debitismus“ erklärt die Kreditschuld – oder besser: die daraus folgende Verpflichtung zum Zinsendienst und den damit verbundenen „Zwang zur Produktivität“ – gar für unerlässlich und zum eigentlichen Motor jeder Marktwirtschaft. Selbst der gelegentlich der „Österreichischen Schule“ zugerechnete, durchaus brillante Ökonom Joseph Schumpeter, dessen Arbeiten in jüngster Zeit eine gewisse Renaissance erleben (und bezeichnenderweise bevorzugt von Sozialisten geschätzt werden) – eine schillernde Persönlichkeit: Wissenschaftler, Lebemann, Kurzzeitfinanzminister und Pleitier – erklärte die Schaffung von Liquidität aus dem Nichts zwecks schuldenfinanzierten Wachstums von Wirtschaftsunternehmen zur vornehmsten Aufgabe der Geschäftsbanken. Dass gerade dieser Mann eine Privatbank – die Wiener „Biedermann-Bank“ – in die Insolvenz führte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Dass immer schnelllebigere Gesellschaften, deren Bürger immer höhere Zeitpräferenzraten entwickeln und nicht mehr warten, für kein materielles Ziel über längere Zeiträume sparen wollen, sondern selbst den Gebrauchtwagen, die Schlafzimmermöbel und den Urlaub in der Türkei mittels Kredit „finanzieren“, nur allzu gerne den Empfehlungen der Apologeten einer unbekümmerten Schuldenwirtschaft folgen, nimmt nicht Wunder. Doch sein Leben auf Pump zu gründen hat einen gewaltigen Haken: Schulden legen demjenigen, der sie eingeht, Fesseln an. Dem noch nicht zahlungsfähigen Staat nehmen sie etwa jeden finanziellen Gestaltungsspielraum. In Österreich ist es so weit gekommen, dass die jährliche Neuverschuldung unverzüglich in den Zinsendienst fließt. Loch auf, Loch zu – ein Pyramidenspiel.

Einen bereits bankrotten Staat indessen motiviert eine aus dem Ruder gelaufene Verschuldung zum Anschlag auf seine Gläubiger – sei es im Wege der direkten Enteignung durch konfiskatorische Steuern, Zwangshypotheken oder Währungsreformen oder mittels indirekter, also durch exzessive Geldschöpfung gleich Inflation.

Den Privaten wiederum zwingen Schulden in schwer einzuschätzende Abhängigkeiten, da die Zukunft bekanntlich stets ungewiss ist. Sie verurteilen ihn zur permanenten Rastlosigkeit und führen auch zu weiteren unerwünschten Nebenwirkungen. Oft reicht ein Einkommen pro Haushalt nicht mehr aus, um die Kreditraten zu bedienen, weshalb in vielen Fällen auf Nachwuchs verzichtet wird (den zu produzieren der zunehmend unter Druck geratende Mittelstand nunmehr dem Prekariat überlässt). Im Fall massiver privater Finanzverpflichtungen wird deutlich: Schulden bedeuten schlicht und ergreifend den Verlust der Freiheit.

Womit wir beim Thema sind: Nicht die Tatsache, keine Schulden zu haben, und auch nicht Arbeit, sondern alleine Eigentum macht frei. Gerd Habermann hat an dieser Stelle kürzlich die Vorzüge des persönlichen Eigentums in vortrefflicher Weise zusammengefasst. Habermanns Katalog macht deutlich: Im Mittelpunkt eines auf privatem Eigentum basierenden, liberalen Gesellschaftssystems steht nicht, wie von dessen Kritikern aus den Reihen unbelehrbarer Sozialromantiker und machtgeiler linker Ideologen behauptet wird, hohler Materialismus und kaltes Profitstreben, sondern die Einsicht in die Bedeutung dezentraler Strukturen (die nur und ausschließlich durch privates Eigentum möglich werden), um das höchste Gut des Bürgers – seine Freiheit – zu garantieren. Die Tendenz, privates Eigentum zurückzudrängen und zu relativieren, die sich zum Beispiel in der Einschränkung der freien Verfügung darüber (etwa im Wege der scheibchenweise Demontage der Privatrechtsautonomie) und in 60-prozentigen Steuerquoten für mittlere Einkommen ausdrückt, ist daher sehr verhängnisvoll. Auch von der segensreichen Wirkung des Staatsinterventionismus grundsätzlich überzeugte, totalitären Staatsmodellen aber dennoch ablehnend gegenüberstehende Pragmatiker könnten eines Tages – dann nämlich, wenn es bereits zu spät ist – erkennen, dass es den so verzweifelt gesuchten „Dritten Weg“ eben doch nicht gibt.

Internet

Gerd Habermann: „Der Wohlfahrtsstaat. Die Geschichte eines Irrwegs“ 

Gerd Habermann: Gelobt sei das Privateigentum

30. Januar 2010

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