29. Januar 2010

ef 99 Editorial

Das System pfeift aus dem letzten Loch

Mit der „Berliner Erklärung“ wollte der Parteivorstand der CDU Mitte Januar für Ruhe sorgen. Immer lautstärker hatten sich Unzufriedene zu Wort gemeldet und das mangelnde Profil der Partei beklagt. Bereits vor zwei Jahren hatten Marktliberale das berüchtigte Dorenburg-Papier verfasst (ef berichtete). Nun waren es vor allem Konservative und Katholiken, die ihren Unmut am Kurs der Union äußerten. Kapitän Merkel habe – bei der Bundestagswahl am katastrophalen Ergebnis sichtbar – die Treuesten der Treuen „erfolgreich“ vertrieben. Warum gärt es, worum geht es? Was treibt die Aufständischen? Wer sind sie, die vor allem aus dem katholischen Milieu heraus nun doch noch die geistig-moralische Wende einfordern, die bereits Helmut Kohl versprach und nie umsetzte?

Die „Berliner Erklärung“ wird die Kritiker nicht nachhaltig ruhigstellen. Der Journalist Alexander Kissler kommentiert auf ef-online: „Es ist der traurige Unernst, ist das Misstrauen gegen sich selbst, das die Berliner Erklärung zu einem so miserablen Stück Papier macht. Hier ruft eine Partei, die an sich selber zu verzweifeln droht, ganz pathetisch und mit viel Tremolo in der Stimme: Habt uns lieb! Wählt uns! Von uns bekommt ihr alles! Das mag den einen oder anderen aufhorchen lassen. Schnell aber wird der Wechselwähler aufstehen, zu schwer sein für jeden Gedanken und den Schlaf des Vergessens schlafen. Wenn er aufwacht, wird er von nur einem Vorsatz getrieben sein: Nie wieder ein solches Gelage. Diese Köchin merk’ ich mir. Und dann beginnen schönere, ernstere und viel vernünftigere Tage.“

Lange wird es nicht dauern, bereits im Mai droht in Nordrhein-Westfalen die nächste Quittung für die Irrfahrt der einstmals christlichen, liberalen und konservativen Partei, die seit Jahren auf der Suche nach dem vermeintlichen Zeitgeist schlingert. Dann wird es eng für Merkel, und das nicht nur, weil die komfortable Bundesratsmehrheit bereits verlorengegangen sein könnte.

Gerade eben schellte es an der Türe. Ein freundlicher Herr vom Amt wollte kontrollieren, ob wir nicht doch einen Hund haben. Das erste Mal, das ich dies hier erlebe. Die Stadt sucht offenbar verzweifelt nach Geldquellen – die Gewerbesteuereinnahmen sinken, jetzt muss eben die Hundesteuer helfen. Irgendwo wird schon noch ein Köter versteckt sein. Im ersten Moment war ich wütend über den Mann und sein Schnüffeln in meiner Privatsphäre. Jetzt muss ich doch grinsen. Offenbar dauert es auch hier nicht mehr lange bis zum Offenbarungseid.

Bundesregierung dort, Kommunalpolitik hier, das System pfeift auf dem letzten Loch. Wie heißt es so schön: Wir leben in spannenden Zeiten.

Dreimal wurde im vergangenen Jahr ein ef-Autor von der Friedrich-Naumann-Stiftung zum „Autor des Monats zum Thema Freiheit und Liberalismus“ gekürt. Gérard Bökenkamp, Carlos A. Gebauer und Dirk Friedrich gewannen die Auszeichnung im April, August und November. Damit lagen wir in der „Teamwertung“ mit drei ef-„Fahrersiegen“ vor der „FAZ“ (zwei Siege) und allen anderen Konkurrenten. Ich selbst erhielt im Dezember in Berlin den von der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und der Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung vergebenen „Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten 2009“. Die Zahl unserer Abonnenten konnten wir im vergangenen Jahr innerhalb von nur 12 Monaten verdoppeln, die der täglichen Besucher auf unserer Internetseite sogar knapp verdreifachen. Auch dieser Trend ist eindeutig: Das Interesse an eigentümlich freier Gegenaufklärung, Information und Unterhaltung steigt.

Es kommt jetzt darauf an, Strukturen und Netzwerke aufzubauen, um zur rechten Zeit mit etwas Glück den rechten Mann am rechten Ort zu wissen. In der letzten Stunde Null ist dies mit Ludwig Erhard in Deutschland gelungen. Er ermöglichte den marktwirtschaftlichen Wiederaufstieg dieses Landes, als er in einer Nacht- und Nebelaktion gegen alle Anweisungen plötzlich eigenmächtig die Preise freigab. Auch nach dem Zusammenbruch unseres überschuldeten Umverteilungsstaats wird die Alternative lauten wie damals: Freiheit oder Sozialismus!

Freuen Sie sich mit mir bereits auf unsere nächste, die hundertste Ausgabe. Zunächst jedoch wünsche ich Ihnen eine angenehme Lektüre dieser Nummer 99. Denken Sie immer daran: Kein Fußbreit den neosozialistischen Ausbeutern aller Parteien! Mehr netto!

Information

Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 99


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