Gerd Habermann

Jg. 1945, Hochschuldozent, Direktor des Unternehmerinstituts der Familienunternehmer (ASU) und liberaler Publizist. ef-Redaktionsbeirat.

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Ökonomie und Moral: Gelobt sei das Privateigentum!

von Gerd Habermann

Ein Kommentar aus Berlin

Nichts ist auch am Anfang des neuen Jahrzehnts so umkämpft, wie die Eigentumsfrage. Die nicht enden wollende Diskussion um Steuerhöhe (was ist „gerecht“?) und Steuerstruktur, der ständige Kampf zwischen Selbstverantwortung und Kollektivismus („soziale Sicherheit“) sind die wichtigsten Schauplätze dieses Konfliktes. Dabei mag im Pulverdampf manchmal das Bewusstsein dessen verlorengehen, worum es hier eigentlich geht; warum der Kampf für einen möglichst großen privaten und möglichst geringen staatlichen Eigentumsanteil sich lohnt. Die wichtigsten Argumente für das persönliche Eigentum seien hier einmal zusammengestellt.

1. Die Aussicht auf Eigentum („Recht auf den Ertrag der eigenen Arbeit“) ist ein wichtiger Ansporn des Lebens und Arbeitens.

2. Nur das Eigene wird erhalten und gepflegt (Bismarck: „Was mir nicht gehört, interessiert mich nicht“)

3. Der innere Frieden lässt sich nur bewahren, wenn die Eigentumsrechte definiert sind. „Gute Zäune machen gute Nachbarn“.

4. Eigentum ist die Basis der Marktwirtschaft: ohne Eigentum kommt es nicht zum Tausch, weil man nichts zum Tauschen hat.

5. Eigentum verleiht die wunderbare Fähigkeit zur Freigiebigkeit. Nicht nur gegenüber persönlichen Freunden, sondern auch als Mäzen und Sponsor, als Stifter und Spender zugunsten der Allgemeinheit.

6. Eigentum verleiht persönliche Unabhängigkeit. Man kann auch einmal „Nein“ gegenüber Zumutungen sagen, „Kündigen“, Widerstand leisten, weil man sich auf eigene Reserven zurückziehen kann. Eigentum ist auch die wichtigste Basis der Privatheit („My home is my castle“).

7. Echtes Eigentum (persönliches Vermögen) ist der beste Schutz gegen die Unwägbarkeiten der Zukunft. Für den Fall der Hilflosigkeit und des Unglücks hat man ein Basisdepot, aus dem man leben kann.

8. Konstante Eigentumsverhältnisse inkl. Erbrecht allein ermöglichen Unternehmertum, auch längerfristig und „nachhaltig“.

9. Eigentum hat einen fördernden Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung: ein Eigentümer wird selbstbewusster und stolzer sein als jemand, der existentiell von den willkürlichen Zuwendungen eines anderen abhängt, im schlimmsten Fall ein Sklave ist.

Gegenwärtig, und schon seit einigen Jahrzehnten geht die Tendenz dahin, das Eigentum immer mehr auszuhöhlen und zu regulieren. Sogar der deutsche Facharbeiter hat tendenziell heute nur noch ein Drittel Netto von seinem Bruttoeinkommen! Man hat ihn mit seinem eigenen Eigentum vom Staat abhängig gemacht! Darum ist das „Mehr Netto für alle“ der Familienunternehmer die Überlebensformel für eine freie Gesellschaft. Wo der Staat den größeren Teil des Bruttosozialproduktes beansprucht und mit der Formel „soziale Gerechtigkeit“ und „Gleichheit“ die Eigentumsverhältnisse ständig wieder zur Disposition stellt, ist die Zukunft einer freien Gesellschaft, nicht nur des materiellen Wohlstands, sondern der Kultur insgesamt bedroht; von der „sozialen Kälte“ abgesehen, die sich ausbreiten muss, wo der Staat das „Soziale“ bei sich monopolisiert hat und die „Nächstenliebe“ durch Behörden kollektiviert worden ist.

Information

Dieser Artikel erschien zuerst als „Kommentar aus Berlin“ von „DIE FAMILIENUNTERNEHMER – ASU e.V.“ Wir danken für die freundliche Genehmigung der Zweitveröffentlichung!

22. Januar 2010

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Kommentare

Manuel Barkhau, am 22. Januar 2010 um 16:03 ( Link )

Ich bin etwas betrübt, dass Sie im Titel das Wort "Moral" setzen und dann im Beitrag nicht auf die naturrechtliche Grundlage für das Eigentumsrecht eingehen. Sie listen neun Punkte auf, die alle utilitaristischer Natur sind und aus diesem Grund angreifbar sind auf der Grundlage einer Abwägung zwischen persönlicher und "sozialer" Vorteile.

Solch eine Abwägung ist natürlich ein Hirngespinst, aber das wird dem üblichen moralischen Relativisten in diesem Land nicht davon abhalten so zu argumentieren. Man muss eben von Grund auf argumentieren, wozu auch die Argumentation für Eigentum begründet im Naturrecht gehört. Demnach ist jede Einschränkung des Eigentumsrechts nicht nur wie sie es beschreiben Unvereinbar mit wirtschaftlichem Wachstum und diverse andere Vorzüge, sondern ganz einfach Rechtswidrig.

Das gilt ob sich der Dieb "Toni" oder "Staat" nennt. Der einzige Unterschied zwischen den beiden ist, dass man dem Ersteren wenigstens Ehrlichkeit zuschreiben kann: Toni behauptet nicht während er die Pistole auf den Eigentümer richtet, dass diese Handlung in irgend einer Weise etwas mit dem Wohlergehen des Eigentümers zu tun hat. Dazu hat er zuviel Respekt für die Intelligenz seines Opfers. Den erweist der Staat einem nicht, sondern nennt seinen Diebstahl "Besteuerung" und meint durch diese Segnung handele es sich auf einmal um eine heilige Institution. Das der Großteil der Eigentümer sich tatsächlich durch dieses Wortspiel blenden lassen, lässt in der Tat an der Berechtigung für den Respekt den Toni erbringt zweifeln. Desweiteren begibt Toni sich wenigsten selbst in Gefahr, während die Staatsgläubiger das lieber ihren Uniformierten Lakaien für ein Teil der Beute überlässt.

Das von Ihnen beschriebene fehlende Verständnis für die vielen praktischen Vorteile vom privaten Eigentum ist also nicht das wesentliche Problem, sondern der diese Gesellschaft durchdringende moralische Relativismus.

Pieter De Vos, am 22. Januar 2010 um 16:49 ( Link )

Trotz der berechtigten Einwände von Manuel Barkhau ein sehr treffender Artikel, der den libertären Nagel auf den Kopf trifft. It's all about property rights. Selbst ohne Naturrecht führen klar definierte Eigentumsrechte zu Wohlstand und einer effizienten Marktwirtschaft. In Deutschland ist der erste Schritt folglich Eigentumsrechte klar zu definieren. Es ist Gift für die Volkswirtschaft, dass man mit Lobbying hierzulande Eigentumsrechte "umdefinieren" kann. Der zweite Schritt, den man freilich gleichzeitig mit dem ersten machen sollte, ist, den Zugriff des Staates auf Privateigentum zu verbieten. Ich komme aus dem Niederländisch-sprachigen Raum. Dort werden Steuern "belasting" genannt. Vielleicht hilft es, das Wort Steuern erst einmal durch das Wort "Belastung" zu ersetzen. Im nächsten Schritt kann man dann darüber streiten, ob man das Wort "Belastung" durch das Wort "Diebstahl" oder "Schutzgeld" substituiert.
Unter Umständen würden dann einige Steuerleibeigene dann aufwachen und ihre Eigentumsrechte verteidigen.
Es gibt keine Freiheit außer eigentümliche Freiheit.

Reiner Vogels Fördermitglied, am 22. Januar 2010 um 16:49 ( Link )

Einen Gedanken möchte ich zu dem an und für sich guten Artikel hinzufügen:

Der Hauptgrund dafür, dass in der heutigen Zeit das Eigentum immer weiter beschnitten und auch grundsätzlich in Frage gestellt wird, ist der flächendeckende Verfall der Familie.

Kulturgeschichtlich gehören nämlich seit der Jungsteinzeit die Familie und das Eigentum, ursprünglich vor allem das Eigentum an Acker- und Weidefläche, und Familie zusammen. Das kommt von der grundsätzlichen seelischen - und m.E. von Gott gewollten und also auch naturrechtlich relevanten - Ausstattung des Menschen her:

Nur der wird sich auf Dauer um den Erhalt seines Eigentums kümmern und sich dafür abmühen, der weiß, dass sein Eigentum eines Tages seinen Kindern von Nutzen sein wird. Wer als Single durch das Leben geht, wird diese Energie nur in Ausnahmefällen aufbringen. Er wird sich sagen: "Allein komme ich schon irgendwie durch, und ich habe nur einen Magen." Umgekehrt z.B.: Wenn ich mir ein Haus gekauft und dafür Schulden gemacht habe, werde ich mich bemühen, bis zu meinem Tode die Schulden zu tilgen, damit meine Kinder ein schuldenfreies Haus erben. Wenn ich dagegen keine Kinder habe, was kümmern mich die Schulden, die auf meinen Hinterlassenschaften lasten?

Dieser Zusammenhang ist elementar. Ohne funktionierende Familien wird sich auf Dauer das Eigentum nicht halten lassen. Es zeugt daher von großer strategischer Klugheit und Raffinesse, dass die Sozialisten immer gegen die Bande der Familie vorgegangen sind und die Kinderaufzucht verstaatlichen wollten.

In Deutschland hat in diesem Zusammenhang vor allem die Frankfurter Schule eine große Zerstörungskraft entfaltet. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund erweist sich die sogenannten sexuelle Revolution der letzten Jahrzehnte bis hin zur jüngsten "Berliner Erklärung" der CDU, die sich dagegen wehrt, die unterschiedlichen "Familienmodelle" gegeneinander auszuspielen - als ob andere Verbindungen als die von Mann und Frau und daraus entstehenden Kindern auch das Recht hätten, "Familie" genannt zu werden - als gesellschaftlich motivierter und strategisch durchdachter Angriff auf das Eigentum und als gezielte Agitation zugunsten des Sozialismus.

Pieter De Vos, am 22. Januar 2010 um 16:56 ( Link )

Zu Rainer Vogels: Der Staat versteht sich prächtig darauf die Familie zu verdrängen. Weil der Staat "fürsorglich" ist, verdrängt er die Familie. Weil der Familienzusammenhalt geringer wird, brauchen wir noch mehr Staat etc ... ad absurdum. Wie auch immer Leute zusammenleben und ob sie sich dabei als "Familie" bezeichnen sei deren Privatsache.

Rüdiger Märzen, am 22. Januar 2010 um 17:23 ( Link )

Kann man es besser zusammenfassen? Ich glaube kaum. Ein toller Artikel. Großartig auch in diesem Zusammenhang, dass EF sich wieder auf die liberale/wirtschaftliche Komponente konzentriert. Was wir brauchen sind Taten. Man darf nicht zusehen, wie ein großartiges Land wie Deutschland bzw. jetzt die EU vor die Hunde geht. Wie der Wohlstand unter dem fehlgeleiteten Vorzeichen des Kollektivismus und des falschverstandenen Gutmenschentum vernichtet wird. Was hat die USA zum Primus gemacht? Das war der Liberalismus, niedrige Steuern und das Potenzial der Menschen, das aus ihren Träumen wuchs etwas aus sich zu machen.
Infolge des sich ausbreitenden Sozialismus und staatlicher Eingriffe in die Wirtscgaft in den USA haben die Amis im Moment ca. 80 Milliarden Dollar Außenhandelsdefizit, ein direkter Weg in den Bankrott. 31 Millionen Menschen die von Sozialhilfe leben (food stamps). Früher haben die Europäer ihr Glück in den USA gesucht, heute erlebe ich im persönlichen Umfeld immer mehr Amerikaner die nach Deutschland zum Arbeiten kommen.

Was hat der Nazisozialismus gebracht oder der UdSSR geführte DDR-Sozialismus, nichts als Elend, Zerstörung und technischen Rückstand. Soweit darf es nicht wieder kommen. Das Individuum muß gestärkt werden und Eigenverantwortung wieder groß geschrieben werden. IMHO ist das das einzige und schnellste Rezept für "blühende Landschsaften".

Rüdiger Märzen, am 22. Januar 2010 um 17:26 ( Link )

Nachtrag:
Das Außenhandelsdefizit bezieht sich auf den Zeitraum von einem Monat nicht Jahr (sic!).

dickbrettbohrer, am 22. Januar 2010 um 17:34 ( Link )

@Reiner Vogels

"Nur der wird sich auf Dauer um den Erhalt seines Eigentums kümmern und sich dafür abmühen, der weiß, dass sein Eigentum eines Tages seinen Kindern von Nutzen sein wird."

Richtig! Und nicht nur das: Die Mühe um das Eigentum läßt uns dessen Wert erkennen. Das Wertebewußtsein weckt nicht nur Moral, sondern auch ein Gespür für das Wesen der Freiheit. Eigentum macht selbstbewußt und widerstandsfähig gegen Diebe. Das aus Arbeit entstandene Eigentum macht frei, nicht die Arbeit allein, wie die zynischen Kleptokraten uns dies ins Hirn gezinnt haben.

hoeppe, am 22. Januar 2010 um 17:50 ( Link )

@Manuel Barkhau

Man muss eben von Grund auf argumentieren, wozu auch die Argumentation für Eigentum begründet im Naturrecht gehört.

Na dann argumentieren Sie mal - bin gespannt. Vor allem würde mich interessieren, wo und wann der Beginn des Wirkens Ihres universellen Naturrechts zu verorten ist. Bin ganz ohr und werde zu der Argumentation auch bestimmt keine weitere Stellung beziehen…., versprochen. Vermutlich lautet die Antwort „schon immer und überall herrscht Naturrecht“.

Sollte dieses Naturrecht, natürlich nur rein theoretisch, seiner unbefleckten Universalität vielleicht möglicherweise nicht gerecht werden und in der Weltgeschichte total zufällige auf vollkommen abartige Mutationen dieses universellen Naturrechts treffen, dann obsiegt bekanntlich das Recht des stärkeren Naturrechts, und das mit Recht, oder?

Bitte keine Literaturhinweise…..

Ich werde mal Haiti im Auge behalten, die befinden sich ja momentan in so einem quasi naturrechtlichen Urzustand, da müssten sich eigentlich unendliche unternehmerische Chancen auftun, wenn man sie nur in Ruhe lassen würde. Nur Scheisse, dass von der Erstausstattung, die der Wirtschaftstheoretiker, zum unternehmerischen „Loswuseln“ der Haushalte, stets vom Himmel fallen läst, irgendwie nicht viel übrig geblieben ist.

Ragnar, am 22. Januar 2010 um 19:17 ( Link )

@hoeppe

Ich glaube, Sie verwechseln hier etwas. Das Naturrecht ist eine moralische Norm, die Ihnen sagt, was richtig und was falsch ist.

Die Durchsetzung des Ganzen ist eine andere Frage. Sie werden ja einen Einbrecher auch nicht mit dem Strafgesetzbuch in der Hand aus Ihrem Haus vertreiben können.

hoeppe, am 22. Januar 2010 um 19:54 ( Link )

@Ragnar

Das Naturrecht ist eine moralische Norm, die Ihnen sagt, was richtig und was falsch ist.

Moralische Norm? Na ja…, zur Definition von Eigentumsrechten steckt im Naturrecht, aus Sicht des im Parallelstrang angesprochenen Robert Nozick oder seinem „Vorgänger“ John Locke, doch reichlich konstruktivistische Energie.

Die Durchsetzung des Ganzen ist eine andere Frage…,

für die sich hier sicherheitshalber sowieso keine Sau interessiert.

Al_Bore, am 22. Januar 2010 um 21:36 ( Link )

"4. Eigentum ist die Basis der Marktwirtschaft: ohne Eigentum kommt es nicht zum Tausch, weil man nichts zum Tauschen hat."

Der Punkt ist leider weitgehend unterminiert, Diebesgut ist sehr wohl tauschbar.

@hoeppe

"Ich werde mal Haiti im Auge behalten, die befinden sich ja momentan in so einem quasi naturrechtlichen Urzustand."

Behalten Sie Ihren asozialen zynischen Dreck bitte für sich.

Manuel Barkhau, am 22. Januar 2010 um 21:39 ( Link )

@hoeppe

Vermutlich lautet die Antwort „schon immer und überall herrscht Naturrecht“.

Dieser und anderen Sätzen entnehme ich, dass Sie Naturrecht als das Recht des stärkeren auffassen, bzw. als das "Recht" das in der Natur herrscht, also ohne irgend eine externe ordnende Kraft. Ihre Schilderung von der Situation in Haiti soll wohl implizieren, dass dort angesichts der Plünderungen das natürliche Recht herrscht, was nicht der Fall ist, zumindest nicht im Sinne wie ich es gleich schildern werde.

Na dann argumentieren Sie mal - bin gespannt. Vor allem würde mich interessieren, wo und wann der Beginn des Wirkens Ihres universellen Naturrechts zu verorten ist.

Der Begriff Naturrecht ist zu verstehen als das Recht was man als rationales Wesen ableiten kann, wenn man objektiv die Natur der Dinge und die eigene Situation bewertet. Der beginn vom Naturrecht ist demnach frühstens zusammen mit dem Aufkommen rationaler Wesen möglich. Der Mensch als handelndes Wesen hat Ziele und setzt sein Verstand ein um diese möglichst weit in Erfüllung zu bringen. Dazu gehört die Überlegung, dass man in Konflikt mit anderen geraten kann, etwa im Bezug auf den Einsatz bestimmter knapper Ressourcen. Konflikt steht aber dem erreichen der eigenen Ziele entgegen, also ist es nur logisch, dass beide Parteien sich gegenseitig Rechte zugestehen und einander somit ein zivilisiertes Leben ermöglichen.

Zu diesen Rechten gehört natürlich allen voran die goldene Regel, also dass man niemand so behandeln soll, wie man es sich selbst nicht wünschen würde.

Da für das Leben natürlich auch der Einsatz knapper Ressourcen notwendig ist und man im Bezug auf diese in Konflikt geraten kann, ist es notwendig Rechte im Bezug auf diese Ressourcen zu gewähren. Täte man das nicht, begibt man sich wieder auf das Niveau der Tiere, was das erreichen der eigenen Ziele entgegensteht. Es scheint demnach sinnvoll solche Rechte, also eine Ethik, zu definieren.

Hieraus wird auch klar von wem die Rechte ausgehen, nämlich von den Individuen selbst. Man muss nicht etwa auf einen Schöpfer zurückgreifen der einem diese Rechte verliehen hat. Rechte sind ein Konzept, die das zivilisierte Leben ermöglichen sollen. Man muss sie nicht akzeptieren, darf sich dann aber nicht über Widerstand gegenüber die eigene moralisch relativistische Haltung wundern.

Diese Rechte müssen zwangsläufig zum Thema haben: Wer darf über bestimmte Ressourcen bestimmen. Gerade das ist die Definition von Eigentum. Die einzige Frage die noch übrig bleibt, ist wie und wem diese Eigentumsrechte zugewiesen werden.

Beim allerersten Knappen Gut, dem eigenen Körper, scheint die Antwort klar. Unsere Sprache lässt einem sogar kaum eine andere Möglichkeit außer implizit das Eigentumsrecht zu deklarieren. Der eigene Körper gehört einem halt selbst. Wie könnte es anders sein? Es gibt zwei andere Möglichkeiten: Es gehört einem anderen oder es gehört allen in gleichen Teilen.

Mir ist jetzt die Zeit zu Schade diese beiden Möglichkeiten zu widerlegen. Sie sind Absurd genug und man kann in dem unten angegebenen Verweisen nach Herzenslust sich die Beweise selbst zu Gemüte führen. Es sei nur soviel gesagt, dass Hoppe ein sehr interessantes Argument aus der Diskursethik ableitet: Vertritt man eines dieser beiden absurden Möglichkeiten, begibt man sich durch die eigene Handlung in ein Widerspruch (engl. performative contradiction). Man Argumentiert, was nichts anderes ist als der Einsatz des eigenen Körpers um ein Argument vorzutragen, und beansprucht damit implizit das Recht exklusiv über den eigenen Körper verfügen zu dürfen, dass es also das eigene Eigentum ist und nicht das von dritten.

Vom Eigentum am eigenen Körper ausgehend, können wir fortschreiten zu den übrigen knappen Gütern in dieser Welt. Im Übrigen ist die Knappheit der Grund warum wir überhaupt solche Rechte brauchen. Gäbe es keine Knappheit, gäbe es auch nichts worüber man sich streiten müsste. So lange die Luft beispielsweise in Fülle und gleichbleibender Qualität vorhanden ist, wäre es absurd sich darum zu streiten. Erst wenn es knapp wird, wie z.B. bei einer Mondkolonie, macht es Sinn sich über Eigentum an Luft Gedanken zu machen.

Maßgeblich für die Zuordnung ist das Pareto-Prinzip: Bei der Zuweisung von Eigentumsrechte soll es mindestens einer Person besser gehen als zuvor und keinem schlechter. Ausgehend von zuvor nicht angeeignete (Natur gegebene) Güter, folgt die einzige Reglung die dieses Kriterium erfüllt.

Zuvor nicht angeeignete Güter kann man selbst originär aneignen (engl. homestead), durch Veränderung des Gutes durch Einsatz des eigenen Körpers. Die Einschränkung davon ist natürlich, dass man das Eigentum eines Anderen dabei nicht verletzen darf. Mit anderen Worten; man ist Eigentümer der Früchte der eigenen Arbeit, sofern sie nicht das Eigentumsrecht eines Anderen verletzen.

Das dies die einzige Reglung ist die Sinn macht, wird von Hoppe in den unten angegebenen Artikeln bewiesen. Ich bitte um Verständnis, dass ich an dieser Stelle aufhöre. Hoppe ist ohnehin viel Rigoroser als ich an dieser Stelle sein möchte und ich denke der Aufforderung von @hoeppe ist genüge getan.

Mein ursprünglicher Kommentar war übrigens nicht gedacht als Kritik, dass Herr Habermann nicht etwas ähnliches geschrieben hat wie in diesem Kommentar. Vielmehr ging es mir um den Hinweis auf die ethische-rechtliche Komponente des Eigentums, was mit einem Verweis auf die Argumentation von John Locke, Murray Rothbard oder Hans-Hermann Hoppe genüge getan wäre.

Für die rigorose Beweisführung die Hoppe führt ist hier oder in einem Artikel, freilich kaum Platz. Ich hoffe Ihnen reicht dieser Umriss, ansonsten muss ich leider trotz Ihrer Bitte doch auf die Literatur verweisen:
The Ethics and Economics of Private Property

Eine etwas ältere deutsche Fassung findet man auch hier:
Privateigentum: Grundlage der Gerechtigkeit und des Wohlstandes.

Manuel Barkhau, am 22. Januar 2010 um 21:42 ( Link )

Sorry, den erste Link habe ich wohl verbockt:
The Ethics and Economics of Private Property

ErgrauendeHausfrau, am 22. Januar 2010 um 23:50 ( Link )

Herr Habermann,

ich bin absolut begeistert gewesen von Ihrem polemischen Soziallexikon, das vor einigen Jahren in "Die Welt" erschienen ist!

Ich hoffe, Sie bringen Ihren Studenten viel davon bei!

hoeppe, am 23. Januar 2010 um 0:51 ( Link )

@Al_Bore

„Behalten Sie Ihren asozialen zynischen Dreck bitte für sich.“

Nö..., dem Schöpfer ist mein emphatisches Seelenleben und mein lasterhaftes Dasein sowieso allumfassend bekannt. Mein asozialer zynischer Dreck dient ausschließlich dazu, den Blutdruck des gottlosen selbstgefälligen Packs in die Höhe zu treiben.

@Manuel Barkhau

Der Begriff Naturrecht ist zu verstehen als das Recht was man als rationales Wesen ableiten kann, wenn man objektiv die Natur der Dinge und die eigene Situation bewertet.

Rechte ausgehen, nämlich von den Individuen selbst

Vielen Danke für die Mühe. Eigentlich habe ich ja versprochen gar nicht zu reagieren, deshalb nur so viel.

Das Naturrecht, das sich davon ableitet, die eigene Situation zu bewerten und das Recht, das von den Individuen ausgeht, hat uns genau dahin geführt, wo wir heute stehen und es kommt noch viel schlimmer.

Alles was du schreibst ist für mich, der ich hier nur als Querulant auftrete, unfassbar verkürzt.

Mein Körper, ein knappes Gute, geistlos materialisiert wie kubanische Zigarren, man man man, Jesus Maria, meine Oma würde mich mit Backpfeifen zur Besinnung rufen.

Neidinduzierende Knappheit, der Fiebertraum der uns ständig auf Trapp hält. Hilf mir mal auf die Sprünge, was ist denn da draußen so alles knapp? Ich bin in dieser Frage total weltfremd, woran fehlt es? Knapp erscheint mir nur das ökonomische Erklärungsmodell aus dem diese Idee entspringt.

Die einzige Frage die noch übrig bleibt, ist wie und wem diese Eigentumsrechte zugewiesen werden.

Ja bitte, ich höre…?!

Privateigentum: Grundlage der Gerechtigkeit und des Wohlstandes.

Ok, ziehe ich mir am Montag noch mal einbischen Hoppe rein…

Manuel Barkhau, am 23. Januar 2010 um 1:18 ( Link )


Mein asozialer zynischer Dreck dient ausschließlich dazu, den Blutdruck des gottlosen selbstgefälligen Packs in die Höhe zu treiben.

Nagut, dann bin ich wohl wie befürchtet einem Troll rein gelaufen, ich hoffe es hat trotzdem jemandem was gebracht.


Das Naturrecht, das sich davon ableitet, die eigene Situation zu bewerten und das Recht, das von den Individuen ausgeht, hat uns genau dahin geführt, wo wir heute stehen und es kommt noch viel schlimmer.

Freilich bietest du keine Alternative an. Die Berufung auf ein Gott gegebenes Recht führt ja nur dazu, dass die Gläubigen sich etwas beliebiges ausdenken und in heilige Schriften niederlegen. Dann bekommt man gut und gerne sowas wie "Aug um Aug, Zahn um Zahn". Die Päpste ändern auch alle Paar Jahre ihre Meinung. Ganz abgesehen davon, dass wir dann vor dem Dilemma stehen uns das Recht der "richtigen" Religion auszusuchen.

Selbst in den Fällen geht das Recht ja nicht direkt von Gott aus, sondern von seinen fehlbaren Dienern, also wieder Individuen. Da halte ich den Ansatz der philosophischen Beweisführung die alle unabhängig nachvollziehen können für den besseren Weg. Selbst das gottesfürchtige Pack muss doch eingestehen, dass der Herr kein Widersprüchliches Recht seinen Schäfchen auferlegen würde und somit zum gleichen Ergebnis kommen wird wie die rationalen Heiden.

Dr. Spiele, am 23. Januar 2010 um 5:07 ( Link )

Und während man hier und sonstwo labert, sahnen die Banken weiter kräftig ab.

Das ist gut so, denn von ihnen,
diesen privaten Entrepreneuren, wird das Heil und die Rettung der freien Marktwirtschaft ausgehen,
wenn der Staat dann endlich fertig hat, Amen!

Hans Dieter Müller, am 23. Januar 2010 um 15:41 ( Link )

Hmmm... Eigentum...Privateigentum... mein, mein, mein also?!?! Schweres Thema und hat mit der NATUR [Mutter Erde samt Evolution + Ressourcen] an und für sich wenig zu tun. Ich besitze kein Land und kein Haus. Ich kann nur Lebenszeit als mein Eigentum (+ Körper und Bewusstsein) nennen - und selbst das mit der "Zeit" – bin ich mir nicht ganz sicher, ob es tatsächlich mir gehört. In eine Welt wo die gier nach Profit und Macht und des ungezügelten Neo Liberalismus, der nur einem Ziel kennt: Ausbeutung, Gewinnmaximierung gepaart mit extrem kurzfristiges - rein Profitorientiertes Handeln und denken (schnell Kasse machen und nach mir die Sintflut), fällt es mir schwer zu glauben, ob die Mehrheit der Menschheit tatsächlich Frei ist und Materielles tatsächlich sein eigen nennen darf/kann. Ich tendiere zu der Annahme, dass Ca. 3 bis 5% der Weltbevölkerung die übrigen 97 – 95% dominiert und die Regeln des Zusammenlebens erstellt und diktiert. Natürlich dienen die „Rules“ verstärkt zum Machterhalt der „kleinen“ Elite. Sie täuscht vielen Menschen eine angebliche Freiheit samt Demokratie vor. Da kann ich nur laut lachen… alles erstunken und erlogen. Nix gehört uns wirklich. Alles gehört gierige Banken oder skrupellosen Konzernen. Und auch die korrupten Marionetten, die sich Politiker nennen und angeblich Interessen der Menschen vertreten gehört den „Bonzen“. In eine „Parlamentarische Lobbyisten Demokratie“, ist Eigentum nicht verpflichtet, sonder nur „ausgeliehen“ und kann jederzeit vom Staat / Wirtschaft / Finanzen zurückgefordert werden. Selbst Geld gehört einem nicht wirklich, auch wenn man es sich erarbeitet hat (Zeit und Energie Austausch). Wer Geld (Banknoten, Münzen) „kaputt macht“ wird bestraft. Lustig finde ich die derzeitige Pauschale Kriminalisierung aller Bürger (jeder ist ein potenzieller Terrorist), totale Überwachung mit ePa/n mit RFID-Chip (ab 1 November 2010) und bald RFID Chips auch im Bargeld, Vorratsdatenspeicherung aller Kommunikation/Informationswege, Biometrik zur Identitäts- Verifizierung/ Authentifizierung , bald kommende Nacktscanner auf allen Flughäfen in der EU, Sensible Datenübermittlung von persönlichen Daten an die Wirtschaft (E-Commerce), Behörden und dem USA + Europäische Union (Flugdaten, etc.). Kein richtig FREIES Internet für jeden Bürger/In (Annäherung an Chinesische Verhältnisse), Bankkonto IBAN / BIC/SWIFT Einführung Europaweit, Bundes-Trojaners zur Ausspähung von PC-Daten und noch vieles mehr läuft bereits, oder ist in Planung bzw. ratifiziert. Alle Freiheiten und Bürgerrechte werden innerhalb eines Jahrzehnts zerstört. Das Erbe unserer „Ahnen“, die sehr lange dafür gekämpft haben. Wenn ich keine Freiheit mehr habe, ich nicht mehr meine Privatsphäre schützen kann, ich nicht mehr anonym sein kann wenn ich es will, andere (dritte) einen Profil meines alltags erstellen können, ich mich in einem Polizeistaat befinde und auf schritt und tritt beobachtet werden kann, ich nicht mal mehr das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Demonstrationsrechte besitze und es keine Freie Presse mehr gibt, weil Informanten keinen Schutz mehr bekommen - dank Vorratsdatenspeicherung - was gehört mir dann?

Schöne neue Welt und keiner merkt die schleichende Infiltrierung des „Staates“ in unserem Leben, die Mainstream-Medien berichten auch nicht gerne darüber (obwohl es gerade Journalisten sind die bespitzelt werden) … armes Deutschland, land der Dichter, Denker, TROLLE und Payback-Punkte Sammler!!!
(kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte)

Mit freundlichen Grüßen,
HDM

hoeppe, am 27. Januar 2010 um 17:19 ( Link )

@Manuel Barkhau

Selbst das gottesfürchtige Pack muss doch eingestehen, dass der Herr kein Widersprüchliches Recht seinen Schäfchen auferlegen würde und somit zum gleichen Ergebnis kommen wird wie die rationalen Heiden.

Nee, er kommt nicht zu dem gleichen Ergebnis…, nehmen wir z.B. Prälat Hermann Scheipers…, erst dank seiner Einlieferung in das Konzentrationslager Dachau 1941 sah er sich als echter Jünger Jesu - „ehrlos, wehrlos und rechtlos“ und dat is halt wahre menschliche Größe. Das, womit sich die wimmernde liberale Gemeinde Tag für Tag hier belastet ist was für Weicheier und rational gesehen sind wir sowieso am Arsch.

Freilich bietest du keine Alternative an. Die Berufung auf ein Gott gegebenes Recht führt ja nur dazu, dass die Gläubigen sich etwas beliebiges ausdenken und in heilige Schriften niederlegen.

Ich will den Kaiser zurück…, fertig...

Was das „beliebige ausdenken“ angeht hat sich die Kirche, gegenüber dem weltlichen Ideen-Wirrwarr der letzten 200 Jahre, eigentlich ganz gut gehalten.

Was den zynische Haiti-Dreck angeht, kann man sich schon mal fragen, wie der naturrechtliche Urzustand, aus dem heraus der Liberale einfach mal so von Null auf 100 das fröhliche Wirtschaften der Haushalte mit seinen Erstausstattungen starten läßt genau aussieht… und wie es zu diesem "Naturzustand" gekommen sein soll..., aber lassen wir das…..

Gamma, am 28. Januar 2010 um 2:15 ( Link )

Problematisch finde ich, dass der Artikel Eigentum (ein Recht) mit persönlichem Vermögen (eine Sache) vermischt. Es wird zwar von Herrn Habermann die "Aussicht auf Eigentum" angerissen sowie die Wichtigkeit persönlicher Reserven herausgestellt, nur garantiert das Vorhandensein von Eigentumsrechten alleine eben keine "Aussicht auf Eigentum", also die Möglichkeit zur Bildung persönlicher Reserven.

@ Manuel Barkhau

"Maßgeblich für die Zuordnung ist das Pareto-Prinzip: Bei der Zuweisung von Eigentumsrechte soll es mindestens einer Person besser gehen als zuvor und keinem schlechter. Ausgehend von zuvor nicht angeeignete (Natur gegebene) Güter, folgt die einzige Reglung die dieses Kriterium erfüllt."

Das Pareto-Prinzip wird auch 80-20-Regel genannt und hat mit dem hier beschriebenen wenig zu tun. Was Sie wohl meinen ist das Pareto-Kriterium. Allerdings liegt Hoppe falsch mit seiner Behauptung dass die ursprüngliche Aneignung das Pareto-Kriterium erfüllen würde.

Er behauptet, die "Unterlassungshandlungen" der übrigen Personen bezüglich der nicht angeeigneten Güter und Räume seien gleichbedeutend damit, dass sie jene Güter und Räume nicht als knapp und damit wertvoll wahrnähmen. Das ist jedoch, angesichts der Tatsache dass jede Handlung Zeit (und Existenz, man muss also zum entsprechenden Zeitpunkt erst einmal geboren sein) benötigt, schlicht falsch.

Die einzige Regelung, die tatsächlich im "Urzustand" das Pareto-Kriterium erfüllt hätte, wäre die Beibehaltung des Status Quo - also Besitz, aber kein dauerhaftes Eigentum - gewesen. Dass dies natürlich unrealistisch ist braucht nicht diskutiert zu werden.

Auch liegt Hoppe falsch mit der Behauptung dass die Nichterfüllung des Pareto-Kriteriums immer "ein sub-optimales Niveau gesellschaftlicher Wohlfahrt" zur Folge hat. Tatsächlich führt die Anwendung des Pareto-Kriteriums bei Einzelschritten, abhängig vom Ausgangspunkt, eben nicht immer zu einem Pareto-Optimum.

bernd_lessing, am 28. Januar 2010 um 13:35 ( Link )

Ich kann mich den Kommentaren nur anschließen, die sich über die abwägende, utilitarische "Rechtfertigung" des Eigentums wundern. Ebenso verwundert bin ich über jene Kommentare, die eine naturrechtliche Herleitung des Eigentums in Zweifel ziehen.

Schon der gesunde Menschenverstand sagt: Was ich (legal) erworben oder selbst geschaffen habe, gehört mir - und zwar allein schon deswegen, weil niemand anders daran einen rechtmäßigen Anspruch begründen kann.

ErgrauendeHausfrau, am 28. Januar 2010 um 14:00 ( Link )

Herr Lessing

Ich nehme an, daß ist der Kampf zwischen den "Haves" und den "Not Haves", wie Hans Hermann Hoppe es so treffend bezeichnet. Also denen, deren Marktwert höher ist, und die dafür sehr viel unternehmen, und denen, die auf dem Massenarbeitsmarkt tätig sind, sich dort eigentlich wohl fühlen, denen aber seit mehr als 100 Jahren erzählt wird, sie würden ausgebeutet!

ErgrauendeHausfrau, am 28. Januar 2010 um 14:01 ( Link )

das daß natürlich mit rundem S!

hoeppe, am 28. Januar 2010 um 14:27 ( Link )

@bernd_lessing

Was ich (legal) erworben habe, gehört mir

Ach nee....? Wie und von wem erwirbt man denn legal Land? Vom Eigentümer? Und der hat es wiederum wie und von wem legal erworben? usw. usw. bis sich dann die Legalität stillschweigend im Naturrecht verkrümelt.

Und die von Ihnen angesprochene Legalität wird dam im Grundbuchamt des räuberischen Staates dokumentieren und bezahlt wird mit betrügerischen Euros, Geld, das keines ist. Wenn’s denn der eigenen Legalität dient, drückt man gerne mal ein ideologisches Auge zu.

und zwar allein schon deswegen, weil niemand anders daran einen rechtmäßigen Anspruch begründen kann.

Klaro..., und deshalb hatte Häuptling Winnetou, mit seinem Jagdgründe- und Manitugeschwafel, während der Besiedelung Amerikas natürlich auch die rechtmäßige Anspruchsarschkarte gezogen.

Schon der gesunde Menschenverstand sagt

Was mir voll auf den Sack geht ist der Anspruch auf Alleinherrschaft unseres lächerlichen abendländischen „gesunden Menschenverstandes“, der in erster Linie nur noch krankes Zeug produziert.

bernd_lessing, am 28. Januar 2010 um 14:55 ( Link )

@hoeppe:

Waren Sie in der Vergangenheit schon unter einem anderen User-Namen hier unterwegs? Irgendwie kommt mir diese dümmliche Polemik bekannt vor ...

Aber sei's drum:

"Ach nee....? Wie und von wem erwirbt man denn legal Land?"

Zunächst mal: Der Erwerb von Dingen, die in der Natur "einfach so da" sind, ist ein Spezialfall. Sie gehören natürlich niemandem - wem auch? Wie daran Eigentum entstehen kann, haben Leute wie Hayek, Rothbard etc. schon erläutert: durch erstmalige Nutzung.

Es nervt, dass "Relativisten" wie Sie immer wieder auf diesem Beispiel rumreiten, denn es ist das, was ich bereits sagte: ein Spezialfall. In jedem anderen Fall von per Arbeit geschaffenen oder in freiwilligen Transaktionen von Dritten erworbenen Gegenstände sollte die Eigentumsfrage doch auch für Sie logisch zwingend sein.

"Wenn’s denn der eigenen Legalität dient, drückt man gerne mal ein ideologisches Auge zu."

Sie missverstehen mich (bewusst?): Es geht mir keineswegs um die Rechtfertigung jeglicher bestehender Eigentumsverhältnisse. Es geht lediglich um das Prinzip, dass "sauber" erworbenes Eigentum sich eben NICHT zu rechtfertigen oder zu relativieren lassen braucht.

"Was mir voll auf den Sack geht ist der Anspruch auf Alleinherrschaft unseres lächerlichen abendländischen 'gesunden Menschenverstandes', der in erster Linie nur noch krankes Zeug produziert."

Was MIR auf den Sack geht, sind Relativisten wie Sie, die letztlich alles infragestellen und damit einen idealen Nährboden für -ismen aller Art liefern.

hoeppe, am 28. Januar 2010 um 16:30 ( Link )

@bernd_lessing

Was MIR auf den Sack geht, sind Relativisten wie Sie, die letztlich alles infragestellen und damit einen idealen Nährboden für -ismen aller Art liefern.

Ich danke für diese Feststellung. Gehe ich also recht in meiner Annahme, dass hier ausschließlich eine moderne Dogmenlehre gepredigt wird mit Mises und Hayek als Oberkreationisten an der Spitze?

Am ersten Tage schuf der Mensch seine Erstausstattung und er sah es war gut, am zweiten Tage nannte es sein Erstausstattung Eigentum, am dritten Tag schuf er freie Märkte, um sich am vierten Tage mit anderen Menschen zum Tauschen zu treffen (Erstkontakt mit Artgenossen…??), am fünften Tage ging dann plötzlich das Licht an und alles war ganz ganz anders, am sechsten Tage zeterte der Mensch dann wild gestikulierend in der Gegend rum und am siebten Tage war der Ofen dann aus.

Sie missverstehen mich (bewusst?): Es geht mir keineswegs um die Rechtfertigung jeglicher bestehender Eigentumsverhältnisse. Es geht lediglich um das Prinzip, dass "sauber" erworbenes Eigentum sich eben NICHT zu rechtfertigen oder zu relativieren lassen braucht.

Schon klar… , auch hier wieder nur eine total praxisferne Theorie, die wir bei der Abfahrt des Zuges, in Richtung wahres Leben, auf dem Bahnhof stehen gelassen haben.


Wissen Sie…., ich habe so eine dämliches Problem. Im Ingenieursstudium hantiert man ja mit irgendwelchen Formeln rum. Meine erfolgreichen Kommilitonen haben die Dinger einfach angewendet und sind damit super gefahren (gesunder Menschenverstand).

Ich saß bei der Klausurvorbereitung vor der Formel…, sagen wir mal U=I * R…, und dann wollte ich es genau wissen und nach einer halben Stunde blätterte ich in Lehrbüchern zur Atomphysik um heraus zu finden…. „was ist eigentlich Strom??“ . Für einen „erfolgreichen“ Studienabschluss hat es zwar gerade noch so gereicht, aber meine Karriere endete schnurgerade im Nirwana.

Geblieben ist nur mein dämliches Streben, alles genau wissen zu wollen und dabei traue ich dem „gesunden Menschenverstand“ leider nicht so ganz über den Weg. Dieses Streben führt zwangsläufig zum Relativismus und wenn man darauf keinen Bock hat zwangsläufig zu Gott…, oder man stümpert sich eben irgendwelche eigenen Dogmen zusammen, die, wie ich meine, zwar ganz dufte sind, der Realität dann aber irgendwie nicht so recht stand halten, also letztendlich vollkommen wertlos sind, um nicht zu sagen schädlich oder zersetzend.

hoeppe, am 29. Januar 2010 um 9:52 ( Link )

Nur für den Fall, dass sich einer, neben den verkürzten Eigentumsdogma noch für den profanen Kleinkram des Alltags interessiert…August Bernhardt „Geschichte des Waldeigentums, der Waldwirtschaft und Forstwirtschaft in Deutschland“ 1872

“Ohne die Herrschaft eines sittlichen Prinzips ist kein Eigentum, ohne Eigentum keine Wirtschaft nach moderner Auffassung möglich. Wer nur den Weg durchforscht, den der wirtschaftende Mensch als solcher zurückgelegt hat, wer die historischen Merkzeichen aufsucht nur auf dem rein wirtschaftlichen Gebiete, wird immer im Dunkeln wandeln.

Ursprung von Wahrheit und Irrtum, die tieferen Urfachen des Steigens und Fallens der Entwickelungskurve liegen oft nicht auf diesem Gebiete. Sie kommen uns erst dann zum Bewusstsein, wenn wir überall den Menschen auch als Rechtssubjekt, auch als den Träger sittlicher und religiöser Ideen betrachten, wenn wir somit in allen Fällen den ganzen Menschen auf dem Wege begleiten, den er durch die Jahrtaufende zurücklegt.

In Anwendung der kurz angedeuteten Gesichtspunkte auf die Geschichte der Waldwirtschaft erhellt es ohne weiteres, dass eine solche ohne eine Geschichte des Waldeigentums überhaupt nicht gedacht werden kann. Letztere kann ohne Heranziehung der politischen Geschichte wenigstens in ihren großen Zügen nicht bearbeitet werden. Überall entwickeln sich die Rechtseinrichtungen auf dem Boden der staatlichen Gestaltung, angelehnt an das Verhältnis der Gestammtheit zu dem Einzelnen, des sittlichen Wollens Aller zu dem Wollen und
Tun der Individuen.

Das Kapitel „Geschichtlicher Rückblick“ lässt verlauten …

„Nirgends noch ist historische Sicherheit bei Bestimmung der Volksgemeinde, nirgends treten uns feste politische Gestaltungen entgegen, nirgends ein auf bürgerliche Ordnung gegründetes Sondereigentum an Grund und Boden.

da stehen noch ne Menge anderes Sachen drin...


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