Walter K. Eichelburg

Ist Betreiber der meistgelesenen deutschsprachigen Gold- und Krisenwebsite hartgeld.com. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Investment- und Geldfragen. Er ist Autor zahlreicher Artikel im Finanz- und IT-Sektor und kann unter info@hartgeld.com erreicht werden. Alle Artikel von Walter K. Eichelburg sind als völlig unverbindliche Information anzusehen und stellen keine Anlageempfehlung dar. Jegliche Haftung irgendwelcher Art für den Inhalt oder daraus abgeleiteter Aktionen der Leser wird ausdrücklich und vollständig ausgeschlossen.

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Marktkommentar: Ein recht ruhiges Finanzjahr 2009 geht zuende

von Walter K. Eichelburg

Das kommende Jahr wird ungemütlicher

Am Ende eines Jahres ist es Zeit, Bilanz zu ziehen und einen Ausblick auf das kommende Jahr zu geben. Viele Firmenbilanzen für das Jahr 2009 dürften katastrophal aussehen. Ebenso die „Staatsbilanzen“ wegen ihrer enormen Ausgaben für Bankenrettungen und Konjunkturpakete.

Nach dem Horrorjahr 2008, wo nach der Lehman-Pleite das globale Finanzsystem mehrere Male fast zusammengebrochen wäre, war 2009 relativ „ruhig“. Nach dem Tiefpunkt auf den Aktienmärkten im März setzte eine wilde Spekulation mit billigem Zentralbank-Geld ein, das die Kurse wieder hochtrieb. Die Realwirtschaft bekam davon wenig ab, sie hatte eher an einem „Credit-Crunch“, einer Kreditklemme zu leiden. Die Wirtschaft sackte weiter ab, erst Mitte des Jahres gab es durch die enormen Staatsausgaben eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, die gleich als „Aufschwung“ und „Ende der Rezession“ verkauft wird.

Die Arbeitslosigkeit stieg weniger stark an als erwartet, auch durch Kurzarbeitspakete der Staaten von bis zu 24 Monaten. Dies besonders vor der deutschen Bundestagswahl, wo die Konzerne bekniet wurden, noch nicht zu entlassen. Dafür explodieren die Staatsausgaben überall ins Unendliche, besonders in den USA und in Großbritannien.

Aber auch in Euroland haben wir solche Fälle wie Spanien, Irland und besonders Griechenland, das 2009 bereits fast bankrott gegangen wäre. Auch die „Nicht-PIGS“ wie Deutschland oder Frankreich machen gigantische Defizite. Solche Defizite führen irgendwann zum Abverkauf von Staatsanleihen und Währung, wie wir es in dieser Krise schon einige Male gesehen haben.

Das Jahr 2009 war also relativ ruhig – erkauft durch staatliche Bankenrettungen und gigantische Budgetdefizite sowie Bilanz- und Marktmanipulationen aller Art. Das wird nicht ewig so weitergehen. Wie es aussieht, haben diese staatlichen Bailouts im Herbst 2008 etwa eineinhalb Jahre „Ruhe und Frieden“ gebracht. Wir sollten nicht vergessen: Die Welt ist seit 2000 im sogenannten „Kondratieff-Winter“, jenem Teil des langjährigen Kreditzyklus, in dem die Schulden und anderen Verwerfungen wieder abgebaut werden. Den großen Crash hat man einige Male verhindert, aber wenn er kommt, dann wird er auch die Staaten mitnehmen.

Ausblick auf 2010

Die bisherige „Ruhe“ wird 2010 zu Ende gehen. Nicht nur dreht sich die Inflation, besonders bei Lebensmitteln und Energie wieder in den positiven Bereich, auch der Goldpreis hat 2009 neue Höhen bis 1226 Dollar pro Unze erreicht. Das waren die Vorboten für die breite Staatenkrise. Der Fast-Bankrott von Griechenland war auch solch ein Vorbote. 2010 wird es flächendeckend auch die großen Staaten treffen: Abverkauf von Währung und Staatsanleihen, Explosion der Konsumgüter-Preise, Crash der Finanzwerte. Das ist in jeder Währungskrise so.

Dann heißt es entweder die Währung aufgeben und den Staatsbankrott anmelden, oder massiv im Staat sparen und die Steuern wie Zinsen stark erhöhen. Massiv sparen und Steuern erhöhen wird aber nicht gehen, da nach den Banken-Bailouts für die Banker-Boni dafür keine Legitimität mehr vorhanden ist. Außerdem geben die Steuersklaven kaum mehr etwas her. Gegen das Sparen werden sich alle Lobbys erheben. Auch der Trick mit den Klimasteuern (letzter Marktbericht) ist nach dem gescheiterten Klimagipfel nicht zu machen.

Daher ist der Weg in die Hyperinflation vorgezeichnet; eine massive Flucht aus allem Papier in Realwerte. Besonders die Rettungsboote aus Gold und Silber brauchen wir 2010 wirklich.

27. Dezember 2009

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Kommentare

razorsurfer, am 27. Dezember 2009 um 17:35 ( Link )

An sich bin ich kein Unterstützer von Untergangsszenarien wie die von Herrn Eichelburg, aber die Bestellung der 14 neuen Gelddruckmaschinen sprechen doch wohl für seine These der Hyperinflation. Allerdings vermute ich die frühestens für das Jahr 2011.

Julian H, am 27. Dezember 2009 um 17:46 ( Link )

Naja, vielleicht haben sie die neuen Pressen nur geordert, um die Dmark zu drucken?

:-/ Man wird ja wohl noch hoffen dürfen!

Sphairon, am 27. Dezember 2009 um 17:54 ( Link )

Und wieder wirft Herr Eichelburg mit Kondratieff-Zyklen durch die Gegend, als ob das eine natürliche Begebenheit wie Ebbe und Flut sei. Daher mein Hinweis an alle Eichelburger:

Do you want to lose money? Invest in terms of the Kondratieff wave.

Do you want to misunderstand completely the relationship between economic production and prices? Adopt the Kondratieff wave as your tool of explanation.

Maerz_1848, am 27. Dezember 2009 um 21:11 ( Link )

Die EU-ZentralBank druckt schon seit Monaten Geldnoten bis die Maschinen glühen und durch weitere Bestellungen an Gelddruckmaschinen wollen sie den Markt mit Geld fluten (überfluten).

Die Inflation und neue Währung sind vorprogrammiert. In spätestens 5 Jahren ist der Euro "Geschichte"

GraueEminenz, am 27. Dezember 2009 um 21:43 ( Link )

Dass 2010 und 2011 zu Katastrophenjahren werden, ist, auch wenn man Eichelburgs Kommentare nicht mag, relativ eicht nachzuvollziehen: Kurzarbeit und teure Konjunkturprogramme laufen aus, weit mehr Hypotheken als 2007/2008/2009 werden zinsmaessig angepasst oder erstmals getilgt werden muessen (das waren die 2006/2007 vergebenen bsonders tueckischen "ARM" - Adjustable Rate Mortgages mit z.T. tilgungsfreien Anfangsjahren). Aehnliches ist auf dem kommerziellen Hypothekenmarkt zu befuerchten. Das "quantitative easing" muss zurueckgenommen werden (wenn man nicht den Glauben, es handele sich nur um voruebergehende Liquiditaet, gefaehrden will). Viele Unternehmen, die den Rattenfaengern Glauben schenkten und bis hierher ausgehalten haben, gehen gerade darum und jetzt (erst) pleite.
Prost Neujahr!

Konservativer, am 27. Dezember 2009 um 21:54 ( Link )

Das Beschaffen von Gelddruckmaschinen als Zeichen für irgendwas zu deuten, ist doch albern.

Bargeld braucht man heute zum Brötchenkaufen.

Wer heute noch mit Koffern voller Bargeld rumrennt, das sind Drogendealer und Parteienspender.

Rüdiger Märzen, am 28. Dezember 2009 um 6:27 ( Link )

@Walter K. Eichelburg:
Sie argumentieren mit dem Dollar, wir leben aber in der Eurozone. Könnten Sie bitte ergänzen wie der bevorstehende Sturz des Dollars in Verbindung mit einer eventuellen hyperinflationären Depression im Dollarraum negative Auswirkungen auf die Eurozone haben sollte?

Jochen Trebmann, am 28. Dezember 2009 um 9:28 ( Link )

Bis zu einem gewissen Grad an Schärfe kann man die Entwicklung auf den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft über einen begrenzten Zeitraum wahrscheinlich vorhersagen. Der sich seit Jahren abzeichnende US Hypotheken-Crash war ja so offensichtlich, daß man als Prophet kaum etwas falsch machen konnte.

Bis dahin (also bis Mitte/Ende 2007) war das einfach. Weltweit gab es Doomer, welche die Krise ziemlich exakt vorhersagten. Ganz ehrlich: das war kein besonders aufregendes Kunststück.

Ab jetzt ist es nicht mehr so einfach. Die Sache ist unheimlich komplex geworden. Es gibt keine einfachen Fragen mehr und schon gar keine einfachen Antworten. Denn die Unbekannten sind zuviele.

Durchaus möglich, daß Inflation eintritt. Aber Hyperinflation? Das Szenario Hyperinflation ist eher selten und sie tritt nur dann ein, wenn die Lage wirklich komplett hoffnungslos ist. So wie nach Ende des I. Weltkriegs, als Deutschland fiskalisch in eine völlig ausweglose Lage geraten war. Die Lage 1923 in Deutschland, oder die des failed-state Simbabwe 2009, ist nicht zu vergleichen mit der Lage der Industriestaaten, die zumeist eben überbordende, unbezahlbare Wohlfahrtsstaaten geworden sind.

Damit sind wir auch schon beim Kern des Problems.

Die Bankenkrise ist keine "Boni-Krise". Sie ist vielmehr eine Krise der gescheiterten Wohlfahrtspolitik. Fannie Mae (und in der Folge das ganze US Hypothekenbank-Gerümpel) ist eine Ausgeburt des Wohlfahrtsstaates, erfunden bereits 1938 von Roosevelt, einem Hardcore-Keynesianer und dem Zeitgeist entsprechend, einem Faschisten. Das Ziel: jeder Amerikaner sollte ein Dach über dem Kopf haben. Der Grund: Ruhigstellen der Massen wegen der gescheiterten, hochgradig keynesianisch-faschistischen New-Deal Politik.

Und auch heute:

Die deutschen Landesbanken dienten den Wohlfahrtsstaatspolitikern als Melkkühe, die immer größere Risiken einzugehen hatten, um die leeren Staatskassen zu füllen. Immerhin ging es um das Verteilen von Wohltätigkeiten. Lieferte der Landesbank-Chef dann die erwünschten Milliardenbeträge beim Finanzminister ab, waren Schulterklopfereien und dicke Boni sicher. So wurden gerade von den Staatsbanken immer größere Risiken eingegangen, und Wohlfahrtsstaatspolitiker in den Aufsichtsräten blieben ruhig. Es ging ja um die gute Sache.

Der Gipfel dann durch die rot-grüne Regierung mit dem sog. Finanzmarktmodernisierungsgesetz. Hedge-Fonds und Private-Equity-Fonds wurden erstmals in Deutschland möglich und die Landesbanken waren die treibende Kraft dahinter. Warum wohl? Es ging darum, dem notleidenden Wohlfahrtsstaat neue Einnahmequellen zu erschließen. Denn bezahlbar sind die Politikerversprechen schon längst nicht mehr.

So kommen wir auch zum Kern der Sache und zum Ansatz für die Lösung: weg mit dem überbordenden Wohlfahrtsstaat.

Die Sozialquote beträgt heute in den USA 25.5% (Tendenz unter Obama weiter steigend), in Deutschland mittlerweile gar mehr als 31%. Ein Drittel des BIP wird "sozial gerecht" umverteilt, wobei unten dann noch Hartz IV und Praxisgebühr ankommen. Derweil fressen sich eine Unmenge an Bürokraten am System satt.

So ist der größte Arbeitgeber Deutschlands mittlerweile die Caritas mit sage und schreibe 500.000 fest Angestellten. Die Sozialversicherungen "beschäftigen" 440.000 zumeist kaffeetrinkende Damen und Herren, wobei die Zahl ständig weiter ansteigt. Ein Millionenheer ist im sozial/medizinisch-industriellen Komplex alimentiert und weniger als (das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!) 7 Millionen Deutsche arbeiten noch in der gewerblichen Wirtschaft. In dem Bereich also, der alles irgendwie erwirtschaften muß.

Der Facharbeiter im gewerblichen Bereich hat ein durchschnittliches Brutto von ca. 3000 Euro monatlich. Die Wertschöpfung ist jedoch höher, sonst verliert er seinen Arbeitsplatz. 20% müssen zusätzlich noch einmal für die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung wertgeschöpft werden. Hinzu kommen Abgaben für betriebsinterne Verwaltung, Körperschaften wie Berufsgenossenschaft und andere, und weitere zusätzliche Kosten.

Am Ende muß der für 3000 Euro brutto arbeitende Facharbeiter in diesem Land ca. 4200 Euro wertschöpfen, damit sich sein Arbeitsplatz lohnt. Denn so hoch sind die Kosten des Arbeitgebers. Über Gewinn haben wir hier noch nicht geredet.

Von diesen 4200 Euro an effektiver Wertschöpfung bleiben ihm dann nach Abzug von Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen gerade mal noch 1840 Euro übrig, die er netto ausbezahlt bekommt.

Dafür geht er dann einkaufen und bezahlt 19% Mehrwertsteuer, Spritsteuer, Ökosteuer, Energiesteuer und so weiter. Nachgerechnet, ist der tatsächliche Wert, den er verkonsumieren kann, bei nur noch weniger als 30% angelangt. Den großen Rest verschlingt der überbordende Wohlfahrtsstaat.

Doch dem gefräßigen Wohlfahrtsstaat reicht das immer noch nicht. Denn um die Wohltätigkeitsversprechen der Politiker einlösen zu können, müssen jährlich neue Schulden gemacht werden. Womit wir bei den Ursachen der über alle Maßen wachsenden Geldmenge angelangt sind. Ab diesem Punkt können jetzt Geld-Theoretiker weiter übernehmen.

Nur soviel:

Die Weltfinanzkrise ist also eine Krise der unbezahlbaren Wohlfahrtsstaaten. Nicht Boni-Banker sind schuld an der Krise, sondern Politiker, die mit unbezahlbaren Versprechungen Wahlen gewinnen wollen und damit ganze Staaten ins Chaos stürzen. Deshalb kann die Krise nur überwunden werden, wenn wohlfahrtsstaatliche Politik verhindert und der Wohlfahrtsstaat auf das Wesentliche zurechtgestutzt wird.

Wird das Problem nicht an der Wurzel gepackt, wird auch die Krise nicht überwunden. Und dann muß man eben kein Prophet sein um vorherzusagen, wie das alles dann endet.

FritzLiberal, am 28. Dezember 2009 um 9:46 ( Link )

@Jochen Trebmann: in den meisten Punkten stimme ich Ihnen zu. Nur dazu:

Bis dahin (also bis Mitte/Ende 2007) war das einfach. Weltweit gab es Doomer, welche die Krise ziemlich exakt vorhersagten. Ganz ehrlich: das war kein besonders aufregendes Kunststück.

Diesen Nicht-Kunststück haben zwar einige "Doomer", aber kein einziger der zahlreichen von unseren Zwangsabgaben besoldeten Staatsökonomen geschafft.

dickbrettbohrer, am 28. Dezember 2009 um 10:30 ( Link )

Jochen Trebmann:
treffend analysiert!
Es ist eine unbezahlbare Wohlfahrtsindustrie entstanden; keiner handelt böswillig, viele Arbeitsplätze hängen daran. Das System stranguliert sich selbst - reformierbar scheint es mir nicht zu sein.

hoeppe, am 28. Dezember 2009 um 11:21 ( Link )

Es ist eine unbezahlbare Wohlfahrtsindustrie entstanden

getragen von einem monetären Schneeballsystems, in dem sich auch der Unternehmer Pudel wohl gefühlt hat. Jetzt plötzlich plagt ihn aber, wie dem Transfergeldempfänger auch, die Marter der ungerechten Behandlung.

Dagny Taggart, am 28. Dezember 2009 um 12:06 ( Link )

Ein weiterer Artikel in dem Schwarz die vorherrschende Farbe und Stimmung ist. Schwarzmalen, schlechtreden, schlechte Stimmung verbreiten und miesmachen: Die Finanzapokalypse ist in diesem Magazin was anderen die Klimakatastrophe ist.

Haderach, am 28. Dezember 2009 um 12:16 ( Link )

@hoeppe
Was für eine unfundierte, inkompetente Aussage. Welche Unternehmer fühlen sich pudelwohl in der Wohlfahrtsindustrie? Ich bin selbst Unternehmer und kenne keinen der den politisch konstruierten Transferwahnsinn genießt.
Das "monetäre Schneeballsystem" dient doch ausschliesslich der Finanzierung politischer Versprechungen. Dass dabei auch politiknahe Unternehmen bedacht wurden und werden, berechtigt keinesfalls zu der platten Behauptung "der Unternehmer" war und ist quasi Nutznieser dieser Entwicklung. Sie verstehen offenbar nach wie vor nicht wie, und durch wen unser BIP erwirtschaftet wird.

hoeppe, am 28. Dezember 2009 um 13:23 ( Link )

Guten Tag Herr Haderach,

Was für eine unfundierte, inkompetente Aussage.

Mein Wurm scheint dem Fischlein zu schmecken und so kann ich mit Mr. Kompetent an der Angel sogleich in die Vollen gehen.

Welcher Umstand erlaubt es dem Unternehmer beständig X Euro in den Wirtschaftskreislauf zu investieren, die X Euro wieder herein zu holen plus Y Euro Gewinn heraus zu nehmen?

Da es ja um die Summe unseres BIP geht, gemessen in Euro, bitte ich Sie, sich bei der Beantwortung dieser Frage vom Blickwinkel Ihres bedauernswürdigen Einzelschicksals und dem Ihrer Unternehmerkollegen frei zu machen.

Und, da Sie als gestandener Unternehmer sicherlich der doppelten Buchführung mächtig sind, werden Sie mich hoffentlich nicht in die Metaphysik des Mehrwerts entführen, sonder ganz ökonomisch Sachkundig darlegen, wie die Y Euro Gewinn bzw. die zusätzlichen Euros zur Darstellung des wachsenden BIP auf der Bildfläche erscheinen. Dann sehen wir mal weiter…

Singaporean, am 28. Dezember 2009 um 17:00 ( Link )

Und, da Sie als gestandener Unternehmer sicherlich der doppelten Buchführung mächtig sind, werden Sie mich hoffentlich nicht in die Metaphysik des Mehrwerts entführen, sonder ganz ökonomisch Sachkundig darlegen, wie die Y Euro Gewinn bzw. die zusätzlichen Euros zur Darstellung des wachsenden BIP auf der Bildfläche erscheinen.

Vielleicht liegts daran, dass sich alle nicht vom Staat alimentierten Unternehmer dumm und dämlich schuften müssen?

Die einzigen Unternehmer denen es gut geht, sind solche, die von Subventionen leben oder selber Beamte in einem Staatsbetrieb (z.B. Siemens) sind.

@Jochen Trebmann: Ich danke ihnen für ihre Ausführungen.

GraueEminenz, am 28. Dezember 2009 um 17:20 ( Link )

Tja, lieber Hoeppe, wie entsteht "der Mehrwert" oder banaler ausgedrueckt, Gewinn? (Wir werden sehen, dass der Gewinn zumindest aus dem Mehrwert Marxscher Definition entspringt, sofern jedenfalls es sich um produktive Arbeit handelt.)
Der Begriff "Gewinn" ist ein schillernder. Wenn jemand zwei Dinge alternativ tun koennte, z.B. einerseits fuer Herrn A kochen oder fuer Frau B putzen, und in beiden Faellen waere der Lohn gleich, dann waere, nach Abzug saemtlicher Kosten, der Gewinn das, was netto uebrigbleibt, d.h. all das, was diese/r "Unternehmer/in" AUF ANDERE DINGE, die nicht noetig sind, um das eben besagte Geld ZU ERWIRTSCHAFTEN, ausgeben KOENNTE.
Sind nun die Kosten, um zu putzen, geringer als fuer den Koch-Job, dann waere der Putzjob lukrativer, "gewinntraechtiger".
Wir lassen mal alle Randbedingungen weg, als da waeren "wenn ich zum Kochen gehe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Nachbar mich morgen und alle Zeit wieder zum Kochen holt, sehr gross, aber wenn ich zum Putzen gehe, kann es sein, dass ich erst in drei Tagen wieder angefordert werde; in der Zeit hat sich der Nachbar A aber vielleicht einen anderen Koch/Koechin besorgt" usw. Unternehmerische Kalkulation ist also sehr viel komplizierter, als am Stammtisch, aber auch in vielen Wirtschafts-Seminaren oder von der Journaille vermittelt wird.
Einfach dadurch, dass jemand Arbeiten erledigt, die fuer jemanden anders etwas wert sind, erwirtschaftet er Gewinn, wenn die Zahlungen des "Kunden" hoeher sind als die Kosten des Wirtschaftenden.
Stellt er nun jemanden ein, wird also "Arbeitgeber", und laesst diesen "schuften", so ist Gewinn, was nach Abzug der Kosten, diesmal inkl. des Arbeitslohnes und der Nebenkosten, uebrig bleibt. Das ist sicher in keinem theoretischen Umfeld strittig, sei es klassischer Oekonom, Marxist oder Anhaenger von Gesell oder wem auch immer. Marx sieht in dem, was ueber den Lohn hinaus nach Abzug der Kosten uebrigbleibt, den Mehrwert, den der Unternehmer sich "aneignet" und der "eigentlich" dem Arbeiter zustuende. Dass Marx/Engels nicht ganz so platt dachten wie viele heutige Epigonen oder Anhaenger der Lehre vom "gerechten Lohn", kann man schon deren "Kritik des Gothaer Programmes" entnehmen, wo sie sehr umfangreich beschrieben und aufzaehlten, was alles vor dem Mehrwert abgezogen werden muss (Abschreibungen etc.).
Aufgrund der internen und der unternehmensuebergreifenden Arbeitsteilung steigt jedoch der Arbeitslohn des Arbeiters gerade dadurch, dass ein Unternehmer ihn anstellt, gegenueber den Verhaeltnissen, die eintraeten, wuerde der Arbeiter auf sich allein gestellt wirtschaften. Denn dann muesste er einen Teil der Arbeitszeit darauf verwenden, die noetigen Arbeitsmittel zu beschaffen, einen anderen darauf, Auftraege zu beschaffen, sie abzurechnen usw. usf.
Und genau diese Tatsache dcer Arbeitsteilung ist es, die in unseren Schulen und selbst an den Universitaeten nicht oder nicht ausreichend gelehrt wird. An den Schulen fehlt sie voellig oder wird mit Adam Smiths Stecknadel-Beispiel illustriert, das kein Beispiel fuer Arbeitsteilung sondern fuer Rationalisierung darstellt (vgl. auch den Nachsatz zu Smith am Ende des Kommentars!). Und deshalb glauben viele, der Gewinn des einen sei notgedrungen der Verlust des anderen (und oh weih, gaebe es keinen Sozialstaat, muesste der eine gar noch verhungern …)
Wuerde der Mechanismus der Arbeitsteilung dagegen grundsaetzlich begriffen, so koennten wir uns die meisten der hier gefuehrten Auseinandersetzungen ersparen!
Und so funktioniert's: Nehmen wir an, ein Baecker baeckt und eine Putzfrau putzt. Wir duerfen getrost annehmen, und haben darum das Beispiel so gewaehlt, dass eine Putzfrau hinreichend gut backen und ein Baecker auch putzen kann. Warum also sollten sie sich eigentlich gegenseitig "Geld in den Rachen werfen", statt jeder fuer sich SOWOHL zu backen wie zu putzen?
Selten ist um etwas soviel Geheimnis gemacht und darueber soviel Unsinn geredet worden, wie um etwas, das jeder mit einem Grundverstaendnis fuer den Dreisatz nachvollziehen kann.
Nehmen wir an, der Baecker kann in acht Stunden 100 Brote backen, die Putzfrau kann in acht Stunden vier Baeckereien putzen. Ich denke, irgendso ein Verhaeltnis ist annehmbar, aber man kann gerne auch 1.000 zu 2 oder aehnliche Verhaeltnisse rechnen.
Die ArbeitsZEITverhaeltnisse zwischen beiden sind also:
100 Brote = 4 Putzstellen bezogen auf die gleichen Zeiteinheiten, naemlich je einen Arbeitstag. Oder eine geputzte Baeckerei entspricht 2 Arbeitstunden = 25 Brotlaibe.
Die Putzfrau braucht also 2 Stunden pro Baeckerei. Nahmen wir der Einfachheit halber an, sie benoetigte, um ihren Brotbedarf zu backen, 2 Stunden, der reicht aber fuer eine Woche. Sie hat eine Fuenftage-Woche, in der sie also 5 x 4 = 20 Baeckerei-Putzaequivalente putzen, der Baecker in derselben Woche 500 Brote backen koennte.
Auf die Woche gerechnet: 500 Brote = 20 Putzstellen.
Jeden Tag muss die Baeckerei geputzt werden, das verschlingt zwei Stunden von des Baeckers Arbeitszeit. Machte er es selbst, so muesste er 25 Brote am Tag oder 125 Brote jede Woche an seine Reinlichkeit drangeben. Macht es die Putzfrau, kann er 125 Brote je Woche mehr backen (wir unterstellen, dass sie beide ihrer Arbeitskraft Ertraege auch jeweils loswerden, und sparen uns im Moment die Makrooekonomie – es gibt ja allen Ernstes Leute, die in der Produktivitaetssteigerung durch Arbeitsteilung die Gefahr der Ueberproduktion sehen; in der Konsequenz muss man dann handeln wie Pol Pot, aber dieses Thema koennen wir hier und heute nicht auch noch vertiefen.).
Natuerlich backt die Putzfrau nur fuer ihren eigenen Bedarf, und der Baecker fuer den Markt, und sie putzt fuer den Markt und er fuer den eigenen Bedarf.
Stellen wir uns zwei Fragen:
Frage 1: Wieviel Brote gaebe es auf dem Markt, wenn der Baecker selber putzte oder wenn er putzen laesst? In der Woche 375, wenn er selber putzt, oder 500, wenn er putzen laesst.
Frage 2: Wieviele Baeckereien koennten (fremd) geputzt werden, wenn die Putzfrau selber baeckt oder wenn sie backen laesst? Nun, 20 Baeckerein, wenn sie Brot kauft und 19 Baeckereien, wenn sie in derselben Zeit ihren Brotbedarf fuer eine Woche durch Eigenleistung deckt.
Wieviel Brotaequivalente entsprechen wieviel Putzleistungen, wenn jeder alles selbst macht?
OHNE ARBEITSTEILUNG gibt es in dieser vereinfachten Gesellschaft 375 Brote und 19 geputzte Baeckereien, und:
EIN BROT entspricht ("kostet") etwas mehr als eine halbe Putzeinheit. Umgekehrt entspricht eine Putzeinheit knapp 20 Broten.
MIT ARBEITSTEILUNG hingegen entspricht ("kostet") EIN BROT nur ZWEI FUENFTEL einer Putzeinheit, eine Ersparnis von ueber 20%. Umgekehrt entspricht eine Putzeinheit nun 25 Broten, eine Steigerung von 25% oder ebenfalls eine Ersparnis von 20%.
BEIDE Parteien gewinnen also, wenn sie sich gegenseitig ihre Arbeitsleistung andienen statt eifersuechtig darauf zu "achten", ja niemand anderem was abzugeben.
Und: es interessiert mich als Anbieter meiner Arbeitskraft NICHT, wieviel "Gewinn" der andere an dem hat, was er mir verkauft, NOCH interessiert mich, wieviel Gewinn er u.U. macht, wenn er meine Leistungen WEITERverkauft.
Das Beispiel wurde bewusst so "primitiv" gewaehlt, dass beide Parteien ("Kontrahenten"!) die jeweilige Leistung des anderen vollstaendig und IN GLECHER Qualitaet ersetzen koennten. So naemlich begann das mit der Arbeitsteilung: der Bauer konnte sehr wohl selber sein Getreide mahlen, er haette zur Not auch noch vermocht, einen Pflug zu schmieden, und der Mueller waere sehr wohl in der Lage gewesen, sein Getreide selbst anzubauen und zu ernten, beide haetten auch selbst backen koennen und haben das anfangs auch getan. Und anfangs wurde der Mueller noch mit Weizen bezahlt, d.h. er gab ein paar Saecke Mehl weniger zurueck, als er Weizen empfangen hatte, und dem Baecker brachte man als Bauer (oder als Mueller!) ein paar Sack Weizen mehr, als man dafuer Brote zurueckerhielt. Es gibt noch heute vereinzelt Dorfgemeinschaften, wo das so praktiziert wird.
Der GROESSTE Teil des Gewinns also speist sich aus der Arbeitsteilung selbst, und NIEMAND wird dabei "auf Kosten" eines anderen reicher, im GEGENTEIL: BEIDE wuerden aermer, wenn sie diesen Mechanismus aus Neid sabotieren wuerden.
ZUSAETZLICH steigt aber auch noch das Gueterangebot, d.h. TENDENZIELL sinken die Preise noch ueber die durch die Produktivitaetssteigerung geschaffenen Spielraeume hinaus, etwas, das erst aufgehoert oder sich verlangsamt hat, seit unsere "modernen" Staaten sich von der "Barbarei" gedeckter Waehrungen verabschiedet und die Geldmenge stetig inflationiert haben (umgekehrt, in Guetern ausgedrueckt, heisst das, der Wohlstand ALLER steigt ZWANGSLAEUFIG).

GraueEminenz, am 28. Dezember 2009 um 17:21 ( Link )

TEIL II:
Nur ist das heute wesentlich komplexer, d.h. es gibt in der Tat Taetigkeiten, die "der andere" nicht ersetzen kann, z.B. kann ich mich weder selbst operieren, ich bedarf dazu eines ausgebildeten Chirurgen, noch kann ich den Computer, an dem ich das schreibe, selbst herstellen, ja, den Luxus, so lange Kommentare zu verfertigen, koennte ich mir vielleicht auch nicht leisten ohne zu hungern. Aber ALL DAS ist erst auf dem Rueckgrat der urspruenglichen Arbeitsteilung "unter Gleichen" entstanden, d.h. auf der Basis der Kooperation derer, die jeder fuer sich (und damit GESAMT) weniger erwirtschaftet haetten. DANACH und HINZU kam dann die weitere Produktivitaetssteigerung durch technischen Fortschritt, die uns heute oft den klaren Blick auf das simple Wirkprinzip der Arbeitsteilung "an sich" verstellt.
Wie wir sehen, braucht eine Putzfrau in diesem Fall keinen Lebensmittelkontrolleur, um festzustellen, ob das Brot gut ist, denn sie hat den unmittelbaren Vergleich mit ihrem eigenen, das sie ja jederzeit backen koennte (und auch sicher WUERDE, wenn das des Baeckers schlecht waere – aber stattdessen geht sie zu dessen Konkurrenz, und umgekehrt fuehrt deren Vorhandensein dazu, dass der erste Baecker nicht uebermuetig wird). Auch der Baecker kann selbst putzen und daher beurteilen, ob die Arbeit der Putzfrau was taugt, auch sie unterliegt der Konkurrenz und so werden BEIDE danach trachten, Arbeit abzuliefern, die der jeweils andere WERTSCHAETZT und darueberhinaus, zu versuchen, ueber RATIONALISIERUNGSMASSNAHMEN ihre Ausbringungsmenge zu steigern.
Wenn sich aber nun ein "Vater" Staat einmischt, und Wohngeld auszahlt, dessen Verwaltung wohl um die 40% des gesamten Etats kostet, so zieht er wertvolle, PRODUKTIVE Ressourcen vom Markt ab (wer Wohngeld verteilt, baeckt weder noch putzt der). Darueberhinaus muss er dieses Geld vor'm Verteilen irgendwoher nehmen, von der Putzfrau und/oder vom Baecker oder selbst FAELSCHEN. Na, werden die sich freuen? EIGENTLICH NICHT. ERST, wenn ein Staat es so weit bringt, dass durch Abgabenlast die Gewinntraechtigkeit einer Putzfrau soweit gedrueckt wird, dass deren Einkommen dann ueber Hartz IV und Wohngeld wieder aufgestockt werden muss, beginnt sie vom Glauben abzufallen, ihren Marktwert zu unterschaetzen usw. und den Staat als Wohltaeter denn als Banditen zu begreifen. Das ist ein uraltes ps

GraueEminenz, am 28. Dezember 2009 um 17:21 ( Link )

TEIL III:
Das ist ein uraltes psychologisches Phaenomen, dass Geiseln sich ueber kurz oder lang mit ihren Peinigern solidarisieren.
Das Prinzip der Arbeitsteilung hat ihr ohnehin nie jemand beigebracht, d.h. ihr fehlt der Ansatz, kritisch ueber dise Mechanismen zu reflektieren.
Und der Baecker? Nun, er kauft hinauf- oder hinabsubventioniertes EU-Getreide, zahlt eine Ausbildungsplatzabgabe oder profitiert von ihr, indem er mehr Lehrlinge ausbildet als der Durchschnitt (und als er eigentlich vorhatte, oder GENAU soviele, wie er OHNEHIN eingestellt haette = Mitnahmeeffekt; nur als Beispiel, derzeit wird sie nicht erhoben), kurz und gut, auch der weiss vor lauter Abgaben einerseits und Subventionen andererseits nicht mehr, wo ihm der Kopf steht.
Habe ich jetzt nur theoretisiert oder vermoegen sie die praktischen Konsequenzen staatlicher Intervention in das Wirtschaftsleben zu erahnen und warum kaum einer, auch Unternehmer nicht, mehr durchblickt und weiss, wo er loben und wo er kritisieren soll?
Und traut er sich ueberhaupt noch, den Mund aufzumachen? Wie der Metzger, der einen glatten Fussboden haben muss, damit man ihn gut reinigen kann, und dafuer ein Bussgeld oder eine Gewerbeuntersagung von der Berufsgenossenschaft riskiert, weil man darauf so leicht ausrutschen kann?

Olaf Janowski, am 28. Dezember 2009 um 17:29 ( Link )

@Jochen Trebmann: Ganz hervorragende Kurzanalyse der jüngeren Vergangenheit!

Über die wahren Hintergründe der Finanzweltkrise ist besonders lesenswert: http://sohalt.wordpress.com/2008/09/22/die-ursachen-der-kreditkrise/

Verursacher war Roosevelt nur als Veranlasser, schlimm waren die Veränderungen der "demokratischen" Präsidenten Jimmy Carter, vor allem aber Bill Clintons an den diversen "Home Acts", die es auch finanzschwachen US-Bürgern ermöglichen sollten durch Aufweichung der Kreditwürdigkeitskriterien sich eine eigene Hütte zu bauen.
Als Bush jr. an die Regierung kam, war es schon zu spät ...

Was die bestellten 14 Gelddruckmaschinen betrifft: Da werden RFID-Folienträger mit hergestellt.
Kann sein, das das als "Fälschungssicherheitsmerkmal" demnächst auf die Euronoten mit drauf muss.

Ich glaube aber, man will den RFID-Chip unter der Haut der Menschen nach einem endgültigen Zusammenbruch der Weltfinanzsysteme vorbereiten. Das Ding, von dem schon in der Johannesoffenbarung des Neuen Testaments die Rede ist, ohne den keiner kaufen oder verkaufen kann und der mit einer Zahl eines Menschen in Zusammenhang steht (666).

Nachtigall, ich hör dir trappsen - ein Goldverbot wird z. Z. ja sowieso durch Verunmöglichung des Realgoldkaufs ohne staatliche oder halbstaatliche Kontrollinstanzen de facto umgesetzt.

Schöne neue Endzeit wünscht:
Olli aus Frankfurt am Main

GraueEminenz, am 28. Dezember 2009 um 17:31 ( Link )

Nachsatz: Adam Smith in der heutigen Wirtschaftsliteratur.
Ich hatte oben schon ausgefuehrt, dass Smith das Beispiel mit der Stecknadel-MANUFAKTUR bringt. Es wird gebetsmuehlenartig in allen schulischen wie universitaeren Lehrveranstaltungen und Lehrbuechern wiedergekaeut. Es geht dort aber NICHT um (gesellschaftliche) Arbeitsteilung, die, s.o. Teil I, dadurch gekennzeichnet ist, dass ZWEI AUSTAUSCHBARE Taetigkeiten gegenseitig aufgegeben werden, sondern um Effekte der Spezialisierung und Rationalisierung. Diese kommen noch "oben drauf", aber sie sind NICHT die Arbeitsteilung im strengen Sinne.
Als ich Smith dann mal selbst im Original zu lesen bekam, staunte ich aber nicht schlecht: das Stecknadelbeispiel steht im VORWORT. Weiter haben die meisten wohl nie gelesen. Haetten sie es naemlich getan, waere ihnen das SCHLUSS-Kapitel aufgefallen: dort beschreibt er die Staatsverschuldung und den Mechanismus der Inflationierung durch "fractional reserve banking" – kein Wunder, dass auch Keynes ihn nicht gern hatte (ihm unterstelle ich, dass er ihn wenigstens gelesen hat).
Und um genau dieses ueber 200 Jahre alte Thema geht es auch heute noch …

dickbrettbohrer, am 28. Dezember 2009 um 17:41 ( Link )

GraueEminenz
Danke für die riesengroße Mühe. Leider wird das auch nichts helfen. Ich jedenfalls hab's gern gelesen.

GraueEminenz, am 28. Dezember 2009 um 17:57 ( Link )

@dickbrettbohrer
"Steht der Tropfen heult der Stein" oder aehnlich.
Ich versuche mich Ihrem nom de guerre gemaess am Bohren der Teakholzbretter vor'm Kopf der Wohlstandsverwoehnten ...
Danke fuer die Rueckmeldung.

Molot, am 28. Dezember 2009 um 19:53 ( Link )

Ich jedenfalls hab's gern gelesen.

Ich auch. Danke.
B.Ullmann

hoeppe, am 28. Dezember 2009 um 21:42 ( Link )

@ Haderach

was’n los? Keen bock mehr?

@GraueEminenz

Teil I bis ...

Fein… meine Frage richtet sich aber ganz konkret auf den Gewinn im monetären Sinne, der ausschließlich in Form von Euro oder Dollar und nicht in irgendeinem ominösen Mehrwert oder Brot zu Tage tritt. Vollkommen zu recht halten Sie selber fest, dass ihre pragmatische Darstellung nur noch in primitiven Dorfgemeinschatten vorkommt, in der wir nun mal (leider?) nicht mehr zu Hause sind.

Was die Arbeitsteilung angeht, gebe ich Ihnen recht. Das Wesen der Arbeitsteilung wird in diesem Zusammenhang massiv unterschätzt.

Ihren Ausführungen vom wohlstandsteigernden Effekt der Arbeitsteilung möchte ich nicht widersprechen, allerdings um eine "Kleinigkeit" ergänzen.

Wie beim geschulten Ökonomen üblich, implementieren Sie offensichtlich einen unbegrenzten Hang zur Arbeitsteilung in das menschlichen Genmaterial. Bis zum entschlüsseln der entsprechenden DNA-Sequenz gehe ich davon aus, dass erst unser ungedecktes Kreditgeldsystem den Erfüllungsdruck (Schulden werden stets zurückgefordert) in die Welt setzt, der den wohlstandsfördernden Effekt der Arbeitsteilung, Rationalisierung und Produktionssteigerung über die „menschliche Streckgrenze“ hinaus möglich macht.

Die wohlstandsfördernde Arbeitsteilung, die die Welt zum globalen Dorf schrumpfen lässt, war und ist in erster Linie ein staatliches Ding. Ihr Wohlstands-PC-Wunderwerk entspringt mit Sicherheit nicht aus einer frei vom staatlichen Einfluss agierenden Mittelstandsklitsche, sonder ist das Machwerk eines multinationalen Konzerns, der, wo es nur geht, immer fleißig im staatlichen Windschatten operiert. So ist in der von Ihnen angesprochenen staatsfernen Dorfgemeinschaft Wohlstand in Form von WLAN, Zweitwagen, Kernspintomograph und Wäschetrockner der Energieeffizienzklasse A nach meinem Wissen nicht an zu treffen.

Das es auf dem Kulminationspunkt der allumfassenden wohlstandsfördernden Arbeitsteilung im globalen Dorf dann nicht mal mehr möglich ist, Mitmenschen fremder Kultur, aus welchen Gründen auch immer, freundlich aber bestimmt die Tür zu weisen, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt. Wie Sie richtig darstellen, ist die wohlstandsfördernde Arbeitsteilung das A und O um das sich alles dreht. Nur leider ist diese Arbeitsteilung mit kultureller Abgrenzung nicht ganz kompatibel.

@Singaporean

Die einzigen Unternehmer denen es gut geht, sind solche, die von Subventionen leben oder selber Beamte in einem Staatsbetrieb (z.B. Siemens) sind.

Mir kommen gleich die Tränen…!! Jetzt ist mir auch klar, wieso in der „Bude“, in der Events wie „Delegationsreise mit dem Wirtschaftsminister XY nach China“ oder „deutsch Brasilianische Wirtschaftstage“ usw. usw. organisiert werden, immer staatsferne Unternehmer die Telefone heiß klingeln lassen, weil sie ganz geil auf eine Teilnahme sind.

Was ich bei den Liberalen sowieso nie verstanden habe ist die Abgrenzung ihrer Ideen. Von der Idee her ist der selbstständige Unternehmer an sich gut. Aber nur, wenn er staatsfern agiert. Wie staatsfern muss der Unternehmer sein um im liberalen Sinne noch ein guter Unternehmer zu sein? Auf dem Mond weht ja nun auch schon die Amerikanische Flagge?

Michael Schlenger, am 28. Dezember 2009 um 22:45 ( Link )

Werte Gemeinde, noch mal zurück zu Meister Eichelburg!
Als Krisen-Novize habe ich ein paar Verständnisfragen: Wieso soll ich mich am Anstieg des Goldpreises in der Schwachwährung Dollar erfreuen? Wenn Gold die solide Alternative zu den verfluchten Papiergeldwährungen ist, wieso geilt sich dann jeder Goldbesitzer an der Wohlstandsillusion in den doch wertlosen US-Talern, Euro-Denaren Angelsachsen-Pfunden auf? Weil sie doch - wenn auch inflationiert - infinite Akzeptanz genießen? Ich weiß ja nicht, sind doch alles Strolche, diese Geldillusionisten...

Wie wäre es stattdessen mit einer Bewertung des Edelblechs anhand des empirisch erprobten Tauschwerts einer Unze Gold realer knapper Güter wie 500g Weizenmehl, 100g Schokolade mit 60 % Kakaogehalt, 1 Pfund Arabica-Kaffees, 50 Liter 98-Oktan-Superbenzin, 1ha besten Ackerlandes in der fruchtbaren Wetterau, 1 Liter Malt-Whiskeys von Islay, 100g Kaschmirwolle, 1 Pfund Nägel, einem Satz hochwertigen Schreiner-Schlosser oder Schuster-Werkzeugs, 10 Liter Olivenöls Extra Vergine, 1 Pfund Salz und Pfeffer usw.?

Wie stellen sich die Damen und Herren Goldbesitzer diese Relationen vor? Glauben sie, in einer wirklichen Krise wie 1946/47 bessere Geschäfte mit ihrem Edelschrott zu machen, als die Städter, die seinerzeit ihr über Generationen angesammeltes 800er Silber an die Bauern im Umland verschenkt haben, um etwas Brot, Milch und Eier zu bekommen?

Möglicherweise verstehe ich nicht, wie die Gold- und Silber-Warenwirtschaft funktionieren soll, wenn das Papiergeld - wie von den Krisenpropheten erwartet - keinen Abnehmer mehr findet. Wird das schöne Erz dann ausgemünzt wie der Edelmetallschatz des persischen Königs durch Alexander den Makedenonenkönig mit der Folge, dass die Preise alltäglicher Güter explodieren wie im Athen und Sparta um 325 v. Chr. ?

Oder muss man mit den Barren selbst einkaufen gehen, was ich mir etwa beim Fahrkartenerwerb einigermaßen beschwerlich vorstelle.

Für eine verständliche Erklärung, wie das Wirtschaften weitergeht, wenn die gefüchtete apokalyptische Reiterschar vorbeigesprenggt ist, wäre ich dankbar. ich würde mich gern darauf einrichten. Ein kleiner Krisengewinnler wie gewisse Herren hier möchte ich dabei allerdings nicht sein, das überlasse ich gern denen, die auch sonst zu kurz gekommen sind :-)

Goldige Grüße
aristodemos

P.S. Wenn mir bei der Gelegenheit noch jemand die Vorzüge der Monarchie Dei Gratiae erläutern möchte, nur zu, ich werde auch diese Offenbarung gern zur Kenntnis nehmen.

GraueEminenz, am 28. Dezember 2009 um 22:57 ( Link )

Lieber Hoeppe: "Ihr Wohlstands-PC-Wunderwerk entspringt mit Sicherheit nicht aus einer frei vom staatlichen Einfluss agierenden Mittelstandsklitsche, sondern ist das Machwerk eines multinationalen Konzerns,"
In der DDR hat man die Mikroprozessor-Revolution versucht nachzuahmen – was den Volksmund zu dem Witz veranlasste "Robotron hat den weltgroessten Mikrochip hergestellt" …
Was die Staats-Intervention und deren Segnungen angeht: die ersten bahnbrechenden Erfindungen, die mir meinen heutigen PC beschert haben, begannen in einer Garage (Apple, Jobs und Wozniak) und in einem kleinen Startup namens Microsoft, das einen der reichsten Maenner der Welt hervorgebracht hat. Auch andere, etwa Dell oder Amazon entstanden quasi "aus dem Nichts".
Die Staatsinterventionen kamen hinterher und haetten sie am Anfang gestanden, so haette ich immer noch hoechstens eine Schreibmaschine. Einer der Intel-Mitgruender, Andy Grove, war Ungarn-Fluechtling …
Was ich vom Mechanismus der Dorfgemeinschaft geschrieben habe, gilt doch auch und gerade fuer jedes beliebig groessere Gemeinwesen, es ist doch ein naturgesetzlicher Vorgang.
Dass man (bestimmte) Auslaender nicht moegen muss, sei Ihnen unbenommen – dass sie aber an unsere Tueren klopfen, ist Folge staatlicher Politik, erst des echten, spaeter des Neo-Kolonialismus, die EU immer vorne dabei. Waeren unsere Einriffe in die internationalen Maerkte nicht, gaebe es keine Wirtschaftsfluechtlinge, nein, gerade je unterentwickelter ein Land, desto groesser der anfaengliche Gewinn durch Arbeitsteilung.
"Gewinn im monetären Sinne, der ausschließlich in Form von Euro oder Dollar und nicht in irgendeinem ominösen Mehrwert oder Brot zu Tage tritt." Na, erstmal muss was her zum Verkaufen, bevor es ueberhaupt Gewinn gibt, geben kann, ES SEI DENN, der Staat hat wieder mal seine Finger im Spiel.
Ich hatte neulich mal eine e-Mail-Diskussion mt einem sehr aktiven attac-Mitglied ueber aehnliche Fragen. Ich habe ihm gesagt, dass es das staatliche Geld und den gan zen Rattenschwanz an Schein-Effekten und -"Gewinnen" nicht gaebe, wenn das wertlose Papiergeld nicht bei Strafe des Verlustes des Markzutrittes (und damit des Vermoegens!) gesetzliches Zwangs-Zahlungsmittel waere. Er sprach sich dann gegen diesen Zwang aus und ich konnte nur sagen: "wir haetten uns die gesamte Diskussion sparen koennen" – wer Broetchen kauft, wird staatliche Muenzen nehmen, wer aber z.B. einen Dreissig-Jahresvertrag (etwa eine Hypothek, eine Staatsanleihe etc.) eingehen will, der wird auf etwas werthaltigerem, etwa Gold oder in dieses konvertibler Waehrung, bestehen.
ALLE Probleme, die gerade die sozialreformerisch eingestellten Kritiker des Liberalismus stets vorbringen, waeren doch gar nicht vorhanden ohne diese Zwangsmassnahme!
"Gewinn" waere dann das, was uebrigbleibt, wenn man die Kosten von den Ertraegen abzieht und keine Fiktion aufgrund staatlicher Lenkung, die auch dort "Gewinne" erzeugt, wo gar kein Mehrwert geschaffen wurde, aber der Staat es sich dank ungezuegelter Geldschoepfung leisten kann.

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 0:06 ( Link )

Hallo Herr Schlesinger,
"als die Städter, die seinerzeit ihr über Generationen angesammeltes 800er Silber an die Bauern im Umland verschenkt haben, um etwas Brot, Milch und Eier zu bekommen?"
"Wie wäre es stattdessen mit einer Bewertung des Edelblechs anhand des empirisch erprobten Tauschwerts einer Unze Gold realer knapper Güter wie 500g Weizenmehl, 100g Schokolade mit 60 % Kakaogehalt, 1 Pfund Arabica-Kaffees,"
Da rennen Sie doch offene Tueren ein: jedenfalls, wer etwas von der Goldstandard-Materie versteht, meint einzig und genau dies:
Wer Gold hat, der kann es IN JEDEM FALL gegen etwas anderes, zur Not Nahrung, eintauschen. Wer (ungedecktes, s.u.) Papiergeld hat, bekommt dafuer nichts, jedenfalls nicht das, was er kurz vorher noch hat an Gegenwert arbeitsmaessig leisten muessen, denn vormittags von der Bank geholt ist es nachmittags u.U. nur noch die Haelfte wert. 1993 beim Urlaub in Kroatien haben wir JEDEN TAG D-Mark getauscht, da deren Waehrung ueber Nacht jedesmal ein paar Prozent weniger wert war. Das ist der Anfang, nicht allzuviel spaeter, siehe Zimbabwe, beginnt dann die "dollarisation", d.h. die eigene schwache Waehrung wird nicht mehr akzeptiert, dagegen als stabiler erachtete Waehrungen wie z.B. der US-Dollar. Nur, dass spaetestens seit 1971 auch dessen Deckung nicht mehr existiert und er seither immer rasanter an Wert verliert.
In Ermangelung eines besseren Masstabes bemisst sich sein Wert am Gold, waehrend Preise einzelner Gueter wie Oliven- oder Erdoel ja von weiteren Faktoren stark beeinflusst werden (derzeit z.B. zurueckgehender Verbrauch durch Krise = sinkende Nachfrage = [zumindest voruebergehend] sinkende Preise TROTZ Geldmengeninflation).
Derzeit sind wir NOCH NICHT soweit wie 1923 oder 1945/46, als man statt Muenzen Feuersteine und Zigaretten und statt grosser Scheine Schmuck, Tafelsilber oder die alte Standuhr gegen Essen oder Winterkleidung eintauschen musste.
Sie haben also recht, sich "reich rechnen" in Gold ist eine Taeuschung: wenn nicht wegen steigender Nachfrage Gold einen ZUSAETZLICHEN Preisschub erfuehre, dann waere es egal, ob ich Dollar oder Gold zum Tageskurs halte. ABER am Tag danach ist es dann doch nicht egal: wenn Gold erst 800, dann 1.000, dann 1.200 Dollar wert ist, bin ich ALS GOLDBESITZER zwar NICHT reicher geworden, aber als Dollarbesitzer waere ich nun um ein Drittel oder die Haelfte AERMER, wenn ich nicht bereits vorher Gold eingetauscht haette! DARUM GEHT ES. Reich wird man durch Gold-Kauf nicht, jedenfalls sollte man das nicht meinen, und DESWEGEN Gold kaufen, nein, man kauft es, um nicht AERMER zu werden - ansonsten ein Kunststueck in hochinflationaeren Zeiten.
"Oder muss man mit den Barren selbst einkaufen gehen, was ich mir etwa beim Fahrkartenerwerb einigermaßen beschwerlich vorstelle."
NEIN, waere der Dollar goldgedeckt, wie er und die meisten anderen Papierwaehrungen es urspr. mal waren, dann wuerden sie mit einem Gold-Hinterlegungsschein, der ein bunt bedrucktes Papier mit der Aufschrift "US-Dollar" (oder "Euro") waere, und auf dem ZUSAETZLICH aber stuende "to the bearer pay the amount of ... in gold" (= "zahlen Sie dem, der diesen Schein [bei der Zentralbank] vorlegt, diesen Betrag ... IN GOLD aus"). DANN wuerde niemand die Erschwernis auf sich nehmen, den realen Gold-Barren mitzuschleppen (wohl aber evtl. kleinere Gold-Muenzen), sondern er wuerde mit einem GOLD-HINTERLEGUNGSSCHEIN zahlen.
NUR SOLCHES Geld ist "echtes" Geld, alles andere eine Fiktion, die spaetestens dann zusammenbricht, wenn die Preisspirale sich immer schneller zu drehen beginnt und daher jeder versucht, so schnell als moeglich das gerade frisch verdiente Geld auszugeben.
Wir stehen kurz davor, was in historischen Zeitraeumen gemessen bedeuten kann, morgen, in einem, vielleicht auch in zehn Jahren, obwohl ich angesichts der EXPONENTIELLEN Steigerung der Zentralbankgeldmengen in letzter Zeit weltweit nicht an eine sehr lange Zeit glauben mag.
Wer jetzt also in Gold "fluechtet", und das tun offenbar immer mehr, wenn man die Berichte der Verknappungen verfolgt, der tut das aus einer Not heraus. LIEBER haette er es, wenn er das Gold STATTDESSEN in Form von Hinterlegungsscheinen (GEDECKTES Papiergeld etc.) mit sich herumtragen koennte.
In nicht allzulanger Zeit wird diese Form des Geldes wieder eingefuehrt werden, NAEMLICH DANN, wenn ungedecktes Geld nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert wird. DANN ist es volkswirtschaftlich sinnvoller, statt jeden mit schwer stueckelbaren Goldbarren zum Kraemerladen zu schicken, dieses Gold zu hinterlegen und nur die beliebig stueckelbaren Hinterlegungsscheine ("Geld" kommt von "gelten", und dieses "gilt als Gold") mitzufuehren.
Das ist aber alles zu einfach, als dass es mathematische Volkswirtschaftler wie Weber oder Bernanke verstehen koennten. Die muessen erst, wie die Katze, mit der Schnauze in die Sch... gestossen werden, um zu unterscheiden, welches Geld stinkt und welches nicht ...

dickbrettbohrer, am 29. Dezember 2009 um 7:14 ( Link )

Sehr geehrte Graue Eminenz,

es ist ein gutes Zeichen, daß sich in diesem Forum gelegentlich auch Personen tummeln, denen an Austausch von Gedanken gelegen ist, statt, wie über weite Strecken hinweg, eitle Schaumschlägereien zu betreiben und sich wie Kinder mit Schlammpatzen zu bewerfen. Ich danke Ihnen!

Ihre grundlegenden Gedanken zum Staatswesen regen zum bewegten Weiterdenken an.

Sie schreiben: „ALLE Probleme, die gerade die sozialreformerisch eingestellten Kritiker des Liberalismus stets vorbringen, waeren doch gar nicht vorhanden ohne diese Zwangsmassnahme!“

Genau. Doch diese Erkenntnis ist eine allzu hohe Hürde, an der regelmäßig alle Gesprächspartner scheitern, seien diese auch noch so gutwillig und gescheit. Um die Denkblockade zu erklären, zeichne ich ein Bild:
Denken wir uns einen gesunden Menschen, dem durch die allgemein praktizierte, unnatürliche und daher schädliche Lebensweise im Verein mit der dann einsetzenden medizinischen Intensivbetreuung die natürliche Gesundheit bereits in jungen Jahren verloren geht: die Knie werden steif, die Zähne fallen aus und die Augen büßen ihre Sehkraft ein. Diese bedauernswerte Person gerät in multiple Abhängigkeiten, ich brauche das nicht näher zu beschreiben. Rund um den vom schaffenden Menschen zum hilflos gewordenen Patienten bildet sich – vorausgesetzt es sind die Mittel dafür vorhanden – ein dichtes Netzwerk an staatlichen Hilfseinrichtungen, denn wo der Staat und seine Betreiber eine lukrative Tätigkeit entdecken, die sie gutmenschlich ausfüllen können, werden sie das Gebiet an sich reißen und es „unternehmerisch erfolgreich“ betreiben, natürlich auf Wachstum programmiert. Das System produziert immerzu neue Hilfen, was dann zu immer mehr Hilflosigkeit führt, der man dann künstlich abhelfen kann.
In diesem System funktioniert nichts mehr auf natürliche Weise, es hat sich vollkommen verkünstlicht und ist, je länger der Zustand fortdauert, nur mehr unter gewaltigen Anstrengungen aller noch Gesunden aufrecht zu erhalten. Die Menschen aber gewöhnen sich an buchstäblich alles, und so betrachten sie diesen krankhaften Zustand als „normal“. Das Bild des Kranken kann ohne weiteres auf sämtliche gesellschaftlichen Erscheinungen der planwirtschaftlichen Industriegesellschaft übertragen werden.

Das unlösbare Dilemma besteht nun darin:
Die Zerschlagung der Hilfsstrukturen, deren Vorhandensein und Funktion das Leben der „Staatsbehinderten“ garantiert, ist ein Ereignis, das man sich weder vorstellen noch wünschen kann. Es würde mit ungeheuren Verlusten einhergehen: unbeschreibliches Leid, Ungerechtigkeit (schicksalhaft), Verschiebung von Vermögen, Existenzvernichtung und vorübergehender Zerfall allen geregelten sozialen und wirtschaftlichen Wirkens wären die Folge. An diesem – leider realistischem – Bild scheitern jene, die aufgrund des Grauens, das einen beschleichen kann, lieber einer Fortsetzung der Entmündigung das Wort reden als der Genesung. Und die Zusammenhänge lieber gar nicht erkennen möchten – denn Erkenntnis zwingt zum Handeln, Handeln ist unbequem.
Wir können uns daher auch nicht wünschen, daß die künstlichen Strukturen der „staatlichen Intensivstation“ mit einem Schlag ausgelöscht werden. Was aber soll geschehen? Womit beginnen? Arbeitsplätze überall! An den Schaltstellen der Lebenserhaltungsmaschinen sitzen Personen, die fleißige arbeiten – Arbeitssklaven wie die schöpferischen Personen auch. Betrachtet man ihr Wirken unter dem Vergrößerungsglas, das nur eine winzige Fläche des Daseins erfaßt, so kann man daran nichts Schädliches erkennen. Tritt man jedoch einige Schritte zurück, sieht man sie auf dem Zerstörer wirken, der ohne Zögern seine scharfe Munition gegen die letzten Reste der friedlichen Handelsflotte freien Unternehmer- und Menschentums einsetzt. Die Mitarbeiter der Zerstörer wissen das nicht, sie würden es auch nicht wissen wollen. Sie sind allesamt nette Menschen und verdienen bloß ihr tägliches Brot durch die öffentliche Hand. Wie sollten sie da Politik als zerstörerisch erkennen?

Hier ist die Hürde, die Denkhürde. Eine ungeheuerlich hohe Hürde!
Die Lösung?

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 10:12 ( Link )

Lieber dickbrettbohrer,
ja, ich weiss ...
Ich bin weder kranken- noch pflegeversichert, mit Absicht. Ich erhalte mich bewusst gesund und wenn es mir mal schlecht ginge, erwarte ich auch nicht staatlich oder anders organisierte Hilfe.
Ich kannte mal einen Arzt, der nach langen Jahren der Krankenhausarbeit sich voller Engagement als Allgemeinarzt niederliess. Anders als die meisten anderen, die ja nicht mal fragen, welche Medikamente ihr neuer Patient von anderswo verordnet bekommen hat oder sonst nimmt, machte er sich viele Gedanken und so entwickelte er u.a. einen Fragebogen, den er, z.T. um bestimmte Erweiterungen je nach erster Anamnese ergaenzt, den Patienten mit nach Hause gab, und den sie dann regelmaessig nach ein paar Tagen ausgefuellt wieder mitbringen sollten.
Vom Glauben ab fiel er, als er einen jungen Mann krankschreiben sollte; dieser kam an einem Freitag, er schrieb ihn bis zum Wochenende krank, gab ihm den Fragebogen mit und bestellte ihn fuer Montag frueh wieder ein. Am Montag kam der junge kranke Mann wieder, der Fragebogen war leer. Der engagierte Arzt sagte "Aber ich hatte Sie doch gebeten, uebers Wochenende den Bogen zu beantworten?"
Entruestet der junge Mann: "Am Wochenende arbeite ich doch nicht!"
Wer das so sieht, dem KANN man gar nicht helfen. Unser System ist darauf angelegt, dass alle sich gegenseitig das Geld aus der Tasche ziehen. Als mich jemand fragte, warum ich nicht in unser Staatstheater ginge, musste ich ihm antworten: "Wissen Sie, ich habe gelesen, dass jeder Sitz mit 120 Mark pro Vorstellung subventioniert wird - ich kaufe mir also eine Karte fuer zehn Mark und klaue mir (und Ihnen) 120 Mark dabei - soll ich da die Vorstellung geniessen?"
Natuerlich nuetzt es leider nix, wenn ich NICHT hingehe, die 120 Mark sind jedenfalls futsch.
Der Frankfurter Wirtschaftsprofessor Engels (Urenkel des gleichnamigen) sagte in den siebziger Jahren, das Problem sei, dass Einwohner in Muenchen Schwimmhallen in Hamburg und umgekehrt finanzierten, die sie sich SELBST jeweils gar nicht leisten koennten.
Das ist das Dilemma des omnipotenten Umverteilungsstaates. Und der Ministerialrat erlaesst Gesetze (das Parlament nicht - das segnet sie nur ab), die nur er versteht, und deren Kommentare er dann selbst schreibt (wer sonst?) und fuer diese "wissenschaftliche Taetigkeit" zahlt er dann nur den halben Steuersatz ... welch Zufall.
Dieser Selbstbedienungsladen der "Eliten", die in der "freien" Wirtschaft nicht mal einen Pfoertnerposten zuverlaessig ausfuellen koennten (wohl aber einen Berater- oder Aufsichtsratsposten, aber, wie wir wissen, aus ganz anderen Gruenden als der der Fachkompetenz an sich), die sich das Monopol des Raubes per Steuer, der Geldfaelschung und der Umverteilung an kuenstlich erzeugte Beduerftige vorbehalten, ist nicht friedlich reformierbar.
Ich bin aber so genueg- und arbeitsam, dass ich ohne ihre korrumpierenden (Danaer-) "Geschenke" auskomme und kann nur zusehen, wie das irgendwann zusammenbricht. Und ich weiss heute schon, dass all die, die jetzt glauben, die grossen Zampanos haetten die Krise erfolgreich gemeistert, nicht mal in der Lage sein werden, wie die Babuschkas nach Zusammenbruch der Sowjetunion, auf ihrem Balkon etwas zu zuechten, was sie dann wenigstens am Strassenrand verkaufen koennten.
Die Rentner in Mallorca, wenn ihre Rente demnaechst ausbleibt, werden hilflos die Putzfrau ihrer Finca um Arbeit anbetteln, mit demselben Sachverstand, mit dem Loriot in "Papa ante portas" seine Putzfrau fragt "Und wer hilft Ihnen eigentlich zuhause?".
Vornehm geht die Welt zugrunde und ich schreibe nur dagegen an, weil ich mir nicht nachher den Vorwurf machen moechte, es nicht wenigstens versucht zu haben.
Die Geschichte lehrt mich aber bisher nicht, dass es je was genuetzt haette.

dickbrettbohrer, am 29. Dezember 2009 um 10:50 ( Link )

Liebe Graue Eminenz,
es scheint, wir haben vieles gemeinsam. Das Gesundheitswesen – besser Krankheitsunwesen – habe ich vor zehn Jahren enttarnt und habe mich seither ganz aus dem Betrieb verabschiedet, was Freunde und Bekannte als „selbstmörderisch“ betrachten, weil sie ihr eigenes Wohlergehen vermeintlich dem planwirtschaftlichen Wirken der Weißkittel und der Pharmaindustrie zuschreiben. Das ist ja nun ein weites Feld und gehört nur am Rande hierher. Ich lebe, wie Sie, von natürlicher Nahrung, verhalte mich asketisch und hoffe, daß ich damit von Zivilisationsschäden weitgehend verschont bleibe.
Ich halte mir zugute, daß ich mein ganzes Leben lang ohne „Subventionen“ des Staates zurechtgekommen bin und mich aus eigener Kraft erhalte. Das erfüllt mich mit einer Art Stolz, den die staatlichen Nesthocker nicht kennen.

Aber ich schweife ab.

Seit Wochen lese ich – langsam und stückweise, denn man muß jeden Abschnitt durchdenken und gedanklich kommentieren – das hervorragende Werk von Ludwig von Mises: “Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel“. Es ist nicht das erste Buch, welches ich von Mises lese. Zur Zeit taste ich mich durch den Abschnitt „Geldwertpolitik“, das paßt zu diesem Blogthema. Mich juckt es in den Fingern, abschnittsweise zu zitieren, was Mises über die Politik der Inflationierung schreibt. Obschon das fast 100 Jahre her ist, klingt es so, als sei es angesichts der aktuellen Lage verfaßt! Die Zusammenhänge sind nicht schwer zu verstehen, man schnappt beim Lesen förmlich nach Luft, wenn sich die Widersprüche zwischen Propagandarhetorik und Wirklichkeit (die ja jeder fühlt) auflösen und dem nagenden Unbehagen plötzlich Worte verleiht. Durch sophistische Tricks der Machthabenden entstehen Wieselwörter, die das Denken des naiven Bürgers vollkommen verbiegen. Er traut seinem eigenen Verstand nicht mehr.
Der Mensch glaubt immer an Wörter mehr als an die Realität. Er sieht nur die Oberfläche. Nur wenigen ist es gegeben, das Wesen hinter den Dingen zu erblicken – und die dann aufkeimende Angst auszuhalten. Die Kulisse wird für das Echte gehalten. Dies erklärt den weitverbreiteten Irrtum, Geldnoten erzeugten Reichtum. Der Intellektuelle, der Ökonom, sie sind als Halbgebildete und Zahlengläubige noch verblendeter als der gemeine Mann aus dem Volk, dem immerhin noch etwas Bodenhaftung geblieben ist.
Jedem, dem wirklich an Aufklärung des Gefühlsknotens zu tun ist, an dem wir doch alle leiden, sollte die Schriften der meisterhaften „Österreicher“ lesen. Er lernt etwas für sein ganzes Leben und muß nicht unflätiges Zeugs in kultivierten Foren ausspucken, als sei er ein ungehobeltes Lama.

Harald Henke, am 29. Dezember 2009 um 10:51 ( Link )

@Rüdiger Märzen:

-- Könnten Sie bitte ergänzen wie der bevorstehende Sturz des Dollars in Verbindung mit einer eventuellen hyperinflationären Depression im Dollarraum negative Auswirkungen auf die Eurozone haben sollte?

1. Natürliche und juristische Personen in der Eurozone dürften Milliarden in US-Dollar denominierten Assets halten. Ein Absturz des Dollars würde zu entsprechenden Vermögensverlusten führen. Verluste bei Banken würden zu einem Rückgang der Kreditversorgung mit einhergehender Rezession führen.

2. Eine hyperinflationäre Depression mit Dollarabsturz würde die internationale Arbeitsteilung bis hin zum Stillstand verlangsamen. Die USA würden als Absatzmarkt für europäische Produkte ausfallen. Die damit verbundene massive Anpassung der Produktionsstrukturen in Europa würde auch hierzulande eine schwere Rezession auslösen.

3. Ein Absturz des US-Dollar würde mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einer konzertierten Abwehrreaktion der globalen Zentralbanken führen. Die Gefahr besteht, daß durch politische Maßnahmen zusätzliche Inflation in den Rest der Welt exportiert wird.

4. Eine Hyperinflation in den USA würde zur Flucht in die Sachwerte (Immobilien, Rohstoffe etc.) führen. Wenn deren Dollar-Preise nicht nur durch den Dollarverfall sondern auch durch explodierende Nachfrage steigen, ist davon auszugehen, daß die Preise auch in anderen Währungen gerechnet stark ansteigen.

5. 6. 7. ...

Wenn der US-Dollar abstürzt, werden wir hier mit Sicherheit nicht unverschont in der Oase der Seeligen sitzen.

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 11:24 ( Link )

@dickbrettbohrer
Leider nur in Englisch, aber die m.E. umfassendste elektronische Bibliothek aller "oesterreichischen" Literatur ist hier (leider meist nur in Englisch, auch da, wo der Ursprung Deutsch oder Franzoesisch etc. war):
http://mises.org/books/
bzw.
http://mises.org/literature.aspx?action=subject&Id=117
und
http://mises.org/sitemap.aspx
@Harald Henke/Maerzen:
"3. Ein Absturz des US-Dollar würde mit einiger Wahrscheinlichkeit zu einer konzertierten Abwehrreaktion der globalen Zentralbanken führen."
Der fatale Mechanismus ist ja, dass diese schwachsinnigen Zentralbankdirektoren Stuetzungskaeufe taetigen, d.h. sie kaufen z.B. Dollar auf. Damit "stabilisiert" sich zwar der Dollar"wert" voruebergehend, dafuer aber haben sie eigenes (neues, ungedecktes) Geld in Umlauf gebracht UND sitzen nun auf Waehrungs"reserven" der gestuetzten Waehrung, die sie ja nicht wieder verkaufen koennen, sonst stuerzt sie erneut ab.
Sie koennen also nur immer weiter gegenseitig sich ihr wertloses Geld abkaufen ("Intervention am Devisenmarkt" nennt sich das - Interventionen sind stets Vorboten von Kriegen, jedenfalls im nicht-Orwellschen Sprachschatz).
Da das nie rueckgaengig gemacht werden kann, funktioniert das also immer nur so lange, wie die Marktteilnehmer zu glauben bereit sind, die Stuetzung wuerde wirken.
Und wie George Soros selbst seine Milliarden gemacht hat, wissen wir: er hat ein Gespuer dafuer, wann es nicht mehr wirkt und kauft dann Put-Optionen.
M.a.W.: das geht vielleicht noch ein paar mal gut, dann aber kommt der "Zahltag" und der Euro bricht zusammen, weil Trichet so freundlich war, den Dollar zu stuetzen oder umgekehrt.
Geld "drucken" schafft eben keine Werte, und mit gefaelschtem Geld anderes gefaelschtes Geld kaufen, macht dieses nicht wertvoller, im Gegenteil.
Ist aber zu einfach, als dass Trichet, der ansonsten der Literatur mehr zugetan ist, oder Bernanke, der ansonsten Studenten beim Grillfest umgarnt, es begreifen koennten. Wozu auch, bestimmt haben DIE ein paar inflationsgesicherte Anleihen im Depot und ansonsten auf Sachwerte spekuliert. Auch reich heiraten soll machem geholfen haben, und dazu gehoert nicht soviel Verstand wie Herr von Mises ihn besass ...

EmilS, am 29. Dezember 2009 um 11:54 ( Link )

Bevor ich in Gold "investiere", lege ich mir doch lieber noch zwei ha Wald zu.

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 12:03 ( Link )

Und den Wald beleihen Sie dann, um Speck und Eier zu kaufen?
Der Grund, warum die Menschheit nach Jahrtausenden sich immer wieder fuer Gold entschieden hat, war vor allem, dass es knapp, beliebig stueckelbar und chemisch bestaendig ist.
Und um es nicht mit herumschleppen zu muessen, hat die Menschheit Hinterlegungsscheine fuer gebunkertes Gold erfunden - die Banknoten. Bis jemand auf die Idee kam, davon mehr zu drucken, als er Gegenwert gebunkert hatte. DANN wollen alle ploetzlich wieder das Gold sehen, und die, die zu spaet am Schalter erscheinen, gehen dann leer aus, der sog. Bank Run.
Ein Hektar Wald am Amazonas hat aber einen andern "Wert", als vor den Toren Duesseldorfs ...

hoeppe, am 29. Dezember 2009 um 12:06 ( Link )

@GraueEminenz

Nur noch mal zu Klarstellung. Ich gebe nur das wieder, was ich meine zu beobachten und ich beobachte das Staatstreiben als Big Player im Wohlstandswettlauf und lasse mit keiner Silbe verlauten, dass ich diesen Umstand positiv Bewerte.

Der Wirtschaftsliberale muss dagegen an ein staatsfreies Wirtschaftstreiben und ein daraus resultierendes mehr an Wohlstand (?!) glauben, weil wir ein staatsfreies wirtschaften bisher nur bei den Wilden, mit eher geringerem materiellen Wohlstandsniveau, beobachten durften, nicht in den sogenannten Hochkulturen.

In der DDR

Das zwischen Staatspräsenzen der vergangenen 20.000 Jahren gewisse Unterschiede bestehen ist mir schon klar. Das Experiment DDR ist vorerst gescheitert und so sollten wir in der Debatte vorerst beim existierenden BRD-Regime bleiben.

Was die Staats-Intervention und deren Segnungen angeht: die ersten bahnbrechenden Erfindungen, die mir meinen heutigen PC beschert haben, begannen in einer Garage (Apple, Jobs und Wozniak) und in einem kleinen Startup namens Microsoft, das einen der reichsten Maenner der Welt hervorgebracht hat. Auch andere, etwa Dell oder Amazon entstanden quasi "aus dem Nichts".

Ach nee? Bahnbrechende Erfindungen in einer Garage? Konrad Zuse ist an öffentlichen Bildungseinrichtungen in den USA groß geworden und Joseph Weizenbaum in einer Garage mit dem Namen General Electric und das Internet entspring bekanntlich aus Militärkreisen. Mit Ihren Beispielen berufen Sie sich hier nicht auf bahnbrechende Erfindungen sonder den kommerziellen Erfolg.

Und wo wäre Herr Gates ohne IBM und wo wären die Herren ohne auf staatlichem Papiergeld beruhender Kreditierung und Vorfinanzierung? Amazon ist massiv überschuldet und nach liberaler Wirtschaftsschule längst pleite usw. usw. Entflechte ich Wirtschaft und Staat, bleibt von unserem Wohlstand und den Global Playern nicht mehr viel übrig.

Da wird einfach irgendetwas aus dem Zusammenhang gerissen, in den luftleeren Raum gestellt und als „an sich“ erfolgreich präsentiert.

Was ich vom Mechanismus der Dorfgemeinschaft geschrieben habe, gilt doch auch und gerade für jedes beliebig groessere Gemeinwesen, es ist doch ein naturgesetzlicher Vorgang.

Welches Gemeinwesen? Ich trage Turnschuhe, die kostengünstig in China produziert wurden. Das nennen Sie Gemeinwesen?

Die Physik ist da schon einen Schritt weiter und hat festgestellt, dass ihre Naturgesetze sowohl im Kleinen als auch im Großen nicht greifen. Nur der liberale Denker hat es noch nicht kapiert. Seine Idee von Eigentumsrechten am eigenen Selbst muss ich als Vater im Familienkreis in die Tonne treten um meiner Rolle auch nur halbwegs gerecht zu werden. In der Wirtschaftstheorie kommt der liberal Denker mit Robinson, der auf seiner einsamen Insel binnen Jahresfrist verrecken würde oder sich an einer Palme erhängt. Um der globalen Wirtschaftsverflechtung gerecht zu werden bohrt man das Modell auf und argumentiert mit Bäcker und Putzfrau. Sorry, aber das genügt mir nicht.

Dass man (bestimmte) Auslaender nicht moegen muss, sei Ihnen unbenommen – dass sie aber an unsere Tueren klopfen, ist Folge staatlicher Politik, erst des echten, spaeter des Neo-Kolonialismus, die EU immer vorne dabei. Waeren unsere Einriffe in die internationalen Maerkte nicht, gaebe es keine Wirtschaftsfluechtlinge, nein, gerade je unterentwickelter ein Land, desto groesser der anfaengliche Gewinn durch Arbeitsteilung.

Volle Zustimmung! Nur wo stand Ihre Denkschule als im 19. Jahrhundert unter der Flagge der Marktwirtschaft und liberalen Hochrufen den Ausländern die Tür eingerannt wurde um die Vorzüge des arbeitsteiligen Wirtschaftens mit den notwendigen Ressourcen zu befeuern?

Dem liberalen Denker halte ich vor, dass er keine blassen Schimmer hat wo er herkommt und ich halten dem liberalen Denkern vor, dass er keine Ahnung hat wo er hin will. Er bastelt sich Modelle, die im Kern zurück auf die Bäume (in die Dorfgemeinschaft) führen und merken es nicht. Der liberale Denker kommt aber, beladen mit seinem streben nach Wohlstand und ökonomischen Wirtschaftsdenken, nicht auf den Baum rauf, schlimmer noch, er muss reglos in der Gegend rum sitzen und zusehen, wie ihm die Sozis die Butter vom Brot nehmen.

Na, erstmal muss was her zum Verkaufen, bevor es ueberhaupt Gewinn gibt, geben kann, ES SEI DENN, der Staat hat wieder mal seine Finger im Spiel

Grau ist Ihre Theorie.

Zeigen Sie mir, in drei Teufels Name, den Kulturkreis, in dem der gewinnbringende Verkauf im Wirtschaftsleben eine nennenswerte Rolle spielt und der Staat NICHT SEINE FINGER drin hat.

EmilS, am 29. Dezember 2009 um 12:08 ( Link )

@GraueEminenz

"Und den Wald beleihen Sie dann, um Speck und Eier zu kaufen?"

Weshalb sollte ich? Ich verfüge über das notwendige Gerät, den Wald bewirtschaften zu können; den Ertrag (Holz) tausche ich dann meinetwegen gegen Speck (Eeier legen meine eigenen Hühner).

Haderach, am 29. Dezember 2009 um 12:10 ( Link )

@hoeppe
Grundsätzlich hat "GraueEminenz" schon umfangreicher und fundierter geantwortet als ich das könnte. Trotzdem ein Vorschlag:
Versuchen Sie doch einmal selbst ein Produkt herzustellen oder einfacher, eine Dienstleistung zu erbringen. Und zwar so dass Ihnen dieses Produkt/Leistung von freien Menschen aus freiem Willen abgekauft wird. Würden Sie dabei einen Gewinn erwirtschaften hätten Sie einen Beitrag zum BIP geleistet. Sie würden dabei für Ihr Produkt/Dienstleistung jahrelang haften müssen, und würden umfangreich mit einer gigantischen Bürokratie in Berührung kommen. Sie würden sehr schnell verstehen wo der Unterschied zwischen produktiver, Werte schaffender Arbeit, und blockierender, Werte vernichtender Bürokratie liegt. Ich bin sicher Ihr Unternehmerbild würde sich grundlegend ändern, und Ihre Kommentare würden ganz anders aussehen.

hoeppe, am 29. Dezember 2009 um 12:29 ( Link )

@dickbrettbohrer

„ALLE Probleme, die gerade die sozialreformerisch eingestellten Kritiker des Liberalismus stets vorbringen, waeren doch gar nicht vorhanden ohne diese Zwangsmassnahme!“

Verehrter Mystiker, wir wollen uns doch bitte an den bekannten Zeitstrahl der Ideengeschichte halten. Erst kam Adam Smith, dann die Sozialreformen, oder irre ich mich etwa?

So hat sich, der in Ihrem Bild gezeichnete gesunde Mensch, erst das Krebsgeschwür von Adam Smith eingefangen und wurde anschließend von der staatlich verordneten Chemotherapie soweit geschwächt, dass er nun an einer Lungenentzündung krepiert.

In diesem System funktioniert nichts mehr auf natürliche Weise

Und in der liberalen österreichischen Wirtschaftsschule funktioniert irgendwas auf natürlich Weise? Wenn ja, wieso hat sich diese natürlich Weise nicht auf natürliche Weise entfaltet? Liegt im Menschen etwas etwas unnatürliches verborgen, das immer und immer wieder aus ihm herausbricht?

Wann wurde diese natürlich Weise zerstört? Mit dem Auftreten des Staates? Geben Sie mir mal bitte einen Hinweis.

Das unlösbare Dilemma besteht nun darin: Die Zerschlagung der Hilfsstrukturen, deren Vorhandensein und Funktion das Leben der „Staatsbehinderten“ garantiert, ist ein Ereignis, das man sich weder vorstellen noch wünschen kann. Es würde mit ungeheuren Verlusten einhergehen: unbeschreibliches Leid, Ungerechtigkeit (schicksalhaft), Verschiebung von Vermögen, Existenzvernichtung und vorübergehender Zerfall allen geregelten sozialen und wirtschaftlichen Wirkens wären die Folge. An diesem – leider realistischem – Bild scheitern jene, die aufgrund des Grauens, das einen beschleichen kann, lieber einer Fortsetzung der Entmündigung das Wort reden als der Genesung.

Mein reden! Unser gesamter Wohlstand ruht auf dem Staat. Wird diese Hilfsstruktur zerschlagen, zerfällt alles.

In welchem Umfang sich Wohlstand im staatsfreien Raum entfaltet, kann mir hier leider keiner plausibel darlegen.

Erkenntnis zwingt zum Handeln, Handeln ist unbequem.

Richtig, nach den Erkenntnissen in Aufklärung und Ökonomie wurde 200 Jahre lang reichlich gehandelt. Wobei weniger das Handeln an sich, als vielmehr die Ergebnisse als unbequem zu bezeichnen sind.

Meine Erkenntnis zeitigt bei mir genau das gegenteilige Phänomen…, einfach mal locker lassen…

Was aber soll geschehen? Womit beginnen?

Gute Frage! Der mit Vernunft und Ratio beseelte Mensch ist mal wieder am Ende und Ihr aufgezeigtes Szenario wird greifen. Leider sitzen auch Sie offensichtlich wie das Kaninchen vor der Schlange.

Und womit beginnen? Ich beginne einfach mal mit meinem Konfirmationsspruch von vor 25 Jahren: „Fürchte dich nicht sondern sei fröhlich und getrost“

FritzLiberal, am 29. Dezember 2009 um 13:03 ( Link )

@EmilS: viel Spaß dabei, wenn der Staat seine Hand auf Ihr Waldgrundstück legt. Ist es doch sozial ungerecht, wenn einer wie Sie soviel besitzt und viele andere nicht, oder? Da muss der Staat doch ganz zwangsläufig für Ausgleich sorgen, von wegen sozialer Gerechtigkeit und so. Wenn Sie Glück haben, dürfen Sie den Wald dann noch bewirtschaften, der Gewinn wird sozialisiert.

Wenn es hart auf hart kommt, stecke ich mein Gold in die Tasche und bin weg. Der Staat kann mich dann kreuzweise.

hoeppe, am 29. Dezember 2009 um 13:07 ( Link )

@Haderach

Danke für die Rückmeldung!

Versuchen Sie doch einmal selbst ein Produkt herzustellen oder einfacher, eine Dienstleistung zu erbringen. Und zwar so dass Ihnen dieses Produkt/Leistung von freien Menschen aus freiem Willen abgekauft wird. Würden Sie dabei einen Gewinn erwirtschaften hätten Sie einen Beitrag zum BIP geleistet. Sie würden dabei für Ihr Produkt/Dienstleistung jahrelang haften müssen, und würden umfangreich mit einer gigantischen Bürokratie in Berührung kommen. Sie würden sehr schnell verstehen wo der Unterschied zwischen produktiver, Werte schaffender Arbeit, und blockierender, Werte vernichtender Bürokratie liegt. Ich bin sicher Ihr Unternehmerbild würde sich grundlegend ändern, und Ihre Kommentare würden ganz anders aussehen.

Sie meinen also, ich sollte den ganzen Mist mit machen, um einen Beitrag zum BRD-BIP zu leisten? Ich dachte wir wollen den Laden in die Knie zwingen? Und jetzt schlagen Sie mir vor, den Leviatan vollkommen ohne Not über gebühr mit meiner Schaffenskraft zu füttern? Auf den Ruhm und die Eher, den Saustall bis zur letzten Minute am Laufen zu halte, verzichte ich gerne. Zumal die jungen Flaghelfer, die der Führer während seines letzten öffentlichen Auftritts auszeichnete, rückblickend auch eher im Zwielicht der unreflektierten Systemtreue an zu siedeln sind.

Ich beneide Sie natürlich nicht und habe im Moment nicht vor mit Ihnen zu tauschen. Da Sie allerdings niemand zwingt Unternehmer zu sein, hält sich mein Mitleid anderseits auch in Grenzen. Sollten alle Unternehmer Ihre Rolle vorläufig aufgeben, so wäre dies ein riesen Schritt hin zur Forcierung der bevorstehenden Abwicklung der Republik, der hier ja alle entgegenfiebern. Soweit geht dann aber die Selbstlosigkeit doch nicht. Stattdessen organisieren sich mehr als 80.000 Unternehmer in der BRD freiwillig in Branchenverbänden um im politischen Reigen der widrigen Umstände noch das Beste für sich raus zu holen.

Der Weg wir lang und steinig… und nur die Ereignisse werden uns belehren.

dickbrettbohrer, am 29. Dezember 2009 um 13:12 ( Link )

Hab ich's nicht gesagt? Die Lamas sind da!

hoeppe, am 29. Dezember 2009 um 13:24 ( Link )

@FritzLiberal

Wenn es hart auf hart kommt, stecke ich mein Gold in die Tasche und bin weg. Der Staat kann mich dann kreuzweise.

Gold ist in der zu erwartenden allumfassenden Umverteilungsmaschinerie das Mittel erster Wahl, um ein sogenanntes Schonvermögen in beliebiger Größenordnung beiseite zu legen.

Harald Henke, am 29. Dezember 2009 um 13:32 ( Link )

-- Bevor ich in Gold "investiere", lege ich mir doch lieber noch zwei ha Wald zu.

Grundsätzlich gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten, sich vor Inflation zu schützen, und Wald ist ja zunehmend populär. Das Problem bei 2 ha Wald ist, neben der oben erwähnten Tatsache, daß Enteignung/Besteuerung/Umverteilung bei Immobilia naturgemäß leichter ist als bei Mobilia, das Klumpenrisiko: Ein Waldbrand an falscher Stelle, der Holzwurm oder vergleichbares Ungemach - und die Rendite sieht anders aus, als der Waldinvestor sich das vorgestellt hat.

hoeppe, am 29. Dezember 2009 um 13:35 ( Link )

@dbb

Hab ich's nicht gesagt? Die Lamas sind da!

Ok, sorry, ich steige dann mal wieder aus und vertreibe mir die Wartezeit auch mit Theorien um das was soll.

Haderach, am 29. Dezember 2009 um 13:45 ( Link )

@hoeppe

"Der Wirtschaftsliberale muss dagegen an ein staatsfreies Wirtschaftstreiben und ein daraus resultierendes mehr an Wohlstand (?!) glauben, weil wir ein staatsfreies wirtschaften bisher nur bei den Wilden, mit eher geringerem materiellen Wohlstandsniveau, beobachten durften, nicht in den sogenannten Hochkulturen."

Wo genau haben Sie den das her? Der Neoliberalismus fordert keinesfalls staatsfreies wirtschaften oder einen schwachen Staat. Das Gegenteil ist der Fall. Die Sicherheit von Freiheit und Eigentum erfodert einen starken Staat, aber keine krebsartige Bürokratiewucherung wie wir sie heut beobachten.

"Nur der liberale Denker hat es noch nicht kapiert. Seine Idee von Eigentumsrechten am eigenen Selbst muss ich als Vater im Familienkreis in die Tonne treten um meiner Rolle auch nur halbwegs gerecht zu werden."

Unpassender kann ein Vergleich wohl nicht sein. Was hat die höchstprivate Entscheidung der Familingründung mit der Wahrung der Eigentumsrechte gegenüber Dritten zu tun?

"Und in der liberalen österreichischen Wirtschaftsschule funktioniert irgendwas auf natürlich Weise? Wenn ja, wieso hat sich diese natürlich Weise nicht auf natürliche Weise entfaltet? Liegt im Menschen etwas etwas unnatürliches verborgen, das immer und immer wieder aus ihm herausbricht?"

Wo wird den nach der österreichischen Schule gewirtschaftet? Mir ist kein Land bekannt in dem Liberalismus im Sinne eines Mises oder Hayek praktiziert wird. Warum sich das nicht durchsetzt ist einfach erklärt: Weil es den Interessen der regierenden Bürokraten und Politikern zu wider läuft. Die Stärkung des Individuums ist nur möglich durch eine Schwächung der Zentralgewalt der Bürokratie und der Politik. Das das nicht passiert ist der systemimanente Fehler der Demokratie, nachzulesen bei Hans Hermann Hoppe.

"Mein reden! Unser gesamter Wohlstand ruht auf dem Staat. Wird diese Hilfsstruktur zerschlagen, zerfällt alles."

Was ist den der Staat? Mit wessen Geldern finanziert er sich, wie eignet er sich diese Gelder an?


Notiz am Rande: Wie beendet man die HTML blockquote, so dass man nach dem Zitat kommentieren kann?

EmilS, am 29. Dezember 2009 um 13:55 ( Link )

@FritzLiberal

Selbst wenn es so kommen sollte, wie von Ihnen prophezeit, kann der Staat nicht kontrollieren, wieviel Holz ich tatsächlich produziere. Zudem unterliegt der Waldbestand unterhalb 5 ha noch keiner Besteuerung. Über diesen Besitz verfüge ich (wenn auch nicht allein) während eines totalen Zusammenbruchs, sowie danach. Das investierte Kapital bleibt also halbwegs erhalten.

@Harald Henke
Natürlich weiß ich um diese Risiken (Waldbrand, Holzwurmbefall), aber ebenso sind Sie dem Risiko ausgesetzt überfallen zu werden, oder völlig legal enteignet zu werden, weil der Staat wieder einmal Goldbesitz zum Straftatbestand erhoben haben wird.

Harald Henke, am 29. Dezember 2009 um 14:13 ( Link )

-- aber ebenso sind Sie dem Risiko ausgesetzt überfallen zu werden, oder völlig legal enteignet zu werden, weil der Staat wieder einmal Goldbesitz zum Straftatbestand erhoben haben wird.

Selbstverständlich gibt es keine 100%ige Sicherheit. Aber zum einen können Sie den Besitz von Edelmetall im Zweifel viel leichter verschleiern als Immoblilienbesitz bzw. sich mit ihrem Edelmetallbestand absetzen. Zum anderen empfiehlt es sich, Edelmetall, das nicht als Notreserve sondern für die langfristige Vermögenssicherung gedacht ist, geographisch diversifiziert in Ländern zu halten, die in der Vergangenheit auch in kritischen Phasen eine Reputation aufgebaut haben, Privateigentum hochzuhalten.

dickbrettbohrer, am 29. Dezember 2009 um 14:20 ( Link )

Notiz am Rande: Wie beendet man die HTML blockquote, so dass man nach dem Zitat kommentieren kann?

Beenden: den Befehl noch einmal eintippen, aber hinter der ersten Klammer einen Schrägstrich eintippen: /

EmilS, am 29. Dezember 2009 um 14:25 ( Link )

@Harald Henke

Sie haben natürlich recht, wobei ich anmekren muß, daß es beim Waldbestand nicht auf die Verschleierung dessen ankommt, was ohnehin kaum möglich ist, sondern vielmehr um das möglichst ungestörte Bewirtschaften.

Zudem fallen mir nicht gerade viele Länder ein, die "in der Vergangenheit auch in kritischen Phasen eine Reputation aufgebaut haben, Privateigentum hochzuhalten" - wenn es um solche geht, die mit dem PKW erreichbar sind. Und auch in diesen scheint der Respekt vor dem Eigentum - nicht ohne Druck aus EU/USA - in jüngster Zeit zu schwinden.

Fabio Bossi, am 29. Dezember 2009 um 14:33 ( Link )

@Graue Eminenz

Hoeppe hatte nach dem monetären (!), also in Geld gemessenen Gewinn gefragt. Brote und Putzleistungen lassen sich aber nicht "sparen", sie verzinsen sich nicht etc..


Welcher Umstand erlaubt es dem Unternehmer beständig X Euro in den Wirtschaftskreislauf zu investieren, die X Euro wieder herein zu holen plus Y Euro Gewinn heraus zu nehmen?
Da es ja um die Summe unseres BIP geht, gemessen in Euro, bitte ich Sie, sich bei der Beantwortung dieser Frage vom Blickwinkel Ihres bedauernswürdigen Einzelschicksals und dem Ihrer Unternehmerkollegen frei zu machen.
Und, da Sie als gestandener Unternehmer sicherlich der doppelten Buchführung mächtig sind, werden Sie mich hoffentlich nicht in die Metaphysik des Mehrwerts entführen, sonder ganz ökonomisch Sachkundig darlegen, wie die Y Euro Gewinn bzw. die zusätzlichen Euros zur Darstellung des wachsenden BIP auf der Bildfläche erscheinen. Dann sehen wir mal weiter…

Ich hoffe immernoch, daß es eine "österreichische" Antwort auf diese Frage gibt. Seit 2008 bin ich nämlich ziemlich agnostisch geworden und lese schon Keynesianer um zu verstehen, was gerade auf der Welt passiert...

@Hoeppe:

Danke für die fundierten Einwände.

hoeppe, am 29. Dezember 2009 um 14:33 ( Link )

@Haderach

Ok..., ich habe Ihre Replik gelesen, möchte nun aber nicht noch mit einer weiterführenden Debatte rund um den Minimalstaat in der offensichtlichen Einhelligkeit erneut zur Last fallen.

FritzLiberal, am 29. Dezember 2009 um 14:43 ( Link )

@EmilS:

Selbst wenn es so kommen sollte, wie von Ihnen prophezeit, kann der Staat nicht kontrollieren, wieviel Holz ich tatsächlich produziere.

Wenn Sie meinen.

oder völlig legal enteignet zu werden, weil der Staat wieder einmal Goldbesitz zum Straftatbestand erhoben haben wird.

Und in welchem "Goldbuch" ist gespeichert, wer wieviel Gold besitzt? Also gilt in diesem Fall: legal, illegal, scheißegal.

Haderach, am 29. Dezember 2009 um 14:50 ( Link )

@dickbrettbohrer

Beenden: den Befehl noch einmal eintippen, aber hinter der ersten Klammer einen Schrägstrich eintippen: /

Danke

hoeppe, am 29. Dezember 2009 um 15:03 ( Link )

Ein Lichtlein in der Finsternis!

@Fabio Bossi… unter uns...

Seit 2008 bin ich nämlich ziemlich agnostisch geworden und lese schon Keynesianer um zu verstehen, was gerade auf der Welt passiert...

Wohl auch zu viel im Blog von WEISSGARNIX und im Gelben-Forum rumgestöbert, oder? Will man mit seinen altväterlichen Überzeugungen abends noch ruhig schlafen, muss von der Lektüre dieser Quellen dringend abgeraten werden.

"Es könnte so einfach sein, is es aber nicht"

Fabio Bossi, am 29. Dezember 2009 um 15:20 ( Link )

@Hoeppe:

Yep. Ich tröste mich aktuell noch mit Mish Shedlock, dem einzigen "deflationistischen" Austrian, der mir spontan einfällt.
Lösungen bieten die Gelben Debitisten oder Weissgarnix nämlich auch nicht an, außer Fatalismus und Substistenzwirtschaft. Der libertäre "common sense"-Ansatz der Austrians gefällt mir immernoch am besten und ich hoffe, daß der weiße österreichische Ritter noch kommt, den ich wieder idealistisch anhimmeln kann...

Bin übrigens auch "selbsständig" und würde mich als "Kapitalist" (im Sinne von "Freund der freien Marktwirtschaft") bezeichnen, allerdings aus denselben humanistisch-angehauchten Motiven, deretwegen ich früher meinte, "links" sein zu müssen. Ich würde mich also durchaus als sehr "sozial" bezeichnen. Mein "Aha"-Effekt, der mich zum "Libertären" konvertiert hat war die Erkenntnis, daß ich verdammt nochmal niemanden zwingen darf meine noch so "guten Absichten" zu teilen. Das nur, weil Du kein besonders gutes Bild von "liberalen Träumern" zu haben scheinst.

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 16:06 ( Link )

Ich komme ja gar nicht mehr hinterher ... Das hier ist auf den Kommentar von 12:06 Uhr.
Teil I:
Lieber Hoeppe,
"weil wir ein staatsfreies Wirtschaften bisher nur bei den Wilden, mit eher geringerem materiellen Wohlstandsniveau, beobachten durften,"
Die Wirtschaftsgeschichte lehrt anderes: "staatsfrei" waren bis Roosevelt kam und die Depression bis in den Krieg hinein verlaengerte, auch die USA so ziemlich. Ein Normalverdiener zahlte weder Einkommensteuer noch bezog er staatliche Leistungen, UND IN DIESER ZEIT, von Gruendung 1776 bis 1929 lag der grosse wirtschaftliche Aufschwung. Davor war zwar bereits 1913 die Federal Reserve gegruendet, aber die wirklich hemmungslose Inflationspolitik begann erst mit der Erfindung des "modernen" Sozialstaats.
Warum geben Ihnen viele Ihrer Beobachtungen dennoch recht (zu weiteren Entgegnungen unten)? Weil wir beide von einem hundertstoeckigen Hochhaus, sie gesprungen, ich geworfen, sind/wurden, und auch nach neunundneunzig Stockwerken ist noch nichts passiert. Sie interpretieren dieselben Phaenomene nur anders, sie finden den Flug atemberaubend schoen, mir raubt er den Atem, ich denke an den Aufprall, sie geniessen den Flug und, richtig, ohne staatliche Intervention gaebe es vermutlich nicht mal Hochhaeuser, siehe Tokio in den achtzigern vor dem Crash, als man mit einem Quadratmeter Boden dort eine ganze Stadt anderswo haette kaufen koennen – Folge inflationaerer Zentralbankpolitik und planwirtschaftlicher Steuerung durch das MITI.
Bis auf Anarcholiberale haben die meisten Liberalen einen Staat in bestimmtem geringem Umfang fuer notwendig gehalten, den von den Etatisten verspotteten "Nachtwaechterstaat", der eben nur vor Eingriffen schuetzen, nicht selbst auch "am Tage", gar "rund um die Uhr" eingreifen sollte.
"staatsfreies Wirtschaften bisher nur bei den Wilden" – auch der Teilsatz verkennt die Zusammenhaenge: erst ab einem gewissen Grad der Arbeitsteilung bleibt genuegend Sozialprodukt uebrig, um einen Staat, was nichts anderes heisst als: Beamte!, zu ernaehren. Staat ist immer entstanden, weil manche statt selbst produktiv zu arbeiten von der Arbeit anderer bequem leben wollten. Hat der Bauer im Mittelalter davon profitiert, dass der Staatswald ihm verboten war, die fuerstlichen Wildschweine aber seine Felder gepluendert haben.? OHNE Staat waere die mittelalterliche Wirtschaft ohne weiteres denkbar, nicht aber der Dreissigjaehrige Krieg. Ohne staatliche Strassenbauverwaltung hat man auch die Waren zum Markt gebracht, Strassen waren dagegen Heerstrassen, deren Bau mittels Zwangsarbeit ("Steuern in Form von Naturalleistungen") das Sozialprodukt schmaelerte, nicht erhoehte.
"Konrad Zuse ist an öffentlichen Bildungseinrichtungen in den USA groß geworden" – mag schon sein, aber das beweist nicht, legt nicht einmal nahe, dass er dasselbe Wissen nicht anderswo auch erworben haette. Jedenfalls hat er seine Rechner Z1 und Z2 auf dem Wohnzimmertisch seiner Eltern angefertigt, waehrend er tagsueber als Statiker bei den Flugzeugwerken arbeitete. Sowohl das staatliche Patentamt wie spaeter die staatsnahen IBM (die "Hollerith-Maschinen" wurden ja zur Volkszaehlung eingesetzt – wieder so ein Staats-Nonsens) haben die "Erfindungshoehe" wie auch den Marktwert der Computer VOELLIG verkannt (IBM-Watson: "Bedarf fuer hoechstens fuenf Computer weltweit") die kleinen unabhaengigen Erfinder haben in der gesamten Geschichte der Computerei immer erst den Boden bereitet fuer die spaeteren Erfolge!
SAP, heute weltgroesster Business-Software-Konzern, gegruendet auf einer Couch in Walldorf in den Siebzigern von sechs Leuten, die ihre Lebensstellungen bei IBM VERLASSEN haben – alles staatlicher Geburtshilfe zu verdanken? Die Beispiele koennten endlos fortgesetzt werden.
"Internet entspringt bekanntlich aus Militärkreisen" – na ja, das ARPANET ist kaum noch wiederzuerkennen. Etatist und Klima-Leugner Al Gore hat allen Ernstes mal behauptet, er habe dem Internet zum Durchbruch verholfen, dabei waren es die kleinen Bastler, Radio-Shack, Zenith, Osborne u.a., die erst das Potential erkannt und was draus gemacht haben. Die Argumentation mit den Staats-Vorleistungen verkennt, dass der Staat mittlerweile UEBERALL ist und man daher immer jemanden findet, der "beim Staat in der Schule war" (als ob man nicht ohne Staat sich besser bilden koennte), "mit dem staatlichen Eisenbahnzug gefahren ist" (so als ober nicht auch ohne verstaatlichtes Eisenbahnwesen an sein Ziel gelangt waere) usw. Das beweist doch in keinem Fall, dass derselbe Erfolg nicht, und zwar kostenguenstiger, OHNE Staat eingetreten waere. Warum haben denn ein paar Millionen US-Buerger keine Krankenversichedrung? Weil DER STAAT in USA den Versicherern verbietet, bestimmte Vertragsgestaltungen einzugehen, z.B. nach Vorerkrankungen zu differenzieren. Das hat immer wieder und immer mehr aus dem an sich moeglichen Schutz herausgedraengt – und was Obama nun hat beschliessen lassen, setzt diese Elends-Story nahtlos fort. Nun wird der Kontrahierungs-ZWANG eingefuehrt – das ist PLANWIRTSCHAFT. "Der Staat ist die Krankheit, fuer deren Heilung er sich haelt."
"Und wo wäre Herr Gates ohne IBM und wo wären die Herren ohne auf staatlichem Papiergeld beruhender Kreditierung und Vorfinanzierung?" Das ist so nicht der Fall gewesen: Apple-Computer und andere haben damals "forward financing" betrieben (wie sie esspaeter nannten, s. u.a. Steve Jobs Autobiographie – Jobs und Wozniak und andere Garagenbetriebe haben Annoncen in (nichtstaatliche) Computer-Zeitschriften gesetzt und ihren Computer, der i.W. nur auf dem Papier bestand, angeboten und wurden dann mit Schecks ueberhaeuft von Leuten, die unbedingt einen haben wollten. "Build a better mousetrap and the world will beat a path to your door" (auch wieder ohne Staatsstrasse …).
Bill Gates und Microsoft haben mitnichten von staatlicher Vorfinanzierung gelebt, IM GEGENTEIL, Gates hat widerstrebend erst eine Lobby-Abteilung in Washington aufgebaut, als der Staat ihn so verfolgte, dass er zu begreifen begann, dass JEDER erfolgreiche Unternehmer sich an diesem schaendlichen und vermoegenszehrenden (boesen) Spiel beteiligen muss, will er nicht untergehen. Chodorkowsky laesst gruessen. USA und EU haben mit die reguliertesten Maerkte der "freien" Welt.
Der milliardenschwere Foerdertopf "Humanisierung des Arbeitslebens" der sozialliberalen Koalition in den Siebzigern waere voellig ueberfluessig gewesen, wenn es stattdessen ein HAFTUNGSRECHT gegeben haette, das, zur Not bis hin zum Aktionaer, den in die Pflicht nimmt, der eine unsichere Maschine konstruiert, herstellt, ver- und letztlich betreibt. Ein paar schoener geformte Bedienhebel sind bei dem ganzen Subventionsaufwand herausgekommen. Bezahlt haben alle die, die mit den Hebeln gar nie in Beruehrung kommen …
Stattdessen haben wir Berufsgenossenschaften, die nicht versicherungsmathematisch kalkulieren (dazu gehoert aber auch zuviel Intelligenz), sondern im Umlageverfahren Beitraege erheben, so dass die von ihnen beguenstigte Asbest-Katastrophe nicht den Verursachern, sondern den unschuldigen Nachfolgern (bis heute) aufgebuerdet wurde. Die US-Industrie wollte von Asbest in den vierziger Jahren auch nichts wissen, wurde aber vom Roosevelt-Verteidigungsministerium gezwungen (per Ausschreibung), es im Schiffbau etc. zum Brandschutz zu verwenden (ODER auf Auftraege zu verzichten – was Procter und Gamble uebrigens getan haben, als man ihnen die Zusammensetzung des zu liefernden Waschmittels vorschreiben wollte – Obama wuerde auch diesen Widerstand noch brechen, siehe die Gesundheits"reform").
Das Asbest hat u.a. den Johns-Manville-Konzern und einige Versicherer den Kopf gekostet – verurteilt von ebenfalls staatlichen Gerichten … Aber auch hier: da es ein Haftungsrecht nicht gab, haben saemtliche Aktva der Asbest-Konzerne nicht gereicht, die Schaeden auszugleichen. HAETTE es dagegen ein solches Haftungsrecht gegeben, waere die Asbest-Verwendung wegen der unkalkulierbaren Folgen, fuer die die Rueckstellungen in der Bilanz nicht gereicht haetten, nie gegeben. Gleiches gilt fuer (grosse Teile der) Gentechnik, Zigaretten, Atomkraft u.v.a.m. und HIER haben sie recht – diese Branchen gaebe es nicht ohne staatliche Foerderung und Protektion, jedenfalls nicht so.

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 16:06 ( Link )

Teil II:
"Amazon ist massiv überschuldet und nach liberaler Wirtschaftsschule längst pleite" (zur Frage, was Liberalismus ist, weiter unten) - Kredit kommt von lat. "credere" (glauben) – wenn Kreditgeber (und vor allem Aktionaere, d.h. es sind selbst Unternehmer) Amazon Geld geben, dann deshalb, weil sie GLAUBEN, dass es sich in Zukunft auszahlt. Oft haben sie sich verrechnet in der Wirtschaftsgeschichte (Suezkanal, Channel Tunnel …). Aber gerade als Aktionaer muss man ja nicht alles auf eine Karte setzen, sondern kann zehn Prozent Amazon- und 90 Prozent andere Aktien ins Portefeuille legen. Wenn Amazon heute (und immer noch, obwohl oft totgesagt) dennoch existiert, dann weil sein KONZEPT mehr wert SEIN MUSS als seine Schulden; das nennt man den "derivativen Firmenwert". Gegen den kann niemand anargumentieren, nicht Sie, nicht ich, er bildet sich in den Augen und der Meinung derer, die das Geld geben. SIE halten Amazon fuer ueberschuldet, ich bin neutral, andere glauben, es sei ihr ideaes Investment. Was aber hat das mit dem Staat zu tun? Amazon wurde bestimmt nicht vom Staat gegruendet … (auch Jeff Bezos Biographie habe ich etwas naeher angesehen; dennoch kaufe ich lieber im Buchladen).
"Welches Gemeinwesen? Ich trage Turnschuhe, die kostengünstig in China produziert wurden. Das nennen Sie Gemeinwesen?" Ja, Herr Hoeppe, ich kann Ihren Anmerkungen zu Auslaendern entnehmen, dass sie sie nicht alle moegen, aber nolens volens sind Sie, gerade Sie, mit Chinesen zusammen eine Arbeitsteilung eingegangen. Nach dem Krieg oder im oktoberrevolutionaren Russland des idyllischen Doktor Schiwago haben wir dagegen Fusslappen selbst hergestellt. Wollen wir dahin zurueck?
Und, verwegen gefragt, da das Thema ja auch bestimmt noch kommt: wenn wir den Chinesen oder anderen die Kinderarbeit verbieten, bekommen die Kinder dadurch mehr zu essen?
Wenn Sie einem Fiat einen Mercedes-Stern aufpappen, macht das den Hobel noch lange nicht zum Mercedes. Und wenn jemand Herrn Roesler und Herrn Westerwelle den Liberalismus-Aufkleber anpappt, macht es diese Staatssozialisten noch lange nicht zu Liberalen. Ich habe also an manchen Stellen, wo Sie den Liberalismus kritisieren, das Problem, dass Sie recht haben, weil das, was Sie kritisieren, keiner ist (vgl. Ihre Auffassung zum Kolonialismus). Aber dadurch werde ich natuerlich nicht zum Verteidiger derer Kapriolen, es macht die Diskussionen nur sehr kompliziert.
"Nur der liberale Denker hat es noch nicht kapiert. Seine Idee von Eigentumsrechten am eigenen Selbst muss ich als Vater im Familienkreis in die Tonne treten um meiner Rolle auch nur halbwegs gerecht zu werden." Ich weiss nicht, wie es in Ihrer Familie zugeht, aber Kindererziehung hat mit Liberalismus nicht direkt etwas zu tun. Liberale tun, anders als unser "moderner" Staat, eines nicht: sie greifen nicht in anderer Leute Privatsphaere ein. Daher ist diese Diskussion vor dem Hintergrund des Liberalismus schlecht zu fuehren, dessen bekanntes Motto ja lautet: "Jeder soll nach seiner Facon selig werden".
"In der Wirtschaftstheorie kommt der liberal Denker mit Robinson" – WELCHER Liberale? Liberale reden, siehe meine anderen Beitraege, NICHT von Robinsoniaden, sondern eben gerade von Arbeitsteilung, und zwar von Leuten, die sich nicht einmal kennen (und daher auch nicht leiden koennen) muessen, so wie Sie und die Chinesen. Dennoch geht es dem Chinesen DANK IHNEN besser als ohne diese Arbeit in der Schuhfabrik und Ihnen offenbar auch, sonst haetten Sie ANDERE Schuhe gekauft?!
"Nur wo stand Ihre Denkschule als im 19. Jahrhundert unter der Flagge der Marktwirtschaft und liberalen Hochrufen den Ausländern die Tür eingerannt wurde um die Vorzüge des arbeitsteiligen Wirtschaftens mit den notwendigen Ressourcen zu befeuern?" Ich glaube, die Diskussion hatte ich schon mal mit "James Blond" in diesem Forum. um es kurz zu machen (siehe Fat und Mercedes): Liberale waren ANTI-Kolonialisten. Liberale setzen auf freiwilligen Welthandel, OHNE HERMES-Buergschaften, OHNE toedliche Entwicklungshilfe ("Toedliche Hilfe" von Erler) und GANZ ohne Interventionen, ob an Devisenmaerkten oder per Kanonenboot ("Hunnen-Rede" Kaiser Wilhelms); ohne staatlich verliehene Monopole wie East IndiaCompany – das ist GERADE DAS GEGENTEIL des Liberalismus, dessen Vertreter im Uebrigen auch zu den lautstaerksten Abolitionisten, den SklavenBEFREIERN gehoerten (waehrend viele Gruendungsvaeter der USA SklavenHALTER waren). Auch die gewaltsame "Oeffnung" Chinas (oder Japans) entsprang kranken Hirnen, NICHT liberalen!
Auch die Weltbank oder der Waehrungsfonds sind staatliche Planwirtschafts-Instrumente, ebenso der Postverein, GATT/WTO oder unsere EWG/EU etc. pp.
"Modelle, die im Kern zurück auf die Bäume (in die Dorfgemeinschaft) führen" – Gibt es einen logischen Grund, warum der Sohn der Putzfrau nicht mit dem der Arbeitsteilung zu verdankenden Wohlstand das Zeug zum Zuse haben sollte (jedenfalls, wenn er nicht in staatlicher Beduerfnisanstalt abgerichtet und verbloedet wurde)? Was funktioniert denn im Weltmasstab NICHT, was zwischen Baecker und Putzfrau funktioniert?
"Sozis die Butter vom Brot nehmen" – In derTat, da der Sozi zwar den Liberalen, der Liberale aber nicht den Sozi erschiessen mag, hat dieser Schlag Gewaltmenschen einen kurzfristigen Vorteil. Bei der Butter auch: solange ein paar Liberale (= Kapitalisten) die Landwirtschaft m Laufen halten, gibt es auch noch Butter – in Deutschland unter Hitler aber nach dessen Eingriffen in die Landwirtschaft gab es Butter bereits 1936 (in Worten: SECHSUNDDREISSIG) nur noch auf Marken. Als Herr Hitler damit fertig war, gab es gar keine mehr.
Wenn der Staat "plant", nimmt er zuerst noch das Vermoegen derer, die welches hatten und verteilt es um. Das sieht voruebergehend tatsaechlich (bei denen, die bekommen) so aus, als habe er etwas wohlstandsmehrendes bewirkt. Kaum aber ist der letzte "Kulak" im Arbeitslager und das Saatgetreide auch noch aufgefressen, kommt die Hungersnot, ueber Liberale leider auch. Aber: wenn ich Sie erschiesse, statt Sie zu ueberzeugen versuchen, passieren zweierlei Dinge: erstens geht IHRE Arbeitskraft UNSERER beider gesamtgesellschaftlichen Arbeitsteilung verloren (also auch mein Wohlstand sinkt), und zweitens wird Sie das auch nicht ueberzeugen. Als Liberaler kann man also nur hoffen, dass es jeder mit der Zeit kapiert und muss die sozialen Experimente halt zaehneknirschend ueber sich ergehen lassen.
"Zeigen Sie mir, in drei Teufels Name, den Kulturkreis, in dem der gewinnbringende Verkauf im Wirtschaftsleben eine nennenswerte Rolle spielt und der Staat NICHT SEINE FINGER drin hat." Wahrscheinlich in Somalia und einigen Teilen des Kongo, den "failed states"? Ernsthaft! Oder verkauft irgendwer irgendwem auf der Welt irgendwas, wenn er KEINEN Gewinn daraus zu ziehen vermeinte??? Hat der STAAT Ihnen geheissen, die chinesischen schuehe zu kaufen oder hat er nicht erst HINTERHER den Haendler abgeschoepft? (Ach ich vergass: der Schuh, wenn er aus Leder ist, waere ohne EU-Einfuhrzoll auch noch 16% billiger – aber dann waere er bestimmt nicht mehr so gewinnbringend - fuer Sie wie dessen Verkaeufer – verstehe ich recht?)
Wie oben schon anklang: da es heute ueberall staatliche Planwirtschaft gibt, kann ich das gewuenschte Beispiel nicht praesentieren; aber ein Naturgesetz wie die Schwerkraft hat sich auch nicht dran geschert, dass jahrtausendelang keiner darueber genau Bescheid wusste und glaubte, schwere Koerper fielen schneller als leichte. Heisst das, dass SIE mit dem Vorhandensein einer Freihandelszone BEWEISEN wollen, es ginge ohne den staatlichen Eingriff schlechter? Ich waere gerne dabei. Wir haben im letzten Jahrhundert soviele gescheiterte oekonomische Experimente gehabt, Sowjetunion, China, Pol Pot, Roosevelt, Hitler, Mussolini, Obama/Bernanke/Trichet koennen wir noch selbst zur vollen Neige auskosten – da koennte man doch an EINER STELLE AUF DER WELT es mal mit dem liberalen Wirtschaftsmodell versuchen? Erstmal so zehn Jahre vielleicht? WENN DAS UNGEFAEHRLICH, weil zum Scheitern verurteilt, waere, was haben dann Stenbrueck, Merkel, Barroso und Obama denn dagegen, es mal zu probieren, um uns Liberale endlich ein fuer alle mal zu widerlegen? Bestimmt wieder der Fuersorge-Gedanke, wir Heimzoeglinge alle ...

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 16:19 ( Link )

FritzLiberal und EmilS:
Wenn die Inflation ueberhand nimmt, "erkennt" der fuersorgliche Staat, so 1924 geschehen, dass jemand, der Grundvermoegen hat, nun einen unfairen "windfall profit" gegenueber denen erzielt hat, die treudoof staatliches Falschgeld horteten und schoepft diesen ab. Und wer sich damals entschuldet glaubte, wurde mit der "Hypothekengewinnabgabe" gestraft.
Ich glaube im naechsten Crash werden die Sozialstaaten keine Luecken mehr offenlassen. Was nicht besteuerbar ist, ist einzig und allein das, was wir zwischen unseren Ohren herumtragen und das ist daher schon seit langem das einzige, in das ich "investiere" (und fuer Autodidakten ist das nicht mal teuer).

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 16:28 ( Link )

Bossi/Hoeppe:
"Hoeppe hatte nach dem monetären (!), also in Geld gemessenen Gewinn gefragt. Brote und Putzleistungen lassen sich aber nicht "sparen", sie verzinsen sich nicht etc."
Ok, da muss man erstmal verstehen, was der andere nicht versteht. Sie meinen also, wenn ich recht verstehe, da die Menge des Geldes/Goldes bei den Nicht-Keynesianern endlich ist (wir drucken ja nicht mehr Hinterlegungsscheine als den hinterlegten Sicherheiten entspricht, wiewohl allerdings durch Bergbau auch diese Menge historisch anwaechst, aber, werden Sie entgegnen, irgendwann waere ja alles Gold ausgebuddelt usw. - d'accord), koennte niemand Gewinn machen, weil dann muesste die Geldmenge ja steigen?
Sagen Sie mal, wenn Sie heute hundert Ziegelsteine mauern, und Ihr Blut Ihnen dazu den noetigen Sauerstoff liefert, und morgen wieder hundert und uebermorgen ... und irgendwann ist das Haus fertig, dann sind Sie so voll Blut, dass Sie sich, einer Zecke aehnlich, nicht mehr ruehren koennen?
Siehe Ludwig von Mises "Theorie des Geldes UND DER UMLAUFSMITTEL".
Ich kann's aber gerne weiter ausfuehren.

barthel_berand, am 29. Dezember 2009 um 16:46 ( Link )

@ GraueEminenz,

Sie tragen Ihren Namen wirklich zurecht. Danke für die Mühe.

Das Beispiel mit dem Blut kannte ich noch nicht. Köstlich! Und treffend. Ich werde es - Ihr Einverständnis vorausgesetzt - in meinen Beispielschatz übernehmen.

Das liebe Geld ist wirklich ein unerschöpfliches Thema und birgt einen nahzu unbegrenzten Quell für Missverständnisse und Verständnisprobleme. Woher kann es sonst kommen, dass manche Leute der Meinung sind, Gewinn - und vor allem Gewinnwachstum - könne nur erzielt werden, wenn die Geldmenge stiege? Diesem Grundirrtum ist es wohl zu verdanken, dass wir alle langsam und schleichend verarmen, weil Produktivitätsfortschritte durch die Geldmengenausdehnung schlicht weginflationiert werden. Und mehr als das.

Dass die Kaufkraft des Geldes bei konstanter Geldmenge steigen kann, scheint für die meisten ein bedrohliches Deflationsgespenst am Horizont erscheinen zu lassen. Die böse Deflation. Kaufkraftgewinn ist böse. Dies müsste mal einer der Debitisten-Jünger erklären!

BB

Fabio Bossi, am 29. Dezember 2009 um 16:49 ( Link )

@Graue Eminenz:

Zunächst einmal möchte ich betonen, daß ich Ihnen erstens herzlich dankbar für ihre Mühe bin und zweitens wirklich hoffe, daß Sie recht haben, es also eine "österreichische" Antwort gibt.
Ich bin inzwischen nur so verwirrt, daß ich nichtmal mehr verstehe, was ich nicht verstehe, vielleicht kann Hoeppe ja die Frage präzisieren.
Ich weiß nämlich nicht wo der in Geld gemessene und zu akkumulierende Gewinn herkommt, in einem Sachgeldsystem.
Ihr Beispiel mit dem Blut kann ich in dem Kontext nicht nachvollziehen, da Gold ja kein vergänglicher und "nachwachsender" Rohstoff ist, wie Sauerstoff. Außerdem müßte ich doch "so voll Sauerstoff" sein, oder?

Fabio Bossi, am 29. Dezember 2009 um 16:54 ( Link )

@Barthel:

Wie verbuche ich "Kaufkraftgewinn" in meiner GuV?! Ich hab da garnix dagegen, ich weiß nur nicht wie.

barthel_berand, am 29. Dezember 2009 um 17:20 ( Link )

@ Fabio Bossi,

Sie verbuchen den Kaufkraftgewinn genauso, wie Sie den heutigen Kaufkraftverlust buchen: Gar nicht.

Gewinn ist immer eine Residualgröße aus Umsatz ./. Kosten - platt ausgedrückt. Kaufkraft kommt da nicht vor. Sinken Ihre Kosten (weil die Kaufkraft steigt), könnten Sie auch entsprechend weniger Umsatz machen, um den Gewinn (in Kaufkraft ausgedrückt) konstant zu halten.

Die werte GraueEminenz wollte Ihnen mit dem Blutbeispiel nur verdeutlichen, dass man auch mit einer konstanten Geldmenge (= Blutmenge) Wachstum (= Ziegelmauern -> Haus) erzeugen kann.

BB

Singaporean, am 29. Dezember 2009 um 17:33 ( Link )

Dank an Graue Eminenz für die Ausführungen.

Ich verstehe kein bisschen, was mit der Gewinnproblematik gemeint ist. Angenommen wir bezahlen nur mit Gold und Gold ist endlich.

Dann hätten halt ein paar Leute viel Gold weil sie sehr gut wirtschaften, andere hätten immer sehr wenig Gold und der Rest hat durchschnittlich viel Gold, er verdient sich Gold und gibt Gold in ähnlichem Maße aus. Wo ist jetzt die Gewinnproblematik?

Sphairon, am 29. Dezember 2009 um 17:39 ( Link )

@Fabio Bossi:

Ich bin mir unsicher, ob ich damit den Kern Ihrer Frage treffe, aber möglicherweise suchen Sie einfach die Tatsache, dass Geld zirkuliert.

Beispielhaft ausgedrückt:

Personen A, B und C sind vorhanden. A besitzt 100 Gold. B möchte sich die 100 Gold leihen, um eine von C hergestellte Maschine zu kaufen und damit profitabel zu produzieren. A verleiht zu einem Zinssatz von 10% pro Jahr an B, der das Geld an C im Austausch für die Maschine gibt.

Nun produziert B Güter, die er in unserem vereinfachten Beispiel zunächst nur an C absetzen kann. Nehmen wir an, B kann im ersten Monat für 10 Gold an C verkaufen und zahlt 10 Gold an A zurück. Jetzt kann er an beide verkaufen und seine Rate abzahlen. Im einfachsten Fall verkauft er einfach für 10 weitere Monate Güter an A für je 10 Gold und zahlt diese Rate am Ende des Monats wieder zurück. Nach 11 Monaten ist er dann trotz Zinsen schuldenfrei, obwohl kein neues Geld in den Wirtschaftskreislauf eingefügt wurde, und A hat einen Profit gemacht.

Dieses Beispiel mag hanebüchen klingen, da es nur 3 Personen gibt. Bedenken Sie jedoch, dass in einer echten Volkswirtschaft wesentlich mehr Tauschmöglichkeiten bestehen und deshalb der "geldvermehrende Effekt" nicht von der Nachfrage einer einzigen Person abhängt.

Fatal, am 29. Dezember 2009 um 17:49 ( Link )

Welcher Umstand erlaubt es dem Unternehmer beständig X Euro in den Wirtschaftskreislauf zu investieren, die X Euro wieder herein zu holen plus Y Euro Gewinn heraus zu nehmen?
Da es ja um die Summe unseres BIP geht, gemessen in Euro, bitte ich Sie, sich bei der Beantwortung dieser Frage vom Blickwinkel Ihres bedauernswürdigen Einzelschicksals und dem Ihrer Unternehmerkollegen frei zu machen.
Und, da Sie als gestandener Unternehmer sicherlich der doppelten Buchführung mächtig sind, werden Sie mich hoffentlich nicht in die Metaphysik des Mehrwerts entführen, sonder ganz ökonomisch Sachkundig darlegen, wie die Y Euro Gewinn bzw. die zusätzlichen Euros zur Darstellung des wachsenden BIP auf der Bildfläche erscheinen. Dann sehen wir mal weiter…

Der Denkfehler der hier dahintersteckt, ist derselbe, der so viele Zinskritiker umtreibt: Es ist eben nicht so, dass man beliebig viel Geld investieren kann, um dann einfach im nächsten Jahr einen um X größeren Betrag zu entnehmen!
Wenn Sie beispielsweise für €10 Mio. eine Heizungsfabrik in Abu Dhabi bauen, werden Sie höchstwahrscheinlich damit keine positive Rendite erzielen, da (soweit mir bekannt) der Bedarf an Heizungen in Abu Dhabi nicht allzu groß sein wird.
Doch auch wenn Sie besagte Heizungsfabrik in Deutschland bauen möchten, ist es durchaus möglich, dass Sie damit eine negative Rendite erzielen.

Wenn wir aber vom einfachsten Fall ausgehen, dass Ihre Fabrik rentabel ist und Sie jeglichen Mehrertrag beständig wieder in die Fabrik investieren, werden Sie ziemlich schnell mit dem Gesetz der abnehmenden Grenzerträge konfrontiert werden: Je mehr Geld Sie in Ihre Fabrik investieren, umso geringer wird, ab einem bestimmten Punkt, Ihre Rendite auf dieses Geld ausfallen, bis Sie irgendwann keine Lust mehr haben, Ihr Unternehmen zu vergrößern.
Nur wenigen Unternehmern, bspw. Warren Buffett, gelingt es, ihr Unternehmen beständig zu vergrößern und zu erweitern. Doch für jeden solchen Unternehmer gibt es mindestens 10 pro Jahr, die mit ihrer Unternehmung scheitern.

dickbrettbohrer, am 29. Dezember 2009 um 18:08 ( Link )

Wow!

Liebe Graue Eminenz, ich habe Ihre Beiträge zur Bewahrung gespeichert. Bin sehr beeindruckt!

Hier ist ein Beispiel für die durch die Presse herbeigeführte Verwirrung und Volksverblödung in Sachen Geld. Folgenden Text konnte man vor kurzem auf spiegel online lesen:

Die Bundesbürger haben im kommenden Jahr weniger Geld für den Konsum zur Verfügung. Laut einem Zeitungsbericht schrumpft die Kaufkraft in Deutschland 2010 um 7,5 Milliarden Euro. Vor allem die alten Bundesländer sind betroffen.

Berlin - Den Deutschen wird im kommenden Jahr eine Kaufkraft von rund 1550,2 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Damit haben die Bundesbürger 7,5 Milliarden Euro weniger zur Verfügung als im Jahr 2009. Das berichtet die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf die neue GfK-Kaufkraft-Studie für Deutschland. Dem nominalen Kaufkraftabfall stehe jedoch eine voraussichtliche niedrige Inflation entgegen, heißt es in der Studie.

Quelle: Spiegel online, 13.12.09

Nun? Was sagt man dazu? Kaufkraftverfall geben sie zu. Aber Inflation ist das angeblich nicht. Was für eine verbale Trickserei! Inflation ist Kaufkraftverfall, nichts anderes!

Singaporean, am 29. Dezember 2009 um 19:07 ( Link )

Personen A, B und C sind vorhanden. A besitzt 100 Gold. B möchte sich die 100 Gold leihen, um eine von C hergestellte Maschine zu kaufen und damit profitabel zu produzieren. A verleiht zu einem Zinssatz von 10% pro Jahr an B, der das Geld an C im Austausch für die Maschine gibt.
Nun produziert B Güter, die er in unserem vereinfachten Beispiel zunächst nur an C absetzen kann. Nehmen wir an, B kann im ersten Monat für 10 Gold an C verkaufen und zahlt 10 Gold an A zurück. Jetzt kann er an beide verkaufen und seine Rate abzahlen. Im einfachsten Fall verkauft er einfach für 10 weitere Monate Güter an A für je 10 Gold und zahlt diese Rate am Ende des Monats wieder zurück. Nach 11 Monaten ist er dann trotz Zinsen schuldenfrei, obwohl kein neues Geld in den Wirtschaftskreislauf eingefügt wurde, und A hat einen Profit gemacht.

Sorry aber das geht doch nicht auf oder? A bekommt 110, also macht er 10 Profit weil er monatlich 10 an B gibt.
C bekommt seine 100 und gibt aber 11 Monate lang 10 an B, d.h. er macht 10 Verlust. Wer leiht ihm denn die 10?
B bekommt 210, wobei er 110 an A abgibt, d.h. er macht 100 Profit.

Sphairon, am 29. Dezember 2009 um 19:46 ( Link )

@Singaporean:

C bekommt seine 100 Gold. Im ersten Monat kauft er für 10 Gold bei B. Danach hat C noch 90. B zahlt 10 an A zurück, A hat nun 10. Mein Kommentar

Im einfachsten Fall verkauft er einfach für 10 weitere Monate Güter an A für je 10 Gold und zahlt diese Rate am Ende des Monats wieder zurück.

war auf A bezogen. Dieser kann jetzt tatsächlich für 10 Monate dieses Spiel fortführen: am 1. des Monats für 10 Gold kaufen, am 30. des Monats 10 Gold zurückbekommen. Nach 10+1 Monaten hat er so sein Geld plus Zinsen zurück.

Haderach, am 29. Dezember 2009 um 19:59 ( Link )

@GraueEminenz
Nomen est omen kann man nur sagen, beeindruckender Beitrag!
Bis zu dem Vergleich mit dem "Blutmaurer" bin ich 100%ig bei Ihnen. Abgesehen davon dass jeder Vergleich hinkt, bin ich aber nicht der Meinung dass Wirtschaftswachstum bei konstanter Geldmenge ohne Deflationierung der Realwerte möglich ist.
Wenn die Geldmenge in Bezug zur Wirtschaftskraft einer Währungszone steht, und diese Menge wiederum vollkommen goldgedeckt ist, muß es - sobald die Wirtschaftsleistung größer wird als Gold zur Deckung vorhanden ist - zu Deflation kommen.
Wenn zuviel Geld zu Inflation führt, muß zuwenig zu Deflation führen.
Mir konnte bis jetzt niemand erklären warum das nicht so sein sollte. Man kann natürlich sagen, dass Deflation kein Problem darstellt, aber auch davon bin ich nicht überzeugt. Japan lässt grüßen.
So verlockend die Idee einer Golddeckung auch sein mag, ich glaube nicht dass es funktionieren würde.

Fatal, am 29. Dezember 2009 um 20:16 ( Link )

Werter Haderach,

ich glaube kaum, dass irgendjemand hier bezweifelt, dass bei steigender Wirtschaftsleistung und gleichbleibender Umlaufmittelmenge Deflation der eintretende Effekt wäre.

Aber viele hier würden bezweifeln, dass Deflation per se etwas negatives ist. Und die Geschichte gibt ihnen zumeist recht: Nahezu das komplette 19. Jahrhundert, eine Zeit in der der Wohlstand nie dagewesene Zuwächse erlebt hat, war weltweit geprägt von anhaltender Deflation. Genauso die "Goldenen Zwanziger", in denen die Preise im Schnitt um jährlich 2% sanken, während viele Haushalte sich das erste Mal einen Kühlschrank oder ein Automobil leisten konnten (in den USA). Oder die digitale Deflation seit ca. 20 Jahren: Während PCs und andere technische Geräte stetig besser werden, sind sie gleichzeitig billig wie nie. Sie sehen also, Deflation ist auch oft genug ein Zeichen wachsenden Wohlstandes - Güter werden billiger, können also vermehrt gekauft werden, auch von ärmeren Bevölkerungsschichten. Ich wüsste nicht, was hier dagegen spricht.

Diejenigen, die den Menschen eine derartige Angst bezüglich Deflation einjagen, sind höchstwahrscheinlich bloß jene, die am meisten vom derzeitigen Inflationierungssystem profitieren. Außerdem warte ich bis heute umsonst auf ein Beispiel einer richtigen Deflationsspirale in der Geschichte. Es scheint sich dabei um ein Phantasieprodukt zu handeln...

Haderach, am 29. Dezember 2009 um 20:36 ( Link )

@Fatal
Wie gesagt kann man natürlich davon ausgehen, dass Deflation in Wahrheit eine gute Sache ist, dann spricht natürlich nichts gegen eine Goldbindung.
Ihre Beispiele überzeugen mich allerdings nicht gänzlich. Speziell die Fortschritts-, und Produktivitätsgetriebenen "Deflationen" in Teilbereichen wie der Computertechnik oder der Telekommunikation taugen m.M. nach nicht zum Beleg einer wirtschaftlich gesunden Deflation. Die Preisrückgänge in diesen Bereichen sind nur durch gigantische Wachstumsraten und Produktivitätszuwächse möglich, die sich mit Sicherheit nicht auf die Gesamtwirtschaft umlegen lassen.
Man sollte auch nicht vergessen dass sinkende Preise (Ausnahme extreme Produktivitätsfortschritte s.o.) auch zu sinkenden Gewinnen, zu sinkenden Löhnen und zu erhöhter Arbeitslosigkeit führen können.
Wodurch der Vorteil der erhöhten Kaufkraft wieder zerstört wird.

Olaf Janowski, am 29. Dezember 2009 um 21:00 ( Link )

Mal ganz praktisch für die kommenden Notzeiten angedacht:

Mein Opa sagte mir, das nach den beiden Weltriegen zur Versorgung neben den kümmerlichen Bezugsscheinen der staatlichen Behörden vor allem diese Sachen auf den Schwarzmärkten "angesagt" waren:

"Kaffee, Kippen, Kakao" (Schokolade).

Die ganz Älteren unter uns werden sich vielleicht an 1945-1948 erinnern können ...

Goldige Markstücke und 800er Tafelsilber wurden in der Regel erst nach der Währungsreform, wo jeder mit 40 Mark bar auf der Kralle da stand, wieder ausgegraben und ev. in die neue Valuta umgetauscht. Und dann wurden erst in den 50ern die zerbombten Häusle (wieder) aufgebaut.

Geschichte wiederholt sich, Geschichte wird sich wiederholen. Dafür ist das Gros der Menschheit einfach zu dumm, aus gemachten Fehlern zu lernen.

Just my 2 Eurocent ...

FritzLiberal, am 29. Dezember 2009 um 21:18 ( Link )

@Haderach: 1-2% Produktivitätsfortschritt pro Jahr schafft so gut wie jede Branche. Nur wird dieser im Moment von der Inflation mehr als kompensiert. Anstatt dass die Bürger von sinkenden Preisen profitieren, dürfen sie über steigende Preise die hinterhältigste Steuer von allen, die Inflationierung, finanzieren. Das ist die Realität der Papiergeldwirtschaft.

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 21:20 ( Link )

"bin ich aber nicht der Meinung dass Wirtschaftswachstum bei konstanter Geldmenge ohne Deflationierung der Realwerte möglich ist."
RICHTIG, auch wenn das jetzt ein neuer "Thread" ist.
Aber zuerst zur Begriffsklaerung: Deflation ist VERRINGERUNG, Inflation AUFBLAEHUNG (lat. inflare, vgl. Flatulenz) der GeldMENGE. Ceteris paribus, d.h. bei gleichbleibender GUETERMENGE, die diesem Geld"angebot" gegenuebersteht, fuehrt eine steigende Geldmenge mit der Zeit, verzoegert und ungleichmaessig verteilt zu PreisSTEIGERUNGEN, bei Senkung der Geldmenge (Deflation), SINKEN DIE PREISE.
Die Preise sinken aber bei gold- (oder sonstwie) gedeckter Waehrung, deren Menge GLEICHBLEIBT (weder Deflation noch Inflation!) historisch in jedem Fall, und zwar aus nicht nur dem genannten Grund der aufgrund Wirtschaftswachstums steigenden Guetermenge, sondern (auch wenn die jetzt genannten Faktoren tendenziell zur Steigerung der Guetermenge geeignet sind) wegen:
a) der bereits beschriebenen Arbeitsteilung, die ja sich immer weiter verbreitet (zu Marco Polos Zeiten kamen aus China keine Schuhe, hoechstens Seide) und
b) wegen des technischen Fortschritts im Allgemeinen (Rationalisierung, Senkung der Stueckkosten durch Mengeneffekte, durch steigende Erfahrung, verbesserte Herstellverfahren, geaenderte Materialien etc.).
Seit den siebziger Jahren haben wir, wie damals an anderer Stelle von mir vorhergesagt, einen weiteren Beschleunigungseffekt: wer z.B. Mikrochips herstellt, verwendet fuer deren Entwurf seinerseits die Rechenkapazitaet der Vorgaengerversion, d.h. kann nun leistungsfaehigere Chips in kuerzerer Zeit entwerfen als zuvor. Auch der Stahl fuer die Eisenbahnen musste sich ja verbilligen, wenn die erste Stahl-Eisenbahn ueber Schienen das Bergwerk mit der Eisenhuette verband und den Transport beschleunigte. Gleiches galt fuer die Koehlefoerderung und deren Transport. Dem technischen Fortschritt wohnt also zwangslaeufig ein Selbstbeschleunigungseffekt inne, wenn man ihn gewaehren laesst und nicht alle Generation irgendein Land in die Steinzeit zurueckbombt.
Gaebe es keine permanente Geldmengenausweitung, wuerden die Preise sinken, und wir waeren daran gewoehnt. Preissenkungen sind nichts Schlechtes, wie immer behauptet wird, im Gegenteil: wir erleben sie seit Jahren auf dem Elektronik-Sektor. Der "Preisstabilitaets"-Wahn der modernen Zentralbanken funktioniert ja nur, weil TROTZ deren Inflationierung permanent die Preise fuer Industrieprodukte REAL sinken, so dass der inflationaere Faktor verschleiert wird.
Das gemeine Volk wird so recht lange hinters Licht gefuehrt. Leider aber waechst die Geldmenge seit Jahrzehnten weit staerker als der Produktivitaetsfortschritt, so dass irgendwann, und das heisst leider: in unseren Tagen, doch die Hyper-Preissteigerung, der Geldwertverfall, in dem Masse eintritt, dass niemand mehr es als Wertaufbewahrungsmittel behalten mag. Das loest dann das Endstadium aus, dem die Hyper-Inflation (im richtigen Wortsinne) bereits vorausging, und die Preissteigerungs-Spirale auf dem Fusse folgt.

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 21:28 ( Link )

"dass sinkende Preise (Ausnahme extreme Produktivitätsfortschritte s.o.) auch zu sinkenden Gewinnen, zu sinkenden Löhnen und zu erhöhter Arbeitslosigkeit führen können."
Dafuer gibt es nirgends Belege.
- Sinkende Nominalpreise bei gleichem Realwert lassen den Real-Gewinn unveraendert.
- Sinkende REAL-Preise wegen verbesserter/verbilligter Herstellung lassen den REAL-Gewinn unveraendert.
- Sinkende Preise wegen geringerer Nachfrage dagegen koennen nur voruebergehend auftreten, denn sie fuehren mit je nach Branche und Investitionsaufwand unterschiedlicher Verzoegerung zur Reduzierung des Angebots und damit tendenziell wieder zu einer Preisstabilisierung.
Nichtsdestotrotz fuehrt Produktivitaetsfortschritt NATURGESETZLICH zu realer Preissenkung - oder warum haben wir heute alle ein Klo in der Wohnung und nicht ueberm Hof? Zudem fuehrt Produktivitaetssteigerung anteilsweise zu Reallohnsteigerung usw., nur haben mehrere Kriege und zentralbankverursachte Inflationsperioden (20er/30er Jahre z.B.) diese entwicklung mehrfach unterbrochen bzw. umgekehrt.

Fatal, am 29. Dezember 2009 um 21:38 ( Link )

Wie gesagt kann man natürlich davon ausgehen, dass Deflation in Wahrheit eine gute Sache ist, dann spricht natürlich nichts gegen eine Goldbindung.

Ich würde bei Inflation und Deflation grundsätzlich nicht von "gut" oder "schlecht" sprechen. Beide Phänomene können grundsätzlich positive oder negative Ursachen haben. Eine allgemeine Preisniveau-Änderung hat m.E. (im Gegensatz zu einer relativen Änderung) keinerlei Auswirkungen auf die reale Wirtschaft (sofern es sich nicht um eine Hyperinflation oder Hyperdeflation handelt) und ist daher als neutral zu betrachten.
Ihre Beispiele überzeugen mich allerdings nicht gänzlich.
Nicht gänzlich ist schonmal besser als überhaupt nicht. Lassen Sie uns beim Problem ansetzen.
Die Preisrückgänge in diesen Bereichen sind nur durch gigantische Wachstumsraten und Produktivitätszuwächse möglich, die sich mit Sicherheit nicht auf die Gesamtwirtschaft umlegen lassen.
Warum nicht? Meine Beispiele vom 19. Jahrhundert oder den "Goldenen Zwanzigern" sind übrigens gesamtwirtschaftlich. Sie können auch vereinfachend annehmen, die High-Tech Branche wäre die einzige Branche.

Man sollte auch nicht vergessen dass sinkende Preise (Ausnahme extreme Produktivitätsfortschritte s.o.) auch zu sinkenden Gewinnen, zu sinkenden Löhnen und zu erhöhter Arbeitslosigkeit führen können.
Wodurch der Vorteil der erhöhten Kaufkraft wieder zerstört wird.

Sinkende Preise wären lediglich die Folge von Produktivitätsfortschritten, wie sie selbst geschrieben haben oder von geplatzten Vermögenspreisblasen, wie wir es gerade auf dem US-Häusermarkt oder beim Ölpreis beobachten konnten.
In einer stationären Volkswirtschaft würde sich das Preisniveau nicht ändern und in einer Volkswirtschaft mit schrumpfender Produktivität käme es wieder zu Ihrer heiß begehrten Inflation, falls Sie das beruhigen sollte.

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 22:14 ( Link )

Danke fuer die Herausforderungen.
Teil I:
Also, nehmen wir mal an, wir haetten mehrere Marktteilnehmer (sonst wird "uns" immer vorgeworfen, mit zweien sei alles nicht mit der "grossen" Volkswirtschaft vergleichbar).
Nehmen wir einen Baecker, eine Putzfrau, einen Bergwerksbesitzer, der Gold schuerft, einen Bauern, einen Mueller, einen Goldschmied usw.
Gehen wir davon aus, die Menscheit ist bereits in das Stadium eingetreten, in der GOLD sich allgemeiner Wertschaetzung erfreue (und nicht Muscheln oder sonstwas). Und da gibt es noch einen Kaufmann, der Ueberseehandel betreibt, auf der andern Seite des Teiches gibt es einen zweiten, sein "Pendant", und dann gibt es noch einen Goldschmied, der den Kaufmann auf der anderen Ozeanseite persoenlich kennt, ja, es ist sogar sein Schwiegersohn.
ANFAENGLICH gibt es noch kein "Geld", sondern ALLE tauschen das, was sie anzubieten haben, der Baecker baeckt, die Putzfrau putzt, der Mueller mahlt, der Goldschmied schmiedet, der Bergwerker schuerft Gold usw., der Haendler fuehrt meinetwegen Salz oder Pfeffer ein.
Irgendwann hat sich das "Rad" des Tausches schon zu drehen begonnen, der Bauer hat Getreide an den Mueller geliefert, ihm einen Teil belassen, fuer die Mahlleistung, den Rest zurueckbekommen. Einen Teil Mehl gibt er der Putzfrau fuer's Putzen, einen Teil dem Baecker gegen Brote usw. (tatsaechlich hat anfaenglich oft der Baecker das Brot DES bestimmten Bauern mit DESSEN Mehl gebacken usw., noch heute funktioniert das beim Apfel-Versaften manchmal so).
Es kommt der Tag, und ziemlich bald, da erzeugt der Bauer einen Ueberschuss an Getreide. Was macht er mit dem? Er kann ihn nur begrenzt lagern und er verzinst sich auch nicht, jedenfalls nicht in der eigenen Scheuer.
Er wird tun, was er immer tat: er bringt ihn zur Muehle. Dort erhaelt er abzueglich des Obolus fuer die Mahlleistung das meiste wieder zurueck. Jetzt kann er folgendes tun: er bringt alles zum Baecker, dann bekommt er mehr Brote zurueck, als er selbst verbrauchen kann. Er hat nun, wie immer bei menschlichem Handeln, mehrere Wahlmoeglichkeiten: er kann die Armenspeisung einfuehren (irgendeinen Armen gibt's immer), er kann oefter bei sich putzen lassen, aber das wird ihm wenig sinnvoll erscheinen, er kann beim Haendler Salz oder Pfeffer einkaufen, aber EGAL, was er tut, IRGENDWANN einmal kommt er in seinem eng umschriebenen eigenen Wirkungskreis an eine Grenze. Was die Menschen dann meist taten, und z.B. heute noch in Indien tun: sie legen sich z.B. Goldschmuck zu. Aber auch der ist nur "fuer schlechte Zeiten", ist Wertaufbewahrungsmittel, verzinst sich nicht usw. Aber jedenfalls hundertmal besser (das ist natuerlich figurativ gesagt) als das Getreide dem Schaedlingsfrass anheimzugeben, Brot zu horten, vertrocknen und verschimmeln zu lassen oder das Haus zu Tode putzen zu lassen (der Sozialstaat erst kommt auf solche Arbeitsbeschaffungsmassnahmen, der Seitenhieb sei erlaubt – da wird keine Arbeit beschafft, sondern Wert vernichtet).
Nun hat er also Werte zuhause, die er zuvor nicht hatte, und der Goldschmied hat mehr Getreide oder Brote (je nachdem, was der Bauer und er getauscht haben) als zuvor. Auch der Goldschmied ueberfrisst sich weder noch laesst er das Tauschgut verderben, da haette er den Tausch ja auch unterlassen koennen. Er wird Gold kaufen, beim Bergwerksbesitzer. Dieser wiederum wird ebensowenig Brot oder Getreide horten wollen, und laesst putzen, was er frueher selber tat. Aber mehr als einmal am Tag auch nicht. Er wird mehr Gold foerdern, wenn es geht. Irgendwann kommt dem Goldschmied die Idee: da er nun mehrfach hin- und hergetauscht hat, hat er nun mehr Gold, als er selbst fuer sich behalten will (Schmuck etc.) noch als er braucht, um davon seine Lebensmittel zu erstehen.
Einschub: IMMER, wenn ich Gueter herstelle, die LAENGER halten, als der Herstellprozess dauert (NICHT beim Putzen = Dienstleistungen, aber bei Weizen, Brot, Gold etc.) UND ich mehr erzeuge, als ich verbrauche, bleibt ein Ueberschuss. Wer meint, auch das sei historsch nicht gesichert, sondern erst dem modernen Sozialstaat zu verdanken, mit dem ist nicht zu diskutieren.
DIESER Ueberschuss kann entweder "herumliegen" mit der Gefahr zu vergammeln, oder aber genutzt werden, um weitere Produktionen anzuschieben. So koennte der Bauer einen Teil seiner Zeit statt auf Getreide-Produktion auf Experimente mit Viehwirtschaft verwenden in der Hoffnung, dass sich das in absehbarer Zeit auszahlt.
Immer dann, wenn, nach Beginn der Sesshaftigkeit, der Mensch UEBER DEN NOTWENDIGEN SUBSISTENZBEDARF hinaus Gueter zu erwirtschaften vermochte, stand er vor derWahl, einfach WENIGER zu arbeiten und wieder aufs Subsistenzniveau zurueckzukehren oder aber fuer schlechte Zeiten vorzusorgen bzw. seinen Wohlstand dauerhaft zu mehren. Mit dem ueberschiessenden Getreide liessen sich z.B. Hilfskraefte unterhalten, um aus dem Holzhaus ein Steinhaus zu bauen. Dieses wird auch nach Jahrhunderten noch von den Nachkmmen bewohnt – d.h. seine Nachkommen wohnen IM GETREIDE VON VOR HUNDERTEN JAHREN (bildlich gesprochen), um es auf den urspr. Tauschvorgang zurueckzufuehren. Es ist also gelungen, das verderbliche Gut Getreide in ein langfristig haltbares Gut zu verwandeln, das sich wenig abnutzt, waehrend gleichwohl der Ueberschuss-Produktionsprozess auf gleichem oder sogar steigendem Niveau anhaelt, Duerren und Kriege mal ausgeklammert.
Hat bis hierher ein Staat, eine Zentralbank die Finger im Spiel? Will jemand ernsthaft bestreiten, dass der Vorgang sich so oder aehnlich abgespielt hat? Bedurfte es dazu des Geldes und wurde nicht dennoch eine Wertanlage und Wohlstandsmehrung geschaffen? Noch bis in die fuenfziger Jahre hatten die meisten Arbeiter kein Bankkonto! Das, was wir heute beobachten, ist erst ein paar Jahrzehnte alt und dennoch zweifeln schon viele, es sei je anders gewesen!
Aber es war muehsam, immer die richtigen Tauschpartner zu finden, wenn man kein allgemein anerkanntes Tauschmittel hatte.
Und da hatte nun der Goldschmied die Idee, das Gold in kleinen Stuecken auszupraegen und … zu verkaufen. Anfaenglich, z.B. gegen Getreide etc. Auch der Putzfrau bot er sie an, und als diese bald darauf merkte, dass der Baecker sie bereitwillig annahm und sie nun nicht immer wieder das Brot vom Goldschmied mit nach Hause nehmen musste, wo es verschimmelte, wenn sie anderwaerts eingeladen war und gar keines brauchte, liess sie sich bereitwillig in Gold … -MUENZEN auszahlen. Da sich diese kleinen Stueckchen Gold aber nun nicht abnutzten, begannen sie zu ZIRKULIEREN, d.h. binnen kurzem (historisch betrachtet) waren sie allgemeines Tausch- und Rechenmittel.
Das Geld war geboren, und so oder so aehnlich, mit Unterbrechungen, setzte sich das fort, im Wesentlichen bis zu Nixon 1971 (Geldfaelscher und Muenzen verschlechternde Kaiser gab es immer – aber immer brachen diese Systeme zusammen und die Menschheit kehrte zu Gold- oder Silber[gedeckten]-Waehrungen zurueck – weswegen wir auch glauben, dass es diesmal nicht anders sein wird – jedesmal aber, je weitere Kreise die Geldfaelschung zieht, desto gravierender die Auswirkungen. So schlimm wie heut war es in der Menschheitsgeschichte noch nie; je hoeher der Hochmut, desto tiefer der Fall).
Da wir aber unterstellen, dass die meisten Menschen mehr leisten/herstellen, als sie fuer ihren Unterhalt, ihre unmittelbare Reproduktion, wie Marx u.a. es nannten, benoetigen, erwirtschaften sie Ueberschuesse. WAS MAN MIT DIESEN MACHT, ist der springende Punkt:
- Man kann weniger arbeiten, gerade soviel, dass man keinen Ueberschuss mehr erzielt, aber die wenigsten werden dabei ein sicheres Gefuehl haben.
- Man kann diese Ueberschuesse in verderbliche Gueter investieren, oder mehr essen, sie ins Freudenhaus tragen, kurzum, sie wieder vollstaendig ausgeben ODER
- Man kann sie SPAREN.
Jeder Mensch tut meist von jedem etwas. Und man kann sich beim Sparen irren, d.h. dem falschen Glaeubiger vertrauen, und wieder alles verlieren.

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 22:15 ( Link )

Teil II:
Mit der Zeit wandelt sich die Realauschwirtschaft ob ihrer Muehseligkeit in eine Geldwirtschaft, wenn auch, bis auf den heutigen Tag, Mischsysteme erhalten bleiben ("Nachbarschaftshilfe" – ich helf' Dir beim Hausbau, Du machst mir den Garten usw. Der Friseur kriegt ab und zu ein halbes Schwein etc.).
Nun also betrachten wir erstmal den Fall, dass alle zwar Goldmuenzen nehmen und ausgeben, aber noch nichts davon sparen. Vielmehr legen sie ihre Ueberschuesse alle in langlebigen Wirtschaftsguetern an, der Bauer wechselt vom Holz- zum Steinhaus, die Putzfrau leistet sich einen Herd ("eigner Herd ist Goldes wert"), der Mueller verbessert seine Muehle, z.B. von der hand- oder ochsenbetriebenen zur Wind- oder Wassermuehle usw.
Auch der Goldschmied erweitert seine Werkstatt, der Bergwerksbesitzer leistet sich eine Kutsche usf.
Solange der Bergwerksbesitzer schuerft, haben wir im ueberschaubaren Rahmen auch kein Problem damit, dass die Geldmenge steigt und die Bedenken derjenigen im Zaume haelt, die einer stagnierenden Geldmenge einen (er)drosselnden Effekt auf das Wirtschaftswachstum unterstellen.
Aber bevor wir das beleuchten, sollten wir erst noch das Papiergeld die Buehne betreten lassen. Auch hier ueberspringen wir ein paar Schritte, indem wir dem Goldschmied bereits einen ueberseeischen Schwiegersohn verpasst hatten. Jedenfalls unser Kaufmann mit Salz und Pfeffer aus Uebersee hatte sich bisher auch mit schweren Goldsaecken abgemueht, und dabei allerlei Gefahren, wie Piraten und Schiffbruch miterleben muessen. Eines Tages, wann und wo genau weiss man nicht, aber in Venedig war es schon lange gang und gaebe, kam einem Goldschmied oder Kaufmann die Idee, statt das physische Gold mitzuschleppen, es beim Goldschmied zu hinterlegen und stattdessen sich einen Hinterlegungsschein darueber ausstellen zu lassen, der bei einem von dessen Geschaeftspartnern in Uebersee akzeptiert werden wuerde. Das tat der Goldschmied, der dem Kaufmann das Gold zur Aufbewahrung abnahm und ihm stattdessen einen Brief an seinen Schwiegersohn mitgab. Nun war das Gold ein Stueck Papier geworden, und seither heisst dieser Vorgang VerBRIEFung (vgl. Pfandbrief, Briefkurs etc.).
War dadurch "mehr" Geld in Umlauf gekommen? Keinesfalls – der Schwiegersohn zahlte dem Kaufmann lediglich das aus, was der Kaufmann bei seinem Schwiegervater hinterlegt hatte. Nun hatte der Schwiegersohn gegenueber dem Schwiegervater eine Forderung. Da aber der Schwiegersohn in Gegenrichtung reisenden Kaufleuten ebensolche Dienste anbot, musste er sich in der Regel nicht mit der Rueckfuehrung des physischen Goldes befassen (was ja am Ende das Risiko und den Aufwand des Goldtransportes nur auf ihn uebertragen haette), hoechstens wenn Differenzen entstanden. Dieser Differenz-Ausgleich nennt sich Clearing, die Welt-Clearingstelle (fuer das ungedeckte Papiergeld allerdings) ist heutzutage die Bank fuer Internationalen Zahlungsausgleich (Bank for International Settlements – BIS) in der Schweiz.
Mit der Zeit holten Kaufleute aber auch am Bestimmungsort nicht mehr ihr Gold von der Hinterlegungsstelle ab, denn auch ihre Handelspartner haetten es fuer den naechsten Einkauf eh wieder verbriefen lassen. Vielmehr gab Kaufmann A dem Kaufmann B ANSTELLE des physischen Goldes den Brief (die Schatzanweisung, unsere Bundesschatzbriefe klingen noch so, nur gibt es dort keinen Schatz mehr zur Besicherung). Um zu dokumentieren, dass alles seine Richtigkeit hatte (vorne drauf stand ja noch "zahle an Kaufmann A folgenden Betrag in Gold"), unterschrieb Kaufmann A HINTEN drauf (ital. "in dosso", auf dem Ruecken), und diese Unterschrift besagte dem Goldschmied bzw. seinem Schwiegersohn, dass Kaufmann A freiwillig den Goldschatz an B abgetreten hatte. Das Indossament hatte noch eine zweite Funktion: JEDER, der unterschrieben hatte, haftete ZUSAETZLICH mit seinem Vermoegen neben dem Ursprungs-Aussteller. Beim heutigen gezogenen Wechsel ("Tratte" – wieder ein Begriff aus der italienischen Kaufmanssprache der Bluetezeit der Stadtstaaten) ist das heute noch so.
Irgendwann war auch das allen Beteiligten zu muehsam: war der Brief hinten vollgekritzelt, musste er spaetestens erneuert werden usw. Da jeder mit Namen darauf verzeichnet war, nennt man solche Papiere NAMENSpapiere.
Irgendwann kam jemand auf die glorreiche Idee, INHABER-Papiere auszustellen, d.h. der Goldschmied (der nun, benannt nach den auf Baenken, "banca" sitzenden Geldwechslern in Florenz, Venedig usw.) sich zur BANK gemausert hatte, stellte Papiere ueber bestimmte Gold-Mengen aus (Unze, Pfund – die Namen klingen noch an), die JEDER JEDEM geben konnte. War es ein bekanntes Handels- bzw. Bankhaus, genoss dieses soviel Vertrauen, dass jeder Handeltreibende auf den dahinterstehenden Gegenwert vertraute. Und da es Konkurrenz gab, und sich herumspricht, wenn jemand manipuliert und mehr Scheine ausgibt, als er Gold besitzt, wandern diese dubiosen Papiere schneller an den Aussteller zurueck, als ihm lieb sein kann und sein Betrug wird offenbar. Solange nicht Staaten bzw. von diesen mit Monopolstellung versehene Zentralbanken dieses "fractional reserve banking" betrieben, war alles "in Butter" – so, wie jemand im Supermarkt zwei Joghurtpackungen hinsichtlich Inhalt und Preis vergleicht, so vergleicht ein normaler Mensch auch Hinterlegungsscheine und nimmt bevorzugt die, deren Ausstellern er vertraut.
Das Geschaeft mit diesen Scheinen war dennoch gewinnnbringend. Zwar verzinst sich das hinterlegte (oder eigene) Gold nicht, aber erstens nahmen die Banken fuer die Hinterlegung Gebuehren und zweitens gehen immer wieder Scheine verloren, aber das war auch nicht das Hauptgeschaeft der Banken. Wir wollen uns auch nicht vertiefen in die Frage, ob nicht der Nachdruck beschaedigter zurueckgegebener Scheine all das wieder auffrass usw.
Als zweites Standbein bildete sich naemlich das Kreditgeschaeft heraus. Zuerst mag zwar der eine oder andere Kaufmann sein Gold nur hinterlegt haben, um damit woanders einzukaufen, aber irgendwann hatten er und andere auch ueberschuessiges Gold. Dieses wollten Sie verleihen. Nun kann ich zufaellig selbst jemanden kennen, der sich Geld leihen will, und das Geschaeft mit ihm machen, aber erstens habe ich dann das Kreditrisiko und zweitens will ein Einzelner garantiert mehr ODER weniger leihen als ich bereit zu verleihen bin bzw. kann.
Also gebe ich es ebenfalls bei der Bank zur Aufbewahrung, aber fuer einen festgelegten laengeren Zeitraum mit der Massgabe, dass sie es AUF IHR RISIKO weiter verleihen darf. Dafuer will ich eine Entschaedigung, denn ich kann ja solange mit dem Geld nichts produktives anfangen – das ist der Grund dafuer, dass jemand Zinsen verlangt. Andererseits zahlt z.B. ein Bauer lieber ab heute Zinsen, um mit dem Darlehen JETZT Saatgut einzukaufen und NAECHSTES Jahr mehr Gewinn zu erzielen, als diese Zinsen wieder auffressen, als bis naechstes Jahr zu warten und es aus dem erst dann anfallenden Ueberschuss zu finanzieren ("leverage effect").
Jetzt sind wir schon ziemlich nahe an der Neuzeit. DAMALS galt noch die "goldene Bilanzregel", wonach auf beiden Seiten der Bilanz "Fristenkongruenz" herrschen sollte, d.h. wenn ich Geld fuer zehn Jahre verleihe, dann sollte ich das aus eigenem Geld (Eigenkapital) oder fremdem Geld, das fruehestens ebenfalls erst nach zehn Jahren zurueckgefordert werden kann, tun. Die eine Haelfte der jetzigen Finanzkrise entstand zwar durch "Schrott"-Hypotheken, aber der viel duemmere Teil, die andere Haelfte, bestand darin, dass diese "Papiere" z.T. ueber Jahrzehnte laufen, aber mit Geld gekauft wurden, das nach einem Jahr, oft bereits nach jeweils drei Monaten faellig wurde. Die Zinsen fuer die dreissig Jahre aber liegen meist fest, die vierteljaehrlichen dagegen schwanken und, schwupps, ist aus dem Gewinn- und Verlustgeschaeft geworden. Wird ruchbar, dass eine Bank (WestLB etc., Lehman Brothers etc.) sich verspekuliert hat, bleibt es aber nicht beim ueberschaubaren Verlust, nein, es werden gar keine Verlaengerungs-Kredite mehr gewaehrt, und die Bank muss nun das Dreissig-Jahres-Papier hastig verkaufen, was den Preis drueckt. Das waere schon dann prekaer, wenn das Papier AN SICH werthaltig waere, doppelt gefaehrlich ist dieser straefliche Leichtsinn aber, wenn es sich um Schrottpapiere handelt (und nur die haben hohe Zinsen …). Frueher waere jemand, der solchen Unsinn verzapft, nicht mal Leiter einer Wechselstube geworden, heute erhaelt er Bonus und Abfindung und Herr Sanio von der BaFin erteilt solchen Hasardeuren Geschaeftsfuehrerlizenzen …

GraueEminenz, am 29. Dezember 2009 um 22:15 ( Link )

Teil III:
So weit, so gut. Jetzt wollen wir aber die Frage beantworten, warum die Wirtschaft weiter waechst, OBWOHL die Geldmenge gleichbleibt.
Da wir bisher die Unschaerfe hatten, dass immer weiteres Gold nachdraengt, weil der Bergwerksbesitzer weiter schuerft, drehen wir ihm jetzt mal den Hahn ab, d.h. seine Mine ist erschoepft und es ist weit und breit keine neue in Sicht. "Peak Gold" nicht nur ueberschritten, sondern finis Poloniae.
Und jetzt tritt ein, was naturgesetzlich eintreten MUSS: steigt aufgrund verbesserter Produktivitaet/Arbeitsteilung usw. das Gueterangebot, so sinken die nominalen Preise tendenziell. Geld, das NICHT beliebig vermehrbar ist (gedeckte Waehrungen) muss in seinem Wert steigen, wenn es einer (schneller) steigenden Guetermenge gegenuebersteht.
[Umgekehrt: Geld, das BELIEBIG vermehrbar ist, muss in seinem Wert sinken, wenn es einer langsamer wachsenden Guetermenge gegenuebersteht. Den zweiten Fall haben wir heute, und der erstere waere mir lieber.]
Dazu gibt es keine Alternative, es sei denn, man vermehrt die Geldmenge wieder. Wenn es eine Gold- oder sonst gedeckte Waehrung ist, muss man echtes "Geld in die Hand" nehmen, um sie zu vergroessern, etwa weiter Gold nachschuerfen/verhuetten etc. Das passiert ja auch staendig und soweit dafuer Bedarf empfunden wird, fragen Menschen auch neues Geld nach, im andern Fall beschleunigt sich einerseits seine Zirkulation oder es steigt im Wert.
Eine Preisstabilitaet gibt es sowieso nicht, ein Preis"niveau" kann man nicht "messen" wie Temperaturen oder Laengen oder Uhrzeiten, das wird nur behauptet, aber wer die Grundlagen der Preismessung naeher ansieht kann sie auch ebenso leicht widerlegen.
Aber nun beschleicht immer noch den einen oder anderen das Gefuehl, dass bei reinen Geldgeschaeften "irgendwie" die Rechnung nicht aufgehen koennte.
Und dennoch ging sie auch zu Zeiten auf, als es keine Inflation (im Sinne des Wortes Bedeutung: Geldmengenausweitung) gab.
Wie nun das? Da verleiht einer 100 Muenzen und will nach zwei Jahren 110 wieder zurueck haben. In unserer angedachten Volkswirtschaft waren aber bis zur Minenschliessung nur, sagen wir, zehntausend in Umlauf gebracht worden. Woher kommen nun die 10 Muenzen? Wer macht Verlust, wenn nicht, wie hier einige vertreten, der gnaedige Vater Staat sie ihm nachschoesse?
NIEMAND! Und das geht so:
A geht zur Bank und leiht ihr auf zwei Jahre 100 Muenzen und will nach zwei Jahren 105 zurueckhaben. Die Bank leiht an B 100 Muenzen aus und will nach zwei Jahren 110 zurueckhaben.
In der Zeit hat B z.B. mehr Brote verkauft, als er fuer den Eigenbedarf braucht, also Ueberschuesse erwirtschaftet. Diese wurden ihm auch mit Goldmuenzen bezahlt, die andere wiederum fuer diese Brote bezahlt haben. Als er noch direkt getauscht hat (Weizen gegen Brot, Brot gegen Geschmeide), hat das ja auch funktioniert, d.h. es wurden Ueberschuesse erwirtschaftet. Aber halt mal – das waren ja auch vermehrbare Gueter, usw.
Ja, richtig, aber weil sie vermehrbar waren, und weil sie permanent gegen das nunmehr umlaufende Geld hin- und hergetauscht wurden, sind diese Ueberschuesse ja nicht verschwunden.
Was kann A denn mit dem Geld, den 105 statt 100 Muenzen nach zwei Jahren machen?
Er kann NUR drei Dinge tun:
a) er kann sie erneut ausgeben auf Bedarfsgegenstaende oder Produktionsmittel – und schwupp sind 105 Muenzen im Geldkreislauf.
b) Er kann sie erneut gegen Zinsen verleihen – und schwupp, sind sie erneut im Geldkreislauf.
c) ODER er kann sie horten, ohne Zinsen zu verlangen (Sparstrumpf), DANN sind sie fuer diese Zeit dem Geldkreislauf entzogen, und DANN muss der reale Wert des verbliebenen Geldes STEIGEN (echte Deflation). Was passiert normalerweise, wenn der Preis einer Ware steigt? Es werden ab einem bestimmten Punkt deren Eigner "schwach" und verkaufen, um den Gewinn mitzunehmen – also wird A ziemlich bald des gestiegenen Wertes seines Sparstrumpfes gewahr und gibt sie wieder aus, und, schwupp, sind sie erneut im Geldkreislauf, zumal ihm dafuer ja Zinsen winken.

bernardo, am 29. Dezember 2009 um 23:17 ( Link )

Nein, der real existierende Kapitalismus wird auch nächstes Jahr nicht untergehen, Gold wird bald wieder für 200 Euro die Unze zu haben sein, und wir machen alle weiter.

Noch viel Spaß bei der gegenseitigen Klugheitsbestätigung und guten Rutsch!

Fatal, am 29. Dezember 2009 um 23:34 ( Link )

@ bernardo: Danke, gleichfalls!

FritzLiberal, am 29. Dezember 2009 um 23:37 ( Link )

@bernardo: jaja, pfeifen im Wald hilft gegen die Angst. Vielleicht.

Dr. Spiele, am 30. Dezember 2009 um 3:01 ( Link )

@Graue Eminenz,

Vielen Dank für die interessanten Ausführungen.
Ich habe leider einige Fragen, die mich schon lange umtreiben, vielleicht könnten Sie die ja beantworten:

1. woher kommen bei (ziemlich) gleichbleibender Gold-Geldmenge die zusätzlichen Goldeinheiten, die für die Zahlung der Zinsen und Zinseszinsen erwartet werden?

2. Wenn der Wert des Geldes steigt, steigen dann nicht auch die Zinsen, da ja der Verleiher sozusagen noch mehr Verzicht leistet, wie jemand, der einen Ferrari verleiht ja auch mehr Verzicht leistet als jemand der einen Trabbi verleiht.

3. Wenn die Zinsen steigen, aber gleichzeitig der Preis der Güter sinkt, wovon soll der Produzent dann die Zinsen zahlen, denn er bekommt ja noch weniger Gold von den Konsumenten
seiner Güter?

4. Ergibt sich aus 1-3 nicht, daß der Zins eine Art Preisfixing ist, und somit dem freien Markt entgegenwirkt, bzw.

5. Warum überhaupt ein (zusätzlicher) Zins als Entschädigung, wenn der Wert des (nur Gold!)Geldes durch die Produktivitätssteigerung steigt,
ergo der Verleiher sowieso mehr Geldwert zurückbekommt, gewissermassen je länger er es verleiht? (Was bei Trabbi und Ferrari nicht der Fall ist)

6. Würde folglich der Zins in einer reinen
Goldgeldwirdschaft nicht sowieso gegen Null tendieren, wenn sie denn "rein" bliebe

7. ist 1-6 evtl. genau der Grund, warum sie das nicht tut, sondern einer Zinswirtschaft (die, wenn ich Sie richtig verstanden habe, ja von den Geldverleihern/Banken initiiert wird) gar nichts anderes übrig bleibt, als schliesslich
in Papiergeld (Elektrogeld etc.) umzubuchen, welches wiederum nur durch Kredite gedeckt ist?

und 8. sich die gesamte Realwirtschaft (also die Produzenten, Dienstleister, Arbeiter) in die totale Verschuldung bei den Geldverleihern begibt, trotz immer höherer Güter- Produktion

Historisch sind ja auch Zentralbanken Privatbanken, die zunächst mal den Potentaten Geld für ihre Untaten liehen, und dafür dann
mit dem Recht auf Ausgabe von Banknoten gegen
Staatsschuldverschreibungen belohnt wurden - im
Fall der Bank of England konnte von einer Golddeckung dieser Noten seit ihrem Anbeginn schon im 17. Jahrhundert nicht mehr die Rede sein, während das britische Empire, was sich so aufbaute um die Schulden in anderen Ländern einzutreiben ja durchaus "erfolgreich" war,
bis seine "historische" Aufgabe, nämlich als Empire oder eben STAAT die Geldverleiher/Drucker mit dem nötigen Nachdruck zum Annahmezwang ihrer Noten maximal zu bereichern, erfüllt war?

Verstehn Sie mich nicht falsch, ich halte sehr viel vom Goldstandard und sehr wenig von Keynes oder gar Gesell, bin auch durchaus begeistert von Fortschritt und Arbeitsteilung, frage mich nur ob die Idee des Zinses, im Unterschied zur Geschäftsbeteiligung, die "richtige" ist und nicht eher die Wurzel allen Übels..., und eben, ob es nicht die Bankiers waren, durchaus auch im Sinne ihrer Sparer, die den Staat überhaupt erst mächtig machten, weil dieser erst durch seine militärische und fiskalische Skrupelosigkeit die Zinsprofite erbringt, die der freie Markt gar nicht erbringen kann.

Würde also, Fazit, nicht jede Zinswirtschaft sowieso wieder bei Staat und Empire anlanden, von mir aus auch unter anderem Namen?

hoeppe, am 30. Dezember 2009 um 3:11 ( Link )

@GraueEminenz

Auch ich möchte darauf hinweisen, dass Ihre Mühe nicht ungelesen an mir abperlt.

Den eigentlichen Kern der Kontroverse liefern Sie am 29. Dezember 2009 um 16:06 in Ihrem einleitenden Halbsatz:

Ich komme ja gar nicht mehr hinterher ...
Willkommen in der fortschrittlichen Moderne!!

In diesem Sinne ein frohes neues Jahr…, ich bin zur späten Stunden schon voll am rutschen.

Kennt sich jemand mit Irischem Whiskey aus? Bushmills 21 Years Madeira Finish? Hoch die Tassen und den Herrn einen guten Mann sein lassen…. wirkt Wunder. Der Gottesfürchtige weiß im rechten Moment auf die überlegene intellektuelle Klasse zu scheiße.

Sorry..., Berliner Schnauze.

Haderach, am 30. Dezember 2009 um 9:21 ( Link )

Zum Gold:
Was würde die Einführung eines Goldstandards bedeuten? Zuerst einmal müßte die Goldbasis in ihrem Wert der zu deckenden Wirtschaftsleistung angepasst werden. Der Goldpreis müßte also gigantisch aufwerten.
Man kann davon ausgehen dass kein Staat der Welt es zulassen wird, dass Privatanlager, div. Fonds, institutionelle Investoren, Bergbauunternehmen etc. von einer, sagen wir einmal Verfünfzigfachung des Goldpreises profitieren. Der Goldbesitz würde monopolisiert werden, niemand sollte daher einen Goldstandard mehr fürchten als die Besitzer von Gold.
Zusätzlich handlet man sich international mit einem Goldtandard die selben Probleme ein, die man mit dem Öl schon hat: Es gibt Staaten mit großen natürlichen Goldvorräten. Diese würden über Nacht unglaublich reich, und zum Ziel politischer und militärischer Interessen.

Wer sagt dass die Bindung des Geldes an das Gold - die ja in einem politischen Prozess festgelegt wird - nicht jederzeit verändert werden kann? Ganauso wie eine Notenbank Geld drucken kann, kann die Preisbasis der Goldbindung politisch geändert werden, mit dem selben Effekt.

Das primäre Problem unserer zeit sehe ich nicht in Verschuldung allegmein - denn kredit ist die wichtigste Nahrung einer jeden Wirtschaft - sondern in den explodierenden Staatsverschuldungen. Staaten verschulden sich ständig am Limit ihrer Möglichkeiten weil Politiker zwecks kurzfristigem Wählerkauf zukünftige Generationen belehnen. Die 3% Neuverchuldung lt. Maastricht die offenbar ein Minimalverschuldungsnaturgesetz darstellen,einzusparen sollte für keinen Staat ein Probelm sein. Man müßte nur einmal ein paar unpopuläre Entscheidungen treffen. Politker tun das nicht, und ich glaube nicht dass ein Goldstandard das ändern würde. Wirksamer wäre m.M. nach ein verfassmäßiges Festschreiben einer Nullverschuldung, inkl. dem Festlegen von budgetären Richtlinien wie z.B.:
Steuerquote max. x%, Sozialquote max. y%, Investitionsquote mindestens z% etc. Gäbe es eine derartige verfassungmäßige, einklagbare Basis für nachhaltiges staatliches Wirtschaften, wäre es nicht notwendig über einen Goldstandard zu diskutieren.
Und wie gesagt: Am Ende sind alle Regeln, alle Standards, alle Preisbindungen etc. keine Naturgestzte sondern politische Entscheidungen die auch auf politischen Weg geändert werden können. Notwendig wäre ein Instrumentarium dass die Möglichkeiten der Politik einengt, um inflationäre Geldschöpfung zu verhindern.
Ich glaube dass hier eine Verfassungsänderung wirksamer und praktikabler wäre als ein Goldstandard.
Dieser hat in Friedenszeiten aus o.g. Gründen niemals eine Chance auf Wiedereinführung.
Nur nach einem Totalkollaps unserer Währungssysteme sehe ich für einen Goldstandard eine Chance, und ich bin nach wie vor nicht überzeugt dass es ein besseres System wäre.

Harald Henke, am 30. Dezember 2009 um 10:48 ( Link )

@Fatal:

-- Ich würde bei Inflation und Deflation grundsätzlich nicht von "gut" oder "schlecht" sprechen. Beide Phänomene können grundsätzlich positive oder negative Ursachen haben. Eine allgemeine Preisniveau-Änderung hat m.E. (im Gegensatz zu einer relativen Änderung) keinerlei Auswirkungen auf die reale Wirtschaft (sofern es sich nicht um eine Hyperinflation oder Hyperdeflation handelt) und ist daher als neutral zu betrachten.

Nur dummerweise führt in der Realität monetäre Inflation/Deflation praktisch immer zu einer Veränderung der relativen Preise. Im Falle der Inflation z.B. wird das neugeschaffene Geld an bestimmten Stellen in den Wirtschaftskreislauf gepumpt, verändert dort die Preise und dringt von dort aus z.B. über Faktorlöhne in andere Bereiche vor. Einige Sektoren reagieren stärker, andere schwächer. Ein Änderung der relativen Preise ist die Folge. Somit führen De- und Inflation immer zu Umverteilungseffekten, haben daher Auswirkungen auf die Realwirtschaft und sind nicht als neutral zu betrachten.

Fatal, am 30. Dezember 2009 um 10:50 ( Link )

@ Dr. Spiele: Ich weiß, dass die Fragen an Graue Eminenz gingen, versuche sie aber trotzdem zu beantworten:

1. woher kommen bei (ziemlich) gleichbleibender Gold-Geldmenge die zusätzlichen Goldeinheiten, die für die Zahlung der Zinsen und Zinseszinsen erwartet werden?
Von nirgends, es braucht dazu nämlich keine zusätzlichen Geldeinheiten. Kreditgeber agieren aus den selben Beweggründen wie andere Unternehmer und Arbeiter auch: Sie möchten Geld verdienen, um es später für Konsumzwecke auszugeben. An dieser Stelle kommt häufig der Einwand, der Kreditgeber könnte doch einfach sämtliches eingenommene Geld wieder verleihen, bis er eine unendlich große Geldmenge akkumuliert hat. Doch das funktioniert nicht. Geld verhält sich nämlich hier wie ein gewöhnliches Gut: Je größer die angebotene (Geld-) Menge, umso geringer der Preis (Zins). Würden Kreditgeber also die angebotene Kreditmenge dauernd ausweiten, könnten sie ihr Geld irgendwann nur noch unterhalb des risikofreien Zinssatzes verleihen, würden sich damit also ergo selbst ins Knie schießen.
2. Wenn der Wert des Geldes steigt, steigen dann nicht auch die Zinsen, da ja der Verleiher sozusagen noch mehr Verzicht leistet, wie jemand, der einen Ferrari verleiht ja auch mehr Verzicht leistet als jemand der einen Trabbi verleiht.
Nein, denn wenn die Kaufkraft des Geldes steigt, steigen schließlich auch die Zinseinnahmen in gleicher Höhe in ihrer Kaufkraft, da sie ja auch in Geld gezahlt werden.
3. Wenn die Zinsen steigen, aber gleichzeitig der Preis der Güter sinkt, wovon soll der Produzent dann die Zinsen zahlen, denn er bekommt ja noch weniger Gold von den Konsumenten
seiner Güter?
Dass der Preis für Güter sinkt ist kein Automatismus, sondern das Ergebnis einer erhöhten Produktivität. Nehmen Sie an, bei gleichbleibender Geldmenge könnten die Automobilhersteller ihre Autos deutlich preisgünstiger produzieren, während eine Rinderseuche der Milchwirtschaft zu schaffen macht. Dies würde dazu führen, dass Autos im Preis sinken, während Milch im Preis steigt. Der Preis für Autos sinkt, weil es sich die Hersteller leisten können, die Preissenkungen sind nicht exogen vorgegeben. Branchen, die ihren Output nicht steigern können, oder ihn gar senken müssen, müssen bei gleichbleibender Nachfrage nicht mit Preissenkungen rechnen.
4. Ergibt sich aus 1-3 nicht, daß der Zins eine Art Preisfixing ist, und somit dem freien Markt entgegenwirkt, bzw.
Nein, da dieses "Preisfixing" ja freiwillig von den Marktteilnehmern vereinbart wurde. Wenn Sie ein Abonnement abschließen, in dem Sie versprechen, über ein Jahr einen bestimmten Betrag für jedes Magazin zu zahlen, wirkt das doch auch nicht dem freien Markt entgegen, oder?
Übrigens kann man auch variable Zinsen vereinbaren, damit sind aber zuletzt in den USA viele Hausbesitzer und mit ihnen die Banken baden gegangen.
5. Warum überhaupt ein (zusätzlicher) Zins als Entschädigung, wenn der Wert des (nur Gold!)Geldes durch die Produktivitätssteigerung steigt,
ergo der Verleiher sowieso mehr Geldwert zurückbekommt, gewissermassen je länger er es verleiht? (Was bei Trabbi und Ferrari nicht der Fall ist)
Weil der Kreditgeber theoretisch auch das Geld bei sich im Tresor aufbewahren könnte und warten, bis es an Kaufkraft gewinnt. Der Vorteil hierbei wäre, dass er es einerseits jederzeit zur Verfügung hat, falls er sich etwas kaufen möchte, er ist also jederzeit liquide. Gleichzeitig muss er nicht befürchten, dass sein Kreditnehmer zahlungsunfähig wird oder mit seinem Geld abhaut, er ist also einem geringeren Risiko ausgesetzt. (Übrigens sagen Sie hier genau das Gegenteil von Frage 2!)
6. Würde folglich der Zins in einer reinen
Goldgeldwirdschaft nicht sowieso gegen Null tendieren, wenn sie denn "rein" bliebe
Nein, der Zins spiegelt immer die Zeit- bzw. Liquiditätspräferenz der Bevölkerung wieder. Ein Nullzins würde zeigen, dass die Marktteilnehmer absolut keinen Liquiditätsbedarf, bzw. eine Zeitpräferenz von 0 haben, was absolut unvorstellbar ist. Der Marktzins für langfristige Kredite entspricht übrigens ziemlich genau dem Unternehmerlohn für dessen eingesetztes Kapital. Ein Zinssatz von Null würde bedeuten, dass die allermeisten Unternehmer absolut nichts oder nur sehr wenig für ihr eingesetztes Kapital erwirtschaften. Ein solcher Zustand würde, würde er denn eintreten, nicht besonders lange anhalten.

Die Fragen 7 und 8 verstehe ich nicht ganz, vielleicht können Sie die ja umformulieren.

Fatal, am 30. Dezember 2009 um 10:59 ( Link )

Hallo Herr Henke,

Sie spielen wahrscheinlich auf den Cantillon-Effekt an, der mir, als ich den Text geschrieben habe, ebenfalls durch den Kopf ging. Und damit haben Sie natürlich vollkommen recht.
Ich wollte hierbei mit dem Mythos aufräumen, dass Inflation die Wirtschaft "ankurbelt", während Deflation die Wirtschaftsleistung hindert. Beide Phänomene haben keinerlei positive oder negative Auswirkung, sofern die meisten Marktteilnehmer gleichermaßen davon betroffen sind.
Bei einer Geldmengenausweitung ist es selbstverständlich so, dass die Erstbezieher des neuen Geldes auf Kosten der Letztbezieher profitieren.
Bei einer produktivitätsinduzierten Deflation ist es übrigens genau umgekehrt von der Situtation, die einige hier im Forum unterstellt hatten: Diejenigen Branchen, die die stärksten Preissenkungen verbuchen, sind meist die profitabelsten, da bei ihnen die größten Produktivitätszuwächse zu verzeichnen sind (verlgeiche mein Vergleich von Autoherstellern und Milcherzeugern im obigen Beitrag).

dickbrettbohrer, am 30. Dezember 2009 um 11:55 ( Link )

Für ein reibungsloses Funktionieren der arbeitsteilige Wirtschaft ist die Geldmenge völlig unerheblich. Deflation ist deshalb der Wirtschaftsleistung nicht abträglich.
Wenn die Produktivität steigt, weil es neue arbeitssparende Technologien gibt oder die Menschen eben mehr arbeiten, entwickelt sich eine deflationäre Tendenz, sofern nicht durch staatliche Eingriffe die Geldmenge willkürlich und künstlich vermehrt wird. (Schöpfen von Fiat Money ist nichts anderes als das Abschöpfen des entstandenen Wohlstandsrahms, was den Leuten so lange verborgen bleibt, als durch verbesserte Technologie oder Fleiß eine Produktivitätssteigerung vorhanden ist.)

Beispiel:
Stellen wir uns vor, das Brot stellt das gesamte Warenangebot eines Volkes dar, das Goldstück ist das Gesamtvermögen.
Vermehrung des Brotangebots, etwa durch verbesserte Ernten und Backmaschinen bei gleichbleibender Geldmenge ergibt im Verhältnis folgendes Bild:

1 Brot = 1 Goldstück
2 Brote = 1 Goldstück, 1 Brot = 1/2 Goldstück
4 Brote = 1 Goldstück, 1 Brot = 1/4 Goldstück
3/4 Goldstück kann gespart – d.h. in weitere Wohlstandsaufgaben investiert werden, die nach einer gewissen Zeitspanne allen zugute kommen.

Die Geldmenge bleibt gleich, während das Warenangebot steigt.
Man behilft sich durch Teilung der Geldeinheiten in Halbe, Viertel, Achtel usw. Kleinere Einheiten können fast unbegrenzt eingeführt werden. Wenn ich nicht irre, ist die Silberwährung aus diesem Grunde eingeführt worden. Man möge mich berichtigen, falls ich damit falsch liege. Deflation führt zu allgemeinem Wohlstand, das Geld dient als Wertaufbewahrungsmittel. Der private Sack hat kein Loch: staatliche Diebereien finden nicht statt, ein institutionalisiertes Schmarotzertum kann nicht gedeihen. Es profitieren die Fleißigen, die Sparsamen und damit die gesamte Volkswirtschaft. Für die Politik gibt es hier freilich wenig zu tun und wenig zu gewinnen.

Deflation kann auch durch schrumpfende Geldmengen bei gleichbleibendem Warenangebot erfolgen. Ich bin historisch zu wenig bewandert, um sagen zu können, ob dies schon irgendwann der Fall war. Ich stelle mir vor, daß die Menschen in einem solchen Falle jedoch rasch auf andere, meinetwegen kreative „Währungen“ ausweichen würden: Wenn Menschen miteinander Handel treiben wollen, dann finden sie auch die indirekten Tauschmittel dazu, ganz unabhängig von bevormunden wollenden Autoritäten. GraueEminenz hat das ja wunderbar historisch belegt.

Umgekehrt sehe ich die Inflationierung des Geldes ausschließlich als betrügerisches Monopolwirken des Staates an. Das hübsche Märchen, die Geldmenge müsse gleichzeitig mit der Warenmenge steigen, hat man erfunden, um von den eigentlichen, niedrigen Motiven des fiskalischen Raubes abzulenken. Es gibt leider genügend naive Geister, die das glauben, weil es ihnen auf den ersten Blick als logisch einleuchtet. Zahlenspielereien beeindrucken halt, wenn man nicht denken will.
Inflation ist immer Umverteilung von Kapital, fort von den Arbeitsamen und Sparsamen, hin zu den politisch organisierten Schmarotzergruppen. Das bleibt so lange unbemerkt, als der Wohlstand steigt oder mindestens gleichbleibt. Die formal in der Buchhaltung auftauchenden Gewinne sind jedoch nur Luftnummern. Bei der Inflation wird das Kapital aufgezehrt, aber die großen Zahlen lenken von dieser Gefahr ab und täuschen Wohlstand vor, wo keiner ist.
Den Gewinn der Inflationsspekulation streichen die staatsnahen Eliten ein. Sie bereichern sich auf Kosten des Volkes. Das ist ähnlich wie beim Bienenstamm: der Imker klaut den emsig gesammelten Honig und spendet den betrogenen Insekten wertloses Zuckerwasser.

Schauen wir mal, wie es mit den Broten aussieht, wenn wir eine Inflation haben:

1 Geldeinheit = 1 Brot
2 Geldeinheit = 1 Brot, 1 Geldschein = 1/2 Brot
4 Geldeinheit = 1 Brot, 1 Geldschein = 1/4 Brot
3/4 Geldschein ist den rechtmäßigen Eigentümern verloren – d.h., die Geldmenge geht sinnvollen Investitionen verloren, weil sie durch verdeckte staatliche Enteignung dem kapitalverzehrenden Konsum zugeleitet wurden. Inflation ist Umverteilung des Geldvermögens von den Wertschöpfenden zu den Schmarotzern.

Das geht lange Zeit gut, erstaunlich lange! Die Gefahr ist, daß wie bei allen Unternehmungen die Verflechtungen und Verpflichtungen wachsen. Es entsteht eine schier unheimliche Eigendynamik. Dieser Zeitpunkt scheint bald gekommen zu sein. Manchem Inflationsgewinnler dürfte es inzwischen schwül geworden sein, aber der Karren läßt sich nicht mehr bremsen.

Zum Gold kann immer nur wiederholt werden: es ist nicht in beliebiger Menge und in kürzester Zeit willkürlich vermehrbar, seine Förderung verursacht Kosten. Darin liegt sein Wert – dieser Wert unterliegt natürlich ebenfalls Schwankungen, denn Gold kann man ebensowenig essen wie das staatlich emittierte Fiat Money. Der innere Tauschwert von Gold oder Geld kann nicht exakt festgelegt werden, weil er Ergebnis millionenfacher Reaktion, Aktion und Stimmung der Marktteilnehmer widerspiegelt. Geld ist eben nur ein fiktives Bilanzierungsmittel eigener Arbeit und Forderung auf dem arbeitsteiligen Markt, niemals eine objektiv quantifizierbare Entität. Das Wesen des Geldes darf niemals mit seiner Erscheinungsform als Rechnung verwechselt werden. Das Wesen des Geldes ist Psychologie.

U , am 30. Dezember 2009 um 12:25 ( Link )

@die fleissige Graue Eminenz
Hut ab! Ihre Beiträge in diesem Thread sind faktensicher, eloquent und besser als die eines manchen Stammautors der Redaktion.
Vielen Dank!

Haderach, am 30. Dezember 2009 um 13:54 ( Link )

@dickbrettbohrer
Die Beispiele mit dem Brot sind ja ganz nett, ich befürchte nur dass man damit keine brauchbare Abbildung echter wirtschaftlicher Vorgänge erhält.
Ein Beispiel aus meinem Berufsleben, aus einem fundamental wichtigem Bereich unserer Wirtschaft, der allerdings so gut wie keinerlei Möglichkeiten für weitere Produktivitätssteigerungen bietet:

In Österreich werden jährlich ca. 45000 Wohneinheiten gebaut, etwa zur Hälfte von sog. Wohnbaugenossenschaften unter dem Titel "sozialer Wohnbau".
Diese sind zu 100% fremdfinanziert, der Anteil der Fremdfinanzierung der anderen Hälfte liegt mit Sicherheit auch über 50%.
Man benötigt also konservativ geschätzt jährlich Kredite in Höhe von ca. 5 Mrd Euro um den Wohnbau in Österreich aufrecht zu erhalten. Das würde bei einer Golddeckung - soweit ich das verstehe - bedeuten, dass der österreichische Staat (europ. Zentralbank) diese Geldschöpfung aliquot mit Gold bedecken müßte. Wir sprechen hier immerhin von ca.2% des österr. BIP's (das entspricht in etwa dem Budget für Bildung und Kunst), und ich gehe davon aus dass sich in anderen Ländern die Zahlen ähnlich darstellen.
Die europäische Zentralbank müßte ihre Goldvorräte also jährlich um ca. 350 Mrd. Euro aufstocken, nur um den üblichen Wohnungsbau in der Eurozone aufrechterhalten zu können.

Die momentane jährliche Goldförderung in Höhe von ca. 2600 Tonnen erhöht den gesamten vorhandenen Goldbestand gerade einmal um ca. 1,7% jährlich. Geht man von weltweiten Kreditkosten für Wohnungsbau in Höhe von 2% des BIP aus, deckt die weltweite Goldschürfung nicht einmal diesen Kreditbedarf.

dickbrettbohrer, am 30. Dezember 2009 um 14:44 ( Link )

Meine unmaßgebliche Meinung dazu: Hier dreht sich bereits ein Blasenkarussell. Blöff kann eben nur durch Blöff aufrechterhalten werden. Den Bodenkontakt hat diese Staatsplanwirtschaft mit den Luftbanknoten schon längst verloren.
Ich habe in einem früheren Kommentar geschrieben, daß ein einmal künstlich errichtetes System auch künstlich erhalten werden muß. Insofern haben Sie schon recht, Haderach. Ich betrachte die Dinge aber mehr von einer anderen Seite.
Konkret kann Ihnen vielleicht unsere geschätzte Graue Eminenz antworten.

Ich glaube nicht, daß mein Brotbeispiel so ganz daneben ist. Es geht mir ja um die grundsätzlichen Einsichten, nicht um komplizierte Rechnereien in bereits aufgeblähten Kunstgebilden. Die dann irgendwann wie Kartenhäuser zusammenstürzen MÜSSEN.

FritzLiberal, am 30. Dezember 2009 um 15:13 ( Link )

@Haderach: bei einer 100% Golddeckung müsste sich der Staat massiv zurücknehmen, das ist ja der Witz bei der Sache.

Dirk Friedrich, am 30. Dezember 2009 um 15:15 ( Link )

1. woher kommen bei (ziemlich) gleichbleibender Gold-Geldmenge die zusätzlichen Goldeinheiten, die für die Zahlung der Zinsen und Zinseszinsen erwartet werden?

Münder werden zu voll genommen. Und manchmal werden Erwartungen eben enttäuscht. M.a.W.: Nicht jedes Zahlungsversprechen ist erfüllbar oder wird efüllt.

Ich wünsche allen Teilnehmern einen guten Rutsch.

Haderach, am 30. Dezember 2009 um 15:22 ( Link )

Genauso wie jede Nahrung, jedes Medikament, jedes Getränk zum Gift wird, wenn man es über ein bestimmtes Maß hinaus konsumiert, so ist das rechte Maß auch für jede Form von Wirtschaft und Finanz der springende Punkt..
Dieses rechte Maß zu gewährleisten ist eigentlich Aufgabe der Politik. Das wirksamste Mittel zum erreichen einer maßhaltigen Wirtschaft ist die Herstellung eines funktionierenden Marktes. Doch auch dieser hängt von politischen Rahmenbdingungen ab um funktionieren zu können.
Daher ist die Ursache jedes Problemes, und gleichzeitig auch die mögliche Lösung, die Politik.
Angesichts der Qualität des gegenwärtigen politischen Personals eine beunruhigende Tatsache.

Es gibt kein Allheilmittel wie den Goldstandard, kein schwarz oder weiß, die Welt ist grau, genauso grau wie jede Theorie.

GraueEminenz, am 30. Dezember 2009 um 15:27 ( Link )

Dr. Spele et al.:
"Historisch sind ja auch Zentralbanken Privatbanken, die zunächst mal den Potentaten Geld für ihre Untaten liehen, und dafür dann mit dem Recht auf Ausgabe von Banknoten gegen Staatsschuldverschreibungen belohnt wurden - im Fall der Bank of England konnte von einer Golddeckung dieser Noten seit ihrem Anbeginn schon im 17. Jahrhundert nicht mehr die Rede sein [wie Adam Smith beschreibt], während das britische Empire, was sich so aufbaute um die Schulden in anderen Ländern einzutreiben ja durchaus "erfolgreich" war, bis seine "historische" Aufgabe, nämlich als Empire oder eben STAAT die Geldverleiher/Drucker mit dem nötigen Nachdruck zum Annahmezwang ihrer Noten maximal zu bereichern, erfüllt war?"

Da bereits andere auf einige Ihrer Fragen geantwortet haben, hier erstmal nur ein Kommentar zu Ihrer obigen historischen Feststellung:
Es ist durchaus richtig, dass es bereits seit Menschengedenken immer wieder Versuche gab, die Deckung (durch Gold oder Silber, jedenfalls durch werthaltiges) zu verwaessern, oder Muenzen mit geringerem Edelmetallgehalt als dem staatlich verordneten Wert zu praegen. Auch Nutzer versuchten sich an der Verwaesserung.
Noch heute praegen die Staaten Muenzen mit Raendelungen, die damals eingefuehrt wurden, weil Marktteilnehmer an den Raendern der Muenzen herumfeilten, d.h. etwas Goldstaub einbehielten bevor sie die Muenze weitergaben. Mit der Raendelung war das erkennbar und damit verhindert.
Aber all diese staatlichen, halb-staatlichen oder privaten Eingriffe waren lokaler Natur (wie gross auch immer in ihrer regionalen Ausdehnung).
Was aber, und zwar letztlich erst seit 1971 (!) sich gegenueber der GESAMTEN Menschheitsgeschichte -erst in den letzten Jahrzehnten- grundlegend geaendert hat und was diese heraufziehende Krise von anderen unterscheidet, ist dies:
Zu JEDER Zeit in der vorausgegangenen Menschheitsgeschichte, in der Geld als Tauschmittel und Handel bereits eine Rolle spielten, gab es IMMER eine, meist mehrere, unzaehlige, Konkurrenzwaehrungen, von denen wenigstens einige gold- oder silber- etc. -gedeckt waren.
Wenn also eine Bank of England oder sonstwer IHRE Waehrung verwaesserten, wichen die Handelspartner auf diese werthaltigeren aus. Somit stand jeder (auch staatliche) Geldfaelscher in Konkurrenz zu echten Waehrungen. Dies schraenkt Umfang und Zeitdauer der Faelschungserfolge ein und es gibt auf der Gegenseite jeweils ein Instrument, das die eigenen Versuche verdraengt und damit verhindert, dass der Umfang des Betruges ein so grosses Mass erreicht, dass ueberhaupt ein "too big to fail"-Problem entstehen konnte.
Kaufleute sind ja i.d.R. nicht doof und es genuegen bereits Geruechte ueber mangelnde Deckung, um einen Handelspartner hoeflich aber bestimmt auf Abrechnung in anderer Waehrung, zur Not eben in physischem Gold, zu verweisen.
In der Neuzeit erst traten zwei Entwicklungen ein, die dieses Ausweichen ueber weite Strecken verhindert oder verzoegert haben:
- Die Erklaerung der jeweiligen National- oder Gebiets- (Euro) -Waehrung zum "gesetzlichen Zahlungsmittel" ("legal tender") UND
- das System der sich gegenseitig ihre Waehrungen stuetzenden Zentralbanken (Bretton-Woods-Abkommen).
Wenn nach 1944 ich die Waehrung eines Bretton-Woods-Partnerlandes kaufte, um dem Dollar zu entgehen, falls ich ihn subjektiv fuer ueberbewertet hielt, nuetzte das nichts mehr, denn "meine Heimat"-Waehrung war ebenfalls Dollar-gegen"gedeckt", d.h. irgendwie kaufte und handelte ich ja ohnehin immer mit US-Dollar. Das Ausweichen auf Gold etc. war mir aber wegen der legal-tender-laws untersagt.
Deren ersatzlose Abschaffung wuerde bereits genuegen, um das gesamte staatliche Geldgeschaeft binnen weniger Monate zu verdraengen und die internationale Finanzwirtschaft zu sanieren.
Nach 1944 konnte aber immer noch jede angeschlossene Zentralbank (nicht mehr Privatleute) ihre Dollars in physisches Gold eintauschen (35 Dollar je Feinunze), d.h. der Dollar selbst war zwar nicht mehr gold-gedeckt im Wortsinne, da die Zentralbank Fed wesentlich weniger Goldreserven hatte, als "gedeckte" US-Dollar im Umlauf waren, aber das System funktionerte solange, wie jeder daran festhielt und NICHT auf Eintausch bestand, weil er darauf vertraute, andere taeten es auch nicht UND die US-Fed wuerde IM ZWEIFEL dem Einloeser SEINEN Gold-Anteil auszahlen.
Das ging solange gut, bis de Gaulle Anfang der Siebziger dafuer sorgte, dass seine franzoesische Nationalbank ihre Dollar-Schaefchen ins Trockene brachte, d.h. das US-Gold gegen ihre US-Dollar-"Reserven" repatriierte. Grund waren die Staatsverschuldung der USA durch Vietnamkrieg und Dollar-Inflation als Folge verstaerkt durch de Gaulles Misstimmung ueber die USA, die Frankreich in Indochina im Stich gelassen hatten.
Damit sanken die Gold-Vorraete der US-Fed auf so geringe Mengen (oder drohten ganz auszugehen), dass Nixon 1971 von einem Tage auf den andern das "gold window" schloss. SEITDEM sitzen alle Zentralbanken, allen voran China, auf wertlosen, weil nicht gedeckten Dollar"reserven", und diese "Gegenwerte" in ihren Bilanzen sind also Luftnummern.
Das ist die Menschheitskatastrophe schlechthin. Wie in den Comics, wo der Fluechtende ueber die Klippe hinausschiesst und erst dann wirklich zu fallen beginnt, wenn er erstmals nach unten sieht, trudelt die Weltwirtschaft seither auf diesen Mahlstrom, der alle Waehrungen mit sich reissen wird, und der gerade begonnen hat, Fahrt aufzunehmen, unweigerlich zu.
Eine Rettung gibt es nicht, ausser eigener Landwirtschaft. Gold kann man solange kaufen, wie noch gegen wertlose, ungedeckte Scheine welches verkauft wird, das wird aber bald zuende sein. Und wenn Roosevelt ein Obama-Vorlaeufer war, so wird einem das Gold dann wieder abgenommen (Gold-Besitz-Verbot in USA von 1933-1975!).
Was das alles nach sich zieht und wo die Menschheit nach diesem Crash stehen wird, vermag niemand vorherzusagen, aber eines ist klar: die bisherigen Waehrungen wird es SO dann nicht mehr geben, ausser im Musuem und als Wandtapete oder Heizmaterial.
Die meisten heute Lebenden werden es noch erleben, aber nicht alle UEBERleben ...

barthel_berand, am 30. Dezember 2009 um 15:27 ( Link )

@Haderach + DBB

Man benötigt also konservativ geschätzt jährlich Kredite in Höhe von ca. 5 Mrd Euro um den Wohnbau in Österreich aufrecht zu erhalten. Das würde bei einer Golddeckung - soweit ich das verstehe - bedeuten, dass der österreichische Staat (europ. Zentralbank) diese Geldschöpfung aliquot mit Gold bedecken müßte.

Der letzte Satz impliziert, dass Sie davon ausgehen, Kredite könnten immer nur aus neuer Geldschöpfung entstehen. Das ist prinzipiell falsch; aber leider heute in facto eher die Regel als die Ausnahme und damit in einem Teilreservebankensystem mit einem Mindestreservesatz von 2% empirisch gesehen eher richtig. Genau das ist aber leider das Problem.

In einer ´gesunden´ Wirtschaftswelt, die den meisten hier vorschwebt und in der das Geld an irgendetwas angebunden ist (Gold, Rohstoffkorb, etc.), würden Kredite ausschließlich aus Ersparnissen anderer gewährt. Der Mindestreservesatz läge bei 100%. Banken hätten nur noch die Aufgabe, die Kreditvergabe zu Koordinieren, so wie es früher einmal war. (Losgrößen, Risiko- und Fristentransformation). Dazu bedarf es dann eben nicht einer zusätzlichen Geldschöpfung aus dem Nichts, wodurch wir eh alle früher oder später in den Ruin getrieben werden. Mathematisch zwangsläufig.

@ DBB

Ich bin schon mehrfach bei dem Versuch gescheitert, Beiträge abzuspeichern. Haben sie einen Tip für mich?

BB

Dr. Spiele, am 30. Dezember 2009 um 15:44 ( Link )

Die Fragen 7 und 8 verstehe ich nicht ganz, vielleicht können Sie die ja umformulieren.

@fatal, fatalerweise haben Sie nicht mal die erste Frage verstanden, bzw. sind ihr reflexhaft ausgewichen, wofür ich wärmstes Verständnis habe, woraus sich dann aber zwangsläufig Ihre für mich ebenso unbefriedigende restliche Verfahrensweise ergibt, aber trotzdem Danke für Ihre Bemühungen.

Für den von Ihnen angesprochenen Widerspruch zwischen Frage 2 und Frage 5 kann ich übrigens nichts, sondern der ergibt sich logisch aus den Vorträgen seiner "Grauen Eminenz" weiter oben, denen ich ja auch gerne zustimmen würde,
aber bedauerlicherweise...

also gut, zweiter Versuch,

Ich zitiere zunächst seine Graue Eminenz:

Nun kann ich zufaellig selbst jemanden kennen, der sich Geld leihen will, und das Geschaeft mit ihm machen, aber erstens habe ich dann das Kreditrisiko und zweitens will ein Einzelner garantiert mehr ODER weniger leihen als ich bereit zu verleihen bin bzw. kann.
Also gebe ich es ebenfalls bei der Bank zur Aufbewahrung, aber fuer einen festgelegten laengeren Zeitraum mit der Massgabe, dass sie es AUF IHR RISIKO weiter verleihen darf. Dafuer will ich eine Entschaedigung, denn ich kann ja solange mit dem Geld nichts produktives anfangen – das ist der Grund dafuer, dass jemand Zinsen verlangt. Andererseits zahlt z.B. ein Bauer lieber ab heute Zinsen, um mit dem Darlehen JETZT Saatgut einzukaufen und NAECHSTES Jahr mehr Gewinn zu erzielen, als diese Zinsen wieder auffressen, als bis naechstes Jahr zu warten und es aus dem erst dann anfallenden Ueberschuss zu finanzieren

und frage nochmal ganz harmlos
besagte Frage Nummer 1, die anderen Fragen sind ja in ihr untrennbar verlinkt:


woher kommt im Goldstanddard das Gold zur Bezahlung dieser in Goldeinheiten erhobenen Zinsen und Zinseszinsen?

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Sphairon, am 30. Dezember 2009 um 16:04 ( Link )

@Dr. Spiele:

Hinsichtlich Ihrer ersten Frage bezüglich des Zinses dürften meine anderen Beiträge mit dem ABC-Beispiel relevant sein.

Haderach, am 30. Dezember 2009 um 16:21 ( Link )

In einer ´gesunden´ Wirtschaftswelt, die den meisten hier vorschwebt und in der das Geld an irgendetwas angebunden ist (Gold, Rohstoffkorb, etc.), würden Kredite ausschließlich aus Ersparnissen anderer gewährt. Der Mindestreservesatz läge bei 100%.

@barthel_berand
Die Sparguthaben in Österreich betragen 143 Mrd. Euro, das Kreditvolumen ca. 250 Mrd. Euro.
Glauben Sie nicht dass der Enzug von 100 Mrd. Euro Kreditvolumen eine verheerende Auswirkung auf unsere Wirtschaft hätte?

GraueEminenz, am 30. Dezember 2009 um 16:26 ( Link )

Dr. Spele:
"woher kommt im Goldstanddard das Gold zur Bezahlung dieser in Goldeinheiten erhobenen Zinsen und Zinseszinsen?"

Die Antwort hatte ich am Ende von
http://ef-magazin.de/2009/12/27/1760-marktkommentar-ein-recht-ruhiges-finanzjahr-2009-geht-zuende#c23387

wie folgt gegeben:

[Der Verleiher] "kann NUR drei Dinge tun:
a) er kann sie erneut ausgeben auf Bedarfsgegenstaende oder Produktionsmittel – und schwupp sind 105 Muenzen im Geldkreislauf.
b) Er kann sie erneut gegen Zinsen verleihen – und schwupp, sind sie erneut im Geldkreislauf.
c) ODER er kann sie horten, ohne Zinsen zu verlangen (Sparstrumpf), DANN sind sie fuer diese Zeit dem Geldkreislauf entzogen, und DANN muss der reale Wert des verbliebenen Geldes STEIGEN (echte Deflation). Was passiert normalerweise, wenn der Preis einer Ware steigt? Es werden ab einem bestimmten Punkt deren Eigner "schwach" und verkaufen, um den Gewinn mitzunehmen – also wird A ziemlich bald des gestiegenen Wertes seines Sparstrumpfes gewahr und gibt sie wieder aus, und, schwupp, sind sie erneut im Geldkreislauf, zumal ihm dafuer ja Zinsen winken."

Im Einzelnen:
a) WOHER kommt das Geld denn in nicht-[z.B. Gold]-gedeckten Systemen (heutiger Fall)? Sitzt da ein mit dem zweiten Gesicht begabter Mensch (die Qualitaet oekonomischer Prognosen kennen wir ja alle) und "druckt" genausoviel Geld nach, wie an zusaetzlichen Zinsen benoetigt werden? UND WENN das so waere: der Zinsempfaenger/Glaeubiger - wuerde der das neue, zusaetzlich ohne Deckung geschaffene Geld denn gerne als Zinsen wollen?
b) Die GeldMENGE ist naemlich fuer die Wirtschaft neutral, sie LAEUFT UM. Wer Zinsen erhebt oder zahlt, entnimmt sie dem umlaufenden Geld und gibt sie auch sofort wieder zurueck.
c) Entnimmt er sie dagegen (legt sie also -zwangslaeufig zinslos- weg, obiges Sparstrumpf-Beispiel) so schaedigt er nur sich selbst, da er nun weder was dafuer kauft noch Zinsen erhaelt. Die Geldmenge schrumpft dann voruebergehend um den weggelegten Betrag, und das Geld wertet auf (was ihn vermutlich neben den entgangenen Zinsen zusaetzlich motiviert, es dem Geldkreislauf wieder zuzufuehren).
"No man is an island" - Die UEBERSCHUESSE werden in einer Geldwirtschaft nicht anders angelegt als in der urspr. Tauschwirtschaft: irgendwann werden damit, wenn die unmittelbaren Subsistenzbeduerfnisse gestillt sind, dauerhaftere Gueter angeschafft. DIESE beiben, das Geld kommt wieder in Umlauf.
DENNOCH waechst die Geldmenge auch in Goldwaehrungswirtschaften TENDENZIELL an. Warum? Nun, wer eine Moeglichkeit hat, Gold "herzustellen", d.h. zu schuerfen, stellt wegen des bereits weiter oben beschriebenen Mechanismus der fallenden Preise, d.h. der permanenten Gold-AUFWERTUNG fest, dass es sich wieder mal lohnen wuerde, Gold auf den Markt zu werfen.
Die Goldmenge weitet sich also gerade in einer goldgedeckten Wirtschaft tendenziell aus, SOLANGE Gold zum jeweiligen Preis lukrativ zu foerdern und zu vermarkten ist.
Und in der Goldwirtschaft sind die Goldminen-Besitzer diejenigen, die Geld schaffen, aber dieser Vorgang der Urproduktion ist kein anderer als der der Eisen- ioder Kohlenfoerderung oder des Getreideanbaus!
Und Laender mit Goldfoerderung haben tendenziell einen Handelsbilanzueberschuss, alles Dinge, die man theoretisch lange schon erklaert und historisch der Theorie ensprechend beobachtet hat.
Das Geheimnis ist also, dass es keines gibt: Geld muss NICHT vermehrt werden, um einer stetig wachsenden Wirtschaft als gutes Tauschmittel zu dienen, wertet es jedoch zu sehr auf, zieht dies tendenziell, solange Gold ueberhaupt zu foerdern ist, auch seine Mengenausweitung nach sich.
Es kommt sogar mal zu Einbruechen, etwa, als die Goldvorraete Suedanerikas angezapft wurden. Deren Kosten waren aber nur deshalb so gering, weil sie, anders als heute denkbar (hoffentlich) auf "kostenguenstigem" Raub beruhten. Auch die in den Minen eingesetzten Indios wurden regelrecht verschlissen, d.h. anders als in einer vertraglich geregelten Arbeit, wurden nicht mal Substistenzkosten bezahlt! Dadurch kam kurzzeitig die Recheneinheit Gold in Europa etwas arg ins Wanken, aber abgesehen davon, dass dies eine Anomalie ist, wie sie anderswo durch Kriege oder Kulaken- oder Judenenteignung auch vorkommen kann (aber, da sind wir uns ja wohl einig, nicht zulaessig sein sollte), hoert das recht schnell auf. Nicht so bei der Geldfaelschung durch Notenbanken: deren Kapazitaet ist eben unbegrenzt, d.h. eine UNTERGRENZE der Geldentwertung (auch der Goldraub bei den Mayas verursachte immerhin Kosten!) gibt es da eben nicht UND niemand wird das Gold/Geld, wie damals passiert, dann voruebergehend horten und auf bessere Zeiten warten, da er an dessen intrinsischen Wert fest glaubt, denn NIEMAND glaubt an einen intrinsischen Wert ungedeckten Papiergeldes!

GraueEminenz, am 30. Dezember 2009 um 16:32 ( Link )

Haderach:
"Glauben Sie nicht dass der Enzug von 100 Mrd. Euro Kreditvolumen eine verheerende Auswirkung auf unsere Wirtschaft hätte?"

DOCH doch, glaube ich ohne weiteres.

Das Pikante daran ist doch: genau der zuviel geschaffene "Kredit", der also auf ungedecktem, ungezuegeltem, Zentralbank-Geldmengenwachstum beruht, fuehrt ja nicht zu etwas Gutem.

DAS IST DOCH DER GRUND DER DERZEITIGEN KRISE!!!

Also kann man doch nur zwei Dinge anmerken:
a) Es haette in Oesterreich und anderswo diese ueberschuessigen Kredite nie geben duerfen (die genauen Zahlen tun hier nichts zur Sache, das Berichtswesen ist ja zusaetzlich noch sehr fragwuerdig!).
b) Ungerechtfertigte Kredite erzeugen Blasen anstatt Werte zu schaffen.
Und FOLGLICH: wenn sie schon entstanden sind, gbt es nichts besseres, als sie SCHNELLSTMOEGLICH zurueckzufuehren. Natuerlich ist das schmerzhaft, aber das, was nun folgt, weil man es nicht macht, wird grausam selbst fuer die, die reale Deckung unterlegt haben!

Haderach, am 30. Dezember 2009 um 18:39 ( Link )

@GraueEminenz
Es gab auf dem österreichischen Immobilienmarkt -oder auch sonstwo in der österreichischen Wirtschaft - allerdings keinerlei Blase in den letzten 20 Jahren. Im Gegenteil: Es werden eigentlich zu wenig Wohnungen gebaut, der Bedarf liegt ca. 20% über der Bautätigkeit.
In bin voll bei Ihnen was die Ursache der Finanzkrise in den USA betrifft. Zuviel Kredit an die falschen Leute.
Daraus ist m.M. nach aber nicht der Schluss zu ziehen, dass mehr Kredit als Sparguthaben grundsätzlich zu einer Blase führt.
Unser wahres Problem ist die krebsartige Wucherung eines gigantischen unproduktiven Sektors aus Bürokraten und Verwaltung. Hier findet die echte Geldvernichtung in Europas Sozialstaaten - goldgedeckt oder nicht - statt.

GraueEminenz, am 30. Dezember 2009 um 19:22 ( Link )

Lieber Haderach,
doch, Oesterreich hat das nicht so sehr im eigenen Land gemacht, sondern in den oestlich benachbarten (vgl. auch Bayern LB und Alpe Adria). Man kann Inflation aber importieren.
Nicht mehr Kredit als Sparguthaben fuehrt zu Blasen, sondern Kredit ohne adaequate Sicherheiten, d.h. wenn fuer etwas mehr bezahlt wird, als es wert ist, steigt der Preis. Wenn mehr Kredit ausgegeben wird, als gerechtfertigt, steigt der Preis auch - nur dass die Rueckzahlung nicht klappt, denn die muss aus dem tatsaechlichen und nicht dem fiktiven wert erfolgen. So in USA, Spanien usw. und auf den Aktienmaerkten.

Gestatten Sie mir, Ihren Beitrag vom 30. Dezember 2009 um 9:21 als Grundlage fuer ein paar Klarstellungen zu nutzen.
Er enthaelt sozusagen saemtliche "fallacies", die gegen gedeckte Waehrungen vorgebracht werden.
1.) "Was würde die Einführung eines Goldstandards bedeuten? Zuerst einmal müßte die Goldbasis in ihrem Wert der zu deckenden Wirtschaftsleistung angepasst werden. Der Goldpreis müßte also gigantisch aufwerten."
NEIN, wie oben an verschiedenen Stellen ausgefuehrt, die GeldMENGE ist nicht das Thema – das Geld LAEUFT UM. Der Goldpreis (pro Gewichtseinheit, z.B. Unze) ist eine Funktion einerseits der Gestehungskosten (langfristige Untergrenze) und der Nachfrage. Was die kalkulatorischen Kosten des Goldes angeht, sagen Sie nichts anderes als "da die Preise der anderen Gueter relativ zum Gold sinken werden, sinken dessen Gestehungskosten und der Preis des Goldes … bleibt im wesentlichen gleich …".

2.) "Man kann davon ausgehen, dass kein Staat der Welt es zulassen wird, dass Privatanlager, div. Fonds, institutionelle Investoren, Bergbauunternehmen etc. von einer, sagen wir einmal Verfünfzigfachung des Goldpreises profitieren."
DOCH, nolens volens: der Goldpreis wertet derzeit auf und wird es (Lenin: "Drei Schritte vor, zwei Schritte zurueck") unaufhoerlich weiter tun. Das kann kein Staat verhindern. Friedrich Engels: "Es ist sinnlos, Gesetze gegen wirtschaftliche Gesetzmaessigkeiten zu erlassen".

3.) "Der Goldbesitz würde monopolisiert werden, niemand sollte daher einen Goldstandard mehr fürchten als die Besitzer von Gold."
Da haben Sie recht – siehe Roosevelts Verbot des Goldbesitzes 1933, das erst 1975 wieder aufgehoben wurde. Aber: wenn dann das ausgegebene Geld 100% GOLD-gedeckt waere, wuerde ich ja privat dennoch Gold besitzen duerfen – JEDER GELDSCHEIN waere "Gold wert". Und dann waere das Goldverbot wieder voellig sinnlos, zoege aber, wie die Prohibition, nutzlose Verfolgungskosten nach sich.

4.) "Zusätzlich handelt man sich international mit einem Goldtandard die selben Probleme ein, die man mit dem Öl schon hat: Es gibt Staaten mit großen natürlichen Goldvorräten. Diese würden über Nacht unglaublich reich, und zum Ziel politischer und militärischer Interessen."
NEIN, das gilt doch bereits jetzt – wo sind denn Obamas Truppen in Suedafrika einmarschiert, heute oder in achtziger Jahren?
Der Gedanke hinkt aber auf einem andern Bein zugleich: OEL ist ein VERBRAUCHSGUT, dessen Knappheit einschneidende Auswirkungen haben kann, so wie Wassermangel. GOLD als UMLAUFSMITTEL ist damit nicht vergleichbar!

5.) "Wer sagt, dass die Bindung des Geldes an das Gold - die ja in einem politischen Prozess festgelegt wird - nicht jederzeit verändert werden kann? Ganauso wie eine Notenbank Geld drucken kann, kann die Preisbasis der Goldbindung politisch geändert werden, mit dem selben Effekt."
NIEMAND sagt das direkt – aber die Preisbasis der goldgedeckten Waehrung KANN MAN NICHT AENDERN! Wenn der Dollarschein ein Achtzehntel, spaeter unter Roosevelt ein Fuenfunddreissigstel einer Feinunze wert ist, dann ist der Dollar durch diese Manipulation ABGEWERTET worden. AB DEM TAG DANACH muss dann fuer Gueter das Doppelte bezahlt werden, wenn der Gueter-Verkaeufer weiterhin denselben Gold-Betrag erloesen will. GERADE DARUM ist ja eine Gold-Waehrung nicht manipulierbar – der Schein repraesentiert eine bestimmte Menge Gold, UND DEREN WERT wird getauscht. Aendert der Staat das dreimal hintereinander willkuerlich, wird keiner mehr die Scheine haben wollen und wieder auf physischem Gold bestehen. Ende der Manipulation.
Im Uebrigen habe ich auch nie gehoert, dass ein Pfandbrief mit drei Buerohochhaeusern besichert wurde und nach einem halben Jahr hat die Hypothekenbank gesagt: "Aetsch, jetzt repraesentiert er nur noch einen Bueroturm." VERBRIEFUNG ist gekennzeichnet durch die Konstanz des "underlying".

6.) "Kredit ist die wichtigste Nahrung einer jeden Wirtschaft"
NEIN, GUETER sind es. Kredit wird besichert ausgereicht (unter Freunden mag ein Ehrenwort genuegen). Die jetzige Krise ist gerade dadurch entstanden, weil diese Erkenntnis missachtet wurde.
Wer SICHERHEITEN anbieten kann UND gute Geschaeftsaussichten hat, die den "Cash Flow" fuer Zins und Tilgung GARANTIEREN, hat KEIN Kreditproblem. ER BRAUCHT AUCH KEINE BANK – siehe Quickborn, das sich Geld bei seinen Buergern geliehen hat. Die jetzige Kredit"klemme" ist darauf zurueckzufuehren, dass die Sicherheiten nicht sicher genug und die Geschaeftsaussichten kaum prognostizierbar sind. Die Banken dafuer zu tadeln, dass sie ENDLICH auf Sicherheiten bestehen, ist unehrlich. Und DA DIE SICHERHEITEN FEHLEN, laesst sie sich auch nicht loesen, sondern es werden Eigenkapitalhilfen ("FONDS" – siehe Vorschlag Ackermann) diskutiert, d.h. ZUERST will man die Unternehmen mit (geschenktem? wer's glaubt wird selig …) Eigenkapital staerken, um dieses dann wieder beleihen zu koennen. Welch ein Bloedsinn!!! Das ist Muenchhausen literarisch mit dem eigenen Schopf gelungen, wer das aber im Ernst versucht, hat nachher die Haare in der Hand …

7.) "Die 3% Neuverchuldung lt. Maastricht, die offenbar ein Minimalverschuldungsnaturgesetz darstellen, einzusparen sollte für keinen Staat ein Probelm sein."
ABER WOHL, die meisten Staaten haben die 3% nicht mal geschafft. Aber auch hier ist ein Denkfehler: die 3% sind die jaehrliche NEU (= ZUSAETZLICHE) -verschuldung im Verhaeltnis zum Bruttoinlandsprodukt (noch so eine fiktive Masszahl, die u.a. die "Investitionen" enthaelt, die der Staat mit diesen Schulden taetigt …). UND Maastricht sagt, die GESAMTverschuldung duerfe 60% des BIP nicht ueberschreiten (das wird mittlerweile gar nicht mehr erwaehnt – aber welcher Journalist hat den Masstricht-Vertrag im Original gelesen – ich schon). Tut sie aber, der Staat muesste also erstmal SCHULDEN ABBAUEN – historische Tatsache ist, dass das nie passiert – und das schon seit Adam Smiths Schlusskapitel …

8.) "Man müßte nur einmal ein paar unpopuläre Entscheidungen treffen. Politker tun das nicht, und ich glaube nicht dass ein Goldstandard das ändern würde. Wirksamer wäre m.M. nach ein verfassmäßiges Festschreiben einer Nullverschuldung, inkl. dem Festlegen von budgetären Richtlinien wie z.B.: …"
Also wie jetzt? Die goldgedeckte Waehrung befuerchten Sie, wird der Staat auch manipulieren, aber an den Verfassungstext wagt er sich nie ran???

9.) "Am Ende sind alle Regeln, alle Standards, alle Preisbindungen etc. keine Naturgesetze, sondern politische Entscheidungen, die auch auf politischen Weg geändert werden können."
NEIN, Angebot und Nachfrage, d.h. z.B., dass mehr Geld bei gleicher Guetermenge (Inflation) zu Preissteigerungen = Geldentwertung und Verarmung fuehrt ist ein NATURGESETZ. Und das wusste auch schon Friedrich Engels, s.o. KEIN STAAT kann das AENDERN, NUR DAGEGEN VERSTOSSEN. Die Schwerkraft ist ein Naturgesetz, ich kann sie nicht aendern, nur dagegen verstossen, d.h. vom hundertsten Stock springen und bis kurz vor dem Aufprall rufen "hurra, seht her, ich kann sogar fliegen, Ihr bloeden Treppensteiger!" Intelligent ist das nicht, aber Intelligenz ist nicht Voraussetzung fuer politische Mandate, ebensowenig wie Aufrichtigkeit.

10.) "Notwendig wäre ein Instrumentarium, das die Möglichkeiten der Politik einengt, um inflationäre Geldschöpfung zu verhindern.
Ich glaube dass hier eine Verfassungsänderung wirksamer und praktikabler wäre als ein Goldstandard."
Siehe Punkt 8. – NUR, wenn Geld gedeckt ist, kann es nicht inflationiert werden – OHNE Deckung fehlt ja jeglicher Masstab zu dessen Bewertung – wie soll das denn funktionieren?

11.) "Nur nach einem Totalkollaps unserer Währungssysteme sehe ich für einen Goldstandard eine Chance, und ich bin nach wie vor nicht überzeugt dass es ein besseres System wäre."
Den Kollaps werden Sie, wenn Sie nicht gerade aktuell mit dem Tode ringen, noch bei vollem Bewusstsein erleben, und AUCH, dass danach Sachwerte getauscht werden, entweder, wenn der Staat nicht mitzieht, auf Schwarzmaerkten, oder mit seiner Billigung, ueber einen Goldstandard.

GraueEminenz, am 30. Dezember 2009 um 19:45 ( Link )

Zum Haeuser-Kommentar noch:
"Es werden eigentlich zu wenig Wohnungen gebaut, der Bedarf liegt ca. 20% über der Bautätigkeit."
Das ist interessant - woher haben Sie das (das haben ja nicht Sie erfunden, sondern im Vertrauen auf die Kompetenz eines "Experten" irgendwo abgeschrieben)?

Das kannte ich noch nicht: da besteht ein Bedarf und die Lieferanten weigern sich garstig, ihn zu decken.

Ts, ts, 20% Wohnungen fehlen und die Bauwirtschaft ist zu bloed, sie zu bauen ...

IM ERNST, das kann ja gar nicht wahr sein:

1) Gehen wir mal davon aus, dass Oesterreich nicht Gibraltar oder Monaco ist und es also nicht schlicht an Platz mangelt.

2.) Wenn jemand gerne eine Wohnung kaufen oder mieten moechte, dann muss er dem Bauunternehmen oder Vermieter soviel bezahlen, dass der Bau auch langfristig lohnt. Es gibt also 20% Wohnungssuchende, die aber nicht bereit sind, dafuer genug zu bezahlen?
Also neulich im Supermarkt: "Nein, die Butter ist mir zu teuer - sehen Sie doch, es gibt 20% mehr Butter-Bedarf und Sie weigern sich bloss, sie zu verkaufen ..."

3.) Oder die Bauunternehmer stehen Gewehr bei Fuss, auch die Kunden moechten kaufen, aber letzteren fehlen noch ein paar Euro. Also auf zur Bank - die gibt aber keinen Kredit. Boese Bank (Bad Bank - daher der Name?)!
Oder kann es sein, dass der Bank-Bearbeiter sich die Einkommensnachweise usw. ansieht und zum Schluss kommt "Entweder bauen Sie zwei Nummern kleiner oder Sie kommen nach zwei Gehaltserhoehungen wieder"?

Bitte, beim besten Willen: der Bedarf, in Oesterreich und anderswo, an Immobilien ist UNENDLICH. Das hat man in den USA gesehen, wo wegen der steten Preissteigerungen in der Endphase der Blase "clevere" Investoren Haeuser gebaut haben zum Weiterverkaufen, und der naechste hat sie nur gekauft, weil er sie ebenfalls gehofft hat, mit neuem Gewinn weiterverkaufen zu koennen. Der Bedarf war da und doch nicht da ...

AN JEDEM MARKT sind ZU JEDER ZEIT Angebot und Nachfrage im GLEICHGEWICHT. Wer gerne mehr verkaufen moechte, ist nur nicht bereit, mit dem Preis weiter herunterzugehen oder wer mehr kaufen moechte, nicht bereit, mit dem Preis weiter rauf.

Auch das Wasser im Fluss reicht erstaunlicherweise immer GENAU BIS ANS UFER ...

dickbrettbohrer, am 30. Dezember 2009 um 20:20 ( Link )

Liebe Graue Eminenz,

woher haben Sie dieses Wissen? Autodidakt?
Hatten/haben Sie beruflich mit dem Bankwesen zu tun? Ich genieße Ihre Beiträge - ein Higlight im auslaufenden Jahr!

GraueEminenz, am 30. Dezember 2009 um 20:29 ( Link )

Hallo dickbrettbohrer,
Autodidakt trifft es schon am besten - wenn man von Thorsten Polleit absieht, duerfte an deutschen Akademien kaum ein Wirtschaftswissenschaftler herumlaufen, der Wirtschaftstheorie lehrt, dorther kann ich es, in Deutschland jedenfalls, also nicht haben.

Der Rest ist denken ohne auf scheinbar logische Zusmmenhaenge hereinzufallen.

Dazu braucht's Wissenschaftstheorie mehr als alles andere, dann erschliesst sich jede Wissenschaft, die Oekonomie sowieso, die man ja zum Glueck aehnlich der Mathematik allein mit seinem Hirn bewaeltigen kann - waehrend z.B. der Ethnologe ja direkten Kontakt mit Menschenfressern suchen muss ...

Fatal, am 31. Dezember 2009 um 2:26 ( Link )

Werter Dr. Spiele:

Tja, ich könnte jetzt ganz einfach meine obige Antwort wiederholen, aber versuche aus didaktischen Gründen ganz einfach Ihre Frage umzuformulieren: Woher kommt das Geld, mit dem ein Arbeiter, ein Bauer, ein Metzger oder ein/e Putzfrau/-mann bezahlt wird?
Antwort: Von denjenigen Leuten, die die Dienstleistungen oder Produkte dieser Menschen wertschätzen und sie von ihnen beziehen.
Es wundert mich persönlich immer wieder, wie Leute, die wirtschaftliche Zusammenhänge per se gut verstehen, Logikpobleme bekommen, sobald exakt die selben Prozesse in der Kreditwirtschaft zum Tragen kommen. Ich denke, dies hat viel mit fehlgeleiteten Grundannahmen beim Zinseszinseffekt zu tun.

Die Tatsache, dass ich Ihre Frage scheinbar nicht zur Genüge beantworten konnte, hat vor allem damit zu tun, dass ich nicht erkennen kann, wo Ihr Problem liegt. Für die Kreditwirtschaft wird zusätzliches Geld genausowenig benötigt, wie für jeden anderen Wirtschaftszweig auch.

Dr. Spiele, am 31. Dezember 2009 um 4:42 ( Link )

Zunächst mal, @lieber Fatal und die anderen hier, habe ich gar keine irgendwie gearteten Grundannahmen zum Zinseszinseffekt.
Sonst würde ich hier nämlich gar nichts fragen, sondern mich in meiner eigenen Gewissheit sonnen.
Dazu geh ich dann aber lieber gelegentlich an den ganz realen Strand.

Die Berechtigung des Zinses ist mir intuitiv völlig klar. Ebenso wie die Berechtigung einer Golddeckung. Nun waren mir im Laufe meines Lebens schon einige Dinge intuitiv völlig klar, die sich nachher leider, oder vielleicht auch zum Glück, als ziemlich falsch rausstellten.

Der Einfacheit halber wollen wir bitte von einem Goldstandard ausgehen, die Rolle des Zinses im Papierelektrogeldsystem ist sowieso anders zu bewerten, Inflationsausgleich usw. Lassen wir das Papierelektrogeldsystem ruhig weg, im Auge behaltend, daß es aber da ist, und das möglicherweise einen (u.a.) mathematischen Grund hat...

Wenn ich also im Goldsystem fürs Putzen bezahlt werde, dann kommt kein neues Geld ins Spiel.
Mein verdientes Gold trage ich am nächsten Tag zum Bäcker, der trägts zur Mühle, usw. usf.

Wenn ich aber, wie im obigen Beispiel der Grauen Eminenz, einer Bank 100 Gold leihe, die ich gerade überschüssig habe, die Bank diese 100 Gold gegen 10% Zinsen an jemand anders wieder ausleiht, mir dann 5 Gold als Zins gibt und 5 Gold behält, dann sind ZUNÄCHST MAL entweder 10 neue Gold ins Spiel gekommen, oder diese 10 Gold irgendwo anders über Jahresfrist verlustig gegangen. Oder was sonst?

ZUNÄCHST MAL grossgeschrieben, weil auch ich weiss, daß sowohl Ich (der Esel nennt sich immer selbst zuerst) als auch die Bank diese
insgesamt 10 Gold Plus wieder ganz ohne besteuernde Umverteilung ins System pumpen werden, denn irgendwann wird auch Gold-Diving langweilig, Dagobert lässt grüssen.

Für meine inzwischen 105 Gold kaufe ich mir also jetzt doch einen Ferrari, weil der besser ist als das Modell letztes Jahr, als ich das Geld lieber zur Bank trug, um noch ein wenig konsumzuverzichten.

Und die Bank wird ihre zusätzlichen 5 Gold wieder ausleihen, zusammen mit, angenommen, weiteren 100 Gold, die sie inzwischen von meiner Oma als Einlage bekommen hat, die auch begeistert ist über meine neue Karre. Von mir aus auch erst übernächstes Jahr. Vielleicht macht die Bank auch gleich zu und freut sich an den 5 Euro Gewinn, und der Bankdirektor kauft sich dafür einen Trabbi. Ist zwar unwahrscheinlich, aber bitte (keine unendliche Kapitalakkumulation, ihr Beispiel)
Dann wird aber eine andere Bank aufmachen, um sich um Omas Geld zu kümmern, das ist wohl auch klar.

Wie auch immer:
Im System sind nun 10 Gold mehr als vorher.
Woher kommen die?

Oder hat hier die unsichtbare Hand des Marktes
einfach nur die Produkte vermehrt, und der Zinsbetrag fliesst in die Realwirtschaft zurück,
indem er nun den inzwischen entstandenen Mehrwert an Produkten abbildet, und das ist das ganze Geheimnis
der "wunderbaren Geldvermehrung"?

Der (Markt)Zinssatz ist also identisch mit dem realwirtschaftlichen Wachstum? Plus evtl. ein kleines anteiliges Surplus auf die noch zukünftig (also überüberübernächstes Jahr) zu erwarteten Wachstumsraten?

Nun, das wäre mir halbwegs einleuchtend, allerdins nur in einer Welt voller Heiliger.

Im Jammertal in dem wir hingegen leben, wird die Bank sinnigerweise folgendes tun:

Sie wird das Geld verleihen an Leute, die ihr einen möglichst hohen Zinssatz versprechen.
Also zb. Feldherren mit einer aussichtsreichen Eroberungsagenda (zb. Oliver Chromwell), oder skrupellose Goldminenbetreiber, oder warum nicht auch an Mao Tse Tung, usw. GELD STINKT NICHT, dh. es liegt nicht in der Idee des reinen Profits, ihm anzumerken, auf welchen verwesenden Leichen er gedeiht. Ist schlicht uninteressant. (die anderen gehn halt leer aus und dürfen sich zb. dann als Söldner, Minenarbeiter oder gleich Sklaven verdingen)

Die bekannte Geschichte scheint mir das irgendwie nahezulegen.

Natürlich hat die Wirtschaft bis kurz nach gestern immer trotzdem funktioniert.

Und nun will ich mal ein Argument von Hans Herrmann Hoppe verfremden, dessen Werk ich sehr schätze: Hoppe sagt, die Wirtschaft
(womit er vermutlich die allgemein zuträglichen Prozesse der Selben meint, und nicht Zeter und Mordio, die irgendwie auch dazugehören)
funktioniert nicht WEGEN Staat oder Demokratie, sondern trotz derer.

Nun, könnte es sein, daß die Wirtschaft auch TROTZ ZINS funktioniert, und nicht etwa WEGEN?

Und daß der Zins, wie ich weiter oben schon hilflos auszuführen versuchte, genau zum STAAT führt, und damit zu den Zetern und Mordien?

Könnte jemand also, ähnlich wie Hoppe, ein Buch schreiben mit dem Titel:
ZINS, der Gott der keiner ist?

Wie Graue Eminenz so treffend sagte, der Fluss reicht immer bis ans Ufer. Richtig!
Und genau deshalb gibts Dämme.

Wird die zinseszinzbasierte Finanzwirtschaft auch irgendwann eingedämmt, oder warten wir, bis wir alle in ihrer mathematischen Unmöglichkeit ersaufen, bis auf die, die fett genug sind, oben zu schwimmen,
und mit denen es dann wieder von vorne los geht?

Wenn das wenigstens im Sinne der Evolution wäre, wärs mir ja recht. Sollen halt die wirklich AUSERWÄHLTEN überleben, von mir aus auch durch Beschiss.

Nun bin ich leider nicht wirklich religiös, aber die Evolution erklärt mir auch nicht mein dummes Fragen.
Bis auf den Strand. Wenigstens den verstehe ich, ganz unmittelbar, nicht mal Intuition ist dazu nötig.

Ach, hätten wir doch noch den Sonnengott.
Oder wenigsten Hartz 4 ever.

Statt dessen haben wir eigentümlich frei.
Grrrrrrr....

Singaporean, am 31. Dezember 2009 um 9:26 ( Link )

Wenn ich aber, wie im obigen Beispiel der Grauen Eminenz, einer Bank 100 Gold leihe, die ich gerade überschüssig habe, die Bank diese 100 Gold gegen 10% Zinsen an jemand anders wieder ausleiht, mir dann 5 Gold als Zins gibt und 5 Gold behält, dann sind ZUNÄCHST MAL entweder 10 neue Gold ins Spiel gekommen, oder diese 10 Gold irgendwo anders über Jahresfrist verlustig gegangen. Oder was sonst?

Wieso sollen hier 10 Gold neu entstanden sein? Irgendjemand bezahlt den Kredit schließlich bei der Bank z.B. der Bäcker, indem er für 110 Gold (dieses Gold ist bereits im Umlauf, die Goldmenge kann gleich bleiben) Brote verkauft.

Fatal, am 31. Dezember 2009 um 10:21 ( Link )

@ Dr. Spiele:

Wenn ich aber, wie im obigen Beispiel der Grauen Eminenz, einer Bank 100 Gold leihe, die ich gerade überschüssig habe, die Bank diese 100 Gold gegen 10% Zinsen an jemand anders wieder ausleiht, mir dann 5 Gold als Zins gibt und 5 Gold behält, dann sind ZUNÄCHST MAL entweder 10 neue Gold ins Spiel gekommen, oder diese 10 Gold irgendwo anders über Jahresfrist verlustig gegangen. Oder was sonst?
Der Schuldner hat die 10 Gold für diese Dienstleistung gezahlt, so wie der Kunde einer Bäckerei 10 Gold für soundsoviele Brote bezhahlt oder der Mandant eines Anwalts 10 Gold für juristischen Beistand zahlt oder was auch immer.
Wie auch immer:
Im System sind nun 10 Gold mehr als vorher.
Woher kommen die?
Es sind eben nicht 10 Gold mehr. Irgendein Kreditnehmer hat aus seinem laufenden Einkommen 10 Gold dafür gezahlt, im hier und jetzt 100 Gold zur Verfügung zu haben, statt erst in einem Jahr.

Wie bereits gesagt, ich verstehe nicht genau, wo die "mathematische Unmöglichkeit" des Zinssystems liegen soll. Dass die Wirtschaft ohne Zins besser dran wäre ist Quatsch, da Zinsen per se nichts anderes sind als Renditen auf eingesetztes Kapital. Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Rendite mehr, dann gäbe es auch keine Unternehmer, die ihr Kapital zum Wohl der Gesellschaft einsetzen würden und wir wären wieder in der Steinzeit. Da gab es, soweit mir bekannt, keine Zinsen.

Aber vielleicht helfen Ihnen folgende beiden Beispiele, Ihr Problem mit dem Zins zu überwinden:
1) Hans ist Ende 20, er verdient 3000 Gold im Monat und seine Frau ist schwanger. Da Hans seinem Kind nicht zumuten möchte, in der kleinen Mietwohnung, in der er und seine Frau derzeit wohnen, aufzuwachsen, beschließen beide, ein hübsches Haus mit Garten zu kaufen. Hans kann 1500 Gold im Monat entbehren, doch so ein Haus kostet 240.000 Gold. Sein Kind wäre schon 13, wenn sie sich das Haus leisten könnten. Daher beschließt er, das Haus auf Kredit zu kaufen. Dazu muss er zwar ingesamt mehr als die 240.000 Gold zahlen, doch das ist es ihm wert, dafür, dass er jetzt gleich das Haus hat und nicht erst in 13 Jahren.
2) Franz gehört eine Spielzeugfabrik mit einem eingesetzten Kapital von 500.000 Gold. Da er besonders tolles Spielzeug herstellt, erwirtschaftet er darauf eine Traumrendite von 20%, also 100.000 Gold im Jahr. Durch Marktforschung erfährt er, dass er diese Rendite sogar dann noch halten könnte, wenn er seinen Absatz verdoppelt. Doch dazu müsste er auch sein eingesetztes Kapital verdoppeln. Wenn er jahrelang Geld sparen würde, bis er die 500.000 Gold zusammengespart hätte, würde ihm viel Gewinn durch die Lappen gehen. Also marschiert er zur Bank und leiht sich die 500.000 zu 10% Zinsen. Er erwirtschaftet mit diesem Geld also wieder insgesamt 100.000 Gold, zahlt davon 50.000 Gold jährlich als Zins, sowie einen Zusatzbetrag für die Tilgung, bis er schuldenfrei ist und die ganzen 200.000 Gold pro Jahr für sich frei zur Verfügung hat.

Haderach, am 31. Dezember 2009 um 10:42 ( Link )

@Graue Eminenz
Ihre Argumentation ist natürlich stringent, würde aber in Realitas zu einem Verlust an Lebensstandard führen, gegen den der von Ihnen prognostizierte Währungskollaps harmlos anmutet.
Würde die österreichische Bauwirtschaft nur jene Wohnungen bauen, die sich ihre zukünftigen Mieter / Eigentümer auf Basis ihrer Gold-, und Einlagengedeckten Theorie leisten können, dann würde das zu einem Zusammenbruch eines Großteils der Bauindustrie samt Nebengewerbe führen. Ich bin Architekt, baue über 100 Wohnungen im Jahr, und habe, so glaube ich, einen guten Einblick in diese Branche. Ich glaube nicht, dass nur weil wir gerade eine krdeitfinanzierte Immobilienblase in den USA erlebt haben, jede Form der nicht durch Sparguthaben gedeckten Kreditfinanzierung zwangsläufig zu einer Blase führt.
Kredit ist ja nichts anderes als die Belehnung eines zukünftigen Einkommens. Die Kreditvergabe auf vorhandene bereist generierte Einkommen zu beschränken würde unserer Wirtschaft gewaltigen Schaden zufügen.

Der Goldpreis (pro Gewichtseinheit, z.B. Unze) ist eine Funktion einerseits der Gestehungskosten (langfristige Untergrenze) und der Nachfrage.

Das trifft nur zu, wenn Gold nicht wie bei einem Goldstandard zu einem staatlichen Zahlungsmittel wird. Dann ist der Preis keine Marktfunktion mehr, sondern wird politish festgelegt. Das kann nur in Bezug zur vorhandenen Wirtschaftsleistung/Gütermenge passieren. Wenn ab morgen jeder Euro mit Gold hinterlegt sein muß, dann kann das nicht im Verhältnis 1 Unze = 766 Euro passieren. Sovel Gold existiert nicht. Irgendjemand muß festlegen wieviel Euro für 1 Unze Gold bezahlt werden. Das ist eine politische Entscheidung

DOCH, nolens volens: der Goldpreis wertet derzeit auf und wird es (Lenin: "Drei Schritte vor, zwei Schritte zurueck") unaufhoerlich weiter tun.

Gehen wir davon aus dass Gold weiter aufwertet - was auch nur eine Meinung unter vielen darstellt - das hätte aber nichts mit der Preisbildung des Goldes in einem Goldstandard zu tun. Heute bestimmt (weitgehend) der Markt den Goldpeis, in einem Goldstandard gäbe es keinen Markt für Gold.

Der Gedanke hinkt aber auf einem andern Bein zugleich: OEL ist ein VERBRAUCHSGUT, dessen Knappheit einschneidende Auswirkungen haben kann, so wie Wassermangel. GOLD als UMLAUFSMITTEL ist damit nicht vergleichbar!

Gold es exakt wie Öl eine natürlich vorkommende endliche Ressource. Es wird Tag für Tag gefördert, es wird irgendwann alles gefördert sein. Gold wird zwar nicht verbraucht wie Öl, sein Vorkommen ist aber genauso ungleich verteilt mit den gleichen politischen Folgen. Wasser ist ein Labensmittel und schon von daher weder mit Gold noch mit Öl vergleichbar. Wir werden in absehbarer Zeit genausowenig von Öl abhängig sein wie heute unserer Mobilität nicht mehr an Pferden hängt.

GERADE DARUM ist ja eine Gold-Waehrung nicht manipulierbar – der Schein repraesentiert eine bestimmte Menge Gold, UND DEREN WERT wird getauscht.

Und wer legt den Wert der bestimmten Menge Gold fest die mit dem Schein getauscht wird? Der Wert des Goldes ist kein Naturgesetz, sondern eine willkürliche Größe. Er lässt sich in einer goldgedeckten Währung genauso leicht ändern, wie man die Menge von Papiergeld ändert. Denn nicht der Markt würde über den Wert des Goldes entscheiden sondern eine Notenbank.

"Kredit ist die wichtigste Nahrung einer jeden Wirtschaft"
NEIN, GUETER sind es.

Und was wird zur Herstellung so ziemlich aller Güter benötigt? Ohne der Möglichkeit der Belehnung zukünftiger Gewinne gäbe es einen Großteil aller heute vorhandener Produkte, Dientsleistungen, Erfindungen etc. gar nicht.
Die Kreditvergabe auf vorhanden Garentien oder Sicherheiten zu beschränken, würde der Wirtschaft jegliche Dynamik nehmen, und zu einem breiten Wohlstandsverlust führen. Es gäbe dann aber sicher keine Vermögensblasen mehr, da haben Sie recht.

Also wie jetzt? Die goldgedeckte Waehrung befuerchten Sie, wird der Staat auch manipulieren, aber an den Verfassungstext wagt er sich nie ran???

Politik manipuliert immer alles, darin liegt ja das Problem. Ich glaube nur dass der Goldstandard aus o.g. Gründen die Wirtschaft ruinieren würde, und die politischen Anstrengungen für eine nachhaltige Finanzpolitik nicht allzu groß wären. Man bräuchte nur ein Instrument die Politiker in ihren Wahlbestechungsmöglichkeiten einzuengen, hier fällt mir am ehesten die Verfassung ein.
Nicht das FIAT Money ist unser Problem, sondern die politische Handhabung eben dieses.

NEIN, Angebot und Nachfrage, d.h. z.B., dass mehr Geld bei gleicher Guetermenge (Inflation) zu Preissteigerungen = Geldentwertung und Verarmung fuehrt ist ein NATURGESETZ

Die Güetermenge bleibt aber nicht gleich. Das heißt man passt entweder die Geldmenge an, oder akzeptiert Deflation. Ersteres ist aus Mangel an Gold in einem Goldstandard mittelfristig nicht möglich, zweiteres halte ich für wirtschaftlich absolut tödlich (ich weiß das ergäbe wieder eine eigene Diskussion)

Grundsätzlich kann ich Ihrer Argumentation folgen, und finde sie auch richtig. Ich bin aber der Meinung dass eine goldgedeckte Währung zu einer Erstarrung und Rückentwicklung der Wirtschaft führen würde, die schlimmer wäre als von Zeit zu Zeit eine Vermögensblase.
Ich glaube dass die notwendigen Maßnahmen für eine Stabilisierung unseres Währungssystems nicht wirklich weh tun würden. Es bedürfte nur etwas Charakter und Weitblick unter unseren Politikern, und den Mut zu ein paar unpopulären Entscheidungen.

Fabio Bossi, am 31. Dezember 2009 um 11:16 ( Link )

@Haderach:

Ist nur so eine Idee, aber könnten/würden die Bausparkassen nicht vielleicht ein Revival erleben?
Die Diskussion ist natürlich insofern spekulativ, als wir nicht wissen können, was sich unter einem marktwirtschaftlichen Geldsystem über die Jahre alles wie entwickelt hätte, um die Bedürfnisse zu decken, die ja existieren. Gold wäre ja "Geld", wobei ich auch nicht für einen "Standard" wäre, sondern für konkurrierende Warengelder. Das logistische Problem ein bestimmtes Medium für eine Zwangsabgabe zu definieren ("gesetzliches Zahlungsmittel"), würde ich in dubio dem stationären Räuber aufbürden wollen. Ich denke, es herrscht ferner Einigkeit unter den "Austrians", daß wir eine "Rückentwicklung" brauchen, da die vorhergegangenen kreditinduzierten Fehlallokationen abgebaut werden müssen.

dickbrettbohrer, am 31. Dezember 2009 um 11:34 ( Link )

@Haderach
"Irgendjemand muß festlegen wieviel Euro für 1 Unze Gold bezahlt werden. Das ist eine politische Entscheidung."

Es ist eben KEINE politische Entscheidung, sondern eine, die durch das Zusammenwirken der Marktkräfte entschieden wird. Fatal sind die politischen Eingriffsversuche, und auf lange Sicht scheitern sie immer.
Lesen Sie Mises, lesen Sie Hayek.

Haderach, am 31. Dezember 2009 um 11:54 ( Link )

@dickbrettbohrer
Ich lese Hayek, keine Sorge.
Wie stellen Sie ich denn eine Preisbindung durch Marktkräfte vor, wenn morgen die EZB entscheidet den Euro an den Goldpreis zu binden?
Wie würde "der Markt" dann das Verhältnis Goldmenge/Euro festlegen? Gibt es bezüglich Gold überhaupt so etwas wie einen funktionierenden Markt? Ich bezweifle das sehr.

Haderach, am 31. Dezember 2009 um 12:16 ( Link )

zu Hayek:
Dieser war keinesfalls ein so glühender Verehrer des Goldstandards wie Sie suggerieren. Ich zitiere aus "Die Verfassung der Freiheit":

"... Zunächst muß man sich vor Augen halten, dass ein einzelnes Land ihn unabhängig von anderen nicht wiedereinführen könnte. Seine Wirkungsweise beruhte auf seiner Eigenschaft als internationaler Standard, und wenn z.B. die USA heute zum Gold zurückkehrten, würde es hauptsächlich bedeuten, dass die Politik der USA den Goldwert, und nicht unbedingt, dass das Gold den Wert des Dollar bestimmen würde.".

Sie sehen ich befinde mich in vollkommener Übereinstimmung mit Hayek.

GraueEminenz, am 31. Dezember 2009 um 12:18 ( Link )

Dr. Spele/Fatal/Singaporean:
Die wundersame Goldvermehrung ist nun mehrfach beleuchtet worden, dennoch gibt es ein (Glaubens-) Problem.
Wissenschaftstheoretisch nicht ungewoehnlich: auch der Streit um Evolution oder Intelligent Design dreht sich darum, dass der Evolutionist Prozesse am Werke sieht (wiewohl sie in den uns verfuegbaren Zeitspannen nicht direkt beobachtbar sind - aber auch da gibt's bereits Streit, den ich hier nicht auffalten moechte; wie bei den Fraktalen wiederholt sich bei der Mutationsfrage und Artendifferenzierung en miniature dasselbe Spiel - und der Schoepfungsglaeubige sieht immer noch dieselbe ART Fruchtfliege, wo der Evolutionsglaeubige eine potentiell neue sieht), nach denen sich ein perfektes Auge auch dann herauszubilden vermag, wenn viele (alle?) dazu noetigen VORstadien keinen evolutiven Vorteil bringen, eher einen Nachteil. Und die Vertreter des Intelligent Design halten dagegen, dass es aus ebendiesem Grunde vom unnuetzen Vorstadium eines nuetzlichen Auges zu dessen gebrauchsfaehiger Ausbildung keinen Weg gibt als den eines intelligenten omnipotenten Schoepfers, der ALLE noetigen Elemente AUF EINMAL ins Spiel bringt.

In der Frage der wundersamen Goldvermehrung durch Zinsen haben wir ein aehnliches Verwirrspiel, das auch etwas Zenons Paradoxon aehnelt: Achilles kann die Schildkroete dabei nie einholen, weil er zwar zehnmal schneller ist, aber in jedem Betrachtungszeitraum nur noch ein Zehntel Wegstrecke zuruecklegt. Wuerde man die Frage stellen, was passierte, wenn man statt abnehmender Strecken gleiche ZEITRAEUME betrachtete, gaebe es ueberhaupt kein Paradoxon.

So gibt es auch fuer die jahrtausendelangen Betreiber/Mitwirkenden von gedeckten Waehrungs- bzw. Tauschsystemen kein Paradoxon, denn diese haben nichts getan, als die Ueberschuesse statt urspruenglich mit Guetern aus eigener Produktion nunmehr mit Guetern bezahlt, die sie erst eingetauscht hatten gegen ihre Erzeugnisse/Leistungen: das Geld. Da das funktionierte, wenn die Putzfrau am naechsten Tag erneut putzte (sie erhielt ihr Goldaequivalent vom Baecker, kurz: ihren Kunden, ohne sich zu wundern, dass, ZUFAELLIG, es sich haette um DIESELBEN Muenzen handeln koennen, obwohl sie doch ANDEREN Dreck weggeputzt hat als gestern ...), und es funktionierte, als der Baecker auch am naechsten Tag Brot verkaufte (obwohl doch jetzt eigentlich ZUSAETZLICHES Gold haette zu ihm gebracht werden muessen, denn das GESTRIGE GOLD war ja fuer das GESTRIGE BROT ...).

Wenn nun jemand ZINSEN aus seinen erwirtschafteten Ueberschuessen bezahlt, hat er es aus derselben Quelle, DEM UMLAUFS-Mittel Geld, das eine andere Funktion hat als das GUT Gold. Wer dieses HORTEN moechte, der braucht fuer jeden Tauschakt, mit dem er seine Ueberschuesse am Markt verkauft, NEUES Gold, denn er wacht ja mit Argusaugen ueber das, was bereits in seinem Geldspeicher liegt.
Das tut er aber NICHT - und Dagobert Duck ist ja eine Fiktion, denn er wuerde binnen kurzem VERARMEN, da er ja seine Produktivitaet nicht erhalten kann, wenn er nicht wieder von seinem Goldschatz etwas in UMLAUF bringt. DEM REST DER WIRTSCHAFTENDEN waere aber auch das egal (!), denn nunmehr gaebe es weniger Tausch-Gold, welches daher RELATIV MEHR WERT WUERDE, bis dann der Damm bricht, und entweder von woanders her neues Gold los"geeist" wuerde oder aber er selber schwach wuerde angesichts seiner riesigen unrealisierten Gewinne.
Das wird auch immer mal wieder versucht (wer als Kind zuviel Scrooge Duck liest, wie er dort in seinem Ursprungsland heisst, der wird dann darauf verfallen, wie die Hunt-Brueder, den Silvermarkt zu "cornern" - das waren mal die reichste Familie des Planeten und sie haben damals den Silbermarkt ordentlich aufgemischt, aber selbiger war staerker, die Banken verlangten irgenwann Zinsen auf das unverzinste Hort-Silber und alles brach krachend zusammen).

Die Verzinsung ist ein ZahlungsVERSPRECHEN, das den versprechenden Schuldner dazu bringt, am Markte UMLAUFSMITTEL zu besorgen in der ZUSAETZLICHEN Hoehe, die aber dennoch aus dem GLEICHBLEIBENDEN (ceteris paribus) umlaufenden Goldschatz stammen, wie das Blut, das den "Tauschwert" Sauerstoff jeden Tag auf's neue transportiert ohne deshalb mehr zu werden.
Nochmal: das hat ja jahrhundertelang funktioniert, waehrend das heutige, erst seit 1971 in REINform bestehende ungedeckte System JEDESMAL, wenn es versucht wurde, NICHT funktioniert hat.

Aber eigentlich wollte ich nur hierauf eingehen:
"Sie wird das Geld verleihen an Leute, die ihr einen möglichst hohen Zinssatz versprechen. Also zb. Feldherren mit einer aussichtsreichen Eroberungsagenda (zb. Oliver Chromwell), oder skrupellose Goldminenbetreiber, oder warum nicht auch an Mao Tse Tung, usw."
WIRD SIE NICHT - gehen Sie mal zur Bank und VERSPRECHEN der bloss, ohne es beweisen zu koennen, dass sie den hoeheren Zinssatz bezahlen WERDEN.
Gerade in der akademischen Wirtschaftswissenschaft wird immer wieder ein angeblicher homo oeconomicus postuliert, der bei Lichte betrachtet gar keiner ist. Und dann werden daraus Folgerungen abgeleitet, die ihrerseits KEINER wirtschaftlichen Realitaet entsprechen. "Skrupellose Goldminenbetreiber" moegen ein guter Schuldner sein, in der Tat, aber beim ewigen Wachstum der Volkswirtschaft werden auch sie unter allen potentiell gewinnversprechenden Glaeubigern nur einen verschwindend geringen Bruchteil ausmachen (ahem, und WENN NICHT, dann heisst das, dass sie nicht mehr renditetraechtig sind, weil sie den Goldmarkt fluten und sich damit ihr eigenes Grab schaufeln und zu SCHLECHTEN Schuldnern werden - das ist ja gerade des Faszinierende an der arbeitsteiligen Wirtschaft: NIEMAND kann AUF DAUER das System zum SCHADEN anderer uebertrumpfen - er MUSS NUTZEN stiften, und wenn er der schlimmste Misanthrop auf Erden waere!).

Eine Bank (eine ordentlich finanzierte, zum Unterschied s.u.) leiht ja Geld aus, das NUR aus zwei Quellen stammen kann:
a) Eigenkapital (Aktiva)
b) fremde Darlehen (Einlagen- oder Passivgeschaeft).
JEDER, der bei Verstande ist, geht mit seinem Eigenkapital sorgsam um. Mit Geldern aus der Quelle b) geht er GENAUSO, wenn nicht gar NOCH SORGSAMER um, weil er sie vereinbarungsgemaess mit ZINSESZINS zurueckzahlen muss, und wenn er es nicht aus ordentlicher Geschaeftstaetigkeit kann, muss er es aus a), dem Eigenkapital tun, und das schmerzt.
JEDER UNTERNEHMER, darin unterscheidet sich ein Bankier nicht vom Baecker, investiert nur, wenn er SICHER ZU WISSEN GLAUBT, dass er das eingesetzte Kapital am Ende nicht nur wiederbekommt, sondern es sich dabei auch noch vermehrt hat UND ZWAR UM MINDSTENS soviel, wie er es woanders, z.B. auf dem Sparbuch (das er i.d.R. fuer sicher haelt), fuer gegeben haelt.
Er trifft also IMMER eine Wahlentscheidung.
NUR, wenn die Gewinnerwartung am Ende (Totalperiode nach Schmalenbach, nicht Vierteljahres-Berichte!!!) positiv SCHEINT, wird er ueberhaupt investieren oder ausleihen.
AUSLEIHEN ist ein Investment wie jedes andere. Der eine steckt seinen Gewinn in seine Fabrik, weil er hofft, dass diese sich "verzinst", also MEHR Ueberschuesse abwirft als ohne diese Ausgabe, der ANDERE, er ist Bankier, steckt seinen Gewinn in NEUE AUSLEIHUNGEN, weil das sein Geschaeft ist.
Und wenn der Unternehmer meint, mit einem Kredit koenne er schneller seine Fabrik vergroessern, und mehr Ueberschuesse erwirtschaften, als die Zinsen kosten, dann wird er Darlehen aufnehmen (leverage effect).
Und wenn er Bankier ist, und GLAUBT zu wissen, dass er mit noch mehr Ausleihungen an GUTE Kunden NOCH mehr Zinsgewinne erwirtschaften koennen, wird er andere animieren, IHM Geld zum WEITERVERLEIHEN zu leihen.
Und hier ist der springende Punkt: KEIN Bankier glaubt, dass Mao tse Tung ein gutes Investment waere.
Das gleiche gilt fuer alle anderen geschilderten Experimente, etwa Cromwell usf.
Die modernen Kriege sind ERST MOEGLICH geworden, als sie mit UNGEDECKTEM Geld finanziert wurden!
Im alten Rom wurden regelmaessig die Versorgungsleistungen fuer Feldzuege AUSGESCHRIEBEN (heute sind das selbst Soldaten oder ziviles Gefolge, die "Etappenschweine" - und aehnlich ineffizient sind seither die Beschaffungssysteme moderner Armeen, vgl. auch Hermann Goerings Industriekomplex), so auch fuer den Zweiten Punischen Krieg. Es fanden sich kaum Bieter, da viele dachten, Rom werde dabei den kuerzeren ziehen. Am Ende musste der Senat einem Bieter den Zuschlag geben, der DREISSIG Prozent Zinsen verlangte. Und sofort rissen alle Neider das Maul auf, die ihrerseits aber den Kredit gescheut hatten - 30% waren eben die einzige Risikopraemie, die das Geschaeft GERADE NOCH verantwortbar erscheinen liess. Und das bei einem AAA-"gerateten" modernen Staatswesen, das Rom ja war.
Also: WENN ein Banker glaubt, ein Fedzug werde siegreich verlaufen, wird er dafuer Geld ausgeben, ABER, da sich herumgesprochen hat, dass JEDER Krieg zu einer Reduzierung der internationalen Arbeitsteilung und zu einer Wertvernichtung fuehrt, ist es unwahrscheinlich, dass diese Rechnung aufginge und daher AUCH unwahrscheinlich, dass eine Bank diesen Kredit fuer lukrativer hielte als den an einen Baeckermeister (schon der erste Weltkrieg wurde mit Kriegsanleihen finanziert, nicht Bank-Krediten, und sie waren hinterher wertlos). GERADE DARUM gibt es ja die Federal Reserve, die Staatsanleihen auch dann (inflatorisch) "monetarisiert", wenn sie KEINER kaufen will. UND auch deren Zinsen wieder auf dieselbe Art stundet, bis eben auch das zusammenbricht.
Bernanke ist aber kein Bankier, der koennte keine Raiffeisenkasse leiten!
Der Unterschied zwischen einer realen Bank und einer Zockerbude ist, dass die reale Bank sich aus den obigen Quellen a) und b) speist, die "irreale" wie Lehmans oder Goldman Sachs dagegen aus ungedeckten Geldquellen und der Verbriefung von unlauteren Geschaeften wie "liar loans", und DANN obendrein den Derivaten darauf. Dieseallein haben, keiner weiss es genau, das Hundertfache der realen Guetermenge erreicht, d.h. sie bestehen reineweg aus Luft!

GraueEminenz, am 31. Dezember 2009 um 12:50 ( Link )

Lieber Haderach:
"Würde die österreichische Bauwirtschaft nur jene Wohnungen bauen, die sich ihre zukünftigen Mieter / Eigentümer auf Basis ihrer Gold-, und Einlagengedeckten Theorie leisten können, dann würde das zu einem Zusammenbruch eines Großteils der Bauindustrie samt Nebengewerbe führen."
RICHTIG - und der wird kommen. Kommt Ihnen Ihre Argumentation nicht seltsam vertraut vor, gab es da nicht ein Land, etwa dreissigmal so bevoelkerungsreich, das genau das versucht hat? USA und "Schrott-Hypotheken"?

"Ich glaube nicht, dass nur weil wir gerade eine krdeitfinanzierte Immobilienblase in den USA erlebt haben, jede Form der nicht durch Sparguthaben gedeckten Kreditfinanzierung zwangsläufig zu einer Blase führt.
Kredit ist ja nichts anderes als die Belehnung eines zukünftigen Einkommens. Die Kreditvergabe auf vorhandene bereits generierte Einkommen zu beschränken würde unserer Wirtschaft gewaltigen Schaden zufügen."
Das ist so nicht ganz richtig - der echte Bankier "von Schrot und Korn" zinst beide Kapitalstroeme, die des mit dem Kredit generierten ZUSAETZLICHEN Einkommens und den seines mehrjaehrigen Kredits auf den JETZT-Zeitpunkt ab und vergleicht: ist der des Glaeubigers hoeher, und nur dann, schaut er nochmal genauer hin: ist er UM SO VIEL HOEHER, dass der Glaeubiger auch allfaellige Kosten noch vor allen anderen Verpflichtungen decken kann (Abschreibungen, eigene Subsistenz, andere Verpflichtungen u.v.a.m.)
UND WENN DANN immer noch alles den Anschein hat, der Kredt werde einschl. Zinsen zurueckgezahlt, DANN leiht er das Geld her (und verlangt DENNOCH "along the way" AEQUIVALENTE Sicherheiten, finanziert also NUR auf Basis bereits erwirtschafteter anderweitiger zu Kapital geronnener Ueberschuesse!!! Der alte Witz vom Bankier, der zwei Millionen Einlage will und einem dann eine Million Kredit gibt ist ja nicht ganz falsch!).
Die Immobilienfinanzierung an Privatleute ist dabei ein Sonderfall (den es SO auch noch gar nicht solange gibt! - DIE VORFINANZIERUNG PRIVATEN KONSUMS, und auch Eigenheime sind solcher - hier werden MIETEN VORFINANZIERT! ist ein relativ neues Phaenomen, s.u.).
In der Tat muss dabei zukuenftiges Einkommen AUS ANDEREN Quellen (wenn man von Fremdenzimmern etc. in Oesterreich als durchaus verbreiteter Einnahmequelle absieht) betrachtet werden (ist er Angestellter bei Siemens oder echter Beamter, d.h. kriegt er auch DANN NOCH EINKOMMEN, wenn er NICHT MEHR ARBEITET/arbeiten kann?). In gewisser Weise wird dieses Einkommen beliehen (beim Siemens-Angestellten ist auch das also ein Industriekredit, beim Beamten eine Staatsanleihre!), ABER: woher kommt das Geld, das dabei AUSGELIEHEN wird? Doch NUR aus zwei Quellen, siehe mein vorangegangener Beitrag:
a) Eigenkapital ODER
b) EINLAGEN anderer, de instaendig hoffen, ihr Geld auch wieder zu kriegen!
Und hier liegt der Knackpunkt: wenn Banken DARUEBERHINAUS Kredit schaffen (Schoepfung kommt vom Verbum schaffen, nicht schoepfen, Gott ist kein Kuechenloeffel ...), und das GEHT nur mit einer Zentralbank und ungedecktem Geld, dann geht die Rechnung NUR auf, wenn ALLE Beteiligten in der Zwischenzeit genuegend NEUE WERTE schaffen, um die vorher "aus dem Nichts" geschaffenen "Werte" NOCH RECHTZEITIG aufzufuellen. Gelingt das nicht - und das ist eine reine Kasinomentalitaet, ein "va banque"-Spiel, dann bricht ALLES zusammen: das Haus steht halbfertig oder unverkaeuflich oder unbezahlbar (Mietausfall) herum, die Anleihe wird nicht mehr bedient usw.
Ich sage nich, dass das nicht, gerade bei arbeitswuetigen Voelkchen wie den deutschsprachigen (Deutsche, Schweizer, Oesterreicher) eine Zeitlang gutgehen KANN, das sehe ich ja selbst, ich rechne nur vor, dass dieses "KANN"-Gebilde auf toenernen Fuessen steht.
Was aber IN JEDEM FALL NICHT passiert, ist, dass damit in der TOTALPERIODE, also ueber mehrere Jahrzehnte, am Ende MEHR Wohlstand geschaffen wurde als mit gedeckten Umlaufmitteln, im Gegenteil, es fuehrt zu Boom und Rezessionen statt zu einer relativ stetigen Wirtschaftsentwicklung, und alle Wellenberge, die ueber der Gerade der stetigeren Enwicklung liegen, sind unhaltbare und wieder vernichtete Werte.
Und erst durch diese Zentralbank-fiat-money-Generierung wurde das System immer mehr beschleunigt - erst der ungedeckte private Haus-Konsum, schliesslich die Kreditkarten, deren Uneinbringlichkeit zusammen mit den naechstes und uebernaechstes Jahr notleidend werdenden ARM-Hypotheken uns das Genick endgueltig brechen werden. Allerdings werden die paar oesterreichischen inlaendischen ungedeckten Milliarden dabei nicht auffallen, da jeder DORT Betroffene glauben wird, dass DIE notleidend wuerden, sei dem Weltgeschehen um ihn herum geschuldet, felix Austria ...

Haderach, am 31. Dezember 2009 um 14:21 ( Link )

@GraueEminenz
Wie gesagt kann ich Ihren Argumenten durchaus folgen, sehe aber - siehe Zitat Hayek - für die Einführung eines Goldstandards keinerlei Chancen, bzw. müßten für ein erfolgreiches Einführen unmögliche - nämlich eine globale Einführung - Voraussetzungen gegeben sein.
Da das nicht passieren wird, ist jede Diskussion um die Auswirkung einer goldgedeckten Währung ein Stochern im Trüben.

Das wahre Problem liegt m.M. ganz wo anders:
Es gibt viel zu viele, einzig mit Steuergeld bezahlte Arbeitsplätze, die Menschen haben durch jahrzehntelange Sozialstaatsabhängigkiet ein Anspruchsdenken entwicklen, dem keine ausreichenden Leistungen mehr gegenüberstehen.
Der Sozialstaat, soll heißen der aktive Steuerzahler, wird in einem Ausmaß mißbraucht (ich erlebe das täglich, Sie haben keine Vorstellung wieviele alleinerziehende Frauen mit ihren angeblich nicht existenten Partner in geförderten Wohnungen leben) das jeder Beschreibung spottet.
Viele Beiträge von E.M. Schulak beschreiben sehr treffend die Zerstörungskraft unserer Sozialstaaten, oder um wieder Hayek zu zitieren:

"Es wäre kaum übertriben zu sagen, dass die größte Gefahr für die Freiheit heute von den Menschan ausgeht, die in der modernen Regierung am notwendigsten und mächtigsten sind, nämlich von den tüchtigen Verwaltungsfachleuten, die sich ausschliesslich mit dem befassen, dass sie als das öffentliche Wohl ansehen.......Es ist unvermeidlich dass aus dieser Art der Verwaltung des Volkswohls ein eigenwilliger und unkontrollierbarer Apparat wird, dem gegnüber der einzelne hilflos ist...."

Hier liegt der wahre Kern unserer Probleme. Ein alles erfassendes, alles bestimmendes, unendlich Mittel vernichtendes, jeden demotivierendes, ständig wachsendes Monstrum genannt Bürokratie.
Genährt von der Politik, deren ureigenste Spielwiese und Einflusszone diese ist, wuchert sie jeden gesunden Wirtschaftsorganismus zu bis seine Lebensfähigkeit erlahmt.
Die Währung und deren Deckung ist dagegen nur ein Randproblem.

barthel_berand, am 31. Dezember 2009 um 14:44 ( Link )

@ Dr. Spiele

Nun, könnte es sein, daß die Wirtschaft auch TROTZ ZINS funktioniert, und nicht etwa WEGEN?

Und daß der Zins, wie ich weiter oben schon hilflos auszuführen versuchte, genau zum STAAT führt, und damit zu den Zetern und Mordien?

Nein.
Ich teile Ihre Einschätzung zum Thema intuitives Verständnis des Wirtschaftsgeschehens. Hier ist in der Tat Vorsicht angebracht, da Wirtschaft an sich eher anti-intuitiv funktioniert. Diese schwer zu akzeptierende Tatsache wird insbesondere beim Thema "Zins" offenbart.

Zins wird heute stets in Geld entrichtet. Deshalb stimmen fast alle intuitiv und unmittelbar zu, wenn man behauptet, Zins sei ein monetäres Phänomen. Das ist aber grundfalsch. Zins ist vielmehr ein reales Phänomen; oder anders ausgedrückt: der Zins ist keine Funktion des Geldes, sondern eine Funktion der Zeit.

Sie haben den Spruch: ´Zeit ist Geld´ sicher schon einmal gehört. Er ist wahr. Daran liegt es, dass man, wenn man Geld leiht, in Wahrheit Zeit leiht. Man muss das später wieder ausgleichen und die Schulden abbezahlen. Die Zeit läßt sich nicht bestehlen. Und wenn man das tut und die Schulden bezahlt, nimmt man Geld aus dem aktuellen Konsum, denn man hatte es vorher schon konsumiert. Tut man es nicht, bleibt nur die Insolvenz.

Deshalb muss die Geldmenge auch nicht steigen, wenn Zinsen ins Spiel kommen. Das Konsumverhalten muss sich ändern.

Zins ist das Spiegelbild der Zeitpräferenzrate, die das Verhältnis von Konsum- zu Ersparnisbildung regelt. Je höher die Zeitpräferenz (= Konsumwunsch), desto höher der Zinssatz (= Kompensation für den Verzicht auf den Konsumwunsch). Der Zins würde auch existieren, wenn es kein Geld geben würde. Geld gibt es nur deshalb, weil die Welt nicht klar ist, weil wir alle unvollkommene Informationen haben. Deshalb benötigen wir Geld als Wertspeicher, um uns auf Unwägbarkeiten vorzubereiten. Je unsicherer die Zeiten, desto höher die Sparneigung. Nie war das schöner zu beobachten als in diesen Zeiten.

In einer vollkommenen Welt gäbe es kein Geld, weil jeder genau wüßte, wann er was benötigt. Der Bedarf an einem indirekten Tauschmittel wäre nicht vorhanden. Deshalb funktionieren auch die ganzen neoklassischen Gleichgewichtstheorien nicht, weil sie alle von einer vollkommenen Welt ausgehen, in der es keine Unsicherheit und daher auch kein Geld gibt. Dies lernt man gerade - unter Schmerzen.

Wir halten fest:
Um einen Zins zu bezahlen, benötigt man keine steigende Geldmenge.

Man benötigt auch aus anderen Gründen keine steigende Geldmenge. Dies kann man anhand eines kleinen Rechenbeispiels schön illustrieren:

Dabei sei das Einkommen einer Volkswirtschaft Y = 100, die Sparneigung S = 10, die Konsumneigung C = 90.

S/C = 1/9, S/Y = 10%.

Man kann sein Geld auf drei denkbare Arten verwenden: Sparen (auf der Bank = Investieren), konsumieren und horten. Wenn man sein Geld nun hortet und es dem Kreislauf entzieht, sinkt die zur Verfügung stehende Geldmenge um 10 auf 90.
Da aber die Gütermenge gleich bleibt, müssen notwendigerweise alle Preise (auch die Löhne!) sinken. Das Realeinkommen (= das Wohlstandsniveau) bleibt aber gleich. Es ist nur nominal gesunken (Geldillusion).

Das Verhältnis von Konsum zu Sparen wird hierdurch nicht berührt, weil sich durch diese Vorgänge die Zeitpräferenz nicht ändern muss.

Die "neue Welt" sieht nun wie folgt aus:

Y = 90, C = 81, S = 9
Y = 100%, C = 90%, S = 10% - alles wie vorher.

Es kommt zu keiner Deflationsspirale (real), da sich das Verhältnis von C/S nicht verändert hat.

BB

GraueEminenz, am 31. Dezember 2009 um 14:51 ( Link )

Lieber Haderach,
"Zitat Hayek":

Hayek meint mit dem Zitat "wenn z.B. die USA heute zum Gold zurückkehrten, würde es hauptsächlich bedeuten, dass die Politik der USA den Goldwert, und nicht unbedingt, dass das Gold den Wert des Dollar bestimmen würde."
etwas Transitorisches:
WENN HEUTE (=damals) die USA unter den Bedingungen des (damaligen) Bretton-Woods-Systems zum Gold zurueckkehrten, wuerde das bedeuten, dass sie ("Politik") WILLKUERLICH dessen Austauschverhaeltnis (erst 18 USD/Feinnuze, nach Roosevelt dann 35) bestimmen wuerden und NICHT UNBEDINGT (aber vielleicht doch schon von Anfang an, jedenfalls irgendwann spaeter) das Gold den Wert des Dollars.
Das ist doch so: wenn eine Zentralbank (eine illiberale, plan- und nicht marktwirtschaftliche Institution!) zentrales (GESETZLICHES - legal tender = Plan- und NICHT Marktwirtschaft) Zahlungsmittel in Umlauf bringt, und dieses mit Gold unterlegt, dann ist das ein willkuerlicher Vorgang. In gewissem Umfang erlaubt das auch den GoldPREIS zu manipulieren usw.
Hayek und andere haben aber wenig Zweifel daran gehabt, dass, bei FREIGEBEN des Geldmarktes, sich ueber kurz oder lang (konkurrierende: Stichwort "Free Banking") voll goldgedeckte WAEHRUNGEN (Plural) und/oder eine Waehrung mit verschiedenen Anbietern (es heisst Joghurt, kommt aber von Nestle, Mueller und dem Bauern um die Ecke) der darauf lautenden Hinterlegungsscheine herausbilden wuerden.
Hayek hat m.W. nie bezweifelt (und wenn: auch Hayek kann irren), dass ueber kurz oder lang die Welt stets zu einem Goldstandard zurueckkehrt, weil jeder Mensch, WENN ER DIE WAHL HAT, zu Edelmetallen, und hier historisch immer wieder Gold, obwohl Silber oder Platin auch gingen, aber niemand tut es, auch bei Silber schielt er "irgendwie" permanent auf desen Gold"wert", zuruecktendiert.
Hayek bezog sich hier eindeutig auf den unnatuerlichen Zustand, DASS die USA politisch in die Geldmarktordnung eingreifen, und nur durch die Goldunterlegung des Dollar die andere Hqaelfte desEingriffes, die Fed und das GESETZLICHE Zahlungsmittel, ja nicht verschwinden.
ERST NACH FREIGABE des Geldmarktes, wenn JEDER nicht nur Buecher oder Brot, Fahraeder oder Computer, je nach seiner Neigung und Talent, so auch GELD, "herstellen" und vermarkten darf, erst dann gibt es einen nicht manipulierten Gold"preis".

GraueEminenz, am 31. Dezember 2009 um 14:54 ( Link )

barthel_berand - Danke fuer den Beitrag, schoen, wenn man nicht allein tragen muss ...

... und einen guten Rutsch an alle.

Singaporean, am 31. Dezember 2009 um 15:22 ( Link )

Guten Rutsch an alle, ich schließe mich an.

Haderach, am 31. Dezember 2009 um 15:32 ( Link )

@GraueEminenz
Nehmen wir also an, wir hätten eine goldgedeckte Währung.
Würde das etwas daran ändern, dass ich mit einer Steuerquote von knapp 50% ein Heer von Beamten und Bürokraten finanzieren muß, eine Bürokratie die sich im Auftrag des öffentlichen Rechts in alle Bereiche des menschlichen Lebens schleicht.
Würde es etwas daran ändern dass wir einem blinden Gesetzgeber ausgeliefert sind, einer blinden Obrigkeit die man im Grund nicht gewählt hat, und von der man auch nicht weiß wie man sie abwählen soll?
Würde es etwas daran ändern dass unsere Bürokratie jeden erfasst, gnadenlos domestiziert und jeden Entfaltungsraum bis zur dauerhaften Hospitalisierung eineingt?

Ich glaube nicht - deshalb betrachte ich die Deckung der Währung auch als sekundäres Problem. Trotzdem Ihnen auch einen guten Rutsch. Mögen Ihre Prognosen noch lange nicht einreffen.

PS: Ich hoffe E.M. Schulak verzeiht dass ich etliche Formulierungen einem seiner Essays aus der philosophischen Praxis entnommen habe.

GraueEminenz, am 31. Dezember 2009 um 15:47 ( Link )

Lieber Haderach,
"Nehmen wir also an, wir hätten eine goldgedeckte Währung.
Würde das etwas daran ändern, dass ich mit einer Steuerquote von knapp 50% ein Heer von Beamten und Bürokraten finanzieren muß, eine Bürokratie die sich im Auftrag des öffentlichen Rechts in alle Bereiche des menschlichen Lebens schleicht."
JA, es wuerde etwas aendern - denn die Steuerquote wuerde zur Finanzierung DESSELBEN Apparates irgendwann recht bald gegen 100% gehen, wenn nicht, wie jetzt, mit ungedecktem Geld neues "geschaffen" und immer groessere Teile dieses Apparates DARAUS und nicht aus Steuermitteln finanziert wuerden.
Da aber nie ueber laengere Zeit alle nur vom Staat leben koennen, wenn keiner mehr FUER den Staat arbeitet und Werte schafft, die man wieder expropriieren koennte, MUSS ein solches System lange vor einem Zustand, wie wir ihn beide beklagen, bussfertig Umkehr tun. Bzw. es kommt gar nicht erst dahin.

GraueEminenz, am 31. Dezember 2009 um 16:06 ( Link )

Zum Usprungsthema:
"So, what does it mean if we get another significant downturn? Well, not only are the 2003 to 2007 vintage mortgages in trouble, but those 2008 and 2009 mortgages are at risk as well."
http://www.zerohedge.com/article/if-anybody-bothered-take-close-look-latest-housing-numbers

http://www.moneyandmarkets.com/a-low-volume-stock-market-rally-and-a-burst-real-estate-bubble-6-37144
"In 1930, the market rose roughly 50 percent from its 1929 crash low thus recouping half of the preceding losses. This monster rally led many contemporary economists, politicians and financial market experts to reason that the worst was over. But it was not to be …
The Great Depression had barely started, and the stock market suffered losses of another 85 percent measured from this interim high of 1930.
How does the current rally compare to this frightening potential predecessor?
There is a scary similarity between the 1930 rally and 2009’s.
Well, from the March low the S&P 500 has soared 69 percent in nine months. In doing so it recouped a bit more than 50 percent of its former losses. But it’s still 27 percent below its all time high of October 2007.
Yes, the market rallied strongly in 2009. But it did the same thing in 1930. History then tells us that the current stock market rally is not sufficient enough to reason that the worst is over.
In addition, we have to accept the reality that …
The Burst Real Estate Bubble Is Still with Us"

barthel_berand, am 31. Dezember 2009 um 16:16 ( Link )

Ja, sehr schön. Wir werden sehen, wie man gedenkt, die option-ARM der beiden kommenden Jahre zu bedienen. Das vor uns liegende Gebirge ist in jedem Fall höher als das, was schon eingestürzt ist.

Wenn man auf die Harke tritt, schlägt sie einem ins Gesicht.

Kinder, wie die Zeit vergeht. Bis nächstes Jahr.

BB

Dr. Spiele, am 31. Dezember 2009 um 19:00 ( Link )

Dankeschön an alle, ein ganz toller Thread.

Und einen guten Rutsch!

dickbrettbohrer, am 31. Dezember 2009 um 20:41 ( Link )

@barthel_berand:
"Geld gibt es nur deshalb, weil die Welt nicht klar ist, weil wir alle unvollkommene Informationen haben. ... In einer vollkommenen Welt gäbe es kein Geld, weil jeder genau wüßte, wann er was benötigt. Der Bedarf an einem indirekten Tauschmittel wäre nicht vorhanden."

Da bin ich ganz mit Ihnen einig!
Geld ist nur in arbeitsteiligen Gesellschaften nötig. Hätten wir keine Arbeitsteilung, bräuchten wir kein Geld. Geld ist außerdem nötig, weil wir nicht alle Bilanzen unseres Handelns im Kopf behalten können. Letztlich ist das gesamte Zusammenleben der Menschen ein Balanceakt zwischen Soll und Haben: im privaten Bereich muß man das nicht aufschreiben und nicht per Geld „saldieren“, da funktioniert es auch so: Heute tu ich dir etwas Gutes, morgen du mir. Guthaben merkt man sich ebenso, wie man sich Schulden merkt.

Geld ist eine Krücke, um in der arbeitsteiligen Anonymgesellschaft bestehen zu können – es ist nichts als eine fingierte Buchhaltung für Arbeitsleistung, Ersparnis und Schuld. Die Güter und Dienstleistungen sind es, die den Ton angeben. Und der Fleiß sowie das Wollen der Menschen. Darüber aber hat auch der klügste Ökonom und der ausgefuchsteste Politiker keine Macht!

Und noch etwas: dieses Beleihen der Zukunft durch ungedecktes Fiat Money ist die Hauptursache für die Hektik, die in unser Leben gekommen ist. Zeit IST Geld! Und weil wir indirekt bestohlen werden, rennen und hasten wir, um das Leck wieder abzudichten. Doch: es wird trotzdem größer.

dickbrettbohrer, am 31. Dezember 2009 um 20:47 ( Link )

Tja, dieser Diskussionsfaden war der echte Höhepunkt dieses Jahres. Allen, die hier mitdiskutiert haben, danke und alles Gute!
See you next year ;)

Haderach, am 31. Dezember 2009 um 21:28 ( Link )

Ich wünsche auch allen Teilnehmern der tollen Diskussionen auf EF Online
einen guten Rutsch und ein gutes Jahr 2010
Möge ein wenig EF-Geist in die Hirne unserer Politiker durchsickern.

Daniel Z., am 03. Januar 2010 um 16:18 ( Link )

@GraueEminenz
Vielen Dank für Ihre Beiträge und ich kann Sie etwas beruhigen:
An meiner Hochschule werden komparative Kostenvorteile, Opportunitätskosten, real Lohn, etc. in Bezug auf Ihre Beiträge gelehrt.

Schade, dass keine Tabellen und Diagramme zur Verdeutlichung im Kommentar miteinbezogen werden können.
In diesem Sinne:

“Thousands of important and intelligent men have never been able to grasp
the principle of comparative advantage or believe it even after it was explained to them”.
Paul Samuelson

GraueEminenz, am 03. Januar 2010 um 17:31 ( Link )

Lieber Daniel Z.
komparative Kostenvorteile als Grundgesetz menschlichen Wahl-Handelns hinsichtlich alternativer Investitionen gelten natuerlich sowohl in der reinen Tauschwirtschaft (wenn auch deren Berechnung sich dort schwieriger gestaltet, wie man sieht, wenn Menschen die gegenseitigen Geschenke IN JEDEM FALL vergleichen, sich aber wohler fuehlen, wenn sie dann doch irgendwo noch ein Preisschild finden) wie in der gedeckten Geld- und in der Papiergeldwirtschaft.
Paul Samuelson war aber krasser Keynesianer, der sogar eine Art "Credo quia absurdum" vertrat, wenn er Keynes' "hare's nests" geisselte und ihn dennoch in den oekonomischen Olymp entrueckte. Friedman wiederum meinte, Oekonomie einen mathematischen Anstrich geben zu muessen etc. und beide waren befreundet, waehrend es aus von Mises einmal herausbrach: "You are all socialists".
"Oesterreicher" waren beide nicht und solche duerften sich an deutschen Hochschulen kaum finden, DENN:
Die Lehre der komparativen Kostenvorteile wird haeufigst auch auf staatliche Unternehmungen angewendet, und unterliegt damit demselben Fehlschluss wie alle, die die Unmoeglichkeit planwirtsachaftlicher Rechnungslegung nicht verstanden haben.
Case in point: die Abkehr vom "barbarischen Ueberbleibsel" der Golddeckung hin zur beliebig erweiter- und kontrahierbaren Zentralbank-Geldmenge wird gar haeufig mit DEREN komparativem Kostenvorteil begruendet ...

Heidi Wild, am 03. Januar 2010 um 19:13 ( Link )

Dafür daß Herr Eichelburg den finalen Systemzusammenbruch keineswegs nur für 2009 - sondern auch schon für ein paar vorangehende Jahre orakelt hat, läßt die Überschrift schon sehr an die Stichworte "Verdrängung" und "Rückschaufehler" denken.

GraueEminenz, am 03. Januar 2010 um 20:22 ( Link )

Heidi Wild:
Ich denke, man muss zwischen einzelnen Menschen und deren Vorhersagen und den naturgesetzlichen Entwicklungen trennen:
Wenn z.B. jemand sagt "das gibt Mord und Totschlag" in Bezug auf eine soziale Bewegung ("Die Wut waechst" etc.), dann beschreibt er eine Befindlichkeit aufgrund objektiv verschlechterter oder subjektiv so empfundener Zustaende. Und oft hat er dann nicht recht, weil die Menschen leidensfaehiger oder traeger sind als gedacht, oder aber, weil sie ihre Leiden immer noch weniger schwer empfinden als das Risiko und die Folgen von Bestrafung etc.
Historische Voraussagen sind also immer problematisch, sind es doch schon, wie ebenfalls hier im Blog oft genug anklingt, historische Rueckschauen.
Herr Eichelburg mag unrecht haben in Bezug auf die Voraussage von Zeitpunkten und daher, weil diese Prognosen unsicher sind, beteilige ich mich ungern daran.
So ist z.B. die Aussage "wenn die Waehrungsreserven des Landes X im selben Masse abnehmen, wie seit 19.., dann ist Land X im Jahre 20... pleite" richtig, uebersieht aber, dass
a) die Rate der Abnahme zu- oder abnehmen kann, was den zugrundegelegten Dreisatz aendert, und damit den Endzeitpunkt,
b) es koennte der Internationale Waehrungsfonds aushelfen u.v.a.m.
Damit ist aber ein allgemeiner Satz, dass, wenn Waehrungsreserven permanent sinken, sie irgendwann erschoepft sind, weil sie zu den endlichen Dingen gehoren, so tautologisch wahr wie unwiderleglich.
Und es ist halt ein Naturgesetz, dass sich eine Geldmenge nicht beliebig kuenstlich ausweiten laesst, ohne zum Zusammenbruch der Waehrung zu fuehren. WANN genau das ist, und was dann folgt, kann man aber kaum voraussagen.
Man kann auch nicht wissen, ob die naechste, naechste, ueber-uebernaechste Bank auch wieder oder mal wieder nicht (Lehman) gerettet werden wird und AUF WELCHE WEISE (nur Buergschaft oder direkte Beteiligung usf.).
Aber eines ist klar: seit den 30er Jahren wurde die Golddeckung der entscheidenden Waehrungen relativiert, seit 1971 existiert sie ERSATZLOS gar nicht mehr. Seit Long Term Capital Management Ende der 90er wurde eine immer noch rasantere Geldmengenausweitung losgetreten, seit 2001 eine weitere, deren versuchte Ruecknahme nach 2004 prompt SCHEITERTE, d.h. die Zentralbanken koennen nur noch NACH VORNE gehen, nicht mehr wie frueher ab und zu, auch Geld wieder zuruecknehmen. Das ist die ENDZEIT des bisherigen Finanzsystems, ein Mechanismus, der hier helfen koennte, existiert nicht, das ist Naturgesetz.
Daher muss dieses System in ABSEHBARER Zeit zusammenbrechen (ich habe ja immer vorsichtig genug formuliert, dass "wir es alle noch erleben werden"), und 2010/2011 sind kritische Jahree insofern, als da noch groessere Belastungen auf den Anleihenmarkt zukommen, als die, die gerade noch "abgewendet" wurden.
Es ist schwer vorstellbar, dass das noch lange gut geht, was man einfach am einzigen relativ UNABHAENGIGEN Indikator, dem Goldpreis sehen kann (und auch der wurde ueber Jahrzehnte bewusst manipuliert, ein gar unerhoertes Kunststueck unserer monetaeren Zauberlehrlinge!).
In Japan seit bereits dreissig Jahren, in USA und dem Rest der Welt seit ca. zehn Jahren gibt es nurmehr Stagnation, das laesst schon vermuten, dass wir vor der schlimmsten Depression der Menschheitsgeschichte stehen und sie uns nicht mehr lange warten lassen wird.
Vgl. http://www.itulip.com/forums/showthread.php?p=141535#post141535

dickbrettbohrer, am 04. Januar 2010 um 5:58 ( Link )

Das Problem ist ja, folgt man den Ausführungen von Mises, die Fehlallokation von Geld - also das Investieren leichten Geldes in unnötige bzw. schlechte (Groß)Projekte, eine Überkapazität in aufgeblähten Wirtschaftsbereichen und die Wohlstandsillusion durch immer größere Umsätze und Zahlen, hinter denen jedoch wenig bzw. nichts steht. Deshalb sollen die Leute ja kaufen, kaufen, kaufen. Doch wer mag schon all den überproduzierten Kram haben? Und wer kann ihn sich noch leisten? Das System läuft allmählich heiß und trocken.
Seit Jahrzehnten haben die im Gemeinschaftsgebäude aufbewahrten Getreidesäcke der sparsamen Zeitgenossen Löcher, aus denen die Ratten unbemerkt die Körner heraustragen. Damit man es nicht merkt, haben die klugen Tierchen Sand in die Säcke gefüllt; hebt man die Säcke an, sind sie sogar schwerer als zuvor (aha, Rendite aufs Kapital! Mein Wohlstand wächst!).

Wenn man erst einmal begriffen hat, daß Geld eine Ware wie jede andere und die Geldwirtschaft ein höchst lukratives Geschäft ist, begreift man, wieso die Papieralchimisten ihre eigene monopolisierte Staatsmarke herstellen, sie in Konkurrenz mit anderen Staaten kräftig vermehren und damit Handel treiben. Laienhaft ist damit das Boom and Bust-Treiben beschrieben. Alles, auch die Geldmenge, ist auf Wachstum angelegt, und es scheint ebenfalls ein Naturgesetz zu sein, daß das durch die Industrialisierung entstandene arbeitsteilige DENKEN der Menschen zu einem Realitätsverlust führt. Das Ursache-Folgen-Denken wird auf den Kopf gestellt. Der Arzt sagt zum Patienten: Die Ursache für den von Ihnen beklagten Haarausfall, mein Herr, ist allein Ihre Glatze!
Im Falle der Finanzen wird Wesen und Funktion des Geldes verkannt: Geld ist Erscheinungsform und FOLGE marktwirtschaftlichen Handelns, sondern umgekehrt! Florierende Wirtschaft ist NICHT die Folge von Geld und Kreditschwemme. Die Kausalitäten sind auf den Kopf gestellt, und so kommt es, daß viele Zeitgenossen ernsthaft glauben, ohne KREDIT könne kein Mensch mehr im wirtschaftlichen Sinne etwas unternehmen. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Kredit kann nur dann vergeben werden, wenn der Mensch ZUVOR etwas geschaffen hat: auf dem primitiven Markt verleiht er Dinge (Sachkredit), also etwas, das er selbst erarbeitet, konstruiert oder mittels eigenem Kapital angeschafft hat. Erst die Virtualisierung und Anonymisierung des Geldmarktes verwirrt die Hirne derart, daß man Kredit mit Wohlstandsschöpfung verwechselt.

Ein Kredit ist übrigens immer auf zukünftiges Tun gerichtet: Der Kreditnehmer verspricht, in naher Zukunft Werte zu schaffen. Während der Kreditgeber in der Vergangenheit bereits Werte geschaffen hat (siehe oben). Oder zumindest sollte dies in einer realitätsbezogenen und ehrlichen Wirtschaft so sein.
Heute aber hat der Kreditgeber keine Werte geschaffen (Fiat Money), und der Kreditnehmer hat in vielen Fällen weder die Absicht noch die Möglichkeit echte Werte zu schaffen, meist konsumiert er nur oder will sich reich rechnen. Beide, Kreditgeber als auch Kreditnehmer handeln mit Luft und versprechen einander gegenseitig Lügen: das moderne Börsengeschäft ist Handel mit Luft und leeren Worten und Zahlen.
Am Ende vergreift sich die gefoppte Geldelite mit Hilfe von parlamentarisch abgesegneten „Gesetzen“ dann an den Getreidesäcken des nichtsahnenden kleinen Mannes (siehe oben). Das ist, was kommen wird – so sicher wie die Nacht, die dem Tage folgt.

FritzLiberal, am 04. Januar 2010 um 9:32 ( Link )

@Heidi Wild: außer, dass ich die Ausführungen von GraueEminenz komplett unterschreibe - wer von den famosen, von unser aller Zwangsabgaben finanzierten Staatsökonomen hat denn die Krise besser vorhergesehen als der Autodidakt Eichelburg, der seine Informationen noch dazu kostenlos anbietet? Diese Komiker haben ja noch in der ersten Jahreshälfte 2008 von einem soliden Wachstum halluziniert.

GraueEminenz, am 04. Januar 2010 um 17:30 ( Link )

Daniel Z.:
"Schade, dass keine Tabellen und Diagramme zur Verdeutlichung im Kommentar miteinbezogen werden können."

Doch, kann man mit dem "img"-Befehl:

NOTATION siehe z.B.
http://www.w3schools.com/tags/tag_IMG.asp

Die Grafik ist entnommen:
http://mises.org/daily/4005
" Mankiw's Baseless Arguments, Mises Daily: Monday, January 04, 2010 by Robert P. Murphy "

Was ich damit gleichzeitig noch zeigen wollte (und worauf von mir und anderen hier mehrmals Bezug genommen wurde):

a) Bis in die dreissiger Jahre war die M0-Geldmenge relativ unveraendert, WEIL gold-gedeckt, aber

b) OBWOHL sie gleichblieb, hat die Wirtschaft damals stark EXPANDIERT (bis 1929), dann wieder KONTRAHIERT (nach 1929), was ein empirischer Beleg fuer die theoretische Vorhersage ist, dass GELD ALS UMLAUFSMITTEL nicht in der Menge zunehmen muss, bloss um Zinsen zahlen zu koennen (hier mehrfach befuerchtet) oder dass einer wachsenden Wirtschaft bei goldgedeckter Waehrung das Geld ausgeht!

c) Als die allgemeine Einloesungsflicht gegen Golddeckung in den dreissiger Jahren abgeschafft wurde, aber immer noch eine EINLOESUNGSPFLICHT UNTER ZENTRALBANKEN bestand, begann sie LANGSAM anzusteigen.

d) Im Zuge der inflationsfinanzierten Finanzierung des Vietnamkrieges begann sie stetig schneller anzusteigen, d.h. das Einloesungsversprechen der US Fed. waere nicht mehr voll garantierbar gewesen, und das fuehrte zum "Run" auf die Fed. (Einloeseverlangen Frankreichs).

e) Daraufhin "schloss Nixon das 'gold window'", m.a.W. die USA weigern sich seidem, Dollars gegen Gold einzuloesen (damals 35 USD/Feinunze). Damit gibt es keinen Gegenwert, an dem der Dollar gemessen werden koennte und den man erst vorher anschaffen muesste (Goldkaeufe der Zentralbanken, frueher eine Selbstverstaendlichkeit), bevor man neue HINTERLEGUNGS-Scheine, die Geld ja eigentlich darstellt, ausgibt.

f) SOFORT danach, nun jeglicher Fesseln ledig, begann die Fed. die US-M0-Geldmenge stetig und in exponentieller Weise auszuweiten, und waere die US-Hypothekenkrise nicht dazwischengekommen (die ja ohne "liar loans" und Verbriefungen wertloser Papiere und ohne credit swaps und Versicherungen aller Art fuer AAA-Bonitaet vorgaukelnde Papiere SO nicht aufgetreten waere), so waere der Prozess halt noch ein paar Jahre langsamer weitergegangen, aber NICHT VIEL LANGSAMER, DENN

g) Es ist die Natur dieser Kurven, dass sie asymptotisch gegen "Unendlich" gehen, und zwar in endlicher Zeit (das Beispiel stammt aus "Grenzen des Wachstums", wenn auch deren Argumentation nicht ganz so stichhaltig ist, denn echter REICHTUM laesst sich tatsaechlich vermehren):
Freut sich der Koenig an einem Teich mit einer Seerose. Am naechsten Tag sind es schon zwei, am Tage drauf vier, seine Freude wird im selben Mass groesser. Am Tage x ist der Teich bereits HALB BEDECKT mit Seerosen - wann wird er GANZ bedeckt sein?

Nur, wer glaubt, Geld habe nichts mit Wirtschaft zu tun, wird vor der drohenden Katastrophe die Augen verschliessen koennen. Aber, wie bei hellem Sonnenlicht, langsam sollte es auch durch geschlossene Lider scheinen, oder bedarf es dazu wirklich des Atomblitzes?

dickbrettbohrer, am 04. Januar 2010 um 20:15 ( Link )

Nachsatz:
Das Geld paßt sich der Wirtschaft an wie ein dehnbarer Mantel.
Die Wirtschaft aber wird sich niemals dem Geld anpassen können!

GraueEminenz, am 05. Januar 2010 um 10:13 ( Link )

Liebe Diskutant(inn)en:
wir drehen uns im Kreis, auf den dehnbaren Mantel wird geantwortet werden, dass, wie beim Ballon, die Haut aber mit jeder Dehnung duenner wird (bis sie "platzt" - und die derzeitigen Turbulenzen werden genau dafuer als Beleg herhalten).
Dasselbe Argument wird "uns" in physiokratischer Einkleidung ja auch vorgehalten mit dem Blutkreislauf, dessen Volumen beim Menschen ja auch vom Saeugling zum Erwachsenen zunimmt, um den gewachsenen Koerper versorgen zu koennen.

Ich habe daher Dr. Spele in Kommentar
http://ef-magazin.de/2009/12/31/1768-bankenrettung-staatsverschuldung-angriff-abgewehrt#c23640 um Aufklaerung gebeten, wie Zins"kritiker" sich denn Wirtschaftswachstum AN SICH vorstellen, da auch hier mit der Zeit "mehr" Geld benoetigt wuerde, um z.B. REAL gestiegene Unternehmenswerte durch Verkauf IN GELD erloesen zu koennen.

hoeppe, am 05. Januar 2010 um 11:13 ( Link )

Ich will in 2010 immer brav und artig sein und ich habe alles gewissenhaft gelesen.

Ich ergebe mich der Wissenschaftstheorie, die alles, die Ökonomie sowieso, ähnlich der Mathematik in meinem Hirn bewältigt. Die Freudentränen, vergossen über die wissenschaftliche Erkenntnis, trösten mich darüber hinweg, dass es, nach allem bisher erlebten, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vollkommen ausgeschlossen werden kann, dass es jemals zu der idealisierten freien Preis- und Lohnfindung, die nach Mises und Hayek für einen einwandfrei funktionierenden Wirtschaft notwendig ist, kommen wird. Ich wüsste nicht wie, ohne ein übergeordnetes freiheitsbeschränkendes Regulativ zu bemühen, dass sämtliche Störungen für die freie Preis- und Lohnfindung auf dem Markt ausschließt und ich wüsste auch nicht wozu, ohne ein weltlich kollektivistisches Wohlgefallen zu definieren.

In einer vollkommenen Welt gäbe es kein Geld, weil jeder genau wüßte, wann er was benötigt.

Ist die Welt der Pygmäen und Buschmänner also vollkommen?

GraueEminenz, am 05. Januar 2010 um 12:36 ( Link )

Ei lieber Hoeppe:
"idealisierten freien Preis- und Lohnfindung, die nach Mises und Hayek für einen einwandfrei funktionierenden Wirtschaft notwendig ist,"
IST ES NICHT - die Preise sind, wie sie sind. Alles, was deren "Findung" unterstuetzt, etwa Kartellgesetze, stammt nicht von Mises et al., sondern von den Ordo"Liberalen", die Planwirtschaftler sind.
"sämtliche Störungen für die freie Preis- und Lohnfindung auf dem Markt"
Auch das stammt nicht von Mises oder Hayek - der Markt eilt geradezu "von Stoerung zu Stoerung" in der liberalen Wirtschaftslehre. Denn, wenn ich was kaufe, verringert sich die verbleibende Guetermenge, was, von Massenguetern abgesehen (wo der Zussammenhang nicht so direkt spuerbar ist, wenn noch hunert weitere Packungen im Regal stehen), den Preis beeinflusst. Und wenn ich was gekauft HABE (und auch bezahlt ;-), dann verfuege ich ueber weniger Geld, meine Nutzeneinschaetzung gegenueber dem restlichen Gueterangebot hat sich veraendert (eine "Stoerung") und ich handle nun schon wieder anders als unmittelbar zuvor.
DAS ist die Meinung der "Oesterreicher" - die Stoerungen kommen von den Neo"Liberalen" und den Keynesianern, die, um solche zu beseitigen, erst recht welche verursachen.

hoeppe, am 05. Januar 2010 um 14:17 ( Link )

@GraueEminenz

Hä…? Sag ich doch…, Mises und Hayek verweisen darauf, dass alles, was eine freie Preis- und Lohnfindung verzerrt, eine einwandfrei funktionierende Wirtschaft untergräbt.

Nur verraten mir Mises und Co leider mit keiner einzigen Silbe - und das ist von mir aus auch das einzige klütze klütze kleine Problemchen in der schönen Theorie - wie sie diese Verzerrungen vom Markt zu verdrängen gedenken.

Nehmen wir die Löhne…., die „Rigidität“ der Löhne hinken in ihrer Flexibilität den marktrelevanten Preisanpassungen der Waren immer hinterher, was in eine deflationäre Depression führen kann. Die „Rigidität“ der Löhne ist hervorgerufen durch Gewerkschaftskartelle und all die Menschen die gerne wissen wollen, was sie am Ende des Monats in der Lohntüte haben.

Schlaue Bücher schreiben ist die eine Sache, aber wer macht die Drecksarbeit und stößt die Massen, die Faulen und die Schnorrer mit samt ihrer Lobby in das vermeintlich kalte Wasser, das nach Ösi-Theorie in Wirklichkeit das ökonomische Fruchtwasser in Muttern's Bauchhöhle darstellt.

hoeppe, am 05. Januar 2010 um 14:30 ( Link )

Hähm...?! Ich wollte in etwa das folgende sagen….

„Aufgrund ihrer Rigidität hinken die Löhne bei Preisanpassungen den Waren tendenziell immer hinterher, was in eine deflationäre Depression führen kann.“

GraueEminenz, am 05. Januar 2010 um 17:30 ( Link )

Lieber Hoeppe:
a) " In einer vollkommenen Welt gäbe es kein Geld, weil jeder genau wüßte, wann er was benötigt.
Ist die Welt der Pygmäen und Buschmänner also vollkommen?"

Das ist schon arg aus dem Zusammenhang gerissen: die praxeologische Volkswirtschaftslehre bedient sich manchmal der Methode des Ausschlusses des Gegenteils. Und dieses zitieren sie hier so, als ob damit ein Ziel einer vollkommenen Welt formuliert waere. Ist es nicht. Genauso wie die Robinsoniade dient dieses Gedankenexperiment der Welt ohne Geld dazu, etwas herauszuarbeiten, naemlich:

A) Kann es eine arbeitsteilige Welt OHNE Geld geben?
B) JA, wenn JEDER zu JEDEM ZEITPUNKT wuesste, was er JETZT und ZU JEDEM SPAETEREN Zeitpunkt jemals haben moechte, DANN koennte er theoretisch all seine Tauschpartner VORHER davon informieren, damit die sich drauf einstellen und sie darueber informieren, WAS ER in WELCHEM Verhaeltnis zu WELCHEM ZEITPUNKT dagegen zu tauschen gedaechte. Das waere die genannte "vollkommene" Welt.
C) Da man leicht einsieht, dass das gerade NICHT geht, folgt daraus, dass man einen TAUSCH UEBER UMWEG erfinden muss, um ueberhaupt arbeitsteilig voranzukommen. Und dieser UMWEG ist das UMLAUFSMITTEL Geld, das EBEN DARUM WERT besitzen muss, damit es ANSTELLE von Brot, Wein, Schuhen etc. akzeptiert wird.

Aber ich sehe ein, dass der Begriff der "vollkommenen" Welt hier in die Irre fuehrt und von "den Osterreichern" besser nicht verwendet worden waere, denn er fuehrt zu der Verwechslung, als wuerden sie ebenso wie bestimmte Utopisten eine solche geldlose Welt einer mit Geld vorziehen. Das ist natuerlich nie der Fall. Solche Gwedankenfiguren sind aber in der wissenschaft verbreitet, z.B. "in einer idealen welt gaebe es keine Luftreibung und dann wuerden Feder und Bleikugel gleich schnell fallen" etc. Newton wuerde bei einer solchen Formulierung ja nicht fuer die Abschaffung der Schwerkraft plaedieren wollen, noch wuerde ihn jemand derart missverstehen.

Die Buschmaenner haben deshalb also kein Geld (ich unterstelle das mal, weil Sie es sagen, aber eigentlich gab es Taschmittel auch schon in "primitiven" Gesellschaften), weil sie keine sehr arbeitsteilige Wirtschaft haben.

Damit wir jetzt nicht wieder abschweifen: WELCHES Geld gemeint ist, ist erstmal egal, ob ungedecktes oder gedecktes, wenn man den EINEN MOMENT des Tausches betrachtet!

b) Desweiteren befuerchten Sie, dass ohne Gewerkschaften kein auskoemmlicher Lohn zustandekaeme. Die Geschichte lehrt auch hier anderes. Vor allem aber wuerde Vollbeschaeftigung herrschen, wenn die keynesianischen Etatisten und Geldfaelscher nicht immer dazwischenpfuchen wuerden (Kurzarbeit, Abwrackpraemie, Kohlepfennig, Einspeiseverguetung etc., da reicht mittlerweile keine Klorolle mehr, das aufzulisten). Bei Vollbeschaeftigung steigt das (reale) Lohnniveau mit der Nachfrage nach Arbeitskraeften in Einklang mit der Produktivitaet. Das werden Sie natuerlich wieder anzweifeln, und wahrscheinlich kann ich hier in ef nicht ganze Buecher schreiben. Nur soviel: wer bei Einfuehrung der Arbeitsverwaltung triumphierend rumposaunte "alle Unternehmen muessen ihre offenen Stellen jetzt melden" muss einen Riesenknall gehabt haben. Davor, vor Erfindung des segenreichsten Arbeitsvermittlungsmnopols waren die Unternehmer naemlich so bloed und haben verschwiegen, wenn sie eine Arbeitskraft gesucht haben. Kein Wunder, dass sie nicht vorankamen. Dank den Sozialpolitikern seit ca. 1870 funktioniert das alles zunehmend besser ... Und dass die Arbeiter von ihrem (angeblich) gewerkschaftlich erfochtenen Lohn ueber die Haelfte deshalb wieder auf Umverteilung (Arbeitslosen"versicherung" und die Beitraege derer, die wegen Arbeitslosigkeit mitfinanziert werden muessen bei Rente, Kranken, Pflege usw.) ausgeben muessen, ist sicherlich auch ein Gewinn.

GraueEminenz, am 05. Januar 2010 um 17:38 ( Link )

„Aufgrund ihrer Rigidität hinken die Löhne bei Preisanpassungen den Waren tendenziell immer hinterher, was in eine deflationäre Depression führen kann.“

Das sind aber hoffentlich nicht die Tarifparteien, die durch auf Zeitraeume festgelegte und in Kategorien eingeteilte Tarife diese Rigitaet verursachen?

Das Argument ist ansonten falsch:

Wer weiss denn, welches Lohnniveau den Warenpreisen angemessen waere? Irgendein Markt-Daemon?

Ich sage jetzt mal: "da die Loehne in ihrer Rigditaet den Warenpreisen immer um ein, zwei Jahre VORAUSEILEN, kann das in eine Preisinflation fuehren". Genau ueberzeugend, oder etwa nicht?

hoeppe, am 05. Januar 2010 um 22:05 ( Link )

@GraueEminenz

JA, wenn JEDER zu JEDEM ZEITPUNKT wuesste, was er JETZT und ZU JEDEM SPAETEREN Zeitpunkt jemals haben moechte, DANN koennte er theoretisch all seine Tauschpartner VORHER davon informieren, damit die sich drauf einstellen und sie darueber informieren, WAS ER in WELCHEM Verhaeltnis zu WELCHEM ZEITPUNKT dagegen zu tauschen gedaechte. Das waere die genannte "vollkommene" Welt.

Der Buschmann wird Ihnen in seiner vollkommenen Welt vermutlich erklären, dass er zum jetzigen Zeitpunkt und zu einem späteren Zeitpunkt alles hat was er möchte, so wie seine Vorväter alles hatten was sie wollten und seine Kindeskinder alles haben werden was sie wollen.

Solche Gwedankenfiguren sind aber in der wissenschaft verbreitet, z.B. "in einer idealen welt gaebe es keine Luftreibung und dann wuerden Feder und Bleikugel gleich schnell fallen" etc. Newton wuerde bei einer solchen Formulierung ja nicht fuer die Abschaffung der Schwerkraft plaedieren wollen, noch wuerde ihn jemand derart missverstehen.

Schon klar…, in der Wissenschaft verbreitet…, z.B. „in einer idealen Welt gäbe es keine Markteingriffe und Preise für Waren, Arbeit und Boden würden sich frei bilden“ etc. So wie Feder und Bleikugel unter Laborbedingungen im luftleeren Raum gleich schnell fallen. Praxisrrelevanz geht gegen Null, da wir von einer Atmosphäre umgeben sind und der Markt von Eingriffen durchdrungen ist.

Die Buschmaenner haben deshalb also kein Geld (ich unterstelle das mal, weil Sie es sagen, aber eigentlich gab es Taschmittel auch schon in "primitiven" Gesellschaften), weil sie keine sehr arbeitsteilige Wirtschaft haben.

Da ist wohl was dran.

Damit wir jetzt nicht wieder abschweifen: WELCHES Geld gemeint ist, ist erstmal egal, ob ungedecktes oder gedecktes, wenn man den EINEN MOMENT des Tausches betrachtet!

Im Tausch kann nach „meiner“ Literatur nicht prinzipiell auf Geld geschlossen werden.

b) Desweiteren befuerchten Sie, dass ohne Gewerkschaften kein auskoemmlicher Lohn zustandekaeme

Ich befürchte absolut gar nichts, ich beschreibe nur was ich sehe. Unter anderem sehe ich Gewerkschaften.

Wer weiss denn, welches Lohnniveau den Warenpreisen angemessen waere? Irgendein Markt-Daemon?

Dann wäre wohl der Unternehmer dieser Markt-Daemon, denn er kalkuliert den Lohn durch irgendwelche Kaffeesatzleserei. Fakt ist dabei, dass er zwar morgen die Preise seiner Produkte beliebig senken kann, aber nicht den wie auch immer vertraglich festgelegten Lohn ohne dass seine Angestellten murren, auf’s Dach steigen oder abhauen.

hoeppe, am 05. Januar 2010 um 22:07 ( Link )

@GraueEminenz

Aber lassen wir doch das ziellose Geplänkel und gehen davon aus, dass Ihre Theorien über jeden Zweifel erhaben sind und kommen auf die entscheidende Frage zurück.

Wie gedenken Sie, die uns allen bestens bekannten Verzerrungen und Interventionen vom Markt zu verdrängen?

GraueEminenz, am 06. Januar 2010 um 0:07 ( Link )

"dass er zwar morgen die Preise seiner Produkte beliebig senken kann, aber nicht den wie auch immer vertraglich festgelegten Lohn" - das ist aber der Vertragstreue und -einklagbarkeit geschuldet, ob mit oder ohne Gewerkschaften. Die Frage waere ja, ob mit Gewerkschaft auf DAUER das Lohnniveau hoeher waere als es sich ohne sie auch bilden wuerde. Mir ist das allerdings ehrlich gesagt egal, solange Eigentumspositionen nicht so verzerrt und verdraengt werden, dass man von enteignungsgleichen Eingriffen sprechen muss.

"Wie gedenken Sie, die uns allen bestens bekannten Verzerrungen und Interventionen vom Markt zu verdrängen?"
GAR NICHT - sofern man unter VERDRAENGEN eine irgendwie gewaltsame Aktion versteht (auch eine Mehrheitsentscheidung gegenueber einer Minderheit ist eine solche). Ich setze lediglich, und darum schrebe ich hier, darauf, dass sich ein wissenschaftlich begruendeter Konsens herausbildet, der dann "irgendwann" zu einem allgemeinen Sinneswandel fuehrt.

Mag unwahrscheinlich erscheinen, aber hat schon ein paar mal funktioniert. Seit wir die Haager Landkriegsordnung haben, hat zwar der Umfang der Kriege eher zugenommen, die Zahl der Opfer jedenfalls, aber wenigstens haben die Generaele jetzt -nach aussen hin zumindest, was weiss ich- ein schlechtes Gewissen.

Viel Hoffnung habe ich also nicht, aber wenn man nicht JETZT sagt, was man glaubt zu wissen, heisst es nach dem grossen Crash wieder, das habe keiner wissen koennen und macht noch schlimmer weiter wie zuvor.

hoeppe, am 06. Januar 2010 um 11:15 ( Link )

@GraueEminenz

Vielen Dank, dass Sie immer noch dabei sind!! Wenn es an die Wäsche geht, lösen sich die anderen großen Denker hier immer auf wundersame Weise in Luft auf. Jetzt habe ich fast ein schlechtes Gewissen weiter zu machen.

GAR NICHT - sofern man unter VERDRAENGEN eine irgendwie gewaltsame Aktion versteht (auch eine Mehrheitsentscheidung gegenueber einer Minderheit ist eine solche).

Genau hier unterstelle ich dem „liberalen Denken“ eine nicht unerhebliche Mitschuld an unserer Misere. Essentielle Kategorien wie Macht und Herrschaft werden notwendiger Weise komplett ausgeblendet, weil sie die eigene Theorie ad absurdum führen.

Man überläst den anderen kampflos das Feld und sieht hilflos zu, wie im Wettbewerb der Ideen munter mit Macht und Herrschaft, Intervention und Umverteilung rumgespielt wird, weil man sich, dank der eigene Theorie, sämtlicher Werkzeuge zum gegenhalten entledigt hat.

Was bleibt ist der Nachtwächter-Staat, der auch nicht so recht ins Bild passt. Ein Nachtwächterstaat, repräsentiert von einer Gruppe bedürfnisloser Neutrums, die als einzige im gesamten Wirtschaftsraum nicht danach streben ihr Los zu verbessern und über irgendeinen mysteriösen Rahmen wachen.

Ich setze lediglich, und darum schrebe ich hier, darauf, dass sich ein wissenschaftlich begruendeter Konsens herausbildet, der dann "irgendwann" zu einem allgemeinen Sinneswandel fuehrt.

Sie degradieren den Menschen auf ein Subjekt, dass im Wettbewerb als Anbieter und Nachfrager mit andern Subjekten im Tausch auf dem freien Markt seine Bedürfnisse befriedigt und erwarten darüber einen allgemeinen wissenschaftlich begründeten Nonsens…, äh ich meine Konsens?

Man setzt mir den Floh unendlicher Bedürfnisse ins Ohr, mit dem angeblich genetisch codierten Streben mein irdisches Los ständig zu verbessern, hat aber im Falle meines Scheiterns im freien Marktwettbewerb nicht mehr zu bieten als eine privat organisierte Suppenküche an der ich mich anstellen darf. Der daraus resultierende Sinnenswandel ist doch bereits voll im Gange und im Hartz IV Lager längst angekommen.

ein schlechtes Gewissen.

Das schlechte Gewissen brauchen Sie aber natürlich nur um den freien Markt, wie auch immer, zu konstituieren. Danach wird der regulative Wettbewerbsnachteil des schlechten Gewissens durch die unsichtbare Hand des Marktes ersetzt.

Viel Hoffnung habe ich also nicht,

Wo soll auch Hoffnung herkommen die ausschließlich auf unser ärmliches weltliches Dasein zielt? Am letzten Montag war ich das erste Mal in meinem Leben in einer katholischen Messe, da einer meine Kollegen mit 42 Verstorben ist. Da war Hoffnung, in Massen und ohne Ende! Lieferung freihaus bis Bordsteinkante. Den Weg bis in die eigene Bude muss man natürlich alleine bewältigen. Mit dem rational wissenschaftlichen Klotz am Bein kommt man dabei natürlich nicht weit.


aber wenn man nicht JETZT sagt, was man glaubt zu wissen

Ihr vermeintliches Wissen nützt nur nichts, weil es sich, wie aufgezeigt, jeglicher Mittel beraubt um sich in der Wirklichkeit zu entfalten.

heisst es nach dem grossen Crash wieder, das habe keiner wissen koennen und macht noch schlimmer weiter wie zuvor.

Sehe ich genau umgekehrt. Wie nach 45 werden mein Kinder fragen „Papa warum hast du nichts unternommen? Es war doch alles so offensichtlich“.

Ob Sie dann mit Ihrem Wissen um Mieses und Hayek bei unseren Enkelkindern einen Blumentopf gewinnen wage ich aus den oben genannten Gründen zu bezweifeln. Aber vielleicht versucht man sich ja an Ihrer Theorie und Ihre Vorahnung vom „schlimmer als zuvor“ bewahrheitet sich gleich mit.

GraueEminenz, am 06. Januar 2010 um 13:56 ( Link )

Lieber Hoeppe,
"Essentielle Kategorien wie Macht und Herrschaft werden notwendiger Weise komplett ausgeblendet, weil sie die eigene Theorie ad absurdum führen.
Man überläst den anderen kampflos das Feld und sieht hilflos zu, wie im Wettbewerb der Ideen munter mit Macht und Herrschaft, Intervention und Umverteilung rumgespielt wird, weil man sich, dank der eigene Theorie, sämtlicher Werkzeuge zum gegenhalten entledigt hat."

Kampflos? Ein Kampf kann mit Worten als Ausdruck von Gedanken m.E. ebenso gefuehrt werden wie mit Waffen.
Meiner Anschauung nach ist die Geschichte mehr eine der Ideen, siehe unseren technischen Fortschritt, wo man das "mit Haenden greifen" kann, als ein Waffengang.
Damit meine ich: WAS BLEIBT, sind regelmaessig die Ideen, waehrend die (physischen) Aggressoren mit ihren Waffen nicht nur das Zeitliche segnen, sondern auch nur zerstoeren, nicht aufbauen. Nur das Erbaute wird von den kommenden Generationen noch bestaunt, die Zerstoerungen irgendwann untergepfluegt (Truemmer-Verwertungs-Gesellschaft, "Monte Scherbellino" etc.).
Das Dilemma ist und muss sein, dass Liberale nicht eine Gesellschaft fussend auf freiwilligem Austausch fordern koennen und sie gleichzeitig mit Gewalt herbeifuehren. Auch die Sozialisten/Kommunisten/Anarchisten haben ja als ENDZIEL eine klassenlose, gewaltfreie und freiheitliche Gesellschaft, nur im Moment muesse man eben noch ein paar zu ihrem Glueck zwingen.
Kurzum: da ich meine, diejenigen, die mit Zwang ihren Willen durchsetzen wollten, sind bisher gescheitert, werden das auch Schaeuble, Nahles oder Steinbrueck tun. Vielleicht nicht in meinem Leben, aber dass Macht oder Gewaltanwendung in meiner Lebensspanne dann SCHNELLER ODER DAUERHAFTER zum Erfolg fuehrten hin zum liberalen Nachtwaechterstaat, das vermag ich ebensowenig zu sehen, also schreibe ich (nur).

GraueEminenz, am 06. Januar 2010 um 14:01 ( Link )

"Wie nach 45 werden mein Kinder fragen "Papa warum hast du nichts unternommen? Es war doch alles so offensichtlich'".
Ein leider inzwischen verstorbener Freund der Anti-AKW-Szene, der wegen seiner strikt rechtsstaatlichen Kampagnen angegriffen wurde, pflegte auf so etwas immer zu antworten: "Bomben schmeissen ko i immer no."
Was ich derzeit beobachte und bekaempfe ist ja kein Hitler-Staat. Kommt es dazu, werde ich auch weniger in Foren zu finden sein ... Ich denke, Elsner war der Einzige, der Methode wie Zeitpunkt richtig erkannt und gewaehlt hat, Denkmaeler setzt man dagegen anderen.

GraueEminenz, am 08. Januar 2010 um 17:35 ( Link )

Siehe auch

http://ef-magazin.de/2009/11/15/1645-gutes-geld-schlechtes-geld-der-papiergeldschwindel#c23874

ff.

GraueEminenz, am 21. Januar 2010 um 21:02 ( Link )

Fuer alle, die weiterhin Interesse an meinen "Kommentaren zur (Un)Zeit" haben, bin ich nun hier zu finden:
http://crisismaven.wordpress.com/
"Crisismaven's Blog -
Real and Potential Crises Past and Present".

Fabio Bossi, am 21. Januar 2010 um 21:40 ( Link )

Wow...Bin schon sehr gespannt! Schade, daß es nicht auf deutsch ist, die deutsche Bloggosphäre ist ärmer an solchen Seiten.


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