Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Eine Weihnachtsgeschichte aus Österreich: Neulich in Wien gegenüber dem Wirtshaus

von Andreas Tögel

Eine weniger kriminelle Gesellschaft ist möglich

Die mit einer Sturmhaube vermummte und mit einem massiven Schraubenzieher ausgerüstete Person betritt um die Mittagszeit ein Waffengeschäft im Zentrum von Wien. Dass der zu dieser Zeit menschenleere Verkaufsraum mit Videokameras überwacht wird, entgeht dem Subjekt, das es offenbar auf die Kasse abgesehen hat. Der in einem vom Verkaufsraum abgetrennten, hinteren Bereich des Lokals befindliche Filialleiter glaubt zunächst an den üblen Streich eines Freundes oder Kollegen, als er sieht, wie die Person sich – auf dem Boden robbend – dem Verkaufspult nähert, auf dem die Kasse steht. Rasch wird ihm indessen klar, dass er gerade Zeuge einer kriminellen Handlung wird. Er ergreift geeignete Maßnahmen zu deren Abwehr. Diese bestehen darin, sich eine Pistole (Glock 17, man hat ja Sinn für Qualität) zu greifen, mit ein paar Patronen aufzumagazinieren und sich auf leisen Sohlen in den Verkaufsraum zu pirschen. Der ungebetene Gast, ganz auf die verlockende Beute konzentriert, bemerkt nicht, dass der Filialleiter mittlerweile hinter seinem Rücken Aufstellung genommen und ihm den Fluchtweg zur Tür abgeschnitten hat. „Hände hoch!“

Der verdutzte Eindringling lässt vor Schreck sein mitgebrachtes Utensil fallen. Er muss sich seiner Sturmhaube entledigen und der Schädel eines 16jährigen, männlichen Türken kommt zum Vorschein.

Die folgenden Szenen passen gut nach Wien und sind als „kafkaesk“ zu bezeichnen. Auf dem Weg nach vorne hat der Filialleiter nämlich in der Aufregung nicht daran gedacht, sein Telefon mitzunehmen. So steht er nun vor dem Problem, nicht nach der Polizei rufen zu können, ohne den strammen Levantiner aus den Augen zu lassen, oder sich gar der Gefahr auszusetzen, von diesem am Ende noch attackiert zu werden. Ein Blick auf die Straße zeigt das in einem solchen Fall – Murphy´s Law getreu – zu erwartende Bild: kein Mensch da. Im gegenüberliegenden Wirtshaus reagiert man nicht auf Zurufe und heftiges Gestikulieren. Da fasst der Filialleiter den beherzten Entschluss, zusammen mit dem Eindringling, der mit vorgehaltener Waffe in Schach gehalten wird, die Straße zu besagtem Wirtshaus zu überqueren und von diesem aus die Polizei rufen zu lassen. Die trifft kurze Zeit später auch prompt ein – in einer Stärke von immerhin acht Mann (die Türken haben uns Wienern ja mehr als einmal demonstriert, wie gefährlich sie sind) und ziehen mit dem verhinderten Entreicherer ab.

Dass der Geschäftsmann nun dreieinhalb Stunden damit verbringt, der Polizei den Sachverhalt zu schildern (und in dieser Zeit das Geschäft – umsatzfrei – versperrt bleibt) ist sein Pech. Dass er am Abend des betreffenden Tages von der Kriminalpolizei darüber informiert wird, dass der Eindringling vom zuständigen Justizorgan freigelassen wurde (es ergeht lediglich eine Anzeige wegen versuchten „Einschleichdiebstahls“) ist mit dem Begriff „Pech“ allerdings nicht mehr angemessen zu beschreiben. Der Umstand, dass der Täter – wenn auch nur mit einem Schraubenzieher – bewaffnet war, ist offenbar unerheblich. Die Frage, was wohl passiert wäre, hätte nicht der Filialleiter den Eindringling überrascht, sondern es sich gerade umgekehrt verhalten, wird gar nicht erst gestellt. So ist es halt lediglich eine „kleine Blödheit“, die jedenfalls nicht dazu ausreicht, um den wackeren Jüngling in Gewahrsam zu nehmen. Aus Sicht des österreichischen Steuerzahlers wäre es sehr zu begrüßen, wenn er – noch vor seinem Prozess – die ihm gebotene Gelegenheit wahrnähme, ins schöne Anatolien zu entkommen.

Von Steuern lebende Anhänger der Kulturbereicherungstheorie indessen werden wohl eher die Ansicht vertreten, dass ein 16-Jähriger, der am hellichten Tag ein Waffengeschäft mit einem Schraubenzieher bewaffnet zu überfallen beabsichtigt (selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung!), sicher zu den schönsten Hoffnungen Anlass gibt, sich dereinst zu einer tragenden Säule unserer Gesellschaft zu entwickeln…

Dass Politik und Justiz augenscheinlich – immer wenn es um die Interessen integrer Bürger geht – konsequent auf Seiten deren Feinde steht, ist hierzulande nichts Neues. Dass man rechtschaffenen Bürgern mit Hilfe der Waffengesetzgebung systematisch die Möglichkeit zu einer effektiven Gegenwehr gegen Kriminelle nimmt, ist offensichtlich. Dass – nach dem geschilderten Vorfall – „Experten“ der Polizei das Verhalten des Filialleiters kritisieren, weil dieser eine „Eskalation“ der Situation geradezu heraufbeschworen habe, passt ins Bild. Dass dieselben „Experten“ jedermann (sei es einem zur Tatzeit anwesenden Einbruchsopfer, einem Vergewaltigungsopfer, dem Opfer eines Raubüberfalls, etc.) immerzu empfehlen, nur ja keinen Widerstand zu leisten, davonzulaufen, sich schlafend oder tot zu stellen, um keinen Preis jedenfalls den Täter oder die Täterin irgendwie zu verärgern, ist bezeichnend. Dass die (durch die Bank linke) Journaille darauf konditioniert ist, planmäßig Opfer und Täter zu vertauschen, ist man gewöhnt. So verwundert im vorliegenden Fall auch die groteske Frage eines Journalisten nicht, wie denn ein Geschäftsmann überhaupt dazu käme, eine scharf geladene Waffe auf jemanden zu richten, wo doch bekanntlich der Staat über das Gewaltmonopol verfüge. Allerdings ist es bei uns mittlerweile so, dass selbst die Polizei lieber einmal wegschaut oder dummerweise zu spät am Tatort erscheint, um einer (womöglich die Karriere behindernden) gewaltsamen Konfrontation auszuweichen.

Was für eine Gesellschaft ist das, in der wir leben? Verbrecher mit unantastbaren Rechten auf Unversehrtheit und deren auf gesetzlichem Wege wehrlos gemachte, unentwegt verhöhnte Opfer – ist das das Ideal des postmodernen europäischen Wohlfahrtsstaates?

Wie klar, wie einleuchtend und wie „normal“ erscheint dagegen das in vielen US-Bundesstaaten geltende „Stand Your Ground Law“, das unmissverständlich außer Streit stellt, dass Recht dem Unrecht nicht zu weichen hat. Da ist keine Rede vom kindischen davonlaufen oder „tot stellen“. Wer etwa in Florida, wo man als erstes diese Regel eingeführt hat, in fremder Leute Rechte eindringt, hat mit massiver – auch mit tödlicher – Gegenwehr zu rechnen. Abseits theoretischer Überlegungen ist die praktische Bedeutung dieser „naturrechtlichen“ Regel nicht zu übersehen: Wo immer das Notwehrrecht großzügig formuliert und das Risiko eines Angreifers damit erhöht wird, geht die Zahl der Verbrechen gegen Leib und Leben zurück. Das auf dem Weg der Entrechtung von anständigen Bürgern zugunsten gewalttätigen Gesindels am weitesten vorangeschrittene Großbritannien liefert den anderen Beweis dafür; dort explodiert die Kriminalität.

25. Dezember 2009

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