Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Ökonomie: Wirtschaftsanalysen gestern und heute

von Andreas Tögel

Wilhelm Röpke neu gelesen

Öfter als einmal wurde von verschiedenen Autoren dieser Plattform bereits die Problematik der Begriffsumwertung auf dem Feld der Ökonomie thematisiert. Immer wieder wird von Redakteuren der Mainstreammedien „Deregulierung“ beklagt, wo doch faktisch die eiserne Hand des Staates immer fester zupackt. Laufend kann man vom angeblich tobenden „Turbo- oder „Casinokapitalismus“ hören oder lesen, wo radikale staatliche Regulative sich wie Mehltau über das wirtschaftliche Handeln legen, eine rigorose Umverteilungspolitik jede individuelle Anstrengung und Verantwortung lähmt oder zerstört und stattdessen die ganz und gar unproduktive Existenz von Verwaltern, Kontrolleuren, Umverteilern und intellektuellen Staatsapologeten zum erstrebenswerten Ideal stilisiert wird. Vom Staat rücksichtslos ausgebeutete Leistungsträger und kritische Beobachter dieser Tendenz könnten – so sie nicht über den unerschütterlichen Optimismus des Betreibers dieser Plattform verfügen – angesichts der progressiv fortschreitenden Zerstörung letzter Reste individueller Freiheit durch die Bürokratie glatt verzweifeln.

Ein paar, wie es scheint, hochaktuelle Zitate dazu: „Von einem Regime, das sich keinen Deut um die Freiheiten und Rechte seiner eigenen Untertanen kümmert, kann man keinen Respekt vor den Freiheiten und Rechten anderer Nationen erwarten.“ – „Wir haben festgestellt, dass die moderne Massengesellschaft und die moralische Auflösung die Hauptvoraussetzungen für die soziale Katastrophe sind, die sich in der Struktur der totalitären Gewaltherrschaft manifestiert.“ – „Wenn immer weitere Schichten sich der Willkür der Bürokratie und der vom Staat geduldeten oder gar begünstigten Machtgruppen ausgeliefert fühlen, so entsteht ein politisch wie wirtschaftlich höchst gefahrvoller Zustand.“ – „…dass Kollektivismus notwendigerweise nicht nur die Ideale der Ergiebigkeit, Stabilität und Gerechtigkeit verletzt, sondern auch einen totalitären Staat zur Voraussetzung hat.“ – „Wie das Monopol ist auch eine Politik der Subventionen, die einzelne Produzenten auf Kosten aller anderen Vorteile gewährt, grundsätzlich als eine Verfälschung des Leistungswettbewerbs zu bezeichnen.“ – „Es muss ohne Scheu angesprochen werden, dass zu den monopolistischen Störungen der Marktwirtschaft nicht zuletzt auch die Gewerkschaftspolitik gehört, umso mehr, als die wenigsten von ihr zu sprechen wagen.“

Besonders zeitgemäß erscheint folgendes: „Solche zentral wichtigen Bereiche des Wirtschaftsleben, die unbedingt von kollektivistischen Eingriffen frei zu lassen sind, sind vor allem der Außenhandel, der Devisenmarkt und der Kapitalmarkt.“ – „…dass man sich heute hüten muss, die Marktwirtschaft für Störungen und Stockungen verantwortlich zu machen, die im Gegenteil aus einer unvollständigen Marktwirtschaft zu erklären sind.“

Klingt, als wäre es gerade gestern geschrieben worden – oder? Ist es aber – Sie ahnen es bereits – nicht! Es handelt sich vielmehr um von Wilhelm Röpke, einem der Architekten des „Deutschen Wirtschaftswunders“, zu Papier gebrachte Ausführungen aus Vorträgen mit den Titeln „Soziologie des Totalitarismus“ aus dem Jahr 1947 und „Ist die deutsche Wirtschaftspolitik richtig? Analyse und Kritik“ aus dem Jahr 1950. Erstaunlich, wie sehr die Verhältnisse einander gleichen…

Nun könnte man sich – angesichts der Tatsache, dass (Wirtschafts-)Geschichte sich offenkundig laufend wiederholt und dieselben Fehler von mehr oder weniger demokratischen Regimes wieder und wieder gemacht werden – die Haare raufen. Der Wille der politischen Kaste zur Macht und deren systematische Selbstüberschätzung, ihre von beratenden „Experten“ genährte, größenwahnsinnige Anmaßung von Wissen, sind offensichtlich stärker als jede noch so unmissverständlich erteilte Lehre der Geschichte, wonach zentral geplante Ökonomien zwangsläufig und ausnahmslos ins Desaster führen.

Andererseits aber liegt in dem Umstand etwas ungemein trostreiches, dass Röpke, nach der lange währenden Phase zentraler, national-sozialistischer Wirtschaftslenkung sowie einer nicht minder rigorosen Regulierung durch die Siegermächte nach dem Kriege, nicht nur diesen erhellenden Text verfassen konnte, sondern dass es auch möglich war, durch eine entschlossene Rückkehr zu den Idealen des Wirtschaftsliberalismus Deutschland aus dem kollektiven Elend zu einem neuen „Wirtschaftswunder“ zu führen.

Was in den 50er-Jahren schon einmal gelungen ist; die Abkehr vom Sozialismus – warum sollte die nach dem absehbaren Kollaps des Experiments des kollektivistischen Wohlfahrtsstaates nicht noch einmal klappen?!

Noch ein Zitat aus der oben genannten „1950er-Analyse“ Röpkes: „Es ist anzustreben, das Proletariat im Sinne einer freien Klasse von Beziehern kurzfristigen Lohneinkommens zu beseitigen und eine neue Klasse von Arbeitern zu schaffen, die durch Eigentum, Reserven, Einbettung in Natur und Gemeinschaft, Mitverantwortung und ihren Sinn in sich selbst tragende Arbeit zu vollwertigen Bürgen einer Gesellschaft freier Menschen werden.“

Natürlich ist das eine an Deutlichkeit nichts zu wünschen offen lassende Kampfansage an die Sozialisten (in allen Parteien), deren ausschließliche Geschäftsgrundlagen im materiellen Mangel und dem daraus resultierenden Neid ihrer Klienten bestehen…

13. Dezember 2009

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