André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Broders Symmetrieansatz ist bedenkenswert: Islam und Westen, Auge um Auge, Tit-for-tat

von André F. Lichtschlag

Der Weg in den (Bürger-) Krieg

„Spiegel“- und „Welt“-Ausnahmejournalist Henryk M. Broder hat zum Schweizer Minarett-Entscheid im Vergleich zu seinen Schnarchnasen-Kollegen mal wieder den originellsten Kommentar publiziert.

Broder betrachtet das Gestammel der Gutmenschen-Kollegen als „luschtig”. Die Schweizer, so Broder, „sind die erste europäische Nation, die sich in einer freien Abstimmung gegen die Islamisierung ihres Landes entschieden hat“. Es sei tatsächlich eine Abstimmung gegen eine bisherige „Asymmetrie“, denn „Moslems dürfen in Europa Gebetshäuser bauen, Christen in den arabisch-islamischen Ländern dürfen es nicht. In Afghanistan und Pakistan droht Konvertiten die Todesstrafe, Touristen dürfen nach Saudi-Arabien nicht einmal Bibeln im Gepäck mitführen.“ Das, so Broder, „sind Zustände, die nicht toleriert werden können“. Nun sei die Zeit für das alte jüdische „Tit-for-tat-Prinzip“ gekommen: „So wie zwischen den Regierungen Slots für die Fluggesellschaften ausgehandelt werden, werden jetzt auch Landerechte für den Bau von religiösen Einrichtungen vereinbart. Wenn es in Bonn eine König-Fahd-Akademie geben kann, die nicht der Schulaufsicht untersteht, muss es in Riad oder Jedda eine Evangelische, eine Katholische oder eine Akademie für Theorie und Praxis des Atheismus geben können. Wenn iranische Frauen in Vollverschleierung durch München flanieren können, müssen europäische Frauen in der Kleidung ihrer Wahl durch Teheran oder Isfahan gehen dürfen, ohne von den notgeilen Greifern der Sittenpolizei belästigt zu werden.“

Das alles sei so „ganz einfach“ wie seine Kandidatur zum Vorsitzenden des Zentralrates, „einer muss nur den Anfang machen“.

Vieles spricht für Broders Provokation. Denn zweifellos ist die genannte „islamische Asymmetrie“ bezüglich Religionsfreiheit gegeben, und dass sie bislang von den Kollegen der Mainstreampresse nicht thematisiert wurde, ist ein Skandal. Tatsächlich ist nun das Schweizer Minarettverbot der erste Versuch einer ausgleichenden „eigenen Asymmetrie“.

Schließlich ist es immer einfacher, mit dem politischen Werkzeug zurückzuschlagen als das gemäß eigenem liberalen und christlichen Selbstverständnis angemessene ökonomische und persönliche Mittel zu bemühen. Es bleibt die alte Frage: Was unterscheidet den nach eigenem Bekunden Toleranten vom Intoleranten, wenn er dessen Intoleranz gegen ihn selbst wendet? Sollten wir dann nicht besser gleich alle zum Islam konvertieren und umgekehrt?

Entschieden schöner wäre, das Abendland bliebe seinen eigenen Werten treu, statt sie zu verraten. Daher ein anderer Vorschlag: Broders einflussreiche Arbeitgeber könnten zur Abwechslung mal mit den Berichten über Christenverfolgungen in arabischen Ländern beginnen. Oder ARD und ZDF könnten thematisieren, dass seit dem 1. Januar 2000 nahezu alle Kinder türkischer Eltern von Geburt an Deutsche sind. Ein Faktum über viele momentan heranwachsende und statistisch bereits deutsche Mitbürger, das vielen Abstammungsdeutschen kaum bewusst ist, wurde das Gesetz doch in etwa so heimlich eingeführt wie die Einwanderungspolitik von Beginn an systematisch geplant und betrieben wurde. Das gar nicht mehr so neue Staatsbürgerschaftsrecht jedenfalls könnte sich in ein paar Jahren als Meilenstein auf dem Weg zum Bürgerkrieg erweisen, dann nämlich, wenn der Sozialstaat endgültig zusammenbricht, der all das Prekariat angezogen, herausgebildet und zielgerichtet vermehrt hat, das nicht nur den Schweizern langsam zu teuer wird.

Oder wie wäre es, wenn die empörten Deutschen und Schweizer zur Abwechslung Urlaubsländer wie Ägypten meiden oder begännen, Waren aus entsprechenden Ländern zu boykottieren? Das wäre zwar für jeden Einzelnen unbequemer, aber es würde auch nicht den eigenen Anspruch verraten. Und die Methode könnte zielführender sein als auch hierzulande die Religionsfreiheit zu beschneiden.

Aber wenn schon Broders rabiates politisches Mittel – das wie gesagt im Ansatz, sich gegen Unverschämtheiten und Provokationen zu wehren, ja durchaus nachvollziehbar ist –, dann bitte auch konsequent: Irakische und afghanische Truppen dürfen nach kleineren dortigen Gefechten und Bombardements in Berlin und Washington stationiert werden und auch der Iran darf natürlich Atomwaffen bauen. Abschreckung ist machbar, Herr Nachbar. Oder auch: „Tit-for-tat“.

Internet

Henryk M. Broder: Kommentar zum Minarettverbot. Einer muss den Anfang machen

30. November 2009

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