Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Selbsthilfe und Krisenbewältigung: Was tun, wenn es kracht?

von Andreas Tögel

Optimisten investieren in Gold; Pessimisten in Konserven

Die Zeichen der globalen Wirtschaft stehen weiterhin auf Sturm. Wie von einigen „Gold-Bugs“ schon vor Monaten vorausgesagt wurde, strebt der Goldpreis nunmehr beschleunigt nach oben, nachdem er die magische 1.000-Dollar-Barriere überschritten hat. Nie zuvor mussten mehr Dollars für eine Unze des gelben Edelmetalls in die Hand genommen werden. Auch in Euro steht wohl noch dieses Jahr ein neues Allzeithoch an. Parallel dazu ziehen auch die Kurse für Platin und Silber kräftig an. Offensichtlich beginnt – nach den großen institutionellen Anlegern – auch Otto Normalverbraucher zu begreifen, dass es dauerhaft nicht ohne negative Auswirkungen auf die Kaufkraft bleiben kann, wenn die Notenpressen beidseits des Atlantiks unentwegt auf Hochtouren laufen.

Während viele Industriebetriebe – dank der im inflationsgetriebenen Boom aufgebauten Überkapazitäten – schwer zu kämpfen haben (Autobranche und Maschinenbau liegen völlig darnieder, ein Neubau von Frachtschiffen findet kaum noch statt und der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit in den USA und in der EU steht vermutlich erst 2010 ins Haus) präsentiert sich der Bankensektor, dank seiner weltweit erprobten Komplizenschaft mit der völlig moralfrei handelnden Politelite, schon wieder guten Mutes. Kein Wunder, denn wer – wie die „Systembanker“ – sicher sein darf, dass wirklich jeder seiner Spekulationsverluste aus Steuergeldern ersetzt wird; wessen Überleben auf fremder, ungefragter Leute Kosten garantiert wird, während er allfällige Gewinne nicht mit seinen unfreiwilligen Sponsoren zu teilen braucht, hat leicht lachen.

Die rund um den Globus betriebene, das Phänomen des „Moral Hazard“ begünstigende, Finanzpolitik wird uns teuer zu stehen kommen. Denn so wie man Feuer nicht mit Brandbeschleunigern löscht, so beendet man eine durch zu viel Liquidität verursachte Fehlentwicklung nicht durch noch mehr Liquidität. Strukturelle Verwerfungen behebt man nicht mit der Notenpresse. Aber versuchen Sie den Nationalökonomen oder Banker zu finden, der dieser Einsicht zugänglich ist!

Natürlich verfügt der Einzelne über keine aktiven Möglichkeiten, sich der zwischen fahrlässig und betrügerisch chargierenden Politik von Regierungen und (Noten-) Banken zu widersetzen. Schließlich bildet das Geld – auf dessen Produktion der Einzelne keinen Einfluss hat – eine wesentliche Grundlage jeden Wirtschaftens in einer entwickelten Ökonomie. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten, wenigstens sein bereits geschaffenes Vermögen zu verteidigen. Wer also – wie viele Vertreter der „Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre“ - ein (Hyper-) Inflationsszenario kommen sieht, wird sich, so weit es geht, aus dem Papier zurückziehen und selbst wegen der derzeit hohen Preise nicht vor dem Kauf von Edelmetallen zurückschrecken. Denn soviel ist klar: Auch im allerschlimmsten Fall kann man mit einem Investment in physisches Gold nur einen Teil seines Vermögens verlieren. Kommt es aber tatsächlich zu einer Hyperinflation, werden nominell auf Fiat-Money lautende Anlageformen wie Sparkonten, Staatsanleihen oder Lebensversicherungen zu 100 Prozent wertlos. Dem Anleihensparer, der sich über die 2007 und 2008 eingetretenen Verluste von „gierigen“ Aktienbesitzern lustig gemacht hat, würde in einem solchen Fall das Lachen rasch vergehen.

Zunächst sollte Klarheit über die zu erreichenden Ziele bestehen. Steht lediglich die Vermögenssicherung im Mittelpunkt oder denkt man an die Sicherung des bloßen Überlebens in einem nach Währungsverfall und Staatsbankrott herrschenden Chaos?

Für den ersteren Fall scheint eine Strategie der Risikostreuung über sichere Anlageklassen am besten geeignet zu sein. Gold und Silber (zur Vermeidung von Prägkosten in möglichst großen Einheiten – etwa in Kilobarren. Bei Silber sind überdies die länderweise unterschiedlichen MWSt.-Sätze zu beachten!) und Immobilien bieten das höchste Maß an Sicherheit. Immobilienbesitz – das sollte indessen nicht übersehen werden – bedeutet immer die Gefahr der (partiellen) Enteignung durch den Fiskus! Stichwort: Zwangshypotheken (etwa zur Unterlegung neuer Zahlungsmittel nach einer Währungsreform). Man sollte Lehren aus der Geschichte ziehen: Gold ist im Vergleich zu Grund und Boden relativ leicht fremdem Zugriff zu entziehen, transportabel, hat seine Kaufkraft zu keiner Zeit je verloren und war in Krisenzeiten faktisch immer die beste Lebensversicherung.

Hält man einen totalen Systemabsturz für möglich, sind zusätzliche Maßnahmen gefragt. Eine eingehende Beschäftigung mit den Ereignissen in der Weimarer Republik 1922/23 oder in Argentinien zur Jahrtausendwende zeigen, womit in solchen Fällen zu rechnen ist. Der Umstand, dass der Mehrzahl der heute in Euroland Lebenden derartiges nie passiert ist, ist keine Garantie dafür, dass es nicht schon demnächst so oder so ähnlich kommen könnte – auch wenn es, dank des erprobten Geschicks beamteter Sozialingenieure und Finanzpolitiker vielen undenkbar erscheint.

Über eigene Energie- oder Wasserversorgung nachzudenken, dürfte zu weit gehen. Der Kauf von Notstromaggregaten oder der Bau von Tiefbrunnen kann wohl unterbleiben. Die vorhandene Infrastruktur wird auch im Fall der Fälle kaum zusammenbrechen. Allerdings ist in einem Umfeld, in dem der Staat unter der Last seiner Schulden kollabiert ist, zumindest für einen Zeitraum von einigen Monaten mit schlimmen, möglicherweise sogar bürgerkriegsartigen Ausschreitungen zu rechnen. Ein Staatsbankrott bringt nämlich mit sich, dass Hunderttausende vom Sozialstaat auf den gegenleistungsfreien Konsum von Transferleistungen konditionierte ZeitgenossInnen – bei Ausbleiben der gewohnten Zahlungen – wohl dazu übergehen werden, sich selbst zu holen, was ihnen vermeintlich zusteht. In einer solchen Lage werden zuverlässig politische Brandstifter auf der Bildfläche erscheinen, die Sündenböcke kennen, bei denen es etwas zu holen gibt. Wer dann über solide Türen und vergitterte Fenster verfügt, ist gut vorbereitet. Wer dazu noch einen für mehrere Wochen reichenden Lebensmittelvorrat sein Eigen nennt, ist zu beneiden. Und wer dazu auch Waschmittel und Hygieneartikel (die in jeder Mangelwirtschaft schwer zu beschaffen sind) gelagert hat, ist zu beglückwünschen! Ein im Zusammenhang mit Strategien zur Krisenvorsorge kolportierter Kalauer lautet: „Optimisten investieren in Gold; Pessimisten in Konserven!“ Tatsächlich: Wenn der marodierende Pöbel durch die Straßen zieht, ist es vorteilhaft, daheim bleiben zu können...

Auf obrigkeitliche Vorsorgen für den Fall einer ernsten Versorgungskrise sollte man jedenfalls nicht setzen. Weder gibt es staatliche Lebensmittellager noch eine Verteilungsstruktur. Nach dem Staatskollaps gilt: Jeder ist sich selbst der Nächste.

Internet

Tipps zur Bevorratung 1

Tipps zur Bevorratung 2

29. November 2009

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